Der Aufstieg durch verschneite Landschaften fernab vom Lärm der Lifte und den Schlangen an den Hütten – genau dieses Gefühl ist es, wofür Skitourengeher auch stundenlange, schweißtreibende Aufstiege in Kauf nehmen. Skitourengehen erlebt in den letzten Jahren einen enormen Boom, und das ist kein Wunder, denn es gibt dir eine unglaubliche Freiheit, die Berge auf deine eigene Weise zu erkunden. Sobald du jedoch die Sicherheit der präparierten Pisten verlässt, betrittst du unberechenbares Hochgebirgsgelände, wo dein Wissen, deine Demut und vor allem die richtige Ausrüstung entscheidend sind.
Die Bewegung im freien Gelände ist wunderschön, aber sie verzeiht keine Fehler und erfordert gründliche Vorbereitung. Die Natur fragt nicht, ob du zum ersten Mal auf Fellen unterwegs bist, und deshalb ist es absolut entscheidend zu wissen, wie man sich in den Bergen sicher verhält. Dieser Ratgeber gibt dir die Grundlagen – von der Ausrüstung über das Lesen des Lawinenlageberichts bis hin zu den Regeln, die in den Bergen einfach gelten und Punkt.

Zusammenfassung für diejenigen, die keine Zeit haben, den ganzen Artikel zu lesen
- Die heilige Dreifaltigkeit ist Grundlage: Geh niemals ins freie Gelände ohne LVS-Gerät, Sonde und Metallschaufel.
- Die meisten Unfälle drohen bei Stufe drei: Bis zu 47 % aller Lawinenunfälle ereignen sich bei Lawinenwarnstufe 3, die Menschen oft fatal unterschätzen.
- LVS-Gerät gehört unter die Kleidung: Das Piepsgerät musst du sicher am Körper befestigt haben und während der gesamten Tour muss es im Sendemodus eingeschaltet sein.
- Aufstieg auf der Piste hat klare Regeln: Laut FIS-Regel Nummer 7 darf man nur ganz am Pistenrand und immer hintereinander aufsteigen.
- Im Riesengebirge gelten strenge Verbote: Die Durchführung von Massenveranstaltungen (einschließlich Lawinenkursen) ist im Gebiet des KRNAP gesetzlich ohne vorherige Ausnahmegenehmigung verboten.
- Lies den Lawinenlagebericht: Studiere vor jeder Tour detailliert den Bericht des Bergrettungsdienstes, der das aktuelle Schneeprofil und Wetter bewertet.

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12 Dinge, die du vor der ersten Tour wissen musst
Schauen wir uns gemeinsam die zwölf wichtigsten Punkte an, die dich auf deine ersten Skitourenschritte vorbereiten. Du erfährst, welche Ausrüstung du brauchst, wie du die Signale der Berge liest und wo du mit dem Training beginnen kannst, damit du diesen wunderbaren Sport in absoluter Sicherheit genießen kannst.

1. Was ist Skitourengehen und wie unterscheidet es sich von Pisten
Skialpinismus, oft einfach als Skitourengehen bezeichnet, kombiniert die Freiheit des Bergwanderns mit der Freude am Skifahren. Der wesentliche Unterschied zu klassischen Pisten besteht darin, dass du keine Lifte brauchst, weil du mit eigener Kraft auf den Berg steigst. So gewinnst du absolute Unabhängigkeit von den Öffnungszeiten der Skigebiete und kannst Orte entdecken, die ein normaler Skifahrer nie zu Gesicht bekommt.
Dabei hilft dir eine spezielle Ausrüstung, die sich deutlich von der normalen Skiausrüstung unterscheidet. Auf den Belag der Ski klebst du sogenannte Steigfelle, die nach vorne gleiten, aber dich fest an Ort und Stelle halten, wenn du dich beim Schritt bergauf darauf stützt. Ebenso wichtig ist die Bindung, die es dir ermöglicht, die Ferse für einen natürlichen und langen Schritt freizugeben. Die Bewegung nach oben erinnert ein wenig an Langlauf, aber mit einem viel breiteren und stabileren Ski am Fuß.
Sobald du am ersehnten Gipfel angekommen bist, ziehst du die Felle einfach ab, fixierst die Ferse sicher in der Bindung und kannst die klassische Abfahrt genießen. Genau dieser Wechsel vom anstrengenden Aufstieg zur verdienten Abfahrt im unberührten Pulverschnee ist der Hauptgrund, warum diesem Sport immer mehr Menschen verfallen.

2. Die heilige Dreifaltigkeit: LVS-Gerät, Sonde, Schaufel
Wenn du planst, markierte und überwachte Pisten zu verlassen, wird die sogenannte heilige Dreifaltigkeit zur absoluten Grundlage deiner Sicherheit. Diese besteht aus Lawinen-Verschütteten-Suchgerät, Lawinensonde und Lawinenschaufel, wobei diese drei Dinge ausschließlich als unzertrennliche Einheit funktionieren.
Glaub mir, wenn dir auch nur ein einziges Teil aus dieser Dreifaltigkeit fehlt, ist eine erfolgreiche Rettung eines Verschütteten sehr unwahrscheinlich. Das LVS-Gerät zeigt dir die ungefähre Stelle, mit der Sonde ortiest du die Person präzise unter dem Schnee und mit der Schaufel musst du sie so schnell wie möglich ausgraben. Ohne Schaufel bekommst du den Schnee nicht mit den Händen weg und ohne Sonde gräbst du blind.
Achte bei der Auswahl der Ausrüstung auf Qualität, denn die Sonde sollte mindestens 240 Zentimeter lang sein, damit du eine Chance hast, auch größere Tiefen zu erreichen. Die Schaufel muss unbedingt ein Metallblatt mit Teleskopstiel haben. Eine gewöhnliche Plastikschaufel zerbricht im harten Lawinenschnee, der nach dem Stopp hart wie Beton wird, sofort. Die Investition in eine hochwertige heilige Dreifaltigkeit ist eine Investition ins eigene Leben und in die Leben deiner Partner, daher lohnt es sich definitiv nicht, daran zu sparen oder verdächtig billige Nachbildungen zu kaufen.

3. Wie man das LVS-Gerät trägt und warum es nicht reicht, es nur einzuschalten
Das Lawinen-Verschütteten-Suchgerät, das unter Skifahrern üblicherweise Piepsgerät genannt wird, ist ein intelligentes elektronisches Gerät, das ein Funksignal sendet und empfängt. Heute solltest du immer ein modernes Drei-Antennen-Gerät wählen, dessen typisches Beispiel etwa das bekannte Modell Mammut Barryvox ist, denn ältere Ein-Antennen-Geräte reichen für eine effektive Rettung einfach nicht mehr aus.
Ein grundlegender Fehler von Anfängern ist die falsche Platzierung des LVS-Geräts. Das Gerät muss mit Gurten sicher direkt am Körper befestigt getragen werden, und zwar immer unter der äußeren Bekleidungsschicht. Der Grund ist ganz einfach: Es darf nicht passieren, dass es von der Kraft der Lawine weggerissen wird, dir aus der Jackentasche fällt oder irgendwie verloren geht.
Denk daran, dass während der gesamten Tour alle Mitglieder deiner Gruppe das LVS-Gerät im Sendemodus eingeschaltet haben müssen. Erst wenn eine Lawine abgeht und du jemanden retten gehst, schaltest du dein Piepsgerät vom Sende- in den Suchmodus um. Es ist entscheidend, regelmäßig den Batteriestand zu kontrollieren und vor jeder Tour einen sogenannten Group-Check durchzuführen, bei dem die gesamte Gruppe gegenseitig überprüft, dass alle Geräte sowohl senden als auch empfangen.

4. Warum es nicht reicht, die Anleitung zu lesen
Die beste und teuerste heilige Dreifaltigkeit zu kaufen ist nur der erste Schritt, der dich allein in einer Krisensituation nicht rettet. Es reicht nicht, sich nur in der Wärme zu Hause die Anleitung durchzulesen, denn in dem Moment, in dem eine Lawine abgeht und das Leben deines Freundes auf dem Spiel steht, kommt enormer Stress und Panik auf.
Mit dem LVS-Gerät musst du automatisch arbeiten können, ohne langes Nachdenken und ohne jegliches Zögern. Experten der Bergrettungsdienste empfehlen daher dringend, im Trockenen zu üben und zu trainieren, idealerweise unter Aufsicht geschulter Profis, die dich auf häufige Fehler hinweisen.
Die beste Investition in deine Sicherheit ist das Absolvieren eines spezialisierten Kurses zur Arbeit mit dem LVS-Gerät oder gleich eines gesamten zertifizierten Lawinenkurses. Dort probierst du unter realen Bedingungen aus, wie unglaublich schwer es ist, einen unter dem Schnee vergrabenen Rucksack zu finden und welch enorme körperliche Anstrengung das Ausgraben eines Verschütteten bedeutet. Bei der Rettung zählt buchstäblich jede Sekunde, denn nach etwa fünfzehn Minuten unter dem Schnee sinkt die Überlebenschance aufgrund von Sauerstoffmangel rapide. Regelmäßiges Suchtraining sollte daher zu deiner jährlichen Routine zu Beginn jeder Wintersaison werden.

5. Tourenski, Felle, Bindung und Schuhe
Neben der Sicherheitsausrüstung brauchst du natürlich auch das eigentliche Fortbewegungsmittel, das aus mehreren spezifischen Teilen besteht. Die Basis sind leichtere Tourenski mit spezieller Tourenbindung, von der wir bereits gesagt haben, dass sie das Anheben der Ferse beim Gehen ermöglicht.
Die Felle klebst du direkt auf den Belag des Skis und dank der Haarrichtung lassen sie dich nicht wieder nach unten rutschen, während Tourenskischuhe hinten einen Hebel haben, mit dem du leicht zwischen dem bequemen Aufstiegsmodus und dem festen Abfahrtsmodus wechseln kannst. Ein wichtiger Bestandteil sind auch Teleskopstöcke, bei denen du die Länge anpassen kannst, je nachdem, ob du gerade einen steilen Hang aufsteigst oder abfährst.
Viele fortgeschrittene Skitourengeher ziehen als Erweiterung auch einen Lawinenrucksack mit ABS-System in Betracht, der nach dem Auslösen des Griffs große Luftsäcke aufbläst. Zu seiner tatsächlichen Wirksamkeit und den Überlebensstatistiken gibt es zwar noch keine eindeutigen und hieb- und stichfesten Daten, aber er funktioniert als mögliche Ergänzung der Ausrüstung, die dir helfen kann, an der Oberfläche einer abgehenden Lawine zu bleiben. Bedenke jedoch immer, dass selbst der teuerste Rucksack mit Airbag niemals den gesunden Menschenverstand und die grundlegende heilige Dreifaltigkeit ersetzt.

6. Wann du die Ausrüstung leihen und wann kaufen solltest
Ein Blick auf die Preise für neue Skitourenausrüstung kann so manchen abschrecken, denn ein komplettes Set von Ski über Schuhe bis zur Lawinenausrüstung stellt eine sehr erhebliche finanzielle Investition dar. Für absolute Anfänger ist daher der Verleih die absolut klare Wahl, wo dir erfahrene Fachleute alles richtig einstellen, erklären und anschaulich zeigen, wie was verwendet wird.
Skitourengehen ist ein körperlich enorm anspruchsvoller Sport und du solltest es erst in der Praxis ausprobieren, bevor du viel Geld investierst. Vielleicht stellst du nach der ersten Tour fest, dass der schweißtreibende Aufstieg bei minus dreißig Grad oder im starken Wind überhaupt nicht dein Ding ist, und das ist vollkommen in Ordnung 😅.
Erst in dem Moment, wenn du dem Zauber der freien Berge verfällst und mit Sicherheit weißt, dass du regelmäßig auf Felle steigen willst, macht es Sinn, nach eigener Ausrüstung Ausschau zu halten. Verleihe ermöglichen dir auch, verschiedene Arten von Ski und Schuhen auszuprobieren, sodass du dann genau weißt, ob du leichtere Ausrüstung für schnelle Aufstiege bevorzugst oder lieber breitere Ski, die dir mehr Stabilität bei der Abfahrt im Tiefschnee bieten.

7. Die Drei tötet, nicht die Fünf
Hier aufgepasst, das ist genau der Teil, bei dem du auf keinen Fall weiter scrollen solltest. In Europa gilt seit 1993 eine einheitliche fünfteilige Lawinengefahrenskala, bei der die einzelnen Stufen mit Zahl, Wort, Farbe und international verständlichem Symbol gekennzeichnet werden.
Menschen haben natürlichen Respekt vor der vierten und fünften Stufe, doch bei diesen extremen Bedingungen werden Berggebiete vollständig gesperrt und niemand bei Verstand betritt sie. Laut Statistiken der Bergrettung ist die kritischste Stufe die 3, die harmlos nach erhöhter Gefahr klingt, bei der aber unglaubliche 47 % aller Lawinenunfälle passieren.
Zum Kontext und für ein besseres Verständnis ist es gut zu wissen, dass Stufe 1, die geringe Gefahr kennzeichnet, in etwa 20 % der Winterperiode ausgerufen wird, aber nur 7 % aller erfassten Unfälle darauf entfallen. Die Tücke der dritten Stufe liegt darin, dass das Wetter auf den ersten Blick durchaus verlockend und sonnig aussehen kann. Die Schneedecke ist jedoch in Wirklichkeit sehr instabil und zur Auslösung einer tödlichen Lawine reicht in einem solchen Fall oft nur eine geringe Belastung durch einen einzigen Skifahrer.

8. Bergrettung und Lawinenbericht
Der Bergrettungsdienst der Tschechischen Republik, dessen Name monatlich von Tausenden Menschen gesucht wird, spielt eine absolut zentrale Rolle für deine Sicherheit und Bewegung in der winterlichen Natur. Seine Retter erstellen auf Basis der meteorologischen Situation, Messungen des Schneeprofils und der Wetterentwicklung eine regelmäßige Vorhersage, den sogenannten Lawinenbericht.
Dieser detaillierte Report erscheint regelmäßig jeden Tag, und zwar immer separat für jedes betroffene Berggebiet. Du findest ihn komplett kostenlos auf der offiziellen Website des Bergrettungsdienstes und er ist so geschrieben, dass ihn absolut jeder leicht verstehen kann. Der Bericht enthält nicht nur die nackte Zahl der aktuellen Stufe, sondern beschreibt detailliert, an welchen Hängen die Gefahr am größten ist, in welcher Höhenlage sich gefährliche Schneebrettlagen bilden und worauf du an diesem Tag besonders achten musst.
Es ist absolut unverzichtbar, dass du dir den Lawinenbericht detailliert VOR jeder einzelnen Tour durchliest, nicht nur einmal oberflächlich zu Beginn der Saison. Die Situation in den Bergen kann sich nämlich innerhalb weniger Stunden radikal verändern, abhängig von der Windstärke, Temperaturschwankungen und der Menge an frisch gefallenem Neuschnee.

9. Goldene Regeln für den Aufstieg auf Pisten im Skigebiet
Viele Anfänger beginnen mit dem Skitourengehen verständlicherweise im Umfeld von Skigebieten, was ein hervorragender Weg ist, die Gehtechnik ohne reale Lawinengefahr zu erlernen. Aber auch hier gelten sehr strenge Regeln, denn gerade auf Pisten entstehen die häufigsten und sehr gefährlichen Konflikte zwischen aufsteigenden Skitourengehern, abfahrenden Skifahrern und Pistenraupen.
Denk daran, dass immer ausschließlich am äußersten Pistenrand aufgestiegen wird, was die internationale FIS-Regel Nummer 7 ganz klar definiert. Wenn du in einer Gruppe mit Freunden gehst, geht man immer strikt hintereinander in einer Linie, niemals nebeneinander, damit ihr den Raum für von oben schnell fahrende Skifahrer nicht blockiert und unnötige Kollisionen vermeidet.
Gleichzeitig gilt die absolut unumstößliche Regel, dass geschlossene Pisten auf keinen Fall betreten werden dürfen, auch nicht nach Ende der offiziellen Betriebszeit des Gebiets. Nachts werden die Pisten nämlich intensiv präpariert und schwere Pistenraupen arbeiten oft an langen Stahlseilen hängend, die im Dunkeln überhaupt nicht sichtbar sind, und hier besteht reale Gefahr tödlicher Verletzungen. Respektiere daher immer die örtlichen Anweisungen und Sicherheitsbedingungen des jeweiligen Skigebiets.

10. Was erlaubt ist und was nicht im Nationalpark Riesengebirge
Das Riesengebirge ist die traditionelle Wiege des tschechischen Skitourengehens, aber da es sich um einen streng geschützten Nationalpark handelt, hat die Bewegung hier ihre klaren und kompromisslosen Besonderheiten. Die Verwaltung des KRNAP kam den Liebhabern dieses Sports entgegen und richtete insgesamt acht offizielle Skitourenrouten ein, die überwiegend auf touristisch markierten Wegen verlaufen, dich aber teilweise auch abseits davon führen.
Als Einzelpersonen dürft ihr euch auf markierten Wanderwegen und auf Wegen und waldfreien Flächen bewegen, jedoch nur strikt außerhalb der Ruhezonen des KRNAP. Die Gipfelpartien der Berge fallen zudem an vielen Stellen direkt in die Zone 1 des Nationalparks, wo aus Gründen des Naturschutzes ein strenges ganzjähriges Betretungsverbot außerhalb markierter Wege gilt.
Es gibt hier aber noch eine weitere grundlegende Regel, die die überwiegende Mehrheit der Menschen überhaupt nicht kennt und oft verletzt. Die Durchführung jeglicher Massenveranstaltungen für die Öffentlichkeit auf dem Gebiet des KRNAP, und zwar EINSCHLIESSLICH Skitourenkursen und Lawinenkursen oder organisierten Touren, ist gesetzlich verboten. Wenn der Veranstalter nicht vorab eine offizielle Ausnahmegenehmigung direkt von der Nationalparkverwaltung eingeholt hat, darf die Veranstaltung auf diesem Gebiet nicht stattfinden.

11. Lawinengebiete in Tschechien
Obwohl die tschechischen Berge nicht die alpinen Höhen erreichen und einen milden Eindruck machen können, ist die Lawinengefahr dort keineswegs ein Mythos und fordert jedes Jahr ihren grausamen Tribut. Die Hauptlawinengebiete in Tschechien sind vor allem das Riesengebirge und das Altvatergebirge, wobei dieses Risiko teilweise auch in den Beskiden besteht und ganz ausnahmsweise bei sehr spezifischen Schneeverhältnissen auch in anderen Gebirgen.
Gerade im beliebten Riesengebirge befinden sich gleich mehrere Dutzend kartierte Lawinenzüge, wo regelmäßig massive und sehr gefährliche Schneeabgänge stattfinden. Das sind vor allem steile Gletscherkare wie der bekannte Riesengrund, die Kesselgruben oder das weitläufige Elbtal.
Gib dich daher niemals einem falschen Sicherheitsgefühl und dem Gedanken hin, dass „bei uns in Tschechien“ so etwas doch nicht passieren kann. Einer Lawine ist es völlig egal, ob sie gerade in der hohen Schweiz oder über Špindlerův Mlýn niedergeht, ihre zerstörerische Kraft und Geschwindigkeit ist absolut gleich. Respekt vor der Natur und konsequente Beobachtung der Schneeverhältnisse sind in jedem Gebirge unabhängig von seiner Höhenlage angebracht.

12. Wie du die erste Tour planst
Theorie ist zwar die absolute Grundlage, aber deine ersten echten Schritte auf Fellen solltest du wirklich klein halten, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Ganz am Anfang empfehle ich dir, mit einem Aufstieg auf einer Piste in einem Gebiet zu beginnen, das dies offiziell erlaubt, und zwar idealerweise in einem ausgewiesenen Korridor oder außerhalb der Hauptskizeit.
Dieser hochsichere Start lehrt dich die richtige Gleittechnik, den Umgang mit Fellen und die Handhabung der Bindung in einer kontrollierten Umgebung, wo dir weder Lawinengefahr noch ernsthafte Orientierungsverluste drohen. Eine ausgezeichnete Wahl für ein solches sicheres Training ist zum Beispiel das beliebte slowakische Gebiet Jasná, das eine offizielle vermessene Aufstiegsroute namens SKIALP CHECK POINT bietet. Diese großartige Route führt von Lúčky über Habarka und Von Roll bis zum Gipfel des Chopok und du kannst dort sogar deine Statistiken messen.
Ins echte freie und ungeschützte Gelände begib dich erst in dem Moment, wenn du die komplette heilige Dreifaltigkeit hast, die Suche mit dem Piepser perfekt geübt ist und du idealerweise mit jemandem wirklich Erfahrenem gehst, oder noch besser, unter Führung eines professionellen Bergführers.

Praktische Zusammenfassung und Orientierungsregeln
Noch einmal, kurz und klar — das Wichtigste, was du mitnehmen solltest: Skitourengehen ist ein wunderschöner Sport, aber er erfordert eine große Portion Demut und ständige Weiterbildung.
- Ausrüstung: Für den Anfang leih dir unbedingt alles aus. Ein komplettes Set aus Ski, Fellen, Schuhen und Lawinenset stellt eine riesige Investition dar, die sich lohnt, erst wenn du weißt, was zu dir passt.
- Bericht: Prüfe vor jedem Ausflug die Website des Bergrettungsdienstes. Informiere dich darüber, welche Gefahrenstufe herrscht, wo genau die Gefahr droht und wie das Wetter ist.
- Tückische Drei: Vergiss niemals, dass Stufe 3 erhebliche Gefahr bedeutet und für 47 % aller Unfälle verantwortlich ist. Nimm sie nicht auf die leichte Schulter.
- KRNAP: Wenn du zu einem Kurs ins Riesengebirge fährst, überprüfe, ob der Veranstalter die gesetzlich vorgeschriebene Ausnahmegenehmigung hat. Verhalte dich rücksichtsvoll gegenüber der Natur und bewege dich nur auf markierten Wegen.
- Pisten: Beim Training auf der Piste steige immer am Rand auf, hintereinander und respektiere die Anweisungen des Gebiets sowie geschlossene Pisten, wo Gefahr durch Pistenraupen-Seile droht.
Wohin weiter
Wenn dich die Winterberge reizen und du weitere Inspiration für deine Ausflüge suchst, schau dir unbedingt unsere Tipps an, wo man in Tschechien Ski fahren kann. Wenn du ruhigere Orte abseits des Hauptstroms suchst, haben wir für dich einen Führer vorbereitet, wie du das Riesengebirge und Isergebirge ohne Massen genießt.
Und wenn du über die Grenzen hinaus zum Beispiel die erwähnte Jasná ausprobieren willst, vergiss nicht, unseren Artikel über Skifahren in der Slowakei zu lesen und zur Sicherheit zu prüfen, was das Auto im Winter in den Bergen haben muss.
Häufig gestellte Fragen
Hast du noch irgendwelche Unklarheiten? Ich habe für dich eine schnelle Zusammenfassung der allerhäufigsten Fragen vorbereitet, die Anfänger stellen. Ob es um Ausrüstung, Regeln für die Bewegung auf der Piste oder die tückischen Lawinenstufen geht, hier findest du klare Antworten schön auf einem Fleck.
Was genau bildet die heilige Dreifaltigkeit?
Die heilige Dreifaltigkeit besteht aus einem Lawinenverschüttetensuchgerät (Piepser), einer Lawinensonde mit einer Länge von mindestens 240 Zentimetern und einer stabilen Schneeschaufel mit Metallblatt. Diese drei Dinge musst du im freien Gelände ständig bei dir haben, denn ohne eines davon ist die rechtzeitige Rettung eines verschütteten Kameraden praktisch unmöglich und es kommt zu fatalen Verzögerungen.
Warum sagt man, dass Stufe 3 die gefährlichste ist?
Nach der europäischen Skala von 1993 ist Stufe 3 als erhebliche Gefahr definiert und statistisch gesehen ereignen sich dabei überwältigende 47 % aller Lawinenunfälle. Menschen unterschätzen sie oft, weil das Wetter verlockend aussehen kann, während man sich bei Stufe 4 und 5 aus Präventionsgründen gar nicht erst in die Berge begibt und die Gebiete komplett gesperrt werden.
Wo und wie soll ich das Lawinenverschüttetensuchgerät tragen?
Das Suchgerät musst du immer mit speziellen Gurten am Körper befestigt tragen, und zwar ausschließlich unter der obersten Kleidungsschicht, damit es bei einem Sturz nicht verloren geht. Während der gesamten Tour muss es unbedingt im Sendemodus eingeschaltet sein und du solltest regelmäßig den Batteriezustand überprüfen.
Reicht es, die Anleitung für das Suchgerät zu lesen?
Keinesfalls ausreichend, denn in einer Krisensituation bei einem Lawinenabgang zählt buchstäblich jede Sekunde und es herrscht enormer Stress. Mit dem Suchgerät musst du absolut automatisch umgehen können, was du zuverlässig nur durch regelmäßiges Training im Gelände lernst oder noch besser unter Aufsicht von Profis in einem fachkundigen Lawinenkurs.
Wie soll ich mich beim Aufstieg auf der Skipiste verhalten?
Nach der internationalen FIS-Regel Nummer 7 musst du immer ausschließlich am äußersten Rand der Skipiste aufsteigen und strikt hintereinander gehen, nicht unnötig nebeneinander. Zudem gilt ein absolutes und striktes Betretungsverbot für gesperrte Skipisten, wo tödliche Verletzungen durch gespannte Stahlseile der Pistenraupen drohen.
Kann ich im Riesengebirge mit Skitouren überall hingehen?
Nein, im KRNAP gelten sehr strenge Regeln und die Parkverwaltung hat für diese Zwecke insgesamt acht offizielle Skitourenrouten ausgewiesen. Du darfst dich auf markierten Wegen und waldfreien Flächen außerhalb von Ruhezonen bewegen, aber bedenke, dass die Gipfelpartien oft in Zone 1 fallen mit einem strengen ganzjährigen Betretungsverbot.
Ist es im Riesengebirge legal, Lawinenkurse zu veranstalten?
Die Durchführung jeglicher Massenveranstaltungen für die Öffentlichkeit, einschließlich aller Skitouren- und Lawinenkurse oder organisierter Expeditionen, ist im KRNAP gesetzlich verboten. Für ihre absolut legale Durchführung ist vorher eine offizielle Ausnahmegenehmigung erforderlich, die direkt von der Nationalparkverwaltung erteilt wird.
Woher bekomme ich aktuelle Informationen über Lawinen?
Die beste und einzige vollständig offizielle Quelle ist der detaillierte Lawinenlagebericht, der regelmäßig jeden Tag vom Lawinenwarndienst auf dessen Webseite veröffentlicht wird. Diesen umfassenden Bericht über Schnee- und Wetterlage musst du vor jeder einzelnen Tour sorgfältig studieren.
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