TL;DRDer Roadtrip 2017 durch Kanada und die USA bedeutete drei Monate unterwegs in einem umgebauten Campervan (Dodge Grand Caravan), von Calgary über Alaska bis San Francisco und zurück, mit einem abschließenden Stopp von drei Tagen auf Long Island. Die Route führte durch 13 US-Bundesstaaten und 3 kanadische Provinzen mit mehr als 100 Stopps unterwegs. Davor standen zwei Wochen Camping auf Hawaii, die mit 2.839,95 CAD zu Buche schlugen. Die Vorbereitung von Auto und Ausrüstung kostete umgerechnet rund 70.000 Kč, die eigentliche Reise kam nach Abzug des Verkaufserlöses für das Auto auf etwa 236.190 Kč. Die beste Reisezeit für so eine Tour ist der Sommer – die Autoren starteten am 29. Juni 2017.
Am 29. Juni 2017 starteten wir unseren ersten großen Roadtrip durch Kanada und die USA. Zwei Wochen auf Hawaii, dann drei Monate im Auto – 13 US-Bundesstaaten, 3 kanadische Provinzen und Stopps von San Francisco bis Alaska. Abgeschlossen haben wir die Reise mit drei Tagen auf Long Island. Die gesamte Reise haben wir sorgfältig dokumentiert – inklusive täglicher Kosten und ausführlicher Reiseberichte.
Unser Ausgangspunkt war Calgary in Kanada. Ein Jahr lang lebten wir dort und bereiteten uns auf die Reise vor. Wir kauften einen Dodge Grand Caravan und bauten ihn zum Campervan um. Die komplette Ausrüstungsliste findest du etwas weiter unten. Abgesehen von Toilette und Dusche hatten wir ein vollständiges Zuhause auf vier Rädern. Wir schliefen, wo immer es möglich war – manchmal auf einem Walmart-Parkplatz, gelegentlich auf einem Campingplatz und am häufigsten irgendwo auf einer einsamen Wüsten- oder Waldstraße.
Unsere Route
Wir begannen mit einem zweiwöchigen Flug nach Hawaii am 14. Juni – günstiges Camping, einfach traumhaft. Nach der Rückkehr starteten wir von Calgary Richtung Alaska.
Vereinfacht gesagt: Calgary (Kanada) – Fairbanks (Alaska) – San Francisco (USA) und zurück. Aber das ist wirklich nur eine sehr grobe Zusammenfassung, denn unterwegs haben wir an mehr als 100 Orten Halt gemacht.
Was wir unterwegs erlebt haben
Wir haben Dutzende Nationalparks besucht. Wandern ist unsere große Leidenschaft – die meiste Zeit waren wir entweder am Fahren oder am Bergsteigen. Gekocht haben wir meist an Picknicktischen am Straßenrand, Wäsche gewaschen in Waschsalons und gearbeitet haben wir vom nächsten McDonald’s aus. Unterwegs haben wir Videos, Fotos und Artikel produziert – und euch Postkarten geschickt. 🙂
Der teuerste Posten war natürlich das Auto – das wir am Ende der Reise aber wieder verkauft haben. 🙂
Die Gesamtkosten für die Vorbereitung lagen bei rund 3.900 kanadischen Dollar (CAD), also etwa 2.600 €. Die Ausrüstung ohne Auto kostete uns rund 650 €.
Das klingt vielleicht viel, aber in Kanada ist das ein Betrag, den man als Paar in gut zwei Monaten Arbeit zusammensparen kann. Unser Lohn lag bei etwa 15,50 CAD pro Stunde; gemeinsam kamen wir auf rund 4.000 CAD im Monat, von denen wir stets die Hälfte zurücklegten.
Was uns was gekostet hat (alle Preise in CAD):
Flüge nach Kanada im Februar
für beide ca. $ 1.200
2 Wochen Hawaii (inkl. Flüge) insgesamt: $ 2.839,95
3 Tage im Yacht-Klub auf Long Island mit einem Mustang Convertible
Ausgaben ca. $ 1.000
Rückflüge nach Hause
ca. $ 400 pro Person
Insgesamt haben uns die Reise (nach Abzug des Erlöses aus dem Autoverkauf) rund 9.000 € gekostet. Genau den Betrag, den wir uns in den vorherigen 4,5 Monaten Arbeit in Kanada bewusst zurückgelegt hatten – wir arbeiteten in einem Café und am Flughafen. Zu erwähnen ist, dass wir uns in Kanada auch Ausrüstung für mehrtägige Trekkingtouren zugelegt haben, was nochmals einige hundert Euro extra bedeutete.
Die genauen Kosten unterwegs – von Campinggebühren bis zum Kaffee an der Tankstelle – findest du in dieser Tabelle:
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TL;DRAlaska hat jede Menge zu bieten: allen voran den Exit Glacier mit Aufstieg auf dem Harding Ice Trail, Kajaktouren zwischen Eismassen im Kenai Fjords National Park (430 Dollar pro Person) sowie Wanderungen am Portage Glacier. Empfehlenswert sind außerdem die Hafenstädte Whittier, Haines und das türkisfarbene Valdez, die Ausblicke auf den Denali-Nationalpark vom Triple Lakes Trail sowie der versteckte Hatcher Pass zwischen Denali und Anchorage. Die Autoren verbrachten gut zwei Wochen in Alaska, nach einer dreitägigen Anreise aus Kanada, und raten außerdem zu Homer mit seinen Galerien sowie zur City of Kenai, wo Einheimische direkt im Meer mit Netzen Lachse fangen.
Wir sprachen davon, dass wir nach Alaska reisen würden, seit wir zusammen sind. Doch von Europa nach Alaska USA zu fliegen, ist kein günstiges Vergnügen. Allein die Flüge kosten ein kleines Vermögen, und seien wir ehrlich – Alaska ist einer der teuersten Orte in den USA. Schließlich haben wir es nach Alaska USA geschafft. Im Folgenden erfahrt ihr, wie wir dorthin gekommen sind und was man in Alaska sehen sollte.
Wie wir von Kanada nach Alaska gekommen sind
Als wir ein Arbeitsvisum für Kanada bekamen, konnten wir in dreieinhalb Monaten genug für einen Monat Reisen ansparen – und hatten sogar noch Geld übrig. Deshalb entschieden wir uns, für weitere fünf Monate nach Kanada zurückzukehren und für einen deutlich längeren Roadtrip zu sparen. Es hat geklappt.
In fünf Monaten sparten wir genug und machten uns auf nach Hawaii, Alaska, durch den kanadischen Yukon und British Columbia hinunter in die Staaten. Nach Alaska fuhren wir drei Tage nonstop (und drei Tage zurück nach Kanada) und verbrachten dort etwas mehr als zwei Wochen. Hier sind die schönsten Orte, die wir besucht haben.
10 schönste Orte in Alaska USA
Schauen wir uns nun die schönsten Orte und Wanderungen in Alaska an, die wir erlebt haben.
1) Ice Harding Trail zum Exit Glacier
Der Aufstieg zum Exit Glacier war am Ende besser als erwartet
Die besten Dinge sind kostenlos. Wir warteten vier Tage und beteten, dass sich die Wolken über Seward verziehen, damit wir diesen Trail zum Exit Glacier wandern konnten. Am vierten Tag lächelte uns Mutter Natur tatsächlich an. Morgens sah es so aus, als müssten wir den Exit Glacier aufgeben – alles war bewölkt. Aber es regnete nicht, also fuhren wir von Seward zum Trailhead, wo wir über dem Gletscher ein winziges Stück türkisfarbenen Himmel erspähten. Wir entschieden uns, es zu riskieren. Es hat sich gelohnt.
Vor Freude über die Sonne bin ich buchstäblich den Berg hinaufgerannt. Dass es rund 1.000 Höhenmeter waren, dämpfte unsere Begeisterung kein bisschen. Jemand sagte mir, das sei „Naturkitsch“. Der mächtige weiße Gletscher kontrastierte mit dem blauen Himmel und den violetten Blumen, die alle grünen Abschnitte der Wanderung bedeckten. So etwas hatte ich noch nie gesehen.
2) Kajakfahren im Kenai Fjord National Park
Kajakfahren war das teuerste Erlebnis unserer gesamten Reise
Die teuersten fünf Stunden meines Lebens. Wenn man auf jeden Cent achtet, macht einem der Preis von 430 Dollar pro Person schon ein flaues Gefühl im Magen. Die Entscheidung dauerte lang, aber wir wussten, wie sie ausfallen würde. Wir mussten fahren, weil wir nicht wissen, wann wir wiederkommen – und ob wir jemals die Gelegenheit haben werden, an einem Gletscher zwischen Fjorden Kajak zu fahren.
Schon auf dem Weg sahen wir Wale und jede Menge Papageitaucher. Beim Kajakfahren bewunderten wir Seesterne und Seelöwen und paddelten zwischen Eisschollen hindurch. Ein wunderschönes und überteuertes Erlebnis, mit dem ihr vorab rechnen solltet.
3) Wanderung zum Portage Glacier
Wenn ihr eigene Kajaks dabei habt, gibt es am Portage Glacier einen frei zugänglichen See – ihr könnt direkt zum Gletscher paddeln. Wir mussten uns mit der Drohne behelfen
Eine einfache dreistündige Wanderung zum Portage Glacier lohnt sich auf jeden Fall, auch wenn euch unterwegs eine Horde Mücken zu verspeisen versucht. Man kann relativ nah an den Gletscher herankommen und den kristallklaren See bewundern, auf dem Eisstücke schaukeln.
4) Hafenstädtchen Whittier
Man sagt, das Wetter in Whittier sei immer schlechter als anderswo – wir konnten das nicht bestätigen
Unser Lonely Planet-Reiseführer bezeichnete diesen Ort als sehr merkwürdig. Wir fanden nichts Merkwürdiges daran. Er behauptete auch, hier sei das Wetter immer schlechter. Auch das konnten wir nicht bestätigen. Dafür genossen wir es, den Hafen ganz für uns allein zu haben.
5) Geheimtipp zwischen Denali National Park und Anchorage – Hatcher Pass
Hatcher Pass war ein kleiner Abstecher auf dem Weg vom Denali National Park nach Anchorage – die ganze Fahrt regnete es, umso glücklicher waren wir, als wir oben ankamen und endlich einen Ausblick hatten
Hatcher Pass ist ein versteckter Schatz auf der Strecke vom Denali National Park nach Anchorage, der größten Stadt Alaskas. Ihr müsst von der Hauptstraße abfahren, aber ihr werdet es nicht bereuen. Plötzlich findet ihr euch in einem Tal wieder, wo Wolkenfetzen über grün bewachsenen Hügeln schweben. Hier gibt es eine alte Goldmine, die heute ein Museum ist – ihr könnt an einer Führung teilnehmen. Unser Guide war allerdings etwas eigenartig.
6) Nehmt euch ein paar Tage für den Denali National Park
Blick auf den Denali National Park vom Triple Lakes Trail
Im Denali National Park befindet sich auch der höchste Gipfel Nordamerikas, der Mt. McKinley (Denali). Leider darf man sich in diesem unverhältnismäßig weitläufigen Nationalpark nicht frei bewegen und muss 30–50 Dollar für den Bus bezahlen. Wir entschieden uns deshalb, nur an den besser zugänglichen Stellen zu wandern. Wir machten uns auf den Triple Lakes Trail, von wo aus man einen atemberaubenden Blick auf die endlosen Berggipfel hat – den McKinley sieht man von dort allerdings leider nicht.
7) Hafenstädtchen Haines
Mt. Ripinski war die letzte Wanderung auf unserer Alaska-Reise. Wir wären dort fast erfroren. Das Lächeln haben wir uns mit viel Mühe abgerungen 🙂
Haines ist bekannt für sein pastelltürkises Wasser und fantastische Wanderungen für alle Bergliebhaber. Wir machten uns auf den Mt. Ripinski – eine wunderschöne Wanderung durch den Wald, die euch auf den benachbarten Berg führt. Von dort oben habt ihr einen Blick auf das gesamte Städtchen und die Umgebung. Das Problem war, dass sich oben starker Wind erhob und wir fürchteten, er würde uns davonpusten. Zum Glück passierte das nicht.
8) Das türkisfarbene Valdez
Türkisfarbener Hafen in Valdez
Klein, türkis und zauberhaft. Das ist meine Erinnerung an das Hafenstädtchen Valdez, wo wir einen sehr kurzen Stopp einlegten.
9) Das verschlafene Städtchen Homer
Homer hat seinen eigenen Charme. Außerdem ist es dort deutlich kälter als anderswo.
Das kunstdurchdrungene Städtchen Homer ist bekannt für seine Galerien lokaler Künstler. Vielleicht überrascht es euch, dass es im Gegensatz zum Rest der Kenai Peninsula flach ist.
An Schönheit verliert es dadurch aber nicht. Macht euch wie wir auf zum „Homer Spit“, der lokalen Landzunge im Wasser, wo ihr neben eisiger Luft auch hübsche bemalte Läden, Restaurants und Cafés findet.
10) Fischerstadt: City of Kenai
Das tägliche Brot der Familien in Alaska – das Abendessen selbst fangen
Unser Reiseführer war von dieser Stadt nicht besonders begeistert. Wir waren aber müde und schlecht gelaunt und hatten keine Lust mehr, weiter nach Homer zu fahren. Und wir waren froh, dass wir hier abgebogen sind. Mein größtes Kulturerlebnis in Alaska. Wir gingen zum Strand, wo die Leute nicht baden, sondern im Wasser stehen und Lachse fangen – indem sie warten, bis die Fische in ihre riesigen Netze springen.
Für die Reiseplanung durch Alaska empfehlen wir diesen Reiseführer 🙂
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TL;DRMeditation bringt fünf zentrale Vorteile: tiefe Entspannung, besseren Schlaf, mehr Kontrolle über Gefühle, Stressbewältigung und höhere Produktivität. Der Autor praktiziert sie seit 8 Monaten und empfiehlt geführte Meditationen über Kopfhörer. Als Einsteiger solltest du mindestens 10–15 Minuten täglich meditieren, mit mehr Erfahrung auch 20–30 Minuten – am besten in ruhiger Umgebung, mit geschlossenen Augen und Fokus auf den Atem. Da es kaum gute deutschsprachige Aufnahmen gibt, hat der Autor sein eigenes 7-tägiges Meditationsprogramm entwickelt und bietet eine kostenlose Einführungsprobe zum Download auf seiner Website an. Laut Artikel lässt sich Meditation auch begleitend bei Angst- und depressiven Zuständen einsetzen – die Wirkung zeigt sich schon nach wenigen Minuten regelmäßiger Praxis.
Ich meditiere aktiv seit über 8 Monaten – und ich kann mit Sicherheit sagen, dass sich mein Leben dadurch verbessert hat. Ich habe keine „Zen-Erleuchtung“ erlangt und auch kein mystisches Erwachen erlebt. Aber ich habe gelernt, mehr im Moment präsent zu sein, alltägliche Erlebnisse bewusster wahrzunehmen und meinen Kopf klar und rational zu halten. Besonders für Meditation für Anfänger gilt: Es ist einfacher als du denkst – und die Wirkung überrascht.
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TL;DRKurioses namens Tourismus zeigt, wie absurd sich die Massen an den meistbesuchten Orten der USA und Kanadas während eines Roadtrips verhalten: Touristen stehen bis zu fünfzehn Minuten Schlange für ein Foto mit dem General Sherman Tree im Sequoia National Park oder mit dem Blick auf Horseshoe Bend, das die Autoren als den überschätztesten Ort der ganzen Reise bezeichnen. Der Beitrag stellt die extreme Hitze im Death Valley (47 °C) dem ruhigeren Yellowstone gegenüber, wo die Autoren fünf Tage verbrachten und die Menge jedes Mal verschwindet, sobald ein Geysir ausbricht. Insgesamt umfasste die Reise 20.000 Kilometer mit dem Auto und 800 Kilometer zu Fuß in 2,5 Monaten, und als schönster Ort Nordamerikas kristallisierte sich der Banff National Park mit dem Moraine Lake heraus.
Wenn man ihnen zwei identische Coca-Cola-Dosen hinstellen und behaupten würde, dass eine davon einst von Elvis Presley berührt wurde, würden sie sich wahrscheinlich sofort damit fotografieren. Touristen. Unsere letzten beiden Wochen auf dem Roadtrip standen ganz im Zeichen der Tourismus Bizarität – und genau darum geht es in diesem Beitrag.
Soziale Medien sorgen dafür, dass Menschen reisen, die das Reisen eigentlich hassen
Yellowstone ist ein touristisch überfüllter, aber magischer Ort
„DAS STEHT NICHT AUF UNSEREM PLAN. Hör auf, diesen Unsinn zu fotografieren, und geh endlich nach oben! Wenn wir oben sind, machst du dein Foto in fünfzehn Sekunden und dann laufen wir wieder zurück. Ist das klar?“, brüllte ein Amerikaner seine Frau an und schmiss theatralisch seinen Hut auf den Boden. Die zierliche Frau – offenbar daran gewöhnt – fotografierte mit bewundernswerter Gelassenheit die Blumen entlang des Weges zum Grand Prismatic weiter. Er machte sich Luft und marschierte beleidigt davon.
An den touristischsten Orten der Welt zu sein, begannen wir im letzten Teil unserer Reise auf eine ziemlich schadenfrohe Art zu genießen. Manchmal fragt man sich wirklich, warum Menschen überhaupt reisen, wenn sie dabei aussehen, als wäre es das größte Leid der Welt. Wohl wegen der Fotos für Instagram.
Warum stehen Touristen Schlange für ein Foto mit einem Baum in einem Wald voller Bäume?
Schlange für einen Baum im Wald. Zum Schmunzeln?
Von Yosemite ging es weiter zum Sequoia National Park. Eine Weile lang fanden wir einfach keine Touristen. Das könne doch nicht sein, dass hier keine seien, dachten wir. Dann entdeckten wir sie bei einem der Mammutbäume. Angeblich der größte Mammutbaum der Welt. Alle Besucher standen Schlange für ein Foto, um zehn Sekunden lang vor dem General Sherman Tree herumzualbern.
Würdet ihr erkennen, dass das nicht der größte Baum im Sequoia Park ist?
Falls ihr jetzt denkt, das müsse ja ein wirklich riesiger Baum gewesen sein, kann ich euch versichern: Ob er der älteste oder größte ist, erkennt man mit bloßem Auge überhaupt nicht. Und so beobachteten wir dort eine ganze Weile mit Genuss und einem Schmunzeln, wie die Leute fünfzehn Minuten lang Schlange standen für ein Foto mit einem Mammutbaum – in einem Wald voller Mammutbäume.
35 Grad sind eigentlich ganz angenehm kühl
Der ikonische Joshua Tree
Der Joshua Tree Park ist ein wunderschöner und zu unserem Glück unterschätzter Ort. Für lange Spaziergänge ist er im Sommer allerdings nicht gerade ideal: Die Temperaturen schnellen in die Höhe, und die Touristen versuchen, ihr Auto so kurz wie möglich zu verlassen.
Wir konnten kaum glauben, dass wir es tatsächlich bis hierher geschafft hatten. Es bedeutete, dass unsere Chiquita es bis zum südlichsten Punkt unseres Roadtrips durchgehalten hatte – und gleichzeitig, dass sich unsere Reise langsam dem Ende näherte.
Das ist nicht Chiquita
Die Hitze sollte uns nicht verlassen und die Touristen eine Weile lang nicht zurückkehren. Aus der Hitze fuhren wir in noch größere Hitze. Und unser Auto sollte erst jetzt seine größte Prüfung bestehen. Wir fuhren zum tiefstgelegenen Ort Nordamerikas – ins Death Valley.
Der heißeste Ort im Westen der USA
Manche Quellen bezeichnen es sogar als heißesten Ort der Welt (andere nennen etwa die Dasht-e Lut im Iran mit 70,6 °C). Wir hatten dagegen „nur“ schöne 47 Grad. Wie es unsere ausgesprochen unangenehme Gewohnheit ist, kamen wir genau dann an, wenn es am schlimmsten ist und man eigentlich gar nicht spazieren gehen sollte. Aber das wäre kein echtes Death-Valley-Erlebnis, hätte man es nicht mitten im Sommer in der größten Hitze durchlebt. Zumindest beruhigten wir uns damit. Ich hatte Lukáš auf den heißen Wüstenwind vorbereitet – und der kam dann tatsächlich. Bei unseren kurzen Spaziergängen durch diese unwirtliche Landschaft hofften wir bloß, nicht zu schmelzen.
Wenn man versehentlich einen Nationalpark überspringt, weiß man, dass man schon wirklich viele besucht hat
Der North Rim ist besser als der South Rim, weil es hier fast keine Touristen gibt
Es war die ideale Vorbereitung auf Nevada, Arizona und Utah, denn seitdem war uns nie wieder so schrecklich heiß. 35 Grad kamen uns plötzlich wie eine angenehme Abkühlung vor. Zwei Tage lang taten wir in Las Vegas so, als wären wir ganz normale Touristen – nur um am dritten Tag mit Kater direkt am Visitor Center am North Rim des Grand Canyon parken und übernachten zu müssen. Für etwas anderes hatten wir keine Kraft mehr. Falls ihr euch fragt, wo wir überall geschlafen haben und es nicht ganz legal war: Das hier ist einer dieser Orte.
Zuerst kamen uns die Canyonlands wie ein nicht so toller Ort vor, im Nachhinein sieht es aber gar nicht so schlecht aus
Lange hielten wir uns nicht auf, machten ein paar kürzere Spaziergänge und setzten uns gleich wieder in unsere Chiquita, um weiterzubrausen. Wir hatten weder Kraft noch Lust, irgendwo herumzumarschieren – und so waren wir nicht einmal sauer aufeinander, als uns auffiel, dass wir versehentlich einen der Nationalparks in Utah übersprungen hatten. Wir beschlossen, mit einem kleinen Umweg dorthin zurückzukehren.
Wir hätten vor dem Ausflug in die Canyonlands wohl einen Kaffee trinken sollen, es sieht eigentlich ziemlich super aus
Darf ich vorstellen: Horseshoe Bend, der am meisten überschätzte Ort der USA
Wir hatten nicht mit einer solchen Pilgerfahrt nach Mekka gerechnet, als wir uns entschlossen, einen Stopp beim sehr beliebten Horseshoe Bend einzulegen. Der am meisten überschätzte Ort unserer ganzen Reise. Tausende genervte Touristen strömen für genau das eine Foto herbei, das ihre Freunde schon auf Instagram hatten. Also machten auch wir es. Studien zufolge mögen Menschen nämlich keine unbekannten Dinge, sondern am liebsten das, was sie bereits kennen. Je öfter man also einen Ort auf Fotos sieht, desto schöner erscheint er einem. Je bekannter, desto schöner – glauben die Menschen. Unser Gehirn liebt Vertrautes. Und so steuerten wir den nächsten berühmten Ort an: das Monument Valley.
Dank Instagram ist der Horseshoe Bend wie eine Pilgerfahrt nach Mekka
Mesa Verde ist kein Touristenparadies, aber das heißt nicht, dass sich ein Stopp nicht lohnt. In den Jahren von 550 bis 1300 n. Chr. lebten hier die Pueblo-Völker, die wie kaum jemand sonst Felsen erklimmen konnten. Aus Steinen schlugen sie sich Tritte für die Finger und kletterten so die Felswände hinauf.
Unser letztes „erstes Mal“: Man warf uns aus der Stadt
Der ruhmlose Ausflug zum Zebra Slot Canyon
Von Colorado ging es nach Utah, vor dem wir wegen der hohen Temperaturen am meisten Respekt hatten. Es stellte sich heraus, dass wir nach dem Death Valley eine ordentliche Immunität aufgebaut hatten. In den Canyonlands und im Arches spazierten wir umher, als hätte die Luft nicht über 35 Grad. Unser Ausgangspunkt war die Stadt Moab, die uns unser letztes „erstes Mal“ bescherte – auf das wir schon zwei Monate gewartet hatten.
Um 2 Uhr morgens klopfte ein Polizist an unser Fenster und verjagte uns aus der Stadt. Ich mit Herzrhythmusstörungen und Lukáš mit verklebten Augenlidern suchten um halb drei Uhr nachts einen Schlafplatz 20 Minuten außerhalb der Stadt.
Das berühmte Wahrzeichen Utahs – stellt euch vor, dass hinter mir tausend Touristen sitzen, dann habt ihr das richtige Bild. Interessant war, dass alle auf den Sonnenuntergang warteten, der hier ziemlich mickrig aussieht
Und wir wären beinahe ertrunken…
Auf dem Weg zum Bryce National Park fuhren wir durch das Grand Staircase-Escalante National Monument. Weil wir das Gefühl haben, alle überlisten und schönere Orte ohne Eintritt finden zu können, wählten wir als nächstes Ziel den Zebra Slot Canyon. Und wir wären beinahe ertrunken, weil er überflutet war. Video hier
Im Zion und Bryce wählten wir dann lieber wieder die Klassiker. Im Bryce liefen wir alle wichtigen Wege ab, im Zion entschieden wir uns für den Observation Point statt Angel’s Landing (bessere Aussicht und weniger Menschen).
Im Bryce denken die Leute, es sei eher etwas zum Autofahren, deshalb hat man auf den Wegen kaum Menschen
Die putzige Sekte der Mormonen
Die Zentrale der Mormonen
Der Stopp bei den Mormonen war eine schöne Abwechslung. Auf einmal hatte man das Gefühl, Amerika verlassen und eine ganz andere, viel freundlichere Welt dieser putzigen Sekte betreten zu haben. Bekehren wollte man uns schon in Alaska, und so machten wir uns – ausgestattet mit der Mormonen-Bibel – auf den Weg, die mormonische Zentrale zu erkunden. Wir spazierten dort zu Klavierklängen umher und betrachteten das herausgeputzte Areal der Sekte, der der ganze Bundesstaat Utah verfallen ist. Hätten wir nicht ein Café voller Comicfiguren mit superschnellem Internet entdeckt, würden wir euch sagen, dass der Temple Square das Beste an ganz Salt Lake City ist. Leider (oder zum Glück) entdeckten wir es eben doch.
Die beeindruckende Bibliothek in Salt Lake City
Löcher ins Innere der Erde: Der magischste Ort der USA
Unser erster Blick auf Yellowstone war am West Thumb
Wir dachten, dass uns nichts mehr beeindrucken könnte, und Lukáš versuchte bereits, unsere Reise irgendwie abzukürzen. Als ich ihm sagte, dass wir in Yellowstone mindestens vier Tage verbringen müssten, schaute er mich ziemlich misstrauisch an. Das legte sich nach den ersten 10 Minuten, in denen er in die stinkenden Seen aller erdenklichen Farbtöne starrte. Löcher ins Innere der Erde.
Wir verbrachten hier großartige 5 Tage und es war der beste Abschluss unserer Reise
Yellowstone ist kein Ort für lange Spaziergänge. Praktisch drängt man sich auf Holzstegen entlang türkisfarbener, 90 Grad heißer Tümpel und wartet darauf, dass einen der nächste Geysir überrascht. Doch hier treten die Touristenmassen in den Hintergrund: Sobald die Geysire ihre Show beginnen, ist es einem egal, ob neben euch tausend weitere Zuschauer stehen.
Castle Geyser. Geysire werden so schnell nicht langweilig
Wir wussten, dass Yellowstone der goldene Höhepunkt unserer Reise war. Ein würdiger Abschluss. Trotzdem stand uns noch ein Pflichtstopp in unseren Lieblingsparks entlang der Grenze zwischen den USA und Kanada bevor. Der Glacier National Park und Waterton versanken jedoch im Rauch der Brände, die uns auf den letzten tausend Kilometern von Yellowstone begleiteten.
Den Grinnell Glacier wird es in 20 Jahren nicht mehr geben
Das Leben ist schöner in Banff
Den Glacier National Park gaben wir nicht ganz auf – wir stiegen wenigstens zum Grinnell Glacier hinauf, einem Gletscher, den es in 20 Jahren nicht mehr geben wird. Doch dann fuhren wir mit Tränen in den Augen zu unseren Freunden zurück nach Calgary. Unsere Reise war zu Ende.
Es gibt einen Grund, warum der Moraine Lake eine der Hauptattraktionen im Banff National Park ist
„Aber am besten hat es mir trotzdem in Banff gefallen“, verkündete Lukáš, als wir nach 2,5 Monaten Leben und Reisen im Auto nach Calgary zurückkehrten. Wir fuhren 20.000 Kilometer und liefen 800 Kilometer – nur um uns zu vergewissern, dass es keinen schöneren Ort in Nordamerika gibt als Banff.
Unsere Reise mit Chiquita ist zwar zu Ende, aber wir reisen weiter.
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TL;DRDie Autoren dieses Reiseblogs berichten von zwei Monaten Leben im umgebauten Auto auf einer Reise durch Alaska, Kanada und den Westen der USA, bei der sie über 16.000 Kilometer zurücklegten. Die Route führte über den Panorama Ridge bei Whistler (30 km und 1800 Höhenmeter), den Vulkan Mt. St. Helens, San Francisco mit dem Baker Beach, den Lake Tahoe und den Yosemite-Nationalpark, dessen Besucherzahlen allein zwischen 2013 und 2016 von 3,8 auf 5,2 Millionen stiegen. Unterwegs mussten sie einen platten Reifen für 240 Dollar reparieren lassen und kämpften mit Mücken in Yosemite, Rauch von Waldbränden und Hitze über 40 °C. Der Beitrag zeigt: Langzeitreisen im Auto verbinden außergewöhnliche Naturerlebnisse mit den ganz alltäglichen Mühen des Überlebens auf der Straße.
Es gibt einen Unterschied zwischen Urlaub und echtem Reisen. Es ist nicht dasselbe, ob man zwei Wochen Ferien macht oder drei Monate lang ins Auto zieht. Das merken wir jeden Tag aufs Neue – wenn wir einen Schlafplatz suchen, eine Kochmöglichkeit oder einfach eine Möglichkeit, uns zu waschen. Dazu kommen Tränen aus schlechter Laune und manchmal der dringende Wunsch, das Auto stehenzulassen und mit dem nächsten Flieger nach Hause zu verschwinden. Das ist unser Alltag auf dieser Reise durch Westamerika.
Egal in welche Richtung man auf dem Panorama Ridge schaut – der Mund bleibt offen vor StaunenGenau zwei Monate ist es her, dass wir zunächst auf Hawaii gezeltet haben. Danach sind wir von der kanadischen Stadt Calgary 3.000 km nach Alaska gefahren und nach zwei Wochen dieselbe Strecke wieder zurück nach Kanada, von wo aus wir in die USA aufgebrochen sind. Die ganze Zeit schlafen wir in unserem Auto, in dessen Kofferraum wir ein Bett eingebaut haben. Insgesamt haben wir bereits rund 16.000 km zurückgelegt.>>> Teil 1 – Wir haben uns ein Bett ins Auto gebaut und sind nach Alaska gefahren>>> Teil 2 – Hitze, weiße Nächte und Waffen überall. Willkommen in Alaska>>> Teil 3 – Warum ihr Alaska mindestens einmal im Leben besuchen müsstWie aus einer Milka-Werbung
Das Einzige, worauf wir uns freuten, war der abendliche Schlaf
Die Rückfahrt von Alaska war genauso endlos wie die Hinfahrt. Das herrliche Wetter tröstete uns zwar ein wenig, und Berge und Wälder konnten unsere grenzenlose Langeweile vielleicht die ersten paar hundert Kilometer aufheitern. Morgens standen wir auf und das Einzige, worauf wir uns wirklich freuten, war der abendliche Schlaf – und das nächste Harry-Potter-Kapitel.
Belohnung nach der langen Fahrt – oder doch Strafe?
Der Garibaldi Lake von oben – kann etwas noch atemberaubender sein?
Nach drei Tagen erreichten wir unseren vorletzten Stopp in Kanada: den Panorama Ridge bei Whistler in der kanadischen Provinz British Columbia. Wir übernachteten heimlich direkt auf dem Trailhead-Parkplatz und schnürten früh morgens die Rucksäcke. 30 km und 1.800 Höhenmeter lagen vor uns. Die ersten neun Kilometer mit 900 Höhenmetern führten zum Lagerplatz am See – dort sollten wir die Rucksäcke abstellen, das Zelt aufbauen und dann erst weiter zum Panorama Ridge aufsteigen. Schon beim Aufstieg ins Camp starben wir fast und hatten bereits 3 von 10 mitgebrachten Keksen aufgegessen (wie Lukáš anmerkte).
Dafür waren wir nicht gemacht. Obwohl wir jeden zweiten Tag gewandert waren, zerstörten uns die schweren Rucksäcke das Wanderego in atemberaubendem Tempo. Als wir im Camp ankamen, konnten wir uns nicht vorstellen, auch nur einen Schritt weiterzugehen. Kaum hatten wir das Zelt aufgebaut, schliefen wir auch schon. Nach einer Stunde – halbwegs erholt – schnappten wir uns einen Snack und machten uns wieder auf den Weg.
Mit jedem Schritt sank unsere Meinung über unsere eigene Fitness
Die Aussichten waren unglaublich
Der Aufstieg war wieder gnadenlos, doch bald flachte der Hang ab, und Aussichten wie aus einer Milka-Werbung empfingen uns. Wir redeten uns ein, das Schlimmste überstanden zu haben, und schlenderten gut gelaunt über den flachen Abschnitt, betrachteten schneebedeckte Gipfel, kleine Gletscherseen und bewunderten die Wiesenblumen, die den Weg säumten. Aber das war wirklich nur Einbildung. In den letzten zwei Kilometern wartete ein brutaler, steiler Aufstieg durch Schnee. Nicht einmal der Anblick der vielen Leute, die den Rückweg lieber auf dem Hintern runterrutschten, konnte uns trösten.
Nächstes Mal nur noch per Helikopter
Wir schafften es. Lukáš wurde vor Erschöpfung schwindelig. Wir blieben deshalb nicht lange oben, und auf dem Rückweg verirrten wir uns auch noch – plötzlich standen wir abseits des Weges. Luky konnte kaum noch laufen. Ich nahm ihm kurzerhand – fast mit Gewalt – den Rucksack ab und kommandierte: „Wir gehen.“ Nach acht Stunden Qual war es vorbei. Zu erschöpft zum Essen, krabbelten wir in unsere Schlafsäcke und fielen in tiefen Schlaf. Am nächsten Morgen wartete nur noch der kurze, schmerzhafte Abstieg zum Parkplatz.
„Was wollt ihr einen Monat lang in den USA machen? Berge besteigen?“
Typischer Blick auf Vancouver
Nach zwei Erholungstagen bei unseren wunderbaren Freunden in Vancouver machten wir uns auf den Weg nach Washington. Kurzzeitig dachten wir, wir würden umkehren und den gesamten Plan über den Haufen werfen müssen, um stattdessen Ostkanada zu erkunden. An der Grenze wurden wir aufgehalten und eine Stunde lang befragt.
„Sie sagen, Sie werden einen ganzen Monat lang in den USA campen und wandern?“ Ein bereits dritter Beamter schaute uns ungläubig an und stellte dieselben Fragen wie seine Vorgänger.
Wir sahen uns schon auf dem Rückweg nach Kanada
Schließlich durfte er – wie sein Vorgänger – unser Auto durchsuchen und fand dabei zwei Avocados.
„Und was ist das hier? Das haben Sie bei der Einreiseerklärung nicht angegeben.“ Wir hatten die Avocados tatsächlich vergessen. Zum Glück glaubte er uns, dass es ein Versehen war – sonst hätten wir 300 Dollar Strafe zahlen müssen. Noch ärgerlicher war, dass die Beamten unsere Autoschlüssel verlegt hatten und den Kollegen, der das Fahrzeug zuerst durchsucht hatte, nicht mehr identifizieren konnten. Nach einer quälenden Stunde durften wir endlich weiterfahren. Für diesen Tag war klar: Mehr würden wir nicht mehr schaffen.
Die teuerste Wanderung unseres Lebens kostete uns 240 Dollar
Die Berge in Washington unterscheiden sich deutlich von denen in Kanada oder Alaska. Felsiger, heller, klarer, weniger bedrohlich – und je weiter man nach Süden fährt, desto sanfter wirken sie, auch die Wälder sind weniger dicht. Wir suchten uns eine Wanderung in der Nähe von Everett heraus, die laut unserer App die schönste sein sollte. Der Mt. Pilchuck Trail ist ein kurzer, dreistündiger Spaziergang zu einem Aussichtsturm auf dem Gipfel – auch für Kinder geeignet. Für uns war er ein Kinderspiel, aber gleichzeitig die teuerste Wanderung unseres Lebens.
Der Mt. Pilchuck Trail ist sehr beliebt und stets gut besucht
Für Chiquita brauchten wir zwei neue Reifen
Zum Parkplatz am Trailhead führt nämlich nur eine Schotterpiste voller Steine und elefantengroßer Schlaglöcher. Auf dem Rückweg hatten wir einen Platten. Unsere Pläne für eine Dusche und die Weiterfahrt nach Seattle lösten sich in Luft auf – wir übernachteten dreckig vor einer Werkstatt, die wir mit letzter Kraft noch erreichen konnten.
Wir hatten an alles gedacht – nur nicht ans Naheliegendste
Manche hätten vielleicht geweint, aber wir mussten lachen. Genau wie alle, denen wir die Geschichte in den USA erzählten: „Ihr hattet auf 12.000 Kilometern durch Yukon und Alaska keinen Platten – und dann passiert euch das ausgerechnet in Washington?“ So amüsant und paradox es alle fanden, so witzig fanden wir selbst, dass wir an alles Mögliche gedacht hatten, was mit dem Auto passieren könnte – nur nicht an einen Reifenpanne.
Mount St. Helens – der größte Luftverschmutzer der Region
Die Vulkane in Washington sind noch aktiv – und manchmal explodieren sie
1980 wurde aus dem Mt. St. Helens ein geköpfter Mt. St. Helens – er explodierte. Wir beschlossen trotz der irrsinnigen 30-Grad-Hitze, den Harry’s Ridge Trail zu laufen, der rund um den Vulkan führt. Das war etwas völlig anderes als Wandern in normalen Bergen – und es ähnelte auch nicht dem Klettern im Krater auf Hawaii. Wir zogen durch eine ausgedörrte Einöde voller seltsam widerstandsfähiger Blumen bis zu einem atemberaubenden Aussichtspunkt auf Mt. St. Helens, den nahegelegenen See und den schneebedeckten Gipfel des Mt. Adams.
Mount St. Helens Aussicht vom Harry’s Ridge Trail
Wo die Wildnis endet, fängt das Feuer an
Greg und Vicki empfingen uns herzlich an der Grenze zwischen Washington und Oregon – obwohl wir ihnen erst sechs Stunden vorher Bescheid gegeben hatten. Wir denken immer gerne an ihre Gastfreundschaft und die fantastische Landschaft rund um die Bridge of the Gods. Wer den Film „Wild“ gesehen hat, wird den Ort kennen: Genau hier beendet Cheryl Strayed ihre dreimonatige Wanderung. Am nächsten Tag hüllte dichter Rauch von Waldbränden die gesamte Gegend ein und begrub jede Aussicht unter sich.
Wir entdeckten geheime Ecken, die nur Einheimische kennen
Unsere Gastgeber schickten uns deshalb zu den nahegelegenen False Creek Falls. Wir fühlten uns wie in Avatar. Es war eine wirklich tolle Idee – der Rauch hatte hier noch nicht alles erreicht, und die Gischt der Wasserfälle verschaffte uns willkommene Abkühlung von der Hitze.
Die Avatar-artigen False Creek Falls
Wir flohen vor dem Rauch – doch der Rauch kam von allen Seiten. Das Feuer selbst sahen wir nie, aber in der Stadt, in der wir die Nacht verbrachten, war der Himmel so rot wie die Tore der Hölle.
Roter Himmel durch Waldbrände
Der Misery Ridge Trail war in einen dunstigen Schleier gehüllt, genauso wie die Painted Hills – doch noch schlimmer war die Hitze. Wir hatten erwartet, dass uns die extremen Temperaturen erst weiter im Süden einholen würden, aber das Thermometer zeigte bereits 40 °C. Bei unserem einfachen Autoleben und dem Reisestil „wir fahren, wohin wir gerade Lust haben“ suchten wir kurzerhand das nächste Schwimmbad und fuhren hin. Dort planschten ausschließlich Kinder. Und wir.
Smith Rocks und der Misery Ridge Trail
Gesehen haben wir eine Menge – das lässt sich nicht leugnen
Der Crater Lake sollte unser nächster Stopp sein, doch wir hielten uns dort nicht lange auf – der gesamte See war in Rauch gehüllt, und nach zehn Sekunden im Freien rochen wir selbst wie Räucherfisch. Also flüchteten wir zur Pazifikküste Kaliforniens.
In Kalifornien ist es kalt!
Dort erwartete uns allerdings Kälte. Man rechnet in Kalifornien eigentlich nicht damit – auch wenn man es schon mehrfach erlebt hat, überraschen einen diese 17 Grad immer wieder. „Das hätte ich mir eigentlich denken können, dass es nördlich von San Francisco kühler ist“, kommentierte ich trocken.
Glass Beach
Zwei Tage fuhren wir die Küste entlang mit einem Zwischenstopp im Redwood National Park und einem weiteren am Glass Beach – einem Ort, an dem die Natur alten Müll in ein glitzerndes Feld aus Glasstückchen verwandelt hat, das Touristen, die davon gehört haben, stückweise mitnehmen. Eigentlich wollten wir noch am selben Tag nach San Francisco weiterfahren, aber wir hatten einfach keine Lust mehr. Zum ersten Mal gönnten wir uns ein Hotel mit Whirlpool und Pool und verschoben San Francisco kurzerhand um einen Tag.
Touristen, die sich um ein Stückchen Instagram-Ruhm prügeln
San Francisco
Über die Schönheit San Franciscos ist wohl schon mehr als genug geschrieben worden. Orte, die früher problemlos zugänglich waren, sind heute vollgestopft mit hupenden Autos und genervten Touristen, die sich den besten Fotospot erkämpfen. Zum Glück entdeckten wir den Baker Beach, von dem aus man die Golden Gate Bridge sehen kann – und wo man nur von einer Handvoll Touristen und ein paar FKK-Anhängern gestört wird, die sich auf dem Sand sonnen oder an Felsen lehnen. Die Anwesenheit von Familien mit Kindern schien sie überhaupt nicht zu stören. Kurz überlegten wir, ob die irgendetwas nahmen – aber bald waren unsere Gedanken woanders, und wir ließen uns entspannt auf den Klippen nieder.
San Francisco
Ich erinnere mich noch gut, wie unkompliziert ein Besuch auf Alcatraz früher war – Tickets kaufen, auf die Fähre und los. Das ist Geschichte. Heute muss man mindestens drei Wochen im Voraus reservieren. Für uns, die wir nie wussten, wo wir am nächsten Tag sein würden, ist alles, was detaillierte Planung und Konkurrenz mit anderen Touristen erfordert, schlicht nichts. Wäre es eine Sache des Auf-einen-Berg-Steigens, kein Problem. Nach einem Spaziergang entlang der Küste hatten wir die Touristenmassen, die sich gegenseitig in Richtung Donuts schoben (wir machten aus Verzweiflung mit), so gründlich satt, dass wir ins Auto sprangen und mehrere Stunden in Richtung Osten fuhren.
Hawaii zwischen Kalifornien und Nevada: der Lake Tahoe
Lake Tahoe
Türkisfarbenes Wasser zum Baden, Boote, Sandstrände. Der Lake Tahoe entpuppte sich als wahres Paradies an der Grenze zwischen Kalifornien und Nevada – wir wären am liebsten gar nicht mehr weggefahren. Manchmal denken wir noch, wir hätten einfach dort bleiben sollen. Doch nach einem wunderschönen Sonnentag lagen wir beim Sonnenuntergang bereits anderthalb Stunden weiter südlich in unserem Auto – am Mono Lake.
Warum wir Mücken fürchten
20 Lakes Basin
Mit Bären kann uns niemand mehr erschrecken. Aber bei Mücken – da haben wir einiges zu erzählen. Unsere erste Wanderung im Yosemite, der 20 Lakes Basin Loop Trail, war eine einzige Mückenhölle. Die Viecher versuchten aktiv, uns aufzufressen. Innerhalb einer Stunde waren alle Körperstellen so zerstochen, dass unsere Haut im Querschnitt an Mondkrater erinnerte. Selbst das stärkste Mückenspray aus Alaska half nichts – also gaben wir auf und flüchteten. Das wäre Qual gewesen, keine Freude mehr.
Wir gingen tiefer in den Yosemite hinein. Es war erst zwei Uhr nachmittags, also beschlossen wir, noch die Cathedral Lakes zu besteigen – eine Wanderung zu dem ikonischen Berg, der als Hintergrundbild in Mac OS X bekannt ist. Am Abend stellte sich dann die Frage: Wo waschen? Das Angebot war ein eiskalter See auf dem Weg aus dem Park heraus – wir mussten ihn verlassen, da Übernachten im Auto im Yosemite nicht erlaubt ist. Das Bad überlebten wir, das war die Hauptsache. Die Nacht im Auto in einer dunklen Seitenstraße im ersten Städtchen außerhalb des Parks überstanden wir ebenfalls.
Den Aufstieg zum Cathedral Lake haben wir fast im Laufschritt erledigt
Disneyland mitten im Nationalpark
Wer schon mal im Münchner oder Berliner Berufsverkehr frustriert mit dem Kopf aufs Lenkrad hauen wollte – dem wünsche ich nicht den Yosemite Valley. Der populärste Teil dieses Nationalparks ist eher ein Rummelplatz oder Disneyland. Tausende Autos hupen aufeinander ein, und Menschen stehen Schlange für Fotos von allem, was sie auf Social Media gesehen haben. Manchmal hat man das Gefühl, sie tun es aus Pflicht – denn wer ihnen ins Gesicht schaut, sieht meistens ziemlich genervte Leute.
Yosemite National Park
Wir machten die beliebteste Wanderung zu den Vernal Falls und überholten auf dem steilen Aufstieg mindestens hundert Menschen. Das Überholen glich einem Autorennen-Videospiel, bei dem man immer schneller Gegenkommenden ausweichen und Punkte sammeln muss. Zum Glück wurde die Schlange mit zunehmender Höhe kürzer, und die Schwächsten blieben unter uns zurück. Von den Vernal Falls stiegen wir weiter zu den Nevada Falls auf – dorthin schafften es 99 % der Touristen nicht mehr.
Die Nevada Falls sind absolut gigantische Wasserfälle!
Lohnt es sich? Die Vernal Falls und Nevada Falls zu sehen ist wie ein Aufenthalt in einem magischen Tal – solange man nicht nach rechts, links oder hinter sich schaut und eine Horde Touristen vor einem auftaucht. Der Yosemite ist es wert, aber er ist nicht der Ort, an dem ich Zeit verbringen möchte wie etwa in den kanadischen Rocky Mountains. Als ich vor neun Jahren zum ersten Mal hier war, war es noch nicht so. Und die Zahlen bestätigen meine Erinnerung: Allein zwischen 2013 und 2016 stieg die Besucherzahl von 3,8 auf 5,2 Millionen. Aber keine Sorge – findige Menschen entdecken immer ein stilles Plätzchen, an dem man dieses Naturwunder wenigstens kurz in Ruhe genießen kann.
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Wo wir uns versichern: SafetyWing (am besten für alle) und TrueTraveller (für extra lange Reisen).
Warum empfehlen wir keine deutsche Versicherung? Weil sie zu viele Einschränkungen haben. Sie setzen Limits für die Anzahl der Tage im Ausland, verlangen bei Kreditkarten-Reiseversicherungen oft, dass medizinische Kosten nur mit dieser Karte bezahlt werden, und begrenzen häufig die Anzahl der Rückreisen nach Deutschland.
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TL;DRDie 15 schönsten Orte in Westkanada umfassen türkisfarbene Seen wie Moraine Lake, Lake Louise, Peyto Lake, Bow Lake und Emerald Lake, dazu anspruchsvolle Wanderungen wie den Garibaldi Lake mit Blick vom Panorama Ridge (30 km, 1800 m Höhenunterschied, 10–12 Stunden), den Alpine Circuit Trail am Lake O’Hara, den Iceline Trail (17 km) und den Wilcox Pass mit Aussicht auf das Columbia Icefield (12 km, 3 Stunden). Die beste Reisezeit ist Juni bis September, wobei das Wetter im September am stabilsten ist. Dann färben sich außerdem die Lärchen am Chester Lake golden, und die Touristenmassen werden kleiner. Kürzere, aber ebenso eindrucksvolle Erlebnisse bieten der Bear’s Hump im Waterton-Lakes-Nationalpark (1,5 Stunden) oder im Winter der Johnson Canyon, für den du nur eine Stunde brauchst.
Westkanada ist ein Schatz Nordamerikas. Pastelltürkise Seen, umgeben von den hohen Gipfeln der Skalistých hor (Canadian Rocky Mountains). Nirgendwo sonst auf der Welt findet man einen vergleichbaren Ort. Wir hatten das Glück, hier knapp ein Jahr zu verbringen. Die meisten von euch werden bei einer Reise nach Kanada nicht auf gut Glück drauflos erkunden können, und deshalb habe ich eine Liste der schönsten Orte in Westkanada zusammengestellt, die ihr in dieser atemberaubenden Landschaft besuchen könnt. Also los geht’s: Das sind die 15 schönsten Orte in Westkanada.
Beste Reisezeit für Westkanada
Wir empfehlen eine Reise zwischen Juni und September. Als wir in Kanada lebten, war das beste Wetter im September – am stabilsten. Im Juni kann es noch Schnee geben.
Im Sommer gibt es hier extrem viele Touristen und das Wetter wechselt oft von Stunde zu Stunde. Kein Wunder, dass die Einheimischen ständig das Wetter checken (das sich allerdings zu 90 % nicht bewahrheitet). Auch der Oktober kann in den Rocky Mountains wunderschön sein, aber auch richtig frostig. Für mich persönlich: September.
Und was ist mit dem Winter? Der Winter ist wunderschön, aber für Wanderungen braucht man Schneeschuhe. Wenn ihr allerdings gerne Ski fahrt, werdet ihr den Westen Kanadas auf jeden Fall genießen. Plant ihr eine Westkanada Rundreise, solltet ihr die beste Reisezeit unbedingt im Blick behalten.
1) Blick auf den Garibaldi Lake von Panorama Ridge nahe Vancouver
Garibaldi Lake von oben – kann es etwas Atemberaubenderes geben?
Eines der größten Erlebnisse, das wir uns bis zum Schluss aufgehoben haben. Einmal hatten wir schon geplant herzukommen, aber es war Herbst und es regnete. Schließlich haben wir diese Wanderung auf dem Weg von Alaska in die Staaten gemacht. Es handelt sich um eine Tour, die die meisten Leute auf zwei Tage mit Übernachtung am Garibaldi Lake aufteilen.
Die Route ist über 30 km lang mit 1.800 m Höhenunterschied und dauert 10–12 Stunden, wenn man sie an einem Tag machen möchte. Wir haben am ersten Tag 8 Stunden mit dem Aufstieg zum Gipfel gebraucht, am See übernachtet und sind am zweiten Tag zum Parkplatz zurückgewandert, was 2 Stunden dauerte.
Egal in welche Richtung man sich auf Panorama Ridge dreht – vergesst nicht, dass euch wahrscheinlich vor Staunen der Mund offen steht
2) Atemberaubender Blick auf Lake O’hara vom Alpine Circuit Trail im Yoho National Park
Der Alpine Circuit kostet viel Kraft, aber es lohnt sich
Der beste Weg zum Lake O’hara führt mit dem Bus, den man 3 Monate im Voraus reservieren muss. Natürlich kann man den Weg auch zu Fuß zurücklegen, aber das würde 3–4 Stunden dauern (eine Richtung) und allein der See ist das nicht wert.
Wenn ihr euch entscheidet hinzufahren, reserviert auch einen Campingplatz für ein bis zwei Tage. Die anspruchsvollste, aber atemberaubendste Wanderung ist der Alpine Circuit Trail, der durch mehrere Trails führt. Über den Wiwaxy Gap, wo man auf 1,5 km fast 500 Höhenmeter überwindet und sich fragt, was man hier eigentlich macht – bis man den ersten Aussichtspunkt erreicht, der einem den Atem raubt.
Danach geht der Weg weiter über die Hubert Ledges und man kann wie wir über den Lake Oesa zurückkehren oder weiter zu den Yukness Ledges gehen. Welchen Weg ihr auch wählt, die Belohnung in Form atemberaubender Ausblicke bleibt euch nicht verwehrt.
Ein weiterer Trail, den wir vom Lake O’hara empfehlen können, ist die dreistündige Wanderung zum Lake McArthur.
Weniger anspruchsvoll, aber keineswegs weniger atemberaubend
3) Moraine Lake
Es gibt einen Grund, warum Moraine Lake eine der Hauptattraktionen ist
Der Gletschersee nahe Lake Louise ist einer der touristischsten Orte in Banff. Es reichen nur wenige Schritte vom Parkplatz und schon füllt sich der Blick mit unglaublichem Blau, bunten Kajaks und mächtigen Bergen ringsum. Kommt morgens oder abends her und ihr umgeht die Menschenmassen.
Und eine etwas andere Perspektive auf den Moraine Lake
4) Plain of Six Glaciers und Lake Agnes Tea House am Lake Louise
Aussicht vom Plain of Six Glaciers
Lake Louise ist einer der berühmtesten Orte in Banff. Türkise Seen und im Winter perfekter Schnee zum Skifahren über sechs Monate hinweg. Zum See selbst kommt man mit dem Auto, aber wenn ihr Lust auf etwas noch Besseres habt, macht euch auf einen der Trails.
Einer unserer Favoriten ist Plain of Six Glaciers – 15 km lang mit 457 m Höhenunterschied. Oben, kurz vor dem anspruchsvollsten Ende, gibt es ein Tea House, wo man zu Mittag essen kann. Das Essen wird dort komplett ohne Strom zubereitet.
Eine weitere Wanderung, die wir empfehlen können, ist Lake Agnes. Man gelangt zu einem See mit einem Tea House, wo die meisten Leute umkehren. Aber gebt hier nicht auf – zum Besten müsst ihr noch ein Stückchen höher klettern. Unter euch breitet sich dann ein atemberaubender Blick auf Lake Louise aus. Das Ganze schafft man in 2–3 Stunden.
Blick auf Lake Louise
5) Bow Lake
Meine große Liebe: Bow Lake
Wenn ihr uns nach unserem Lieblingssee fragt, nennen wir keinen der berühmtesten, sondern sprechen über Bow Lake. Der riesige See liegt auf dem Weg von Lake Louise nach Jasper, und wenn ihr vor 16 Uhr ankommt, könnt ihr im angrenzenden Café eine Kleinigkeit essen. Auch hier könnt ihr weiter auf eine 9 km lange Wanderung zu den Bow Lake Falls aufbrechen. Passt auf, wenn ihr mit Kindern unterwegs seid – die 400 Höhenmeter bewältigt man erst auf den letzten 1,5 km.
6) Peyto Lake
Türkiser Peyto Lake
Bekannt für seine geradezu giftig-pastelltürkise Farbe. Peyto Lake ist nur fünf Minuten zu Fuß vom Parkplatz entfernt, weshalb man sehr früh am Morgen kommen sollte, um ihn in Ruhe genießen zu können.
7) Aussicht vom Cascade Mountain
Aussicht vom Cascade Mountain
Wenn ihr in Banff etwas länger bleiben wollt, besteigt einen der Berggipfel. Ihr wandert einige Stunden durch den Wald und müsst dann über Felsen klettern, aber wenn ihr all die anderen Gipfel ringsum seht, werdet ihr es nicht bereuen. Die Cascade Mountain Wanderung dauert etwa 6–8 Stunden.
8) Parker Ridge vor dem Columbia Icefield
Sonniges Wetter in den Bergen ist nicht so häufig wie Katalogfotos vermuten lassen, trotzdem ist es nicht weniger schön
Viele Leute halten Parker Ridge für eine der besten Wanderungen in dieser Gegend. Sie ist nur 1 Meile lang, aber macht euch darauf gefasst, dass ihr aufgrund der Steilheit unterwegs ganz schön ins Schwitzen kommt. Sucht nicht nach dem Ende des Trails. Es gibt keins. Ihr könnt so lange weitergehen, wie ihr wollt. Die Ausblicke sind unglaublich. Plant für diesen Trail mindestens 2 Stunden ein. Ihr werdet oben eine Weile verweilen wollen.
9) Bear’s Hump, Waterton Lakes National Park
Blick vom Bear’s Hump auf die Waterton Lakes
Wenn ihr einen Wochenendausflug von Calgary aus plant, solltet ihr unbedingt nach Waterton fahren. Für schöne Ausblicke müsst ihr nicht weit gehen. Unser Favorit ist der Blick vom Bear’s Hump, zu dem ein kurzer, aber sehr steiler Weg führt. Dafür braucht ihr nur 1,5 Stunden.
10) Johnson Canyon im Winter
Johnson Canyon im Winter
Johnson Canyon ist im Sommer wie der Alexanderplatz. Und es ist der einzige Ort, wo man sich fragt, warum. Die Ausblicke auf die Wasserfälle sind nicht so atemberaubend, wie die Besucherzahlen vermuten lassen. Aber wenn man im Winter herkommt, sieht die Sache ganz anders aus.
Man trifft hier höchstens Kletterer, die versuchen, die vereisten Felsen zu bezwingen, und der Anblick verschlägt einem die Sprache. Der Winter ist ein mächtiger Zauberer. Außerdem schätzt man im Winter, dass das Ganze maximal eine Stunde dauert.
11) Emerald Lake, Yoho National Park
Einfach parken und aus dem Auto schauen.
Der grünste See, den ich je gesehen habe. Dieser Ort ist nicht so überlaufen wie der Moraine Lake, aber das bedeutet keineswegs, dass er weniger schön ist.
12) Iceline Trail, Yoho National Park
Ein Trail, den ich sofort noch einmal machen würde
Wenn ich mir einen Ort in den Rockies aussuchen müsste, an den ich zurückkehren würde, wäre es diese Wanderung. Man kann die gesamte 17 km lange Runde laufen, aber wenn ihr nicht so viel Zeit habt – kein Problem. Sobald man über die Baumgrenze kommt (nach etwa einer Stunde), sind die Ausblicke bereits unglaublich.
13) Chester Lake, Kananaskis, Canmore
Weg zum Chester Lake
Leute fragen oft: Wann sollte man nach Banff reisen? Und ich antworte ohne zu zögern: Im September. Es kann zwar schneien, aber die Lärchen verfärben sich golden, und das ist einer der schönsten Anblicke, die man hier erleben kann. Und obendrein leert sich Banff langsam. Chester Lake ist perfekt für die Lärchenzeit, und wenn euch der Film The Revenant gefallen hat – das ist die Landschaft, in der er gedreht wurde. Die Wanderung dauert etwa 4 Stunden und ist nur 10 km lang.
14) Barrier Lake Lookout in Kananaskis
Im April war das Wetter noch nicht ideal, aber trotzdem war es ein wunderschöner Ausblick
Wenn ihr etwas in Kananaskis sucht – diese Wanderung, die hauptsächlich von Einheimischen gemacht wird, ist 14 km lang und dauert 5 Stunden. Sie ist aber auch für Kinder machbar.
15) Blick auf das Columbia Icefield vom Wilcox Pass
Blick auf das Columbia Icefield vom Wilcox Pass
Das Columbia Icefield ist ein sehr touristischer Ort, wo man über hundert Dollar zahlt, wenn man mit einem riesigen Schneebus zum Gletscher fahren möchte. Wenn ihr ein etwas anderes Erlebnis sucht, empfehle ich den Wilcox Pass. Ein einfacher Trail auf der gegenüberliegenden Seite, 12 km lang – in 3 Stunden zu schaffen.
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TL;DRDer Reisebericht von der Kenai-Halbinsel in Alaska liefert Tipps für die schönsten Erlebnisse im hohen Norden Amerikas: der Aufstieg zum Exit Glacier, dem einzigen vom Festland aus erreichbaren Gletscher, Kajaktouren zwischen Gletschern und Walen bei Seward sowie ein Bummel durch das Künstlerstädtchen Homer mit seiner schmalen Landzunge namens Spit. Ein Kajak für die Fjorde bekommst du ohne Erfahrung nicht einfach so gemietet, eine organisierte Tour kostet umgerechnet rund 10.000 Kronen pro Person, während die Einfahrt in die Hafenstadt Whittier durch den Tunnel etwa 300 Kronen kostet. Die Autoren empfehlen, für die Kenai-Halbinsel mehrere Tage einzuplanen und mit wechselhaftem Wetter zu rechnen, das geplante Ausflüge um mehrere Tage verschieben kann.
Vor uns öffneten sich postkartenwürdige Berge, türkisfarbene Seen und bläuliche Gletscher – wir fuhren auf die Kenai Peninsula, jenen Teil Alaskas, den wir alle von den berühmten kitschigen Fotos kennen. Dieser Alaska Reisebericht erzählt von jenem Teil des Landes, der in unserer Vorstellung Alaska als Ganzes repräsentiert.
Bevor wir offiziell die Kenai Peninsula betraten, fuhren wir in das erste kleine Hafenstädtchen Whittier am Prince William Sound. Die ersten Worte, die wir über diesen Ort mit 200 Einwohnern lasen, waren: „Whittier ist seltsam, es ist ein Ort, der auf der Welt seinesgleichen sucht.“ Um dorthin zu gelangen, muss man etwa 12 Euro für die Durchfahrt durch einen Eisenbahntunnel bezahlen, und wenn man Pech hat, wartet man auch mal eine halbe Stunde, weil er nur einspurig ist.
Angeblich „It is shittier in Whittier“ – der Reiseführer hat mal wieder geflunkert
Das seltsame Hafenstädtchen Whittier
So „seltsam“ fanden wir es dann doch nicht. Wir machten eine kurze dreistündige Wanderung zu einem Gletscher und erkundeten die winzige Gemeinde mit ihrem niedlichen Hafen und dem ungewöhnlich blauen Wasser, wo es eigentlich nicht viel zu sehen gibt – und dann ging es auch schon wieder zurück.
Der erste ECHTE Gletscher, den wir nach drei Wochen sahen
Das soll die Hauptstraße sein?
Wir schlugen unser Lager auf einem Campingplatz kurz vor Hope auf, das wir am nächsten Morgen erkunden wollten – „typisches ländliches Alaska, durchdrungen von Geschichte“. Das versprach zumindest unser Reiseführer aus Papier, der uns durch diese nördliche Landschaft begleitete. Viel Historisches haben wir in Hope nicht entdeckt, und wir begannen stark an der Qualität der Informationen zu zweifeln, die uns das Buch von Lonely Planet vermittelte. So begann einer der weniger erfolgreichen Tage auf unserer Alaska-Reise.
Kajak wird in Alaska aufs Meer einfach nicht verliehen – und fertig
Wir fuhren nach Seward, wo wir mit Kajaks zu den Fjorden und Gletschern paddeln wollten. Es handelt sich um eines der meistbeworbenen Erlebnisse hier in Alaska, und anders als mit einer geführten Tour kommt man dort nicht hin. Wenn man kein Kajak-Experte ist, verleiht einem niemand ein Kajak für die Fjorde. Und wir saßen vorher vielleicht ein- oder zweimal in einem. Aber dafür zahlt man rund 400 Euro pro Person. Wir waren schon darauf eingestellt, den Rest der Reise nur noch Wurzeln zu essen, denn wir planten nicht, in absehbarer Zeit hierher zurückzukehren, und das Kajakfahren hätten wir zu sehr bereut.
Türkisfarbener Hafen in Valdez
Das Kajakfahren änderte unsere Pläne komplett – zu unserem Pech waren die nächsten freien Plätze erst einige Tage später verfügbar. Am Samstag. Also mussten wir erneut unsere Pläne ändern und den Rest der Kenai Peninsula erkunden, um erst in ein paar Tagen zurückzukehren.
Wie uns die Mormonen bekehren wollten
„Habt ihr schon von den Mormonen gehört?“ Da saßen wir nach einer erschöpfenden Fahrt bereits in einem öffentlichen Park in der City of Kenai und grillten frisch gefangenen Lachs. Für zwanzig Minuten gesellten sich zwei freundliche Mormonen zu uns und erzählten, wie sie als Missionare in verschiedene Teile der Welt geschickt werden. Gerade waren sie ein halbes Jahr in Whitehorse in Kanada gewesen, bevor man sie hierher nach Alaska versetzt hatte.
Außer Lachs hatten wir nichts, also gingen wir Holz im Wald sammeln
„Kennt ihr die Bibel? Na ja, die ist nicht mehr modern. Wir haben auch eine Bibel, und weil ihr so nett seid, schenken wir euch eine.“ Der Mormone holte eine Bibel hervor und schrieb uns seine Nummer hinein. „Falls ihr auf eurer Reise etwas braucht, ruft einfach an, wir haben Missionare in ganz Amerika.“ So verabschiedeten sie sich. Die Karte und die Bibel haben wir aufbewahrt. Könnte sich in Utah noch als nützlich erweisen.
Das tägliche Brot alaskischer Familien – das Abendessen selbst fangen
Mit anderen Wohnmobilen fahren wir jeden Abend durch die Städte auf der Suche nach einem Schlafplatz
Nach unserer Kajak-Reservierung beschlossen wir, nicht mehr auf Campingplätzen zu schlafen, und fanden uns einen Platz auf dem Parkplatz eines Supermarkts, wo wir im Auto übernachteten. Wir waren damit nicht allein – wir hatten bereits beobachtet, dass sobald es acht Uhr wird, Wohnwagen und Wohnmobile durch die Stadt kreisen und sich ein kostenloses Plätzchen suchen.
Unsere Chiquita ist eher ein funktionales Zuhause als ein Luxushotel, aber wir lieben sie!
So ein Wohnmobil ist übrigens kein Spaß. Man zahlt dafür um die 300.000 Dollar, und es fährt gerade mal drei Kilometer pro Liter. Dafür sieht es innen aus wie ein Hotel. „Im Vergleich dazu ist unser Bett in der Red Chiquita kein Luxus“, kommentierte Lukáš, als wir zum ersten Mal die Hoteltoiletten in diesen großen Monstern sahen, die über die amerikanischen Highways rollen.
Homer hatte etwas Besonderes, bis auf die Kälte
Homer ist die Stadt der Kunst und der Spit
Homer ist ein Städtchen der Kunst. Wenn man möchte, kann man den ganzen Tag durch kleine Kunstgalerien lokaler Künstler schlendern. Das war auch unsere Beschäftigung. Viel anderes gibt es hier nämlich nicht zu tun, die Umgebung ist relativ flach und das Klima unfreundlich. Trotzdem lohnt sich ein Besuch, denn hier gibt es eine schmale Landzunge, die in den Ozean hinausragt und die sie „Homer Spit“ nennen – beim ersten Blick versteht man warum. Man hat das Gefühl, eine stärkere Windböe oder größere Welle könnte sie hinwegfegen, und man kann kaum glauben, dass sich diese verstreute, dünne Schlängellinie so lange im Wasser halten konnte.
Homer ist berühmt für seine Miniaturgalerien
Wenn gerade kein Wind weht (was fast selten vorkommt), ist es angenehm, dort spazieren zu gehen. Dieser seltsame Zipfel wird von bunten Fischerhäuschen gesäumt, der Duft von Fisch und Salz vermischt sich, und gelegentlich weht ein süßer Wind von der örtlichen Pfannkuchenbude herüber. Die Leute spazieren hier mit Eis herum, als wären es nicht etwa zwölf Grad. Wir kamen bei perfektem Wetter an – Sonnenschein, azurblauer Himmel und angeblich die höchsten Temperaturen des Sommers. Aber selbst dann, wenn wir unsere Jacke im Auto vergessen hatten, mussten wir schnell zurückrennen.
Seward empfing uns mit perfektem Wetter, leider blieb es nicht so
Wir kehrten einen Tag früher nach Seward zurück, um den Ice Harding Trail zu wandern, der eine der schönsten Wanderungen hier in Alaska sein soll. Doch der azurblaue Himmel hatte sich in Dauerregen verwandelt, die Berge versteckten sich unter Wolken, und unseren Tag verbrachten wir mit anderen Touristen zusammengepfercht in einem der drei Cafés der Stadt.
Den Ice Harding Trail haben wir zwei Tage wegen des Wetters verschoben. Das Warten hat sich gelohnt
Wir fürchteten, dass es auch am nächsten Tag so sein würde und uns das gesamte Kajakfahren verderben könnte. Ich konnte nicht schlafen, jeder Tropfen, der auf unser Auto fiel, weckte mich, und jedes Aufspritzen löste in mir Wut und Traurigkeit aus.
Gold wird hier zwar nicht abgebaut, aber Glücksritter gibt es genug
Um sieben Uhr morgens regnete es nicht. Wir saßen bereit für unser größtes Erlebnis im Büro der Firma, die uns auf den Ausflug mitnahm. Wir waren nur zu fünft, also stiegen wir bald ins Boot und fuhren hinaus auf den Ozean. Das Boot hüpfte über die Wellen, und schon bald sahen wir die ersten Wale. Wir beobachteten diese gewaltigen Geschöpfe, wie sie sich elegant aus dem Wasser erhoben und Wasser ausbliesen. Fast als wüssten sie, dass sie beobachtet werden, schwammen sie um das Boot herum, und wir starrten gebannt auf diese Wal-Vorstellung.
Seesterne!
Zwischen kleinen Eisstücken zu paddeln, Seelöwen und Seesterne zu beobachten, war ein Erlebnis – auch wenn der Himmel bedeckt war und über den Bergen Wolken schwebten. Rundherum niemand. Oft denken wir, Amerika habe keine Geschichte, weil wir die Ureinwohner vergessen. Und das, weil sie in der Natur keine Spuren hinterlassen haben. Sie blieb unberührt. Aber schon vor Tausenden von Jahren haben sie sie vom Kanu aus so gesehen, wie wir sie an diesem kalten Tag sahen. Diese Erkenntnis löste in mir ein Gefühl eines geradezu heiligen Moments aus – schaukelnd mit fünf anderen Menschen im Kajak und still die erhabene Macht der Natur betrachtend.
Kajakfahren ist nichts für Faulenzer
Die schönste Wanderung unseres Lebens
Auch danach verließen wir Seward nicht. Wir hofften, dass es am nächsten Tag aufklaren würde und wir die Kenai Peninsula mit einem letzten Erlebnis abschließen könnten. Mit dem grandiosen Blick auf den Exit Glacier, den einzigen vom Festland aus zugänglichen Gletscher.
„Ich pfeife drauf. Lass uns losfahren.“ Morgens öffnete ich die Augen und draußen verdeckten dunkle Wolken fast alle umliegenden Berge, das Wasser im Hafen hatte sich von Türkis in Grau verwandelt, als es den Himmel widerspiegelte, und es begann wieder zu regnen.
Wir wollten also schon abfahren, verärgert darüber, dass wir einen Teil der Tagesreise verloren hatten, aber dann entschieden wir, dass es ohnehin auf dem Weg liegt und vielleicht 20 Minuten weiter beim Gletscher das Wetter besser wäre.
Auf dem Parkplatz sah es nicht vielversprechend aus. „Aber schau, da drüben reißt es auf.“ Ich zeigte über den Gletscher. Überall waren dunkle Wolken, nur über unserem Ziel war ein Stückchen blauer Himmel, und Sonnenstrahlen tanzten auf dem Eis des Exit Glaciers.
Und so machten wir uns auf den Weg. Wir legten ein mörderisches Tempo vor. Insgesamt sollte die Wanderung 6-8 Stunden dauern. Wir schafften sie in 4 Stunden. Als wir ein Viertel des Weges nach oben geschafft hatten, klärte sich der Himmel schon auf. Bald war keine einzige Wolke mehr am Himmel, und wir genossen den blauen Himmel, der mit dem weißen Gletscher und den violetten Blumen kontrastierte, die überall verstreut waren. In dem einen Jahr, das wir in Nordamerika verbracht hatten, haben wir viel gesehen, aber bisher nichts so Schönes wie bei dieser Wanderung. Wenn man oben ankommt, soll sich einem angeblich ein Bild bieten, wie die Eiszeit ausgesehen hat. Rau und atemberaubend. Wieder einmal bestätigten wir uns, dass die besten Dinge im Leben kostenlos sind.
Exit Glacier / Aufgenommen mit der Drohne DJI Mavic Pro
Grandioser Blick auf den Exit Glacier
Was nicht mehr reinpasste: die Wanderung, die wir auf dem Weg von Homer nach Seward gemacht haben
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TL;DRDer Beitrag schildert einen authentischen Roadtrip durch Alaska: extreme Hitze um 32 °C, weiße Nächte ohne echte Dunkelheit und Waffen, die Einheimische selbstverständlich sogar ins Restaurant mitnehmen. Die Route führt durch North Pole, wo der Souvenirladen eher enttäuscht, weiter nach Fairbanks, in den Denali National Park mit dem 17 km langen Triple Lakes Trail, über den Gebirgspass Hatcher Pass bis nach Anchorage, wo bis zu 90 Sprachen gesprochen werden. Dazu gibt’s praktische Tipps wie den Preis für den Bus in den Denali-Park (30 bis 50 Dollar) oder den Hinweis, beim Wandern Bärenspray einzupacken – die Locals gehen lieber gleich mit Waffe in den Wald.
Und ab nach Alaska!
„Weißt du, dass wir gerade alles über die Grenze geschmuggelt haben, von dem wir behauptet haben, es nicht zu haben? Eine Waffe (Bärenspray gilt als Waffe), Alkohol, Obst und kommerzielle Produkte (wir reisen mit einer Kiste voller unserer Sonnenbrillen).“ sagt Lukáš zu mir. Die Grenze zwischen Kanada und den USA haben wir im letzten Jahr schon oft überquert und jedes Mal haben wir ein mulmiges Gefühl im Bauch. Unser Alaska-Abenteuer beginnt also mit einem ordentlichen Nervenkitzel, denn man hatte auf Hawaii vergessen, uns einen Stempel zu geben. Zum Glück geschah das Unmögliche – an der Grenze zwischen dem Yukon und Alaska waren die Beamten trotz der erheblichen Mängel in unseren Pässen ziemlich freundlich.
„Wir hätten das wenigstens ein bisschen verstecken sollen.“ Ich denke laut nach, aber da rasen wir schon in unserer Red Chiquita durch Alaska. Nach 3000 km Regen und der verrückten Yukon-Straße sind wir froh, dass Alaska uns seine sonnige Seite zeigt. Es ist schon später Abend, der vierte Juli, und Alaska feiert wie alle anderen US-Bundesstaaten den Unabhängigkeitstag – wir bekommen hier an der Grenze allerdings nichts davon mit und haben es ehrlich gesagt komplett vergessen.
Die Stadt North Pole mit dem Haus des Weihnachtsmanns ist ein kommerzieller Reinfall
Das Haus des Weihnachtsmanns in der Stadt North Pole hat uns enttäuscht – es war nur ein Souvenirladen
Wir kaufen uns einen Campingplatz gleich in der ersten größeren Waldsiedlung Tok und stellen plötzlich fest, dass es fast Mitternacht ist, die Sonne aber immer noch scheint. Also krabbeln wir in unser Auto und versuchen einzuschlafen. Mit dem Schlaf haben wir schon seit Tagen Probleme – das Auto haben wir nicht abdunkeln können und die Sonne geht einfach nicht unter. Dieses Problem sollte uns fast die gesamte Zeit in Alaska begleiten.
„Ich hatte Wichtel erwartet, die Geschenke zusammenbauen.“ Klage ich, und wir fahren genauso schnell wieder weg, wie wir hierher gerast sind.
Wald, wohin man schaut. Wo sind die Berge?
Fairbanks begeistert uns genauso wenig. Eine größere Stadt mitten im Wald. Wald, wohin man schaut. Die größte Attraktion ist hier laut unserem Reiseführer das Infozentrum.
Trotzdem genießen wir Fairbanks auf ganz andere Weise – wir besuchen hier Familienbekannte, bei denen wir auch übernachten. Wir essen mit ihnen unseren ersten Alaska-Lachs, trinken lokales Bier und schlafen zum ersten Mal seit Langem in einem Bett mit verdunkelten Fenstern. Es werde Dunkelheit.
Die Landschaft rund um Angel’s Rock nahe Fairbanks erinnerte uns an die Heimat
Lange Sommertage bringen unerwartet hohe Temperaturen
Am nächsten Tag brechen wir zu einer Wanderung auf, die Tony und seine Familie uns mit den Worten empfohlen haben: „Habt ihr eine Waffe?“ Diese Frage sollten wir noch oft hören. Bärenspray wird hier als nutzloses Spielzeug betrachtet – zum Wandern geht man hier mit Waffen.
Auf der Wanderung zu den Angel’s Rocks plagen uns allerdings viel mehr die Mücken und die unerträgliche Hitze, die nicht nur in der Luft liegt, sondern auch im Boden steckt. Die Überzeugung, dass es in Alaska kalt sei, löste sich bei 32 °C in Luft auf. Diese Tour führt uns tatsächlich zu Felsen auf einem Hügel inmitten eines endlosen Waldes. Ringsum ist nichts – nur Bäume.
Wir hatten kühleres Wetter erwartet als in Kanada, aber in Fairbanks zeigte das Thermometer 32 °C
„Die haben hier das gleiche Unkraut wie bei uns zu Hause. Nur die Bäume sind irgendwie schmaler.“ Ich beobachte die kümmerlichen Kronen der Nadel- und Laubbäume den ganzen Weg hinunter zum Parkplatz. Wir fahren auch zu den Chena Hot Springs, aber auch die beeindrucken uns nicht. Wir halten ständig Ausschau nach Bergen und türkisfarbenen Gletschern, von denen wir wissen, dass es sie hier nicht gibt, die aber in unseren Alaska-Vorstellungen tief verwurzelt sind. Um die Enttäuschung zu lindern, kaufen wir uns in der Stadt thailändisches Essen, stellen aber schon nach den ersten Bissen fest, dass wir unser Tagesbudget für etwas ausgegeben haben, von dem uns eher schlecht wird. Auch das passiert manchmal. Zeit, weiterzufahren.
Falscher Gesang als Waffe gegen Bären
Blick auf den Denali National Park vom Triple Lakes Trail
Der Denali National Park ist einer der weitläufigsten Parks der USA, aber nur ein kleiner Teil ist für normale Besucher zugänglich. Mit dem Auto kommt man nur bis zum Anfang, und wer tiefer hineinfahren möchte, muss zwischen 30 und 50 Dollar für einen Bus zahlen. Wir entschieden uns für die 17 km lange Wanderung auf dem Triple Lakes Trail vom Infozentrum aus. Wir parkten am Ende des Trails und fuhren mit dem kostenlosen Bus zum Start. Und dann stellten wir fest, dass wir kein Bärenspray dabei hatten. Es war nirgends zu kaufen und umkehren konnten wir nicht. Einen Bären haben wir nicht getroffen – er hat sich wahrscheinlich von unserem fünfstündigen, grauenhaft schiefen Gesang erschreckt.
Für Pausen während der Wanderung im Denali National Park war kaum Zeit – die Mücken haben uns die ganze Strecke aktiv zerstochen
In Alaska liebt man Waffen – uns macht ihre Präsenz Angst
Dass nicht alles klappt, beweist auch unser Pech mit dem Denali (Mount McKinley). Morgens wachten wir im Camp nahe einer weiteren Wanderung auf, die uns mit einem herrlichen Blick auf den höchsten Gipfel Nordamerikas belohnen sollte. Stattdessen zog es sich zu und es fing an zu regnen. Also verließen wir den Park und fuhren Richtung Anchorage. „WOW!“ schrie ich, und Lukáš riss das Auto zur Seite. Das weiße Massiv blitzte gespenstisch im Rückspiegel auf. Der Denali zeigte sich für ein paar Minuten in voller Pracht hinter den Wolken und strahlte wie ein riesiger, hügeliger Mond, als die Sonnenstrahlen auf ihn fielen. Wir wendeten das Auto und rasten zurück zu einem Restaurant, von dem man einen tollen Ausblick haben sollte.
Nach zehn Minuten Fahrt war er aber schon wieder verschwunden. Wir beschlossen trotzdem, uns hinzusetzen, auszuruhen und aus Kummer unseren ersten Alaska-Burger zu essen. Aus der Erholung wurde aber nichts – plötzlich strömten Einheimische ins Restaurant, und man konnte den Blick nicht von den Waffen losreißen, die alle im Gürtel trugen. Daran werden wir uns nie gewöhnen.
Unsere Red Chiquita wartet geduldig, während wir uns den täglichen Becher Kaffee und etwas Leckeres für die lange Fahrt kaufen
Wir beten mit jedem Kilometer, dass das Auto nicht auseinanderfällt
Mir kommt es vor, als hätten wir uns nach Norwegen teleportiert. So wirkt der Hatcher Pass auf uns. Auf dem Weg vom Denali National Park nach Palmer tauchen plötzlich grasbedeckte Hügel auf, über denen Wolken schweben, dick wie Erbsensuppe, und der Regen trommelt auf unser Auto. Die Straße ist miserabel – wir beten mit jedem Kilometer, dass wir dem Auto keine Teile rausschlagen. Wir bereuen langsam, hierher gefahren zu sein, wenn wir ohnehin nichts sehen werden. Wir hätten den kürzeren Weg nach Anchorage nehmen und uns Stunden und Benzin sparen können. Doch dann gelangen wir irgendwie zufällig zu einer alten Goldmine. Die Wolken lösen sich ein wenig auf, und nur noch kleine Wölkchen schweben zwischen den Bergen über den kleinen Häuschen der Bergleute.
Wir nahmen den längeren Weg nach Anchorage über den Hatcher Pass – leider spielte das Wetter nicht mitBlick auf die Unterkünfte der Goldminenarbeiter aus den 1940er Jahren
Anchorage – ein Ghetto umgeben von Bergen
Alaska Anchorage ist so eine Art Ghetto, umgeben von Bergen, mit einem hübschen Zentrum und einem modernen Museum. Unser Reiseführer behauptet, es sei einer der multikulturellsten Orte der USA – hier werden bis zu 90 Sprachen gesprochen. Das haben wir nicht bemerkt, aber die Gestalten, die sich damit vergnügen, um Mitternacht auf Parkplätzen zu randalieren, und die unzähligen Obdachlosen, die auf der Straße liegen – die konnten wir nicht übersehen. Zum Glück war unser Parkplatz am Supermarkt, wo wir über Nacht anlegten, ruhig, und der Regen wiegte uns in den Schlaf.
Anchorage ist rundherum von wunderschönen Bergen umgeben – für den Ausblick muss man nirgendwo hinaufklettern, ein paar Schritte vom Parkplatz genügenAnchorage ist die Stadt mit dem größten Anteil an Ureinwohnern, die hier wegen des günstigen Klimas seit Jahrtausenden lebten. Wie sie sagen: „Seit Menschengedenken.“
Schlechte Laune beim Reisen retten Seifenblasen und Kinderspiele
Das Zentrum von Anchorage lädt zum Spaziergang ein. Die Hauptstraße ist gepflegt und gesäumt von niedlichen Geschäften
Obwohl es nicht mehr regnete, sank unsere Stimmung am Morgen deutlich. Die Müdigkeit von den zurückgelegten Kilometern machte sich bemerkbar. Wir brachen zu einem der umliegenden Berge auf, stellten aber nach zwanzig Minuten Aufstieg fest, dass die Hügel am Parkplatz falsch beschildert waren und wir nicht dort hochgelaufen sind, wo wir hinwollten, sondern auf ein Militärgelände. Und dann fing es wieder an zu regnen.
Gerettet hat uns das Museum – wir besichtigten eine großartige Abteilung über die Ureinwohner Alaskas, aber wir wollen euch nicht anlügen: Was unsere Laune wirklich gehoben hat, war die Kinderabteilung. Seifenblasen machen ist eine großartige Therapie. Wie man so schön sagt: Wer spielt, macht keinen Ärger.
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TL;DRElektronik ist bei digitalem Nomadentum das A und O – bei uns macht sie rund fünfzig Prozent des gesamten Gepäckvolumens aus. Die Basis bilden zwei MacBook Pro 13″ 2017, ein iPhone XS und ein iPhone 6s, ein Huawei P20 Pro zum Testen von Webseiten, ein iPad zum Lernen und Schreiben, ein Fitbit Charge 2 und ein Kindle Paperwhite. Für Fotos und Videos sind eine DJI Mavic Pro Drohne, die bei gleichbleibender Bildqualität bis zu zwei Kilometer weit fliegen kann, eine spiegellose Fujifilm X-E3, ein GorillaPod-Stativ und ein Zoom H2N Mikrofon im Einsatz. Als Rucksäcke haben sich Leder-Rucksäcke von Bagind sowie die Trekkingrucksäcke Osprey Kestrel 68 und Osprey Kyte 66 bewährt, ergänzt durch eine Wasserflasche, ein Ravpower-Ladegerät, einen PowerCube-Adapter und ein aufblasbares Kissen.
Reisen während der Online-Arbeit ist für uns der beste Weg, die eigene Ortsunabhängigkeit voll auszukosten. Unsere Reiseausrüstung hat es aber in sich: Neben den üblichen Reiseutensilien schleppen wir jede Menge Elektronik mit, die gut die Hälfte unseres Gepäckvolumens beansprucht.
Manchmal staunen wir selbst, wie viel wir alles mitnehmen! Aber für jedes einzelne Teil gibt es einen guten Grund. Und weil uns solche Ausrüstungslisten von anderen Reisenden schon oft weitergeholfen haben, wollen wir hier teilen, womit wir unterwegs arbeiten und reisen.
1) Elektronik, die wir täglich nutzen
MacBook Pro 13“ 2017
Wir beide haben unsere MacBooks – und dabei wird es auch bleiben.
iPhone XS und iPhone 6s
Unsere iPhones sind vor allem Arbeitsgeräte, aber das iPhone XS ist unser wichtigstes Gerät für schnelle Schnappschüsse unterwegs. Porträts gelingen damit besser als mit dem Huawei.
Huawei P20 Pro
Das P20 Pro nutzen wir, um unsere Websites und Projekte auf einem anderen System als iOS und macOS zu testen. Außerdem sind wir vom Dreifach-Kamerasystem begeistert – gerade bei Nachtaufnahmen schlägt es das iPhone XS deutlich.
Kabellose Kopfhörer Beats Solo3
Kopfhörer sind beim Reisen mit Zug, Flugzeug oder Bus absolut unverzichtbar. Wir setzen sie auch auf, wenn es in der Umgebung laut ist und wir uns konzentrieren müssen – am häufigsten trifft man uns damit im Café.
iPad
Das ultimative Werkzeug zum Lernen unterwegs. Bücher nehmen wir nämlich keine mit, und aufs Kindle lassen sich Fachbücher über Wirtschaft nicht so leicht laden. Mittlerweile nutzen wir das iPad vor allem für Google Analytics und Netflix. Es dient uns auch als Backup-Gerät zum Schreiben – deshalb haben wir eine Hardware-Tastatur dabei.
FitBit Charge 2
Was unsere Gesundheit angeht, sind wir echte Nerds. Deshalb trägt jeder von uns einen Fitbit Charge am Handgelenk, mit individuell gesetzten Tageszielen. Wir tracken Training, Herzfrequenz und Schlaf – und arbeiten ständig daran, unsere Werte zu verbessern.
Kindle Paperwhite
Bücher im Gepäck? Zu schwer und zu sperrig. Dafür passt der Kindle überall rein. Wir geben nach wie vor genauso viel Geld für Bücher aus – aber unser Bücherregal zu Hause wächst nicht mehr. Nur das virtuelle.
2) Technik für Fotografie und Video
Drohne DJI Mavic Pro
Eine kompakte Drohne, die problemlos zwei Kilometer weit fliegt – ohne Abstriche bei der Bildqualität.
Kamera Fujifilm X-E3
Nach vielen Jahren Treue zu Canon (zuletzt das Modell 6D) haben wir den Wechsel zur spiegellosen Kamera gewagt. Sie ist leichter und kompakter – auch wenn Lucka sich erst an den anderen Fotostil und die vielen Knöpfe gewöhnen musste, die ihr überflüssig vorkamen. 😀
GorillaPod
Das perfekte Stativ für unsere Fujifilm. Es lässt sich an so gut wie allem befestigen und hat einen drehbaren Kugelkopf. Das GorillaPod-Stativ haben wir sogar schon an einem Straßenlicht ausprobiert.
Mikrofon Zoom H2N
Wir nehmen Interviews auf, machen Voiceovers und veröffentlichen gelegentlich Audioaufnahmen (zum Beispiel Meditationen). Das Zoom-Mikrofon ist für uns in dieser Preisklasse nach wie vor die beste Lösung – vielseitig einsetzbar und dennoch professionell.
3) Rucksäcke und Trekkingrucksäcke, auf die wir nicht verzichten
Rucksäcke von Bagind
Die Rucksäcke von Lukáš Matějček werden in Indien aus Ziegenleder gefertigt. Das sind die Rucksäcke, die man einmal im Leben kauft – und dann ein Leben lang hat.
Trekkingrucksäcke von Osprey
Wir haben schon einige Trekkingrucksäcke ausprobiert – darunter auch amerikanische und kanadische Marken –, aber am besten gefallen uns Osprey. Lukáš trägt den Osprey Kestrel 68 und Lucka den Kyte 66.
4) Praktische Gadgets, die immer dabei sind
Trinkflasche
Eine Trinkflasche gehört zur absoluten Grundausstattung jedes Reisenden. Der größte Spaß: Am Flughafen eine leere Flasche durch die Sicherheitskontrolle schmuggeln und am Trinkbrunnen auffüllen – während andere dieselbe Flasche Wasser für viel Geld kaufen.
Steckdosenadapter mit Verteiler
Den PowerCube haben wir vor etwa zwei Jahren entdeckt. Einen haben wir bereits kaputt gemacht, der zweite hat seitdem schon ein Dutzend Länder mit uns bereist. Dank der Adapter funktioniert er weltweit, und die zwei USB-Ports an der Seite sind Gold wert.
Aufblasbares Nackenkissen für Flugzeug und Bus
Normale Nackenkissen sind uns im Gepäck einfach zu sperrig. Deshalb nehmen wir eine aufblasbare Version mit – zusammengefaltet ist sie kaum größer als eine Pflaume.
Externe Powerbank
Unsere bewährte Marke ist Ravpower. Es ist wohl die einzige Powerbank, die bei uns länger als ein Jahr gehalten hat.
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TL;DRDie Autoren dieses Reiseblogs haben einen Dodge Grand Caravan zum Wohnmobil umgebaut und sind vom kanadischen Calgary aus nach Alaska aufgebrochen. Für die Tour durch Kanada und die USA sind knapp drei Monate eingeplant. Die Route führte durch die Rocky Mountains zum Lake O’Hara im Yoho-Nationalpark, wo sie bei einer Wanderung von einem Grizzly verfolgt wurden, weiter über Jasper auf den berühmten Alaska Highway, wo sie drei Tage im Regen unterwegs waren und bei schlechtem Wetter 900 Kilometer zurücklegten. Die Strecke von Calgary nach Alaska war insgesamt 3000 Kilometer lang und dauerte 30 Stunden Fahrzeit. Übernachtet wird auf Campingplätzen und Supermarktparkplätzen, unterwegs sind sie mit knapp 1500 kanadischen Dollar Bargeld, nachdem ihnen in Whitehorse fast das Bankkonto eingefroren worden wäre.
Wir nennen sie Red Chiquita – unser Dodge Grand Caravan, Baujahr 2005. Irgendwo zwischen Yukon und Alaska, in einem der seltenen Momente, in denen es für fünf Minuten aufgehört hat zu regnen.
Seit drei Tagen regnet es ohne Unterlass. Wir fahren auf einem Alaska-Roadtrip über einen Highway, der angeblich zu den schönsten Straßen der Welt zählen soll – doch außer zerschlissenen Fahrbahnbelägen und Bären am Straßenrand haben wir bisher keine atemberaubenden Aussichten erlebt. Dreitausend Kilometer von Calgary entfernt, 30 Stunden Fahrt, davon 25 im Regen. Was Reiseführer und Reiseveranstalter gerne verschweigen: Die kitschigen Hochglanzfotos haben mit dem Reisealltag oft herzlich wenig zu tun.
Nach zwei Wochen Camping auf Hawaii haben wir uns in unserem selbst ausgebauten Campervan auf den Weg nach Alaska gemacht. Die Reise durch Kanada und die USA wird uns knapp drei Monate kosten. Geschlafen wird auf Campingplätzen, aber auch auf Supermarkt-Parkplätzen oder abseits der Hauptstraßen irgendwo im Nirgendwo. Wir klettern auf Berge, ziehen uns gelegentlich ordentlich an und besuchen Städte – und manchmal waschen wir uns tagelang nicht, weil es schlicht keine Möglichkeit gibt oder das Geld für einen Campingplatz fehlt. Unsere Ausgaben protokollieren wir gewissenhaft in einer Tabelle, die ihr jederzeit einsehen könnt. Für diese Reise haben wir die letzten fünf Monate in Kanada gearbeitet, wo wir mit einer kurzen Weihnachtspause fast ein Jahr verbracht haben.
Alles vergessen, was man vergessen kann – und dann hungrig in den Bergen
Auf unserem Weg nach Alaska machten wir einen Abstecher zum Lake O’Hara im Yoho-Nationalpark, Kanada.
Unsere Reise begann am Donnerstag, dem 29. Juni, in der kanadischen Stadt Calgary. Von dort fuhren wir zum Lake O’Hara, angeblich dem schönsten See in den Rocky Mountains. Doch wie das so ist: Was man vergessen kann, vergisst man auch. Mehrmals mussten wir umkehren, kamen deshalb zu spät los und standen unter Zeitdruck. Zum Lake O’Hara kommt man nämlich nicht einfach so – man muss drei Monate im Voraus einen Shuttlebus buchen, der nur im Sommer fährt. Wir hatten ein Jahr darauf gewartet, und statt zwei Nächten am See schafften wir es am Ende nur, eine einzige Nacht zu reservieren.
In Kanada haben wir in diesem Jahr gelernt, wie atemberaubend schön Winter sein kann. Im Bild: Lake McArthur.
Abfahrt war um 10:30 Uhr, Treffpunkt um 10:10 Uhr. Wir kamen um 10:15 Uhr an. Lukáš hätte fast seine Wanderschuhe vergessen, ich hatte gepackt, was wir nicht brauchten – und gelassen, was wir dringend gebraucht hätten. So landeten wir oben am Campingplatz mit nahezu leeren Vorräten. Mal wieder. Während andere Camper ganze Taschen voller Essen dabei hatten, besaßen wir ein paar Müsliriegel, zwei Bananen, zwei Dosen Suppe und eine Handvoll Cashewnüsse. Für zwei Tage intensives Bergwandern. Unser einziges Glück, das wir damals noch gar nicht richtig zu schätzen wussten: das Wetter. In Kanada meinte es die Sonne noch gut mit uns.
„Wusstet ihr, dass euch ein Grizzly verfolgt hat?“
Lake O’Hara vom Ufer. Erreichbar ausschließlich per Shuttlebus, für den man drei Monate im Voraus reservieren muss.
Kein Wunder, dass ich am zweiten Tag auf der anspruchsvollen sechsstündigen Wanderung kaum einen Fuß vor den anderen setzen konnte. Der steile Aufstieg – auf 1,5 Kilometern Strecke über 500 Höhenmeter – zwang mich alle fünf Minuten zur Pause. Dazu knurrte mein Magen unaufhörlich, und alles, was ich dagegen tun konnte, war eine kleine Handvoll Cashewnüsse. Als wir den Gipfel erreichten, gesellte sich eine Gruppe Kanadier zu uns und zeigte uns einen Bären, der unten im Tal spazierte. Wir ließen die Gruppe vorangehen, weil wir den Berg auf einem schmalen Pfad umrunden mussten – und plötzlich sah ich, dass sie stehen geblieben waren und zu uns heraufschauten. Ich dachte, sie hätten Angst vor dem Bären und wollten lieber in einer größeren Gruppe weiterziehen.
Zum Lake Oesa gelangt man entweder direkt vom Lake O’Hara oder über den Wiwaxy Gap.
„Wusstet ihr, dass euch ein Grizzly verfolgt hat? Er war keine 100 Meter hinter euch!“ – das riefen sie uns entgegen, als wir sie einholten. Gemeinsam überlegten wir, wie wir die Menschen oben auf dem Gipfel warnen könnten, wohin der Bär sich gerade bewegte. Wir winkten, doch die Entfernung war zu groß – keine Chance, dass uns jemand sah, geschweige denn verstand. Kurz darauf hörten wir von oben eine Pfeife, und uns war klar: Die hatten den Bären schon bemerkt. Nachdem wir uns vergewissert hatten, dass alle okay waren, liefen wir den Berg hinunter, um noch den ersten Shuttlebus zurück zu unserem Auto zu erwischen.
Die schönste Wanderung, die wir in den kanadischen Rockies gemacht haben: der Alpine Circuit rund um den Lake O’Hara.
Erst Hagelkörner wie aus dem Maschinengewehr
Wir fahren unsere geliebte Strecke. Die Route, die uns ans Herz gewachsen ist, die wir letzten Sommer so oft gefahren sind, dass wir die Berggipfel und Seen beim Namen nennen können, die sich einer nach dem anderen vor uns entfalten. Die Strecke von Lake Louise nach Jasper ist einer der schönsten Highways der Welt – und wir haben bis heute wirklich nichts Vergleichbares gesehen.
Blick auf den Lake McArthur. In diesem Jahr war der Winter in Kanada besonders lang – Orte, die letztes Jahr um diese Zeit schon schneefrei waren, lagen noch unter einer Eisdecke.
In Jasper feiern wir den „Canada Day“. Kanada feierte am 1. Juli seinen 150. Geburtstag, und im Stadtpark gab es zu diesem Anlass Pfannkuchen sowie unbegrenzt Kaffee und Saft – für einen Eintritt von zwei kanadischen Dollar. Zwei Dollar, das ist ungefähr so viel wie 1,40 Euro.
Auf dem Weg aus den Bergen, der uns auf den Highway nach Alaska bringen soll, erklimmen wir einen letzten Hügel – und mit dem Abschied von den kanadischen Rockies bricht auch das Unwetter über uns herein.
Gleich am ersten Tag peitscht uns ein massiver Hagelschauer entgegen wie aus einem Maschinengewehr. Wir versuchen auszuweichen, drehen um, versuchen dem Hagel zu entkommen – vergeblich. Er holt uns ein. Wir halten schließlich bei einem Campingplatz und warten, bis es nachlässt. Zwanzig lange Minuten später ist der schlimmste Spuk vorbei, und wir fahren weiter – begleitet von einem düsteren Dauerregen.
Am zweiten Tag passieren wir ein Schild, das uns ankündigt, jetzt auf dem berühmten und wunderschönen Alaska Highway zu fahren. Was wir sehen: Regen. Neunhundert Kilometer Regen.
Das einzige, was uns auf der Fahrt aufmunterte: eine Bison-Herde und gelegentlich ein Caribou oder Bär am Straßenrand.
Kaum eine Woche unterwegs und schon drohen sie uns, das Konto einzufrieren
Wir wachten im Regen auf einem Walmart-Parkplatz in Whitehorse, im Yukon-Territorium, und ahnten noch nicht, dass dieser Tag kein guter werden würde. Eigentlich wollten wir mindestens 700 Kilometer schaffen – aber schon bald merkten wir, dass daraus nichts werden würde.
Sobald wir die kanadischen Rockies hinter uns gelassen hatten, begann der Dauerregen – einziger Lichtblick waren die Tiere am Straßenrand.
Wir holten uns erst mal einen Morgenkaffee und machten uns dann – noch völlig ahnungslos, dass wir kurz darauf fluchend aus dem Autofenster schreien würden – auf den Weg zur Bank. Unser einjähriges gebührenfreies Konto bei der CIBC lief aus, und wir mussten auf ein Smart-Konto umstellen, um keine Gebühren für jeden Abhebungsvorgang zu zahlen. Eine freundliche Bankangestellte empfing uns mit dem Versprechen, das sei eine Sache von zehn Minuten und kein Problem. Zweieinhalb Stunden später verließen wir die Bank mit der Aussicht, dass man unser Konto möglicherweise einfrieren würde – weil wir keine Arbeitserlaubnis mehr hatten, sondern nur noch ein Touristenvisum. Obendrauf: Das Konto erlaubte uns, maximal 800 kanadische Dollar (etwa 560 Euro) abzuheben.
In Watson Lake hört der Regen kurz auf – und wir können unser eigenes Schild im berühmten Sign Post Forest aufhängen. Stolz malen wir die tschechische Flagge drauf und schreiben unsere Heimatstädte drauf. Plus unseren letzten Wohnort: Calgary.
Wir befanden uns also mit rund 1.500 kanadischen Dollar (ca. 1.050 Euro) in bar auf dem Weg nach Alaska – und mehr hatten wir nicht, falls das Konto tatsächlich eingefroren werden würde. Wir verließen Whitehorse mit einer Stimmung auf dem Tiefpunkt und brüllten auf dem Highway aus dem Fenster: „UND WEM NÜTZT DAS BITTE WAS!!!!“ Nachdem wir auch noch ein paar kräftigere Ausdrücke in den Wind gerufen hatten (wir entschuldigen uns bei allen Deutschen und Österreichern, die uns zufällig gehört haben könnten), fühlten wir uns wenigstens ein klein wenig besser.
Und so fahren wir nun den dritten Tag in Folge Richtung Alaska – im Regen. Irgendwo da draußen sollen Berge sein, aber wir sehen nichts. Manchmal hat man Glück, manchmal nicht. Das ist die Realität des Reisens.
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