Minus fünfundzwanzig Grad. Diese Zahl jagt den meisten Leuten, die ihre erste Reise nördlich des Polarkreises planen, gehörig Angst ein und treibt sie zum Kauf einer Polarexpedition-Ausrüstung für viel Geld. Sagen wir es also gleich im ersten Satz ganz offen: so viel neue Ausrüstung brauchst du gar nicht. Die trockene arktische Kälte erträgt man erstaunlich gut, der Schlüssel liegt im richtigen Schichten – und das Wichtigste (die Thermo-Overalls fürs Safari) leiht man dir vor Ort sowieso. Wer einen Lappland Urlaub im Winter plant, ist damit bestens gerüstet. ☺️
In diesem Guide findest du eine komplette Packliste für Lappland: wie das Zwiebelprinzip bei extremer Kälte funktioniert, was du wirklich kaufen und was du dir leihen kannst, wie du Hände, Füße und Gesicht schützt, was du mit deiner Elektronik im Frost machst und wie du für den Sommer packst. Nach der Rückkehr wirst du merken, dass die Hälfte der Angst vor dem arktischen Winter unbegründet war.
Wenn du Termin und Programm noch abstimmst, wirf einen Blick in die Artikel wann nach Lappland reisen und was man in Lappland sehen sollte.

Zusammenfassung für alle, die keine Zeit haben, den ganzen Artikel zu lesen
- Basis = 3 Schichten: Merino-Thermowäsche (plus Wechselset), Fleece oder Wolle, wasserdichte gefütterte Jacke und Hose.
- Die wichtigsten Details: Mütze über die Ohren, Schlauchschal statt Schal, Fäustlinge (plus dünne Handschuhe darunter), Wollsocken und Winterstiefel eine Nummer größer.
- Den Thermo-Overall für Husky-Touren, Motorschlitten und Rentiere leihst du dir vor Ort, auch in Kindergrößen. Kauf ihn nicht.
- Nicht vergessen: Badesachen (Sauna!), fettige Kältecreme, Sonnenbrille, Stirnlampe, Thermoskanne und Powerbank – Kälte frisst Akkus.
- Der Sommer ist ein anderes Lied: Schichten, Regenjacke, feste Schuhe und vor allem Mückenschutz.
Wie kalt es in Lappland wirklich ist
Bevor wir zur Liste kommen, ein kleiner Reality-Check. In Rovaniemi liegen die Wintertemperaturen üblicherweise zwischen −5 und −20 °C, im Januar und Februar kann es auch unter −30 °C fallen (die aktuelle Vorhersage findest du beim finnischen Wetterdienst). Das klingt brutal, aber es gibt ein großes ABER: die Kälte in Lappland ist trocken. Ohne Feuchtigkeit und oft auch ohne Wind erträgt man −15 °C besser als −3 °C mit Nieselregen in Deutschland.

Die zweite gute Nachricht: In Lappland bewegst du dich zwischen beheizten Innenräumen und kurzen Aufenthalten draußen viel häufiger, als du denkst. Kritisch wird es nur, wenn du ins Schwitzen kommst (nasse Schichten kühlen im Frost aus) oder wenn du Hände, Ohren und Füße unterschätzt. Genau darauf ist das folgende System ausgelegt.
Das Zwiebelprinzip: 3 Schichten, die für alles reichen
Vergiss die eine „Mega-Jacke“. Bei arktischer Kälte funktioniert das Drei-Schichten-System, das du je nach Aktivität und Wetter an- und ausziehst.

- 1. Basisschicht (direkt am Körper): Thermowäsche, idealerweise Merino, Langarmshirt und lange Unterhose. Wärmt, leitet Schweiß ab und riecht nicht. Nimm zwei Sets mit, eins für Aktivitäten, eins trocken für den Abend. Baumwolle vermeidest du – nass kühlt sie aus.
- 2. Isolationsschicht: Fleecepulli, Wollpullover oder leichte Daunenjacke. Bei größter Kälte ruhig zwei dünnere übereinander, die isolierende Luft dazwischen wärmt.
- 3. Außenschicht: wasserdichte und winddichte Winterjacke (am besten länger, über den Po) und gefütterte wasserdichte Hose. Ein Ski-Set eignet sich hervorragend, du musst nichts Spezielles kaufen.
💡 Tipp: Die goldene Regel lautet nicht zu viel anziehen. Wenn du beim Gehen ins Schwitzen kommst, kühlt dich nasse Kleidung im Frost schnell aus. Geh lieber mit dem Gefühl „mir ist ein bisschen kalt“ los, nach ein paar Minuten Bewegung passt es genau.
Kopf, Hände, Füße: hier entscheidet sich die Kälte
Neunzig Prozent des Unbehagens im Frost gehen auf das Konto von drei Stellen: Ohren, Finger und Füße. Hier lohnt es sich, nicht zu sparen.

- Kopf: warme Mütze, die die Ohren bedeckt, plus Schlauchschal (Multifunktionstuch oder Fleeceschlauch), den du über Kinn und Nase ziehst. Ein normaler Schal verrutscht und lässt den Wind darunter.
- Hände: Fäustlinge wärmen deutlich besser als Fingerhandschuhe. Darunter dünne Handschuhe, mit denen du das Polarlicht fotografierst, ohne die nackten Finger rausholen zu müssen. Ein Ersatzpaar ist praktisch, nasse Handschuhe = Spaß vorbei.
- Füße: Wollsocken (nicht drei Paar Baumwollsocken übereinander!) und Winterstiefel eine Nummer größer mit guter Sohle. Die Luft um die Zehen isoliert, eingequetschte Zehen frieren. Für die Stadt reichen gute Winterstiefel, Snowboots mit Membran sind ein Bonus.
- Gesicht: fettige Kältecreme (ohne Wasser als Basis) für Erwachsene und Kinder. Und eine Sonnenbrille, die Märzsonne auf dem Schnee blendet extrem.
Was du dir vor Ort leihst (und nicht kaufen musst)
Das ist der wichtigste Rat des ganzen Artikels: Für organisierte Aktivitäten bekommst du die Polarausrüstung vor Ort. Husky-Safari, Motorschlitten, Rentierfarmen und Polarlichtjagd – bei allen ist meist im Preis inbegriffen: arktischer Thermo-Overall, Winterstiefel, Fäustlinge und eine Sturmhaube oder ein Helm, und das sogar in Kindergrößen. Überzeugen kannst du dich in den Aktivitätsbeschreibungen bei Visit Rovaniemi. Buchen kannst du solche Erlebnisse bequem über GetYourGuide.

Deine eigene Ausrüstung muss also vor allem das normale Bummeln in der Stadt, das Santa Claus Village und die abendliche Polarlichtsuche abdecken. Dafür reichen die oben beschriebenen Schichten locker aus. Und falls doch etwas fehlt: Finnische Geschäfte (auch normale Supermärkte) verkaufen hochwertige und erschwingliche Winterkleidung, du kannst also vor Ort nachkaufen.
Komplette Packliste: was du für den Winter in Lappland einpackst
Hier ist die ganze Liste für 4–6 Tage auf einen Blick, zum Abhaken:
- 2× Merino-Thermowäsche (Shirt + lange Hose), 4–6× Wollsocken, Unterwäsche
- 2× Fleece oder Pullover, 1× leichte Daunenjacke (bei Frost unter −20 °C)
- wasserdichte Winterjacke + gefütterte Hose (Ski-Set)
- Mütze über die Ohren, Schlauchschal, Fäustlinge + dünne Handschuhe, Ersatzhandschuhe
- Winterstiefel eine Nummer größer, bequeme Schuhe für drinnen/im Hotel
- Badesachen! (Sauna und Eisbaden gehören zu Finnland) + schnelltrocknendes Handtuch
- fettige Kältecreme, Lippenbalsam, Sonnenbrille
- Stirnlampe (schon am Nachmittag dunkel), Thermoskanne, Powerbank
- Medikamente, Reiseversicherung, Karte und etwas Bargeld in Euro (bezahlt wird aber fast überall mit Karte)
- optional: Schlafmaske, Wärmflasche, beheizbare Schuheinlagen, Stativ fürs Polarlichtfotografieren
💡 Tipp: Wie du das alles ins Flugzeug bekommst, ohne für Gepäck draufzuzahlen, erkläre ich ausführlich im Artikel Handgepäck und Rucksack fürs Flugzeug. Die Winterausrüstung ist voluminös, deshalb lohnt sich für Lappland meist ein aufgegebenes Gepäckstück für zwei Personen.
Wo übernachten (und was du dafür einpackst)
Die Wahl der Unterkunft beeinflusst auch das Packen. In einem Hotel im Zentrum wie dem Santa’s Hotel Santa Claus in Rovaniemi kommst du mit der Stadtausrüstung und Badesachen für die Sauna aus. In Resorts außerhalb wie dem Apukka Resort ist eine zusätzliche Stirnlampe praktisch (abendliche Wege zwischen den Hütten), und in Glasiglus, etwa im Kakslauttanen Arctic Resort, packst du eine Schlafmaske ein, wegen der helleren Nächte zu Saisonbeginn und -ende. Einen kompletten Überblick über Unterkünfte findest du in den Artikeln was man in Rovaniemi sehen sollte und Glasiglus in Lappland.
Elektronik und Fotografieren im Frost
Frost ist ein Akku-Killer. Ein Handy, das zu Hause einen Tag durchhält, entlädt sich im Frost in einer Stunde oder schaltet sich gleich ab. Trag es in einer Innentasche am Körper, hol es nur für ein Foto raus und pack eine Powerbank ein (auch die warm halten). Der Kamera helfen im Frost Ersatzakkus am Körper, und fürs Polarlicht vergiss das Stativ nicht – wie du es einstellst, beschreibe ich im Artikel Polarlicht in Lappland.
Achtung bei Kondenswasser: Wenn du von −20 °C in die Wärme kommst, lass die Kamera im Rucksack oder in einem geschlossenen Beutel akklimatisieren, sonst beschlägt sie von innen. Und wenn du im Winter mit dem Auto fährst, denk daran, dass dir die Mietwagenfirma die Zusatzausrüstung (Eiskratzer, Kabel) stellt, mehr dazu in meinem Reiseplan durch Lappland.
Und der Sommer? Eine ganz andere Liste
Der Sommer in Lappland (Juni bis August) hat Temperaturen von 15 bis 20 °C und man packt dafür wie für einen Herbst in den Bergen: Schichten, Regenjacke, feste Schuhe für Wanderungen in den Nationalparks und Badesachen für die Seen.

Zwei Sommer-Besonderheiten: Mückenschutz (im Juni und Juli gibt es reichlich davon, vor allem am Wasser) und eine Schlafmaske, denn die Mitternachtssonne geht nicht unter und die helle Nacht bringt den Schlaf mehr durcheinander als der Frost. Wann genau Sommer und Mitternachtssonne ihren Höhepunkt erreichen, findest du im Artikel wann nach Lappland reisen.
Weiterlesen: Tipps für weitere Artikel
Gepackt? Dann fehlen nur noch Programm und Termin:
- Lappland: 20 Tipps, was man sehen und erleben sollte
- Reiseplan: 6-tägiger Winter-Roadtrip durch das finnische Lappland
- Lappland mit Kindern: Tipps für den Familien-Winterurlaub
Häufig gestellte Fragen zum Packen für Lappland
Was man im Winter nach Lappland mitnehmen sollte?
Grundlage sind drei Schichten: Merino-Thermounterwäsche (2 Sets), Fleece oder Pullover und eine wasserdichte Winterjacke mit gefütterten Hosen. Dazu eine Mütze über die Ohren, ein Schlauchschal, Fäustlinge, Wollsocken, Winterschuhe eine Nummer größer, Badesachen für die Sauna, Fettcreme gegen Kälte, Stirnlampe und Powerbank.
Muss ich mir spezielle Polarkleidung kaufen?
Nein. Für organisierte Aktivitäten (Huskys, Schneemobile, Rentiere, Nordlichtjagd) werden Thermoanzug, Stiefel und Fäustlinge vor Ort ausgeliehen, auch für Kinder. Deine eigene Ausrüstung muss nur das normale Herumlaufen in der Stadt abdecken, dafür reicht eine gute Ski-Ausrüstung und Schichten.
Wie zieht man sich bei −30 °C an?
Zwiebelprinzip: Merino-Thermounterwäsche, zwei Isolationsschichten (Fleece + leichte Daunenjacke), wasserdichte Außenschicht, Fäustlinge mit dünnen Handschuhen darunter, Mütze über die Ohren, Halstuch über die Nase und Wollsocken in Schuhen eine Nummer größer. Und vor allem nicht zu dick anziehen, Schweiß kühlt bei Frost aus.
Warum sollte man Badekleidung mit nach Lappland nehmen?
Wegen der Sauna, die gehört zu Finnland genauso wie der Schnee. Viele Hotels haben eine Sauna im Preis inbegriffen und ein Klassiker ist das Avanto, das Eintauchen in ein Eisloch im gefrorenen See. Ohne Badekleidung (und schnelltrocknendes Handtuch) würdet ihr einen großen Teil des finnischen Erlebnisses verpassen.
Wie schützt man Handy und Kamera vor Kälte?
Kälte entlädt Akkus schnell: Trage dein Handy in der Innentasche am Körper, Ersatzakkus und Powerbank warm. Nach der Rückkehr in die Wärme lass die Technik im Rucksack akklimatisieren, sonst beschlägt sie von innen. Zum Fotografieren von Polarlichtern eignen sich ein Stativ und dünne Handschuhe unter den Fäustlingen.
Was packe ich für Lappland im Sommer ein?
Im Sommer herrschen 15 bis 20 °C, gepackt wird wie fürs Gebirge: Schichten, wasserdichte Jacke, feste Schuhe, Badesachen. Zwei Besonderheiten: Insektenschutzmittel (Mücken im Juni und Juli) und eine Schlafmaske, denn die Mitternachtssonne geht nicht unter und die hellen Nächte bringen den Schlaf durcheinander.
Reicht Handgepäck für Lappland?
Na die Winterreise schwierig, Schichten und Stiefel sind sperrig. Ein bewährtes Modell ist ein aufgegebenes Gepäckstück für zwei plus Handgepäck-Rucksäcke. Die sperrigsten Sachen (Jacke, Stiefel) tragt im Flugzeug und nutzt aus, dass Overalls für Aktivitäten vor Ort ausgeliehen werden.
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