Zlín in Tschechien: 12 Tipps für die Stadt von Baťa

Wenn der Name Baťa fällt, denken die meisten von uns an bequeme Schuhe – doch kaum jemand hat sofort im Kopf, welches städtebauliche Wunder dank dieser Schuhmacher-Dynastie im Osten Mährens entstanden ist. Zlín in Tschechien ist nämlich die einzige Stadt ihrer Art auf der ganzen Welt, die von Grund auf von einer einzigen Firma erbaut wurde.

Tomáš Baťa und seine Nachfolger schafften es, aus einem kleinen, unscheinbaren Ort innerhalb weniger Jahrzehnte ein modernes funktionalistisches Zentrum zu errichten, dem man bald den Beinamen Gartenstadt gab. Alles erhielt hier seine Ordnung, von der Anordnung der Straßen bis hin zu den roten Ziegeln, dem Glas und dem Beton, aus denen nach einem einheitlichen Modul Fabriken, Schulen und Häuser für die Arbeiter gebaut wurden.

Wer in diesen Winkel Mährens kommt, findet sich unversehens in einem lebendigen Lehrbuch-Beispiel moderner Architektur des zwanzigsten Jahrhunderts wieder. Ich habe für euch einen ausführlichen Reiseführer voller Tipps zusammengestellt, was man in Zlín sehen kann, damit ihr diese faszinierende, vom herrlichen Grün der Walachei umgebene Stadt in vollen Zügen genießt und keinen wichtigen Ort verpasst.

Zusammenfassung: Was man in Zlín sehen und nicht verpassen sollte

Wenn ihr es eilig habt und nur einen schnellen Überblick über die wichtigsten Punkte braucht, hier eine kurze Liste der Highlights:

  • Baťa-Wolkenkratzer: Die ehemalige Firmenzentrale mit dem legendären fahrbaren Büro im Aufzug und einer wunderschönen Aussicht vom Dach.
  • Tomáš-Baťa-Denkmal: Ein klarer Glasbau, der das Modell jenes Flugzeugs beherbergt, in dem der Gründer des Imperiums tragisch ums Leben kam.
  • Baťa-Häuschen: Viertel voller typischer Bauten aus roten Ziegeln, die das berühmte Konzept der Gartenstadt bilden.
  • Zoo und Schloss Zlín-Lešná: Der zweitmeistbesuchte Tierpark Tschechiens, thematisch nach Kontinenten gegliedert.
  • 14|15 Baťa-Institut: Das kulturelle Herz in den ehemaligen Fabrikhallen mit einer hervorragenden Ausstellung über die Geschichte des Schuhhandwerks und über Reisende.
  • Filmstudios: Ein Ort auf dem Hügel Kudlov, wo die Geschichte des tschechischen Animations- und Trickfilms geschrieben wurde.

Wann nach Zlín reisen

Zlín funktioniert das ganze Jahr über, aber erst vom Frühling bis zum Herbst zeigt die Stadt, was wirklich in ihr steckt. Das Konzept der Fabrik im Grünen kommt erst dann voll zur Geltung, wenn die Bäume auf dem Gahura-Prospekt und rund um die Baťa-Häuschen ergrünen – und die in Grün getauchten Baťa-Viertel sind schlichtweg ein ganz anderes Erlebnis als im grauen Februar. Frühling und Frühsommer sind ideal für lange Spaziergänge durch Viertel wie Letná oder Zálešná.

Wenn ihr Kultur mögt und euch etwas mehr Trubel nicht stört, solltet ihr einen Besuch Ende Mai oder Anfang Juni in Betracht ziehen, wenn hier das berühmte Zlín Film Festival stattfindet. Die Stadt erwacht dann zum Leben, überall ist etwas los und die Atmosphäre ist unglaublich ansteckend. Der Herbst wiederum bringt herrlich verfärbtes Laub, das mit den roten Ziegeln der Gebäude einen sehr fotogenen Kontrast bildet.

Was die Anreise selbst betrifft, sollte man wissen, dass Zlín etwas abseits der wichtigsten Bahnstrecken liegt. Von München sind es mit dem Auto rund 500 Kilometer, von Berlin etwa 650 Kilometer – plant also einen guten halben Tag Fahrt ein. Mit dem Flugzeug fliegt ihr am besten nach Wien oder Brünn (von dort sind es nur etwa 100 Kilometer) und fahrt dann mit dem Mietwagen oder Bus weiter. Wer mit der Bahn kommt, reist meist bis in das nahe gelegene Otrokovice (etwa zehn Kilometer entfernt) und steigt dort in eine Regionalbahn oder den öffentlichen Nahverkehr direkt ins Zentrum von Zlín um. Übrigens: In Tschechien braucht ihr für die Autobahnen eine elektronische Vignette, die ihr bequem online kaufen könnt. Für die Stadt selbst reichen ein bis zwei Tage völlig aus, doch wenn ihr auch Ausflüge in die Umgebung machen wollt, solltet ihr drei Tage einplanen.

Wo man in Zlín übernachten kann

Eine Unterkunft sucht man sich hier gerne aus, denn ihr könnt direkt in Gebäuden schlafen, die den größten Ruhm des Baťa-Imperiums miterlebt haben. Die örtlichen Hotels respektieren häufig das funktionalistische Erbe und bieten großartigen Komfort.

Für Liebhaber von Geschichte und zentraler Lage: Direkt am Platz der Arbeit (Náměstí Práce) steht das unübersehbare Interhotel Zlín. Viele kennen es noch unter seinem langjährigen Namen Hotel Moskva. Es handelt sich um das ursprüngliche Gesellschaftshaus, das die Firma Baťa in den dreißiger Jahren errichten ließ – ihr wohnt also direkt im Epizentrum des Geschehens mit Blick auf das gesamte funktionalistische Zentrum.

Für Ruhe und schöne Ausblicke: Wenn ihr eine Oase der Ruhe sucht und euch gerne etwas verwöhnen lasst, werft einen Blick auf das Hotel Tomášov Zlín. Es liegt in einem ruhigeren Teil der Stadt auf einem Hügel, bietet herrliche Ausblicke ins Tal und erfreut euch zudem mit einem hauseigenen Wellnessbereich, in dem ihr euch nach einem Tag voller Spaziergänge erholen könnt.

Der goldene Mittelweg und Wellness: Ein sehr angenehmer und praktischer Ausgangspunkt ist das Hotel Baltaci U Náhonu Zlín, das die Gäste für sein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis loben. Eine familiärere und gemütlichere Atmosphäre findet ihr im Hotel Vila Kamenec Zlín. Und wenn ihr das Erkunden der Stadt mit echter Wellness-Erholung in der Natur verbinden möchtet, fahrt ein Stück hinaus zur Unterkunft Hotel Lázně Kostelec Zlín.

Was man in Zlín sehen und unternehmen kann

Zlín ist keine Stadt, in der man von einer Barockkirche zur nächsten wandert. Hier kommt man, um die Vision eines einzigen Schuhmachers zu bewundern, der beschloss, eine ganze Stadt von null an zu errichten – und sie noch schöner zu machen, als er gemusst hätte. Die Architektur ist hier streng zweckmäßig, doch gerade in dieser Schlichtheit und der Wiederholung geometrischer Formen liegt ihr größter Zauber. Gehen wir die zwölf Orte durch, die ihr bei einem Besuch auf keinen Fall verpassen solltet.

1. Baťa-Wolkenkratzer (Gebäude 21)

Dies ist zweifellos das Hauptwahrzeichen der Stadt. Der Baťa-Wolkenkratzer, den die Einheimischen nur „die Einundzwanzig“ nennen (nach dem amerikanischen System der Gebäudenummerierung im Areal), entstand in den Jahren 1936 bis 1938. Der Entwurf stammte vom Hausarchitekten der Firma, Vladimír Karfík. Mit einer Höhe von 77,5 Metern war es damals das zweithöchste Gebäude in ganz Europa. Die rund sechzehn oberirdischen Stockwerke wurden damals in nur zwei Jahren errichtet – ein Tempo, das selbst nach heutigen Maßstäben kaum zu glauben ist.

Die größte Kuriosität des Wolkenkratzers, in dem die Firmenleitung saß, ist das fahrbare Büro von Jan Antonín Baťa. Stellt euch einen Aufzug von etwa sechs mal sechs Metern vor, der als vollwertiges Arbeitszimmer diente. Der Firmenchef hatte darin eine Klimaanlage, ein Waschbecken mit fließendem Wasser und sogar ein Telefon, sodass er das Unternehmen leiten und sich zugleich nahtlos zwischen den einzelnen Stockwerken zu seinen Mitarbeitern bewegen konnte. Heute residieren im Gebäude die Bezirksverwaltung und das Finanzamt, doch für Touristen ist das sechzehnte Stockwerk am wichtigsten. Dort befindet sich nämlich ein Café mit Aussichtsterrasse, von der aus ihr die ganze Ziegelstadt wie auf dem Präsentierteller habt.

2. Platz der Arbeit und das Große Kino

Der Platz der Arbeit bildet das eigentliche Herz des funktionalistischen Zlín und zeigt, wie die Firma Baťa in den dreißiger Jahren über den öffentlichen Raum dachte. Alles war den Bedürfnissen der Mitarbeiter untergeordnet. Den Platz umgeben auf der einen Seite das mächtige Gesellschaftshaus (das heutige Interhotel Zlín) und ein Kaufhaus, auf der anderen Seite das legendäre Große Kino. Genau hier findet ihr auch die Statuen, die an die Gründer des Schuh-Imperiums erinnern.

Das Große Kino verdient besondere Aufmerksamkeit. Es wurde bereits 1932 erbaut und gehörte mit einer Kapazität von über zweitausend Plätzen zu den größten im gesamten Vorkriegs-Tschechoslowakei. Baťa wusste sehr genau, dass die Menschen nach einem langen Arbeitstag am Fließband auch Unterhaltung und Kultur brauchen. Ich muss euch jedoch auf eine praktische Sache hinweisen: Das Kino ist seit 2016 wegen des baufälligen Zustands des Gebäudes leider geschlossen und wartet derzeit auf eine aufwendige Sanierung. Ihr könnt es also nur von außen betrachten – doch auch so ist seine nüchterne und massive Architektur sehenswert.

3. Zoo und Schloss Zlín-Lešná

Wenn ihr euch vom Beton und den Ziegeln erholen wollt, müsst ihr nur ein Stück aus dem Zentrum fahren. Der örtliche Tierpark gehört zum Besten, was man in Tschechien besuchen kann. Für die Öffentlichkeit eröffnete er 1948 und erstreckt sich heute über eine stattliche Fläche von über fünfzig Hektar. Hier werden rund fünfzehnhundert Tiere betreut, die etwa zweihundertdreißig verschiedene Arten vertreten.

Das Areal ist sehr clever in Zonen nach den einzelnen Kontinenten gegliedert (Afrika, Asien, Australien, Amerika), sodass ein Spaziergang durch den Garten an eine Reise um die Welt erinnert. Inmitten der Gehege erhebt sich zudem das wunderschöne romantische Schloss Lešná aus dem Ende des neunzehnten Jahrhunderts, das hier das Adelsgeschlecht der Seilern errichten ließ. Die Kombination aus Tieren, ausgewachsenen Bäumen und historischem Sitz funktioniert so gut, dass es sich um den zweitmeistbesuchten Zoo Tschechiens gleich nach dem Prager handelt – und insgesamt um das beliebteste Touristenziel Mährens. Jährlich kommen hierher über siebenhundertfünfzigtausend Besucher.

4. Tomáš-Baťa-Denkmal

Dieses Bauwerk wird oft als architektonischer Höhepunkt von Zlín bezeichnet. Das Tomáš-Baťa-Denkmal entwarf der Architekt František Lýdie Gahura, und es wurde 1933 feierlich eröffnet, genau ein Jahr nach dem tragischen Tod des Firmengründers. Es ist ein unglaublich klarer und lichtdurchfluteter funktionalistischer Bau, für den nur Glas, Eisen und Beton verwendet wurden. Der Innenraum ist durch keinerlei Wände gegliedert, alles wird allein von schlanken Säulen gehalten, was einen starken Eindruck von Leichtigkeit und Licht erzeugt.

Der wichtigste und eigentlich einzige Blickfang im Inneren des Denkmals ist das originalgetreue Modell des Flugzeugs Junkers F13. Genau in einer solchen Maschine kam Tomáš Baťa im Juli 1932 bei einem Flugzeugabsturz unweit von Otrokovice ums Leben, als er sich auf eine Geschäftsreise in die Schweiz begab. Während des Zweiten Weltkriegs erlitt das Gebäude erhebliche Schäden und wurde unter dem früheren Regime sogar unsensibel zu einem Konzertsaal und einer Galerie umgebaut. Glücklicherweise fand 2019 eine sehr sorgfältige Sanierung statt, die dem Denkmal seine ursprüngliche, lichtdurchflutete Gestalt zurückgab.

5. 14|15 Baťa-Institut

Wenn ihr die Geschichte des Baťa-Wunders wirklich verstehen wollt, müsst ihr hierher kommen. Das Kultur- und Bildungszentrum, bekannt als 14|15 Baťa-Institut, ist in den sorgfältig sanierten Fabrikgebäuden Nummer 14 und 15 untergebracht und öffnete 2013 seine Türen. Aus den einst verlassenen Fabrikhallen wurde ein lebendiges Kulturzentrum, das dabei seinen rauen industriellen Charakter bewahrt hat.

Unter einem Dach findet ihr hier heute die Bezirksgalerie für bildende Kunst, die František-Bartoš-Bezirksbibliothek und vor allem das Museum Südostmährens. Verpasst auf keinen Fall die umfangreiche Dauerausstellung mit dem Namen „Prinzip Baťa“. Sie führt die Besucher durch die gesamte Geschichte der Firma, beherbergt ein riesiges Schuhmuseum mit Schuhen aus aller Welt, gibt Einblick in die Anfänge des Zlíner Films und widmet auch den berühmten Reisenden Jiří Hanzelka und Miroslav Zikmund viel Raum, deren Reisen eng mit Zlín verbunden waren.

6. Baťa-Villa

Lange bevor die riesigen Fabrikhallen und der Wolkenkratzer entstanden, begann der Firmengründer, seinen Familiensitz zu errichten. Die Baťa-Villa wurde in den Jahren 1909 bis 1911 gebaut, und obwohl das Projekt ein anderer Baumeister begann, hatte an ihrer endgültigen Gestalt der berühmte Architekt Jan Kotěra maßgeblichen Anteil. Im Vergleich zum späteren strengen Funktionalismus ist die Villa etwas verzierter und traditioneller, auch wenn sie bereits Elemente eines modernen Denkens über das Wohnen trägt.

Tomáš Baťa lebte hier zusammen mit seiner Familie und brach von hier aus täglich zu seinen Fabriken auf. Das Haus überstand viele historische Umbrüche und dient heute als repräsentativer Sitz der Tomáš-Baťa-Stiftung. Die Räume der Villa erwachen heute bei Vorträgen, Treffen und Kulturveranstaltungen zum Leben, sodass praktisch jeder diesen Teil der Baťa-Geschichte besichtigen kann.

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7. Baťa-Häuschen und die Gartenstadt

Das ist genau das, was Zlín zu Zlín macht. Beim Blick von oben seht ihr endlose Reihen typischer kleiner Häuschen aus rotem, unverputztem Ziegel, eingebettet in eine Flut aus Bäumen und Rasenflächen. Zlín ist nämlich ein Lehrbuch-Beispiel für das städtebauliche Konzept der Gartenstadt. Die Firma Baťa wollte ihren Arbeitern hochwertigen und bezahlbaren Wohnraum bieten, und so entstanden in den zwanziger und dreißiger Jahren nach Entwürfen des Architekten František Lýdie Gahura ganze neue Viertel.

Die Häuschen wurden schnell, günstig und nach standardisierten Plänen gebaut. Es gab drei Grundtypen, nämlich Viertelhäuser, Doppelhäuser und freistehende Einzelhäuser. Bis heute haben sich über neunzehnhundert davon erhalten und bilden geschlossene Viertel wie Letná, Zálešná oder das Waldviertel (Lesní čtvrť). Ein Spaziergang durch diese Straßen ist ein bisschen wie ein Gang durch eine Filmkulisse – nur dass hier die Menschen tatsächlich wohnen, Wäsche aufhängen und in ihren Gärten Gemüse anbauen, genau wie vor neunzig Jahren.

8. Filmstudios und das Zlín Film Festival

Zlín, das sind nicht nur Schuhe, sondern auch die Leinwand. Als Jan Antonín Baťa seine Produkte bewerben musste, gab er sich nicht mit gedruckter Werbung zufrieden. Im Jahr 1936 ließ er auf dem Hügel Kudlov das erste Filmstudio errichten. Ursprünglich sollte es nur zum Drehen von Werbespots dienen, doch nach und nach wurden die Studios zur wahren Wiege des tschechischen Animations- und Trickfilms.

Hier schufen absolute Legenden des tschechischen Films. Ihre bahnbrechenden Puppentrickfilme drehte hier Hermína Týrlová, und genau hier entstand unter der Regie von Karel Zeman der legendäre Film „Die Reise in die Urzeit“. An diese reiche Tradition knüpft nahtlos das Zlín Film Festival an, ein internationales Festival für Kinder- und Jugendfilme, das hier bereits seit 1961 stattfindet. Es ist das älteste und größte Festival seiner Art auf der ganzen Welt.

9. Kirche St. Philipp und Jakob

Vielleicht habt ihr den Eindruck, Zlín sei erst mit der ersten Schuhfabrik vom Himmel gefallen, doch das stimmt nicht. Die Stadt hat eine viel ältere Geschichte, und eine Erinnerung an diese Zeiten ist die Kirche St. Philipp und Jakob, die in unmittelbarer Nähe des Friedensplatzes (náměstí Míru) steht. Es handelt sich um die ursprüngliche Zlíner Kirche, deren Fundamente bis an die Wende vom vierzehnten zum fünfzehnten Jahrhundert zurückreichen – historische Quellen geben die Entstehungszeit ungefähr mit den Jahren 1390 bis 1420 an.

Die Kirche steht als schöner historischer Gegensatz zur umgebenden modernen Stadt und erinnert daran, dass Zlín als kleines mährisches Städtchen existierte, lange bevor die Ära der Baťas kam und alles veränderte. Übrigens stand in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft einst auch der älteste Friedhof von Zlín, der später der wachsenden Stadt weichen musste.

10. Waldfriedhof

Wenn wir schon bei Friedhöfen sind: Der wichtigste Zlíner Friedhof ist absolut einzigartig und ein stiller Spaziergang lohnt sich allemal. Der Waldfriedhof wurde 1932 geweiht, und wie der Name schon andeutet, hat er ein sehr ungewöhnliches, naturnahes Konzept. Die Gräber sind direkt zwischen ausgewachsene Bäume in den Waldbestand eingebettet, ihr findet hier keine pompösen Betoneinfassungen oder riesigen Marmordenkmäler. Alles ist sehr schlicht und der Natur untergeordnet.

Der Friedhof ist die letzte Ruhestätte vieler bedeutender Persönlichkeiten, die mit der Stadt verbunden sind. Seit Juli 1932 ist hier Tomáš Baťa selbst begraben, dessen Grab sehr schlicht und zurückhaltend ist. Hier ruhen auch der Architekt František Lýdie Gahura, der Zlín sein Gesicht gab, sowie die berühmten Filmemacher Karel Zeman und Hermína Týrlová. Es ist ein überaus ruhiger und besinnlicher Ort, wohl der stillste Winkel ganz Zlíns, an dem euch voll bewusst wird, wie sehr der Familie Baťa Ordnung und Schönheit selbst in solchen Momenten am Herzen lagen.

11. Burg Malenovice

Wenn euch doch nach klassischen Sehenswürdigkeiten gelüstet, müsst ihr nur in einen Randbezirk der Stadt fahren. Die Burg Malenovice, die heute ein Teil von Zlín ist, ist eine typische gotische Festung. Gegründet hat sie Mitte des vierzehnten Jahrhunderts Johann Heinrich, kein Geringerer als der Bruder von Kaiser Karl IV.

Die Burg durchlief im Laufe der Jahrhunderte viele Umbauten, sodass ihr an ihr Spuren der Renaissance wie auch des Barock findet. Die letzten privaten Besitzer der Herrschaft waren das bekannte Geschlecht der Sternberg. Derzeit verwaltet das Denkmal das Museum Südostmährens. Im Inneren könnt ihr mehrere interessante historische Ausstellungen besichtigen, und als Belohnung für das Erklimmen der Treppen erwartet euch eine schöne Aussicht vom Burgturm in die umliegende Landschaft.

12. Gahura-Prospekt und das Stadtgrün

Der letzte Tipp ist kein konkretes Gebäude, sondern der Raum zwischen ihnen. Der Gahura-Prospekt ist eine riesige grüne Achse, die direkt ins Zentrum von Zlín eingebettet ist. Der Architekt František Lýdie Gahura entwarf diesen langen, ansteigenden Rasenstreifen, gesäumt von Alleen, als verbindendes Element zwischen dem Tomáš-Baťa-Denkmal oben auf dem Hügel und den Schulgebäuden unten in der Stadt.

Dieser großzügige Grünstreifen ist eigentlich der beste Beweis dafür, dass die Idee der Fabrik im Grünen kein bloßer Werbeslogan war. Zlín gehört bis heute zu den allergrünsten Städten Tschechiens. Das Grün ist hier nicht nur Beiwerk, sondern organischer Bestandteil der Bebauung, der direkt zwischen die Ziegelhäuschen, Fabrikareale und Verwaltungsgebäude hineinwächst. Über den Prospekt zu spazieren oder sich einfach ins Gras zu setzen, ist die beste Art, die hiesige Atmosphäre in sich aufzunehmen.

💡 Tipp mit Kindern: Wenn ihr mit der Familie unterwegs seid, solltet ihr neben dem Zoo Lešná unbedingt auch ins Museum Südostmährens im Baťa-Institut gehen. Der Teil der Ausstellung über die Reisenden Hanzelka und Zikmund ist für wissbegierige Kinder sehr fesselnd, ebenso wie die Ausschnitte aus den alten Animationsfilmen.

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Wo man in Zlín essen kann

Die Suche nach gutem Essen und gutem Kaffee ist hier eine Freude, denn die Stadt hat eine großartige Gastroszene. Wenn ihr gute Cafés liebt, kehrt unbedingt im Lokal „Jedním tahem“ ein, das in einem der ehemaligen Fabrikgebäude untergebracht ist. Es gibt hier hervorragenden Spezialitätenkaffee, sie machen tolle Brunches, und obendrein dient der Raum auch als Galerie. Eine weitere sehr angenehme Station direkt im Fabrikareal ist das „Lusso Caffe“, ein stilvolles, vom italienischen Lebensgefühl inspiriertes Café. Im Zentrum selbst, in der Straße Tomáš Baťa, befindet sich dann das beliebte Café Archa.

Gute Nachricht für Vegetarier: Zlín bietet gleich mehrere fleischlose Möglichkeiten. Direkt im Areal Svit befindet sich das Restaurant Prašád, das ausschließlich vegetarisch kocht. Im Zentrum gibt es zudem das Pranaya, ein weiteres rein vegetarisches Restaurant, in dem es unter der Woche ein Mittagsmenü gibt.

Natürlich dürfen wir nicht vergessen, dass Zlín in der Walachei (Valašsko) liegt, einer Region mit einer sehr eigenen und starken kulinarischen Tradition. Zu den lokalen Spezialitäten, die Touristen oft suchen, gehören die deftige Sauerkrautsuppe „kyselica“ oder die gehaltvollen Kartoffelnockerl „střapačky“ mit Kraut. Heruntergespült wird das angeblich mit Slivovice (Pflaumenschnaps) aus den umliegenden Obstgärten, auf den die Einheimischen nichts kommen lassen. Und als süßer Abschluss gibt es die berühmten „frgály“, riesige süße Kuchen mit Quark-, Mohn- oder Birnenfüllung, die sich sogar mit der geschützten geografischen Angabe der Europäischen Union rühmen können.

Wohin auf einen Ausflug ab Zlín

Wenn ihr im Osten Mährens mehr Zeit habt, bietet die Umgebung der Stadt jede Menge weiterer Möglichkeiten. Sowohl die Walachei als auch die benachbarte Slowakei-Region Slovácko sind voller Geschichte und interessanter Orte.

  • Vizovice: Liegt nur etwa vierzehn Kilometer von Zlín entfernt. Ihr findet hier ein schönes Barockschloss mit einer einzigartigen Sammlung historischer Brettspiele. Das Städtchen ist aber vor allem für die Brennerei R. Jelínek berühmt, die an die Tradition des Schnapsbrennens seit 1585 anknüpft und weltweit bekannte Slivovice exportiert. Im Sommer findet hier zudem das große Musikfestival Masters of Rock statt.
  • Luhačovice: Nur sechzehn Kilometer entfernt befindet sich der größte mährische Kurort. Er ist berühmt für die heilende Mineralquelle Vincentka, vor allem aber für die wunderschöne volkstümliche Jugendstil-Architektur, die hier der Architekt Dušan Jurkovič hinterlassen hat.
  • Baťa-Kanal: Eine historische Wasserstraße, die in den Jahren 1934 bis 1938 entlang des Flusses March (Morava) angelegt wurde. Ursprünglich diente sie dem Transport von Braunkohle, heute finden auf ihr sehr beliebte touristische Bootsfahrten durch die zauberhafte Region Slovácko statt.
  • Burg Lukov: Etwa zehn Kilometer von der Stadt entfernt, tief in den Hostýn-Bergen, versteckt sich die ausgedehnte Ruine dieser gotischen Burg. Erhalten geblieben sind das Eingangstor, und von den Mauern aus hat man eine perfekte Aussicht über die weite Landschaft.

💡 Tipp: Eintrittskarten für Schlösser, Brennerei-Führungen oder das Ausleihen von Booten auf dem Kanal sind in den Sommermonaten oft schnell ausverkauft. Wenn ihr eure Ausflüge im Voraus ohne Warten in Schlangen absichern wollt, schaut euch das Angebot an Erlebnissen und Reservierungen über die Plattform GetYourGuide an.

Wohin als Nächstes

Häufig gestellte Fragen

Wie viele Tage sollte man für einen Besuch in Zlín einplanen?

Für das historische und funktionalistische Zentrum selbst reichen euch bequem ein bis zwei Tage. Wenn ihr aber auch einen Ausflug in den Zoo plant, die Museen im Institut besichtigen und einen Ausflug nach Luhačovice oder Vizovice machen wollt, solltet ihr euren Aufenthalt definitiv auf drei Tage verlängern.

Wie kommt man am besten von Prag nach Zlín?

Zlín liegt abseits der Hauptbahnstrecke, sodass Direktzüge aus Prag nur ausnahmsweise verkehren. Der üblichste Weg ist, mit dem Express nach Otrokovice zu fahren (was knapp drei Stunden dauert) und dort in die Regionalbahn oder in öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen, die einen direkt ins Zentrum bringen. Ein Direktbus aus Prag hierher braucht etwa vier Stunden.

Funktioniert das fahrende Büro im Baťa-Wolkenkratzer noch immer?

Der berühmte Aufzug, der als Arbeitszimmer von Jan Antonín Baťa diente, ist sorgfältig restauriert und funktioniert heute vor allem als historisches Exponat. Er dient für Besichtigungen, sodass Sie die zeitgenössische Ausstattung vom Waschbecken bis zur Klimaanlage aus der Nähe betrachten können.

Kann man ins Große Kino gehen?

Leider nein. Obwohl das Kino eine faszinierende Geschichte hat und über zweitausend Plätze verfügt, ist es seit 2016 aufgrund des schlechten technischen Zustands und Baufälligkeit für die Öffentlichkeit geschlossen. Die Stadt plant eine umfassende Sanierung, sodass ihr das Gebäude vorerst nur von außen vom Náměstí Práce (Platz der Arbeit) aus betrachten könnt.

Kann sich ein Tourist in den Baťa-Häuschen unterbringen?

Ja, das geht auf jeden Fall. Obwohl die meisten der über neunzehnhundert erhaltenen Häuschen ganz normal von Einheimischen bewohnt werden, haben einige Besitzer sie renoviert und bieten sie über Unterkunftsplattformen zur Miete an. Das ist eine großartige Möglichkeit, die Architektur buchstäblich am eigenen Leib zu erleben.

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