Wenn du einen Roadtrip durch Sardinien planst und dabei denkst, dass du diese italienische Insel an einem verlängerten Wochenende locker kreuz und quer durchqueren kannst, muss ich dich gleich zu Beginn liebevoll bremsen. Sardinien ist riesig. Von Norden nach Süden misst die Insel fast 300 Kilometer, und da du hier keine klassischen Autobahnen findest, dauern die Fahrten über die kurvigen Küstenstraßen viel länger, als du erwarten würdest. Doch genau darin liegt der größte Zauber, wenn du Sardinien mit dem Auto entdeckst!
Das Reisen mit dem Auto ist nämlich nach Meinung aller erfahrenen Reisenden die absolut beste Art, Sardinien kennenzulernen. Du erreichst versteckte Buchten, zu denen kein Bus fährt, hältst an Klippen mit Blick auf den Sonnenuntergang und erkundest das geheimnisvolle Inland voller prähistorischer Bauwerke. Und diese Freiheit, morgens das Handtuch in den Kofferraum zu werfen und auf die Suche nach dem schönsten Strand zu fahren, ist einfach unbezahlbar. Aus den verfügbaren Informationen und begeisterten Bewertungen wird klar: Dich erwartet einer der besten Roadtrips Europas.
In diesem Guide findest du fertige Routen für eine Autoreise durch Sardinien, egal ob du eine Woche, zehn Tage oder gleich zwei Wochen Zeit hast. Wir besprechen die Tücken der lokalen Autovermietungen, erklären dir, wie du saftige Strafen für die Einfahrt in historische Stadtzentren vermeidest, und schauen uns auch an, warum du manche Strände ohne App auf dem Handy gar nicht erreichst. Los geht’s!

Zusammenfassung für alle, die keine Zeit haben, den ganzen Artikel zu lesen
- Wie viele Tage du brauchst: Für ganz Sardinien solltest du mindestens 10 bis 14 Tage einplanen. Wenn du nur eine Woche hast, wähle strikt entweder den Norden oder den Süden, sonst verbringst du den ganzen Urlaub nur am Steuer.
- Norden vs. Süden: Der Norden (Costa Smeralda, La Maddalena, Alghero) ist berühmter, luxuriöser und teurer. Der Süden (Cagliari, Villasimius, Costa Verde) ist laut Foren wilder, authentischer und preisfreundlicher.
- Entfernungen und Straßen: Auf der Insel gibt es keine Autobahnen. Die Hauptverbindung ist die mautfreie Schnellstraße SS131. Auf Küsten- und Bergstraßen kannst du mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 40 km/h rechnen.
- ZTL-Zonen: In Städten wie Olbia, Alghero oder Cagliari musst du extrem auf die ZTL-Kameras aufpassen (Zone mit beschränkter Einfahrt). Die Strafen finden dich auch in Deutschland zuverlässig und beginnen bei 80 Euro.
- Autovermietung: Spare nicht an der Versicherung und meide problematische Anbieter (oft wird vor der Firma Goldcar gewarnt). Wenn du nur eine Debitkarte hast, suche lokale Firmen, die sie akzeptieren.
Wann du den Roadtrip durch Sardinien starten solltest und was du übers Fahren wissen musst
Das richtige Timing ist für einen Urlaub auf Sardinien mit dem Auto absolut entscheidend. Davon hängt nicht nur dein Budget ab, sondern auch, ob du dich auf den Straßen mit Tausenden anderen Touristen drängst oder die leeren Ausblicke genießt. Fassen wir zusammen, was dich am Steuer erwartet und wann laut Einheimischen die beste Reisezeit ist.
Wenn du im Juli oder August losfährst, stell dich auf extreme Hitze und riesige Menschenmassen ein. Besonders um den italienischen Feiertag Ferragosto (15. August) platzt die Insel aus allen Nähten, die Preise für Mietwagen und Unterkünfte schießen steil nach oben, und um einen freien Parkplatz am Strand zu finden, musst du vor acht Uhr morgens anreisen. Viel klüger ist es, den Juni oder September zu wählen, wenn das Meer angenehm warm ist (im September sogar am wärmsten, etwa 24 °C), die Straßen aber schon deutlich leerer sind. Der Oktober eignet sich hervorragend zum Wandern und Erkunden des Inlands, auch wenn das Meer für Frostbeulen schon zu kühl sein kann. Pass außerdem auf den starken Wind Mistral (Maestrale) auf, der aus dem Nordwesten weht und sowohl das Wasser deutlich abkühlen als auch das Fahren unangenehm machen kann.
Was das Fahren selbst angeht: Vergiss Vignetten und Mautstationen. Auf Sardinien gibt es nämlich keine Autobahnen. Das Rückgrat der Insel ist die Schnellstraße SS131 (die sogenannte Carlo Felice), die Cagliari im Süden über Oristano mit Sassari und Olbia im Norden verbindet. Sie ist zweispurig und mautfrei, wird aber auf vielen Abschnitten saniert. Sobald du von ihr an die Küste abbiegst, erwarten dich endlose Serpentinen. Für 60 Kilometer brauchst du hier locker anderthalb Stunden. Die Fahrt von Cagliari nach Alghero dauert etwa 2,5 Stunden (235 km), von Cagliari nach Olbia knapp 3 Stunden. Erfahrene Reisende raten daher, pro Tag maximal 150 bis 200 Kilometer Fahrt einzuplanen.
| Strecke | Entfernung | Fahrzeit |
|---|---|---|
| Olbia → Porto Cervo (Costa Smeralda) | ca. 30 km | ~35 Min. |
| Olbia → Cala Gonone (Golfo di Orosei) | ca. 110 km | ~1,5 Std. |
| Cala Gonone → Alghero (Inselquerung) | ca. 200 km | ~3 Std. |
| Cagliari → Villasimius | ca. 65 km | ~1 Std. |
| Cagliari → Oristano (Halbinsel Sinis) | ca. 95 km | ~1,5 Std. |
| Cagliari → Alghero (über die SS131) | ca. 235 km | ~2,5 Std. |
Auf die Insel kommst du samt Auto mit dem eigenen Wagen über die Fähre. Die Schiffe legen vom italienischen Festland ab (Livorno, Genua, Civitavecchia), und die Überfahrt dauert je nach Route zwischen 5 und 11 Stunden. Am günstigsten ist meist die Fähre von Livorno nach Olbia, wo man die Tickets außerhalb der Hauptsaison zu sehr fairen Preisen bekommt. Wenn du aber keine Tage mit der Fahrt durch Europa verbringen möchtest, ist die elegantere Variante, einen Flug nach Olbia, Alghero oder Cagliari zu buchen und direkt zur lokalen Autovermietung zu fahren. Von Deutschland aus gibt es gute Direktverbindungen mit Eurowings, Lufthansa oder easyJet, etwa von Berlin, München oder Frankfurt nach Olbia und Cagliari.
Wo du während des Roadtrips durch Sardinien übernachten kannst
Auch wenn ein Roadtrip dazu verleitet, jede Nacht woanders zu schlafen, ist das auf Sardinien wegen der kurvigen Straßen nicht zu empfehlen. Es ist unnötig anstrengend, und du verbringst mehr Zeit mit dem Kofferpacken als mit Baden. Eine viel bessere Strategie ist, dir einen oder zwei strategische Stützpunkte zu wählen und von dort sternförmige Ausflüge in die Umgebung zu unternehmen.
Achte bei der Buchung der Unterkunft immer auf eine kostenlose Stornierungsmöglichkeit (Booking.com bietet das in der Regel an). Vor allem wenn du außerhalb der Hauptsommermonate reist, kann sich das Wetter ändern, und du wirst die Möglichkeit schätzen, vom windigen Nordwesten lieber an die ruhigere Ostküste zu wechseln. Wenn du in den Norden willst, ist die Umgebung des Städtchens San Teodoro ein hervorragender Stützpunkt – mit einem besseren Preis-Leistungs-Verhältnis als die extrem teure Costa Smeralda. Im Nordwesten ist das historische Alghero der ideale Ausgangspunkt, und wenn du den Süden erkunden möchtest, suchst du dir am besten eine Unterkunft rund um Cagliari oder das ruhigere Städtchen Pula.
Wo du auf Sardinien dein Haupt zur Ruhe legst, entscheidet überraschend viel – ob du das Meer fünf Minuten zu Fuß oder eine Stunde mit dem Auto entfernt hast und ob du am Abend Ruhe oder Trubel genießt. Die Insel ist riesig, also lohnt es sich nicht, blind auszuwählen. Wir haben deshalb ein paar erprobte Tipps zusammengestellt, je nachdem, welche Art von Urlaub du suchst:
💑 Für Paare und Romantik: Hotel Villa Las Tronas (Alghero) — eine historische Villa auf einer eigenen Felshalbinsel mit Meer auf drei Seiten; Reisende loben vor allem die Ruhe und die Ausblicke beim Sonnenuntergang.
👨👩👧 Für Familien am Strand: Hotel Nautilus (Villasimius) — im ruhigen Süden, ein Stück von den flachen Sandstränden entfernt, wo auch kleinere Kinder sicher spielen können.
💰 Bestes Preis-Leistungs-Verhältnis: Cala Cuncheddi (Olbia) — eigener Strand und nur ein paar Minuten vom Flughafen Olbia entfernt, sodass du nicht gleich am ersten Tag die halbe Insel durchqueren musst.
✨ Für ein einzigartiges Erlebnis: Su Gologone Experience Hotel (Oliena) — das legendäre Kunsthotel unterhalb der Berge des Supramonte; das authentische Sardinien fernab von Stränden und Menschenmassen.
💡 Ein kleiner Rat zum Schluss: Die meisten Hotels buchst du über Booking.com mit kostenloser Stornierung, sodass du deinen Lieblingsplatz gleich reservieren und dich später in Ruhe entscheiden kannst. Warte aber nicht zu lange – die begehrtesten Adressen am Meer sind für Juli und August oft schon ein halbes Jahr im Voraus ausgebucht, und die Preise klettern in der Hauptsaison um zig Prozent nach oben.
Sardinien mit dem Auto in 7 Tagen: Rundreise im Norden
Wenn du nur 7 Tage auf Sardinien hast, versuche nicht, die ganze Insel zu umrunden. Die Nordrunde ist ein absoluter Klassiker, der dich durch das Berühmteste führt, was die Insel zu bieten hat: von luxuriösen Yachten bis zu romantischen historischen Städtchen. Diese Sardinien-Route geht von Anreise und Abreise über den Flughafen Olbia aus.
| Tage | Route und Hauptstopps | Wo übernachten | Hoteltipp |
|---|---|---|---|
| Tag 1–3 | Costa Smeralda, Porto Cervo, La-Maddalena-Archipel, Capo Testa | Olbia | Cala Cuncheddi |
| Tag 4–5 | Golfo di Orosei, Cala Luna, Cala Goloritzé | Cala Gonone | Hotel Costa Dorada |
| Tag 6–7 | Das pastellfarbene Bosa, das katalanische Alghero, Capo Caccia | Alghero | Hotel Villa Las Tronas |
Tag 1–3: Costa Smeralda und der La-Maddalena-Archipel
Hol dir dein Auto in Olbia ab und fahr gleich nach Norden zur legendären Smaragdküste (Costa Smeralda). Diese Region wurde in den 1960er-Jahren für den internationalen Jetset errichtet, und du findest hier die teuersten Boutiquen, luxuriöse Resorts und den Hafen Porto Cervo, in dem riesige Yachten ankern. Die Preise erreichen hier astronomische Höhen, aber ein Halt für ein Eis und um die Atmosphäre aufzusaugen lohnt sich. Lass dir die fotogenen Strände wie Spiaggia del Principe oder Capriccioli nicht entgehen.

Am zweiten Tag fährst du zum Hafen von Palau und machst einen Ganztages-Bootsausflug zum La-Maddalena-Archipel, der seit 1994 Nationalpark ist. Zur Hauptinsel fährt die Fähre etwa 20 Minuten, und du kannst dein Auto sogar mitnehmen. Wenn du die abgelegensten Buchten sehen willst, lohnt sich angeblich eine organisierte Bootstour. Begeistern wird dich sicher die Insel Caprera, auf der Giuseppe Garibaldi lebte und starb. Den berühmten Rosa Strand (Spiaggia Rosa) auf der Insel Budelli kannst du dir leider nur vom Boot aus ansehen – wegen Diebstählen des rosa Sandes gilt hier seit 1998 ein strenges Betretungsverbot unter Androhung einer drakonischen Geldstrafe.
Am dritten Tag fährst du zur nördlichsten Spitze der Insel zum Städtchen Santa Teresa Gallura. Die hiesige Granithalbinsel Capo Testa bietet bizarre Felsformationen, die Wind und Wasser über Jahrtausende geformt haben. Die Sonnenuntergänge sehen hier aus wie von einem anderen Planeten.
Tag 4–5: Cala Gonone und der Golfo di Orosei
Vom Norden fährst du entlang der Ostküste hinunter zum Städtchen Cala Gonone. Dich erwartet die Region des Golfo di Orosei, die für ihre atemberaubenden Kalksteinklippen und Höhlen berühmt ist. Dieser Küstenabschnitt ist größtenteils mit dem Auto unzugänglich, also stellst du den Wagen hier für einen Tag ab.

Reserviere dir einen Platz auf einem Boot und mach dich auf, die Buchten zu entdecken, die regelmäßig in den Ranglisten der schönsten Strände Europas auftauchen. Kristallklares Wasser erwartet dich an der Cala Luna oder der Cala Mariolu (Achtung: An der Cala Mariolu gilt ein Limit von 700 Personen pro Tag, und für den Zutritt brauchst du einen QR-Code von der offiziellen Website). Ein Kapitel für sich ist der Strand Cala Goloritzé mit seiner ikonischen 100 Meter hohen Felsnadel. An ihn darf man sich nicht mit dem Boot nähern, du musst zu Fuß vom Hochplateau Golgo absteigen (etwa 1,5 Stunden Weg bergab). Wenn du das planst, denk daran, dass der Zugang reguliert ist. Der Eintritt kostet 7 Euro, und in der Saison musst du deinen Platz 72 Stunden im Voraus reservieren über die offizielle App Heart of Sardinia.
💡 Tipp: Eintrittskarten, Bootsausflüge und organisierte Touren füllen sich in der Saison schnell – es lohnt sich, sie vorab online auf GetYourGuide zu kaufen.
Tag 6–7: Das pastellfarbene Bosa und das katalanische Alghero
Vom Osten fährst du durchs Inland an die Nordwestküste. Dein erster Halt ist das Städtchen Bosa, das für seine pastellfarbenen Häuser bekannt ist, die sich auf einem Hügel unterhalb der Burg Castello Malaspina erheben. Durch den Ort fließt der Fluss Temo, und das Ganze wirkt unglaublich malerisch. Probier hier unbedingt in einem lokalen Café die einheimische Süßspeise Seadas, frittierte Teigtaschen gefüllt mit frischem Käse und mit Honig übergossen.

Von hier fährst du weiter auf einer der schönsten Küstenstraßen der Insel nach Alghero. Alghero hat sich den Beinamen „Klein-Barcelona“ verdient, weil es bis heute eine starke katalanische Identität bewahrt hat und hier sogar ein algheresischer Dialekt gesprochen wird. Die Altstadt ist für Autos gesperrt, also park draußen und schlendere über die mächtigen Stadtmauern über dem Meer. Zum Abschluss des Ausflugs fährst du zum Kap Capo Caccia zur Neptungrotte (Grotta di Nettuno). Wenn du nicht unter Höhenangst leidest, kannst du zu ihr über die imposante Treppe Escala del Cabirol absteigen, die respektable 654 direkt in den Felsen gehauene Stufen hat. Von dort ist es nur noch ein Stück zurück zum Flughafen (entweder nach Alghero oder über die SS131 zurück nach Olbia).
Sardinien mit dem Auto in 7 Tagen: Rundreise im Süden
Der Süden Sardiniens ist laut vielen Reiseforen das authentischere und wildere Gesicht der Insel. Du findest hier nicht so viele Fünf-Sterne-Resorts wie im Norden, dafür erwarten dich endlose Strände, Flamingos und deutlich freundlichere Preise. Diese Route für 7 Tage rechnet mit dem Flughafen Cagliari.
| Tage | Route und Hauptstopps | Wo übernachten | Hoteltipp |
|---|---|---|---|
| Tag 1–2 | Cagliari (Castello, Strand Poetto), Nora, Sanddünen bei Chia | Cagliari | Palazzo Tirso MGallery |
| Tag 3–4 | Villasimius, Porto Giunco, Nuraghen Su Nuraxi in Barumini | Villasimius | Hotel Nautilus |
| Tag 5–7 | Halbinsel Sinis, Strand Is Arutas, Costa Verde, Dünen von Piscinas | Oristano | Hotel Lucrezia |
Tag 1–2: Cagliari und die Sanddünen bei Chia
Beginne direkt in der Hauptstadt Cagliari. Ihr mittelalterliches Festungsviertel Castello thront auf einem Hügel und bietet großartige Ausblicke von der neoklassizistischen Terrasse Bastione di Saint Remy – angeblich der beste Ort für den Sonnenuntergang mit einer Flasche guten Weins! Lass dir auch das in den Felsen gehauene römische Amphitheater nicht entgehen und schlendere unbedingt durch die engen Gassen des Viertels Marina. Direkt bei der Stadt liegt der 8 Kilometer lange Strand Poetto, wo du baden und aus der Ferne die rosa Flamingos in den angrenzenden Lagunen beobachten kannst.

Am zweiten Tag fährst du mit dem Auto westwärts zur archäologischen Ausgrabungsstätte Nora (eine phönizisch-römische Stadt direkt am Meer) und weiter in die Region Chia. Die hiesigen Strände sind für ihren feinen Sand und die majestätischen Sanddünen berühmt, die von jahrhundertealten Wacholderbäumen gesäumt werden. Wenn du das Baden in flachem, türkisfarbenem Wasser liebst, ist das angeblich dein Paradies. Ganz in der Nähe liegt der Strand Tuerredda, der zu den TOP 10 im Süden zählt (seit Sommer 2025 soll die Einfahrt per App reguliert sein, überprüfe das vor der Reise).
Tag 3–4: Villasimius und die Nuraghen in Barumini
Fahr von Cagliari ostwärts entlang der Küste ins Meeresschutzgebiet Capo Carbonara beim Badeort Villasimius. Hier findest du den berühmten Strand Porto Giunco, der auf der einen Seite ans Meer und auf der anderen an eine Lagune voller Flamingos grenzt. Zu den weiteren Schätzen gehört Punta Molentis, wo du mit einer Parkgebühr (ca. 10 Euro pro Auto) rechnen musst.

Am vierten Tag lichtest du die Anker und fährst ins Inland. Sardinien ist die Heimat von mehr als 7.000 Nuraghen, megalithischen kegelförmigen Türmen aus der Bronzezeit, die du sonst nirgendwo auf der Welt findest. Fahr zum allerberühmtesten: Su Nuraxi di Barumini, der seit 1997 auf der UNESCO-Liste steht. Der Zutritt zum Komplex ist nur mit Führung erlaubt, und die Besichtigung des zentralen 18 Meter hohen Turms ist eine faszinierende Exkursion in die ferne Geschichte der Insel. Die aktuellen Öffnungszeiten findest du auf den offiziellen Seiten der Stiftung Barumini.
Tag 5–7: Halbinsel Sinis, Costa Verde und Rückkehr
Fahr an die Westküste zur Stadt Oristano und erkunde die Halbinsel Sinis. Hier erwartet dich ein Unikat: der Strand Is Arutas, auch „Reisstrand“ genannt. Seine Oberfläche besteht nämlich nicht aus gewöhnlichem Sand, sondern aus winzigen Quarzkörnern in weißen, grünen und rosa Tönen. Es sieht atemberaubend aus, aber merke dir eine grundlegende Regel: Das Sammeln dieser Steinchen ist streng verboten, und die Strafen am Flughafen sind kompromisslos.

Die letzten Tage widmest du der Erkundung der Costa Verde (Grüne Küste). Sie ist einer der am dünnsten besiedelten und wildesten Teile Sardiniens. Das Kleinod dieser Region sind die riesigen Sanddünen am Strand Piscinas, die bis zu 60 Meter hoch reichen und eher an die Sahara als an Europa erinnern. Zu den Dünen führt oft nur ein Schotterweg, also erfordert die Fahrt mit dem Mietwagen Vorsicht. Danach erwartet dich nur noch eine entspannte Rückfahrt über die Schnellstraße zurück nach Cagliari.
Die große Sardinien-Rundreise für 10 bis 14 Tage
Wenn du dir denkst, dass du, wenn du schon nach Sardinien fliegst, möglichst viel von der Insel sehen willst, dann plane mindestens 10, idealerweise aber 14 Tage ein. Je mehr Zeit du hast, desto besser kannst du die Kontraste zwischen der glänzenden Küste und dem rauen Inland aufnehmen. Hier ist ein Entwurf für alle, die lange Autofahrten lieben.
| Tage | Region und was du siehst | Wo übernachten | Hoteltipp |
|---|---|---|---|
| 4 Tage | Süden: Cagliari, Chia, Villasimius und wilde Dünen | Cagliari | Palazzo Tirso MGallery |
| 3 Tage | Westen: Alghero, das pastellfarbene Bosa, das karibische La Pelosa in Stintino | Alghero | Hotel Villa Las Tronas |
| 3 Tage | Norden: Palau, La-Maddalena-Archipel, Costa Smeralda | Palau | Hotel La Roccia |
| 4 Tage | Osten und Berge: Golfo di Orosei, Supramonte, das Inland der Barbagia | Oliena | Su Gologone Experience Hotel |
Wenn du etwa 10 Tage hast, empfiehlt es sich, ein sogenanntes Open-Jaw-Ticket zu nutzen (Ankunft in einer Stadt und Abflug aus einer anderen). Du fliegst zum Beispiel nach Olbia und gibst das Auto in Alghero zurück. Damit sparst du Hunderte Kilometer an Überlandfahrten. In diesem Modell verbringst du die ersten 4 Tage an der Costa Smeralda und auf La Maddalena, ziehst dann für 2 bis 3 Tage in den Osten zu Bootsausflügen in den Golfo di Orosei und widmest den Rest des Aufenthalts dem Nordwesten. Von Alghero kannst du auch zur äußersten nordwestlichen Spitze fahren, zum berühmten Strand La Pelosa in Stintino. Der sieht aus wie aus der Karibik, aber Achtung: In der Saison musst du den Eintritt (3,50 Euro) 48 Stunden im Voraus reservieren und unbedingt eine Schilfmatte unter dem Handtuch haben. Wenn du keine hast, brummen dir die Strandwächter angeblich gnadenlos eine Strafe von 100 Euro auf. Die offizielle Reservierung machst du vorab auf der Website La Pelosa Stintino.
Für eine komplette Umrundung der Insel solltest du 14 Tage einplanen. Dabei fährst du respektable rund 1.500 Kilometer. Teile dir die Zeit gleichmäßig ein: 4 Tage für den Süden rund um Cagliari und die wilden Dünen, 3 Tage für den Westen (Alghero und Bosa), 3 Tage für den Norden (Palau und La Maddalena) und die letzten 4 Tage lässt du dir für den dramatischen Osten und die Berge des Supramonte. In diesem Tempo schaffst du es, dich am Strand zu erholen, und erkundest zugleich auch die malerischen Bergdörfer der Region Barbagia. Genau dort triffst du auf das wahre Gesicht Sardiniens und kostest in den lokalen Agriturismi (ländlichen Gehöften) das traditionelle Brot Pane Carasau und die hausgemachte Pasta Culurgiones, gefüllt mit Kartoffeln, Pecorino-Käse und Minze.
Die schönsten Straßen Sardiniens
Für leidenschaftliche Fahrer ist Sardinien mit dem Auto ein wahr gewordener Traum. Wenn du aus der ganzen Route nur ein paar Abschnitte auswählen müsstest, auf denen du das Fahren am meisten genießt, empfehlen Einheimische und erfahrene Reisende diese drei legendären Straßen. Ihre Ausblicke zwingen dich garantiert alle fünf Minuten zum Anhalten und Fotografieren.
Orientale Sarda (SS125)
Diese Straße im Osten der Insel ist ein absolutes Kleinod für alle, die Bergpässe lieben. Ihr dramatischster Abschnitt führt durch das wilde Gebirge Supramonte zwischen den Städtchen Dorgali und Baunei. Die Straße schneidet sich in die Kalksteinmassive, bietet tiefe Abgründe auf der einen und scharfe Gipfel auf der anderen Seite. Hier durchzufahren erfordert volle Konzentration, denn die Kurven sind wirklich eng, und manchmal sonnen sich Wildschweine oder Ziegenherden gern auf der Straße.

Küstenstraße Alghero – Bosa (SP105 und SP49)
An der Westküste findest du einen Abschnitt, der sich über etwa 45 Kilometer zieht und die Städte Alghero und Bosa verbindet. Hier gibt es keine Bebauung, nur endlose Klippen, die steil ins Meer abfallen, und wilde mediterrane Macchia. Laut Bewertungen ist es ein absolutes Highlight, diese Strecke am frühen Abend zu fahren, wenn die Sonne hinter dem Meereshorizont versinkt und die Felsen rot färbt. Heb hin und wieder die Augen zum Himmel, in dieser Region nisten nämlich seltene Gänsegeier.

Panoramastraße Chia – Teulada (SP71)
Wenn du dich ganz im Süden der Insel bewegst, lass dir den etwa 25 Kilometer langen Abschnitt namens Strada Panoramica della Costa del Sud nicht entgehen. Die Straße folgt der zerklüfteten Küste und bietet Ausblicke auf Inselchen, Buchten und Wachtürme aus der Zeit der spanischen Herrschaft. Es ist die ideale Route für alle, die das Fahren mit dem Entdecken versteckter Strände verbinden wollen, denn von dieser Straße führen zahlreiche Abzweigungen zu wunderschönen Buchten mit feinem Sand.

Praktische Tipps für die Autoreise
Die Routenplanung selbst ist nur die halbe Miete. Ein Roadtrip durch Sardinien hat seine Besonderheiten und Tücken, die dich viele Nerven und viel Geld kosten können, wenn du nicht darauf vorbereitet bist. Hier ist eine Zusammenfassung der wichtigsten praktischen Ratschläge, die wir für dich aus Reiseforen und den aktuellen Regeln herausgezogen haben.
Pass allem voran extrem bei der Wahl der Autovermietung auf. In den Internetforen wiederholen sich ständig Warnungen vor aggressiven Praktiken mancher Billiganbieter, am häufigsten fällt der Name Goldcar. Das Personal am Schalter übt angeblich oft extremen Druck aus, ihre eigene teure Versicherung zu kaufen. Ein weiterer häufiger Stolperstein ist die Nutzung einer Debitkarte: Große multinationale Firmen verlangen für die Kautionssperre (die zwischen 50 und 2.000 Euro liegen kann) oft eine Kreditkarte mit eingeprägtem Namen des Fahrers. Wenn du nur eine Debitkarte hast, bist du gezwungen, bei ihnen die volle Versicherung dazuzubuchen, was den Mietpreis verdoppelt. Die Lösung ist, lokale Vermietungen wie etwa Sardinya oder Only Sardinia zu suchen, die gegenüber Debitkarten meist viel entgegenkommender sind. Und die goldene Regel zum Schluss: Bei der Übernahme des Wagens fotografiere und filme jeden noch so kleinen Kratzer sorgfältig.
Dein größter Feind in den Städten werden die ZTL-Zonen (Zona a Traffico Limitato) sein. Dabei handelt es sich um historische Zentren und enge Gassen, in die nur Anwohner einfahren dürfen. Sie werden von Kameras überwacht, und wenn du hineinfährst, sei es auch nur versehentlich für 10 Sekunden beim Wenden, findet dich die Strafe von 80 bis 200 Euro nach ein paar Monaten zuverlässig auch in Deutschland. Kameras überwachen zum Beispiel Cagliari (das Viertel Castello und weitere), Olbia, Bosa oder Castelsardo. In Alghero ist die Altstadt für Autos komplett gesperrt. Meide deshalb grundsätzlich Straßen mit dem Schild „Varco Attivo“ (aktive Schranke/Einfahrtsverbot). Am sichersten ist es, das Auto auf einem größeren Parkplatz außerhalb des Zentrums abzustellen und die paar hundert Meter zu Fuß zu gehen. Wenn du ein Hotel direkt in einer ZTL-Zone hast, muss es dein Kennzeichen bei der Polizei melden – vergewissere dich vorab, dass es das tut.
Mit dem Parken auf Sardinien hängt auch das System der farbigen Linien zusammen. Weiße Linien bedeuten kostenloses Parken. Blaue Linien kennzeichnen kostenpflichtige Stellplätze (in den Städten rechne mit ca. 1 Euro pro Stunde, an beliebten Stränden können es auch 2 Euro oder mehr sein). Gelbe Linien sind für Anwohner oder Behinderte reserviert, dort parke niemals. Was Treibstoff angeht: Benzin und Diesel sind auf der Insel teurer als auf dem europäischen Festland, kalkuliere das also in deinem Budget ein. Wähle bei der Vermietung immer die „Full-to-Full“-Politik (du übernimmst das Auto mit vollem Tank und gibst es auch voll zurück), das ist am fairsten. Und vergiss nicht, dass du an viele außergewöhnliche Strände (La Pelosa, Cala Goloritzé) heute ohne morgendliche Reservierung und Gebühr gar nicht mehr kommst. Für die aktuelle Saison überprüfe die Limits immer auf der offiziellen Website oder über die jeweiligen Apps.
Wohin als Nächstes
- Urlaub auf Sardinien: Was du sehen und tun kannst
- Wie du nach Sardinien kommst
- Die schönsten Strände Sardiniens
💡 Entdecke Sardinien weiter: der Hauptguide zu Sardinien, wie du auf die Insel kommst, die schönsten Strände, Wetter und beste Reisezeit, Cagliari.
Häufig gestellte Fragen
Wie plant man einen Road Trip durch Sardinien?
Grundlage ist eine realistische Einschätzung der Entfernungen. Auf der Insel gibt es keine Autobahnen, die Fahrten dauern lange. Wählt euch 1–2 strategische Ausgangspunkte und unternehmt von dort aus Sterntouren, versucht nicht, jeden Tag woanders zu schlafen. Für kürzere Reisen entscheidet euch entweder nur für den Norden oder nur für den Süden der Insel.
Wie viele Tage braucht man für eine Sardinien-Rundreise mit dem Auto?
Für eine komplette Inselumrundung (große Tour ca. 1.500 km) sollten Sie mindestens 10, idealerweise jedoch 14 Tage einplanen. Wenn Sie nur 7 Tage zur Verfügung haben, konzentrieren Sie sich nur auf eine Region (zum Beispiel Costa Smeralda und Golfo di Orosei im Norden, oder Cagliari und Umgebung im Süden).
Lohnt sich auf Sardinien ein eigenes Auto?
Auf jeden Fall ja. Ein Auto ist auf Sardinien praktisch eine Notwendigkeit, da die öffentlichen Verkehrsmittel zwischen kleineren Städten und abgelegenen Stränden sehr spärlich sind. Ohne Auto kommt man weder zu den schönsten versteckten Buchten noch ins bergige Hinterland.
Wie lange dauert die Fahrt von Cagliari nach Alghero?
Obwohl die Entfernung nur etwa 235 Kilometer beträgt, dauert die Fahrt über die Schnellstraße SS131 durchschnittlich 2,5 Stunden. Auf den Küstenstraßen mit wunderschönen Ausblicken solltet ihr mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 40 km/h rechnen, wodurch sich die Fahrt deutlich verlängern würde.
Welche sind die schönsten Straßen auf Sardinien?
Zu den beliebtesten gehören die östliche Bergstraße SS125 (Orientale Sarda) durch das Supramonte-Gebirge, die westliche Küstenstraße SP105 zwischen Alghero und Bosa mit dramatischen Klippen und die südliche Panoramastraße SP71 zwischen Chia und Teulada.
Ist es besser, den Norden oder den Süden Sardiniens zu bereisen?
Der Norden ist kommerzieller, hier findest du luxuriöse Ferienorte (Costa Smeralda), den berühmten Archipel La Maddalena und herrliche Strände, ist aber auch deutlich teurer. Der Süden hingegen ist authentischer, günstiger und weniger überlaufen, wobei er wilde Strände mit Dünen und großartige archäologische Stätten bietet.
Kann man nach Sardinien mit der Fähre und Auto anreisen?
Ja, die Fähren legen vom italienischen Festland ab (Genua, Livorno, Civitavecchia) und die Überfahrt dauert je nach Hafen und gewählter Linie zwischen 5 und 11 Stunden. Am häufigsten kommt man in Olbia oder Porto Torres an. Die Preise variieren je nach Vorlaufzeit der Buchung und ob ihr in der Hauptsaison reist.
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