Die Sonne brennt hier so intensiv, dass die Farben zur Mittagszeit ihre Konturen verlieren und ins Weiße verblassen. Die Luft duftet nach Kiefernharz, Salzwasser und Thymian, während ein unaufhörliches Zirpen der Zikaden die Klangkulisse liefert. Der Nationalpark Calanques und das benachbarte Städtchen Cassis in Frankreich sind nicht einfach nur ein weiterer gewöhnlicher Halt an der Côte d’Azur. Es ist ein körperliches Erlebnis, ein rauer Winkel aus Kalksteinfelsen und türkisfarbenen Buchten, den du am eigenen Leib erfahren musst.
Stell dir die norwegischen Fjorde vor, aber von der glühenden Mittelmeersonne übergossen und von Weinbergen gesäumt. Cassis ist ein eleganter, in Pastellfarben getauchter Hafen, der einen absoluten Kontrast zum wilden, rohen und nahe gelegenen Marseille bildet. In diesem Artikel bekommst du einen kompletten Guide, wie du diese Perle Südfrankreichs ganz ohne unnötigen Stress genießt. Ich verrate dir, wo du die schönsten Aussichten findest, wo du baden kannst und wie du den größten Sommermassen elegant aus dem Weg gehst.

Zusammenfassung
- Feste Schuhe sind ein Muss: In die Buchten (Calanques) kommst du in Flip-Flops nicht hinunter, das Gelände ist voller scharfer Steine und rutschiger Wurzeln.
- Das Wasser ist eiskalt: Selbst im August hat das Wasser in Buchten wie En-Vau oft nur rund 18 Grad, weil die Sonne hier täglich nur ein paar Stunden hineinscheint.
- Neue Regeln für 2026: Die Bucht Sugiton ist im Sommer nur mit einer kostenlosen Online-Reservierung zugänglich, die du im Voraus erledigen musst.
- Bootstouren als Alternative: Wenn du in der Hitze nicht wandern willst oder die Wege wegen Bränden gesperrt sind, kauf dir ein Ticket für ein Ausflugsboot vom Hafen.
- Wein, den du probieren musst: Cassis hat eine eigene AOC-Appellation und ihr trockener Weißwein ist weltberühmt.
- Marseille und Auto: Seit 2026 gilt in Marseille eine strenge Umweltzone, ohne Crit’Air-Plakette riskierst du ein saftiges Bußgeld.

Wann nach Cassis und Calanques reisen
Die idealen Monate für einen Besuch dieser Ecke Frankreichs sind eindeutig Mai, Juni und September. Das Wetter ist zu dieser Zeit sehr angenehm, die Tage sind lang und die Touristenmassen in den engen Gassen von Cassis lassen sich problemlos ertragen. Das Meer ist bereits warm genug zum Baden, auch wenn du in den Buchten des Nationalparks selbst stets mit einer deutlich eisigeren Erfrischung rechnen musst. Das September-Meer ist nach dem ganzen Sommer schön aufgewärmt, und die morgendlichen Nebel verleihen der Küste eine traumhafte Atmosphäre.
Juli und August sind dagegen das absolute Extrem, das ich dir zu meiden empfehle. Die Temperaturen im Süden erreichen regelmäßig 35 bis 43 °C, was jede Wanderung über die aufgeheizten weißen Felsen zu einem kleinen Fegefeuer macht 😅. Die französischen Sommerferien dauern zudem rund acht Wochen ab Anfang Juli, und das ganze Land zieht in dieser Zeit in den Süden. Auf den Autobahnen bilden sich gigantische Staus, die die Einheimischen „schwarze Tage“ nennen. Besonders verstopft sind die Hauptstrecken A6 und A7 zum Monatswechsel Juli/August.
Ein ganz wesentlicher Faktor für einen Sommerbesuch ist auch das Risiko von Waldbränden und der starke Mistral-Wind. Die Behörden sperren oft von einem Tag auf den anderen das gesamte Gebiet des Nationalparks Calanques kompromisslos für Wanderer. Verfolge daher immer die aktuellen Informationen in der offiziellen App des Nationalparks. Wenn du in die Provence auch wegen der blühenden Lavendelfelder reist, musst du deine Reise gut timen. Die endlosen Felder auf dem Plateau von Valensole sind am intensivsten lila zum Monatswechsel Juni/Juli, während du im August nur noch geschnittene braune Sträucher siehst. Eine spätere Blüte bietet allein die höher gelegene Region Sault, wo der Lavendel bis Mitte August durchhält.
Wenn du dich entscheidest, mit dem Auto anzureisen, musst du dich auf eine lange Fahrt einstellen – von München sind es rund neun bis zehn Stunden, von Berlin sogar zwölf bis dreizehn. Die französischen Autobahnen sind zwar in hervorragendem Zustand, aber es gilt eine streckenbezogene Maut an Mautstationen, keine Vignette wie in Österreich oder der Schweiz. Rechne mit etwa 9,50 Euro pro hundert Kilometer. Eine viel bequemere Alternative ist daher die Anreise mit dem Flugzeug: Du kannst mit Eurowings oder Lufthansa direkt nach Marseille oder ins nahe Nizza fliegen und dir am Flughafen einfach ein Auto mieten.

Wo in Cassis übernachten
💡 Tipp für Unterkunft und Erlebnisse: Unterkünfte suchen wir am liebsten auf Booking.com, wo es meist die besten Stornobedingungen gibt. Tickets, Ausflüge und Aktivitäten lohnt es sich über GetYourGuide zu vergleichen und zu buchen.
Cassis ist ein kleines, exklusives und ehrlich gesagt sehr teures Reiseziel. Wenn du direkt in der Stadt wohnen willst, um abends zu Fuß auf ein Glas Wein zum Hafen schlendern zu können, solltest du ein recht großzügiges Budget einplanen. Die Buchung der Unterkunft empfehle ich mit riesigem Vorlauf zu erledigen, ruhig auch ein halbes Jahr im Voraus, denn die Kapazitäten in diesem kleinen Städtchen sind blitzschnell vergriffen und die Preise schnellen mit dem nahenden Sommer in die Höhe. In der Stadt selbst gibt es zudem ein riesiges Parkplatzproblem, prüfe also immer vorab, ob dein Hotel einen reservierten Stellplatz anbietet.
Wenn du absoluten Luxus mit absolut atemberaubender Aussicht suchst, wirf einen Blick auf das historische Hôtel Les Roches Blanches. Dieses Fünf-Sterne-Hotel aus den Zwanzigerjahren liegt unweit des Zentrums in Richtung der Buchten und bietet vollendete Eleganz sowie privaten Zugang zum Meer. Preislich ist es zwar ein ordentlicher Schock, aber für einen besonderen Anlass oder ein romantisches Wochenende ein wahrgewordener Traum, den du nie vergisst.
Direkt im Herzen des Geschehens am Hafen findest du das erschwinglichere Hôtel Le Cassitel. Von hier hast du alle Restaurants und Märkte in Reichweite, die Zimmer sind sauber und modern, du musst nur damit rechnen, dass der abendliche Trubel von der Straße manchmal zu dir dringt. Eine tolle Alternative für ein kleineres Budget ist es, direkt in Marseille zu übernachten und mit dem Regionalzug TER nach Cassis zu pendeln. Die Fahrt dauert nur zwanzig Minuten, und das gesparte Geld kannst du lieber in tolles provenzalisches Essen und einheimischen Wein investieren. Wenn du dich aber für einen Aufenthalt in Marseille entscheidest und ein eigenes oder gemietetes Auto hast, achte unbedingt auf die neue Umweltzone ZFE-m. Sie verbietet die Einfahrt für Fahrzeuge ohne die Crit’Air-Umweltplakette, die du vorab online besorgen musst, sonst riskierst du ein Bußgeld von bis zu 375 Euro.

11 Tipps, was man in Cassis und Calanques sehen und unternehmen kann
Schauen wir uns das Beste an, was diese sonnenverwöhnte Region bietet. Es erwarten dich anspruchsvolle Aufstiege, perfekte Ausblicke von steilen Felsen und Streifzüge durch malerische Gassen. Der Nationalpark und seine Umgebung bergen so viel rohe Schönheit, dass du hier problemlos ein verlängertes Wochenende oder eine ganze Woche verbringst.

1. Hafen und Städtchen Cassis
Das Herz allen Geschehens ist der malerische Hafen. Du findest hier Dutzende traditioneller Fischerboote namens Pointus, die sanft auf den Wellen direkt neben Luxusyachten schaukeln. Rund ums Wasser zieht sich eine Promenade gesäumt von Pastellhäusern, in denen sich Cafés, Boutiquen und Restaurants mit ausgezeichneten provenzalischen Spezialitäten verbergen. Die Atmosphäre ist hier entspannt, elegant und unglaublich fotogen.
Verlier dich in den engen Gassen der Altstadt, die vom Meer leicht bergauf ansteigen. Morgens triffst du hier auf traditionelle Märkte voller Oliven, Käse, frischem Obst und Lavendelseifen. Wenn du hier essen gehen willst, denk an die strengen französischen Regeln. Das Mittagessen wird genau zwischen zwölf und zwei Uhr nachmittags serviert. Kommst du um drei, ist die Küche schon zu und du bekommst höchstens einen Kaffee mit Nüssen. Ein klassisches Mittagsmenü mit drei Gängen kostet hier rund 15 bis 25 Euro, für ein Abendessen zahlst du zwischen 20 und 35 Euro. In Frankreich ist Trinkgeld in Höhe von fünfzehn Prozent automatisch im Preis enthalten, aber für guten Service ist es üblich, ein oder zwei Euro in bar auf dem Tisch zu lassen.
💡 Tipp: Hol dir morgens ein frisches Baguette, setz dich auf eine Bank direkt am Wasser und beobachte die erwachende Stadt. Und vergiss die lokale Etikette nicht. Beginne ein Gespräch immer mit einem Lächeln und einem klaren „Bonjour“, erst dann frag nach Englisch. Diese kleine Geste des Respekts gegenüber der Sprache verwandelt mürrische Kellner in zuvorkommende Gastgeber.

2. Nationalpark Calanques per Boot
Wenn du nicht die Kondition für anspruchsvolle Felswanderungen hast, verpasst du das Beste keineswegs. Direkt vom Hafen in Cassis legen täglich Dutzende Ausflugsboote ab, die dich auf eine Tour zu den bekanntesten Buchten vom Wasser aus mitnehmen. Es ist die ideale Lösung für Familien mit kleinen Kindern oder für Tage, an denen der Park wegen Waldbrandgefahr für Wanderer kompromisslos gesperrt ist. Informationen über Sperrungen empfehle ich jeden Morgen in der offiziellen App des Nationalparks zu verfolgen.
Du kannst aus mehreren vorgegebenen Routen wählen, üblicherweise geht es auf eine Strecke mit drei, fünf oder acht Buchten. Vom Deck aus siehst du riesige Kalksteinwände, die senkrecht ins Meer abfallen, aus einer völlig einzigartigen Perspektive, die du vom Land aus schlichtweg nicht erlebst. Die meisten dieser Massenfahrten erlauben leider kein Baden, es handelt sich rein um eine Aussichtsfahrt, aber auch so ist das visuelle Schauspiel jeden ausgegebenen Euro wert.
💡 Tipp: Sichere dir die Tickets in der Hauptsaison mit ausreichend Vorlauf. Super funktioniert der Kauf über Plattformen wie GetYourGuide, wo du oft auch kleinere Katamarane für ein intimeres Erlebnis findest. So vermeidest du das Gedränge auf großen Decks mit Dutzenden anderer Touristen und genießt die Fahrt in viel größerer Ruhe und Privatsphäre.

3. Wanderung von Port-Miou nach Port-Pin
Die bekannteste Wanderroute beginnt gleich hinter der Stadt an der Calanque Port-Miou. Diese Bucht ist sehr lang, schmal und dient als riesiger natürlicher Hafen für Hunderte schneeweiße Segel- und Yachtboote. Von hier aus folgst du dem markierten Pfad über das Kalksteinmassiv, der dich nach etwa vierzig Minuten zügigem Gehen zur ersten wirklich naturbelassenen Bucht führt. Der Weg führt über scharfe Steine und rutschige Wurzeln, vergiss Flip-Flops oder Sandalen also gleich.
Der erste Halt ist Port-Pin, eine wunderschöne Bucht gesäumt von duftenden Kiefern, die ihr letztlich auch ihren Namen gaben. Der Weg hierher ist zwar steinig und stellenweise steil, aber mit guten Schuhen schafft ihn auch ein durchschnittlicher Wanderer. Du findest hier einen kleinen Kieselstrand, und das Wasser hat eine absolut unglaubliche Türkisfarbe, die in der Sommerhitze geradezu zur sofortigen Erfrischung einlädt.
💡 Tipp: Brich wirklich früh morgens zur Wanderung auf, idealerweise schon gegen acht Uhr. Du vermeidest nicht nur die brennende Mittagshitze, sondern hast auch die Chance, am recht kleinen Strand von Port-Pin einen bequemen Platz für dein Handtuch zu finden. Gegen zehn Uhr herrscht hier nämlich schon Kopf an Kopf. Wenn du mit dem Auto fährst, parke auf dem kostenlosen Auffangparkplatz Les Gorguettes oberhalb der Stadt und fahr mit dem Pendelbus hinunter.

4. Atemberaubende Calanque d’En-Vau
Das ist das absolute Juwel des gesamten Nationalparks und wahrscheinlich die meistfotografierte Bucht in ganz Frankreich. Von Port-Pin musst du weiter ins Landesinnere und dann steil hinunter. Der Weg von Port-Pin dauert noch etwa eine Stunde und ein Viertel und ist schon körperlich sehr anspruchsvoll. Stellenweise musst du auch die Hände zu Hilfe nehmen, und der Abstieg in die Bucht selbst fordert deinen Knien auf den rutschigen Steinen ordentlich zu.
Die Belohnung für das durchgeschwitzte T-Shirt ist aber grandios. En-Vau ist ein tiefer Einschnitt in den Felsen, wo sich über dem Kieselstrand riesige senkrechte, bei Kletterern beliebte Klippen erheben. Das Wasser ist hier so unglaublich klar, dass du selbst aus zwanzig Metern Höhe jeden Stein am Grund siehst. Bereite dich aber auf einen ordentlichen Schock vor, denn das Wasser ist hier wirklich eiskalt. Die Bucht ist so schmal und tief, dass die Sonne nur für wenige Stunden am Tag hineindringt.
💡 Tipp: Im gesamten Nationalpark gibt es absolut keine Möglichkeit, Trinkwasser nachzufüllen oder irgendeinen Snack zu kaufen. Es gibt hier auch keine Toiletten oder Mülleimer. Du musst riesige Mengen an Flüssigkeit mitbringen und allen Müll auf dem Rücken wieder zurück in die Zivilisation tragen.

5. Aussichtspunkt Cap Canaille
Wenn du vom Hafen in Cassis nach Osten blickst, siehst du eine riesige rötliche Klippe, die sich majestätisch über dem Meer erhebt. Das ist Cap Canaille, eine der höchsten Meeresklippen Europas, die eine stolze Höhe von 394 Metern erreicht. Die Farbe des rauen Felsens wechselt je nach Sonne von goldgelb bis sattem Ocker und bildet einen wunderschönen visuellen Kontrast zur dunkelblauen Meeresoberfläche.
Du musst nicht zu Fuß hinaufsteigen und Blut schwitzen. Über sie führt die Panoramastraße Route des Crêtes, die Cassis mit dem benachbarten Hafenstädtchen La Ciotat verbindet. Es ist ein toller kleiner Roadtrip voller scharfer Serpentinen mit vielen sicheren Haltebuchten. Dort kannst du anhalten, aus dem Auto steigen und einen Ausblick genießen, bei dem dir buchstäblich schwindelig wird.
💡 Tipp: Komm idealerweise zum Sonnenuntergang hierher. Die Felswände bekommen im Abendlicht einen unglaublich satten Orange- und Rotton. Der Blick auf die zerklüftete weiße Küste des Nationalparks Calanques in der Ferne ist ein magischer Moment, den du tief in Erinnerung aus der Provence mitnimmst.

6. Baden und Schnorcheln in den Buchten
Wenn du dich auf langes Planschen in warmem Wasser wie irgendwo in Griechenland oder Kroatien freust, muss ich dich ein wenig enttäuschen. Das Meer in den tiefen Buchten der Calanques ist selbst mitten im August sehr kalt, was es eher zu einem Ort für eine schnelle Schockerfrischung nach einer anstrengenden Wanderung macht als zum stundenlangen Faulenzen auf der Luftmatratze. Die Wassertemperatur hält sich hier oft nur um die achtzehn Grad.
Für Liebhaber der Unterwasserwelt ist es aber das absolute Paradies. Nimm dir unbedingt Schnorchel und Brille mit, denn dank des steinigen Grundes und der Abwesenheit aufgewirbelten Sandes ist die Sicht unter Wasser absolut phänomenal. Du siehst Schwärme bunter Fische, Seeigel und mit etwas Glück auch Kraken, die sich in Felsspalten knapp unter der Oberfläche verstecken.
💡 Tipp: Keine dieser wilden Buchten im Nationalpark verfügt über die geringste Infrastruktur für Touristen. Es gibt hier keine Toiletten, Duschen, Umkleiden, Kaffeestände oder Liegenverleih. Du bist hier ganz auf dich selbst und auf das angewiesen, was du im Rucksack auf dem Rücken mitbringen kannst.

7. Weinverkostung Cassis AOC
Cassis dreht sich bei Weitem nicht nur um weiße Felsen und Meer, es ist auch eine sehr spezielle Weinbauregion. Die hiesige kleine Appellation Cassis AOC wurde bereits 1936 geschaffen und ist innerhalb Frankreichs eine absolute Rarität. Die Weinberge ziehen sich hier über steile Hänge direkt über den Klippen, was den Trauben eine einzigartige Salzigkeit und feine Mineralität verleiht, die du nirgendwo sonst in Frankreich findest.
Die einheimischen Winzer spezialisieren sich zum überwiegenden Teil auf erstklassige trockene Weißweine, die perfekt zu warmen Sommerabenden, zu provenzalischen Käsesorten und zu leichten Gemüsesalaten passen. Rund um das Städtchen findest du zwölf traditionelle Weingüter, sogenannte Domaines. Viele von ihnen bieten Führungen und geführte Verkostungen an, bei denen du alles über das einzigartige lokale Terroir und die Geschichte des Weinanbaus erfährst.
💡 Tipp: Reserviere eine Verkostung im renommierten Weingut Clos Sainte Magdeleine. Ihre grünen Weinberge enden buchstäblich am äußersten Rand der Klippe über dem Meer, und eine Verkostung mit Blick auf das majestätische Cap Canaille gehört zu den besten und schönsten Erlebnissen, die du dir hier nach einem anstrengenden Tag gönnen kannst.

8. Entspannen an den Stadtstränden von Cassis
Wenn du gerade keine Lust auf Bergwanderungen und das Packen voller Rucksäcke hast, kannst du gleich in der Stadt bleiben. Cassis hat gleich zwei Hauptstadtstrände, die im Sommer zwar ziemlich voll mit Touristen und Einheimischen sind, aber im Gegensatz zur wilden Natur jeglichen erdenklichen Komfort bieten, der dir in den Buchten des Nationalparks fehlen wird.
Der Hauptstrand Plage de la Grande Mer liegt direkt im Zentrum am pulsierenden Hafen. Er ist sandig mit kleinen Kieseln, du findest hier praktische Duschen, Cafés direkt am Wasser und den Verleih von Booten oder beliebten Tretbooten. Etwas weiter in Richtung Nationalpark befindet sich der kleinere und ruhigere Plage du Bestouan, der zwar kieselig ist, aber vom Handtuch aus einen absolut ikonischen und ungestörten Blick auf das rote Massiv des Cap Canaille bietet.
💡 Tipp: Wenn gerade der starke und unberechenbare Mistral-Wind weht, sind die Stadtstrände oft der einzige sichere Ort zum Baden. Sie sind nämlich durch künstliche Wellenbrecher geschützt, und es droht hier nicht die Gefahr starker Strömungen wie auf offenem Meer an den wilden Klippen.

9. Wie man den Massen entgeht und die Reservierung für Sugiton 2026
Der Overtourism hat diese gesamte Region voll erfasst, und die Parkverwaltung musste zu einem drastischen Schritt greifen. Eine der schönsten Buchten, die Calanque de Sugiton, die eher vom Rand Marseilles aus zugänglich ist, hat ein strenges Reservierungssystem für die Sommermonate eingeführt. 2026 gilt die Pflicht zur kostenlosen Online-Reservierung etwa von Mitte Juni bis Mitte September.
Das System öffnet genau am 11. Juni 2026 um 9:00 Uhr morgens, und die freien Plätze verschwinden in unglaublichem Tempo. Nach erfolgreicher Reservierung erhältst du einen speziellen QR-Code, mit dem dich die Parkwächter weiterlassen. Die Reservierung ist auf maximal fünf Personen pro Code beschränkt, und ohne ihn kommst du einfach nicht zu Sugiton, die Kontrollen an den Zugangswegen sind absolut kompromisslos und lassen niemanden ohne Code weiter.
💡 Tipp: Auch für die anderen, frei zugänglichen Buchten wie En-Vau oder Port-Pin gilt eine einfache Regel: Wer zuerst kommt, badet zuerst. Wenn du im Juli nach neun Uhr morgens auf dem Parkplatz ankommst, findest du wahrscheinlich keinen Parkplatz mehr und verbringst eine Stunde nur mit mühsamem Vorwärtsschleichen im Stau.

10. Streifzüge durch die Gassen von Le Panier in Marseille
Da Marseille das logische Eingangstor zur gesamten Region ist, wäre es ein riesiger Fehler, es einfach auf der Autobahn zu umfahren. Vergiss die unnötigen Vorurteile über eine gefährliche Stadt. Brich gleich morgens zum alten Hafen Vieux-Port auf, wo Fischer ihren nächtlichen Fang direkt von den Booten verkaufen, und schau dir das supermoderne Museum MuCEM mit seiner traumhaften Betonspitze an. Von dort gehst du nahtlos nach Le Panier über, das älteste historische Viertel mit absolut traumhafter Atmosphäre.
Früher war es eine gefürchtete Seemannshöhle, heute ist es das pulsierende künstlerische Herz der Stadt und eine sehr sichere Zone für Touristen. Es ist ein Labyrinth aus engen, steilen Gassen voller bunter Streetart, kleiner unabhängiger Galerien und gemütlicher Bistros, wo du ein hervorragendes vegetarisches Mittagessen bekommst. Halt in einem lokalen Café, trink einen Espresso und sauge einfach diesen leicht abgeblätterten, aber umso authentischeren südländischen Charme auf. Nachmittags spaziere dann über die fünf Kilometer lange Promenade La Corniche direkt am Meer.
💡 Tipp: Im Zentrum von Marseille nimm dich vor Taschendieben in Acht, genauso wie in Rom oder Barcelona. Meide die nördlichen Vororte, wo du als Tourist keinen Grund hast hinzufahren, und sei nach Einbruch der Dunkelheit lieber vorsichtig in den Vierteln Noailles, Belsunce und rund um den Hauptbahnhof Saint-Charles.

11. Sonnenuntergang an der Basilika Notre-Dame de la Garde
Der beste Weg, die riesige Ausdehnung und Energie Marseilles zu begreifen, ist, von oben darauf zu blicken. Die imposante Basilika Notre-Dame de la Garde thront auf einem steilen Kalksteinhügel hundertfünfzig Meter über dem Meer, und ihre ikonische goldene Marienstatue auf dem Glockenturm fungiert als symbolisches Leuchtfeuer für die ganze Stadt und die ankommenden Schiffe.
Der Aufstieg vom Hafen fordert dich in der Sommerhitze zwar ein wenig, aber du kannst auch das Touristenbähnchen oder den bequemen Stadtbus nutzen. Der 360-Grad-Panoramablick aufs Meer, die umliegenden Inseln und die endlose Stadt unter dir ist schlicht atemberaubend, besonders wenn sich die Sonne dem Horizont neigt und die ganze Stadt in sattes Gold taucht.
💡 Tipp: Wenn du mit dem Auto nach Marseille fährst, denk an die strengen Regeln. Die Stadt hat eine Umweltzone ZFE-m eingeführt, die 2026 deutlich verschärft wurde. Autos mit der Crit’Air-Plakette 4 und 5 haben rund um die Uhr Einfahrtsverbot, und zwar auch ausländische Fahrzeuge. Die Plakette musst du online im Voraus für rund fünf Euro kaufen, sonst droht dir ein Bußgeld von 68 bis 375 Euro.
Wohin von Cassis aus weiter
Wenn du alle Buchten erkundet und allen Wein probiert hast, bietet die Region eine unerschöpfliche Menge weiterer Ziele. Ich empfehle dir, tiefer ins Landesinnere einzutauchen und den Zauber der gesamten Region Provence zu entdecken. Du findest dort wunderschöne Steindörfer auf Hügeln wie Gordes oder Roussillon und in den Sommermonaten natürlich die ikonischen lila Felder voller blühendem Lavendel, für die man auf das Hochplateau von Valensole fährt.
Wenn du dich nach mehr Stadttrubel, Geschichte und Kultur sehnst, reserviere mindestens ein oder zwei Tage für eine ordentliche Erkundung von Marseille. Vom modernen Museum MuCEM bis zum beeindruckenden alten Hafen Vieux-Port: Diese Stadt erobert dich mit ihrer rohen Energie garantiert. Ein schöner Halt ist auch das elegante Aix-en-Provence voller Baumalleen und ockerfarbener Fassaden.
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Wie kommt man von Marseille nach Cassis?
Die einfachste und schnellste Verbindung ist mit dem Zug (TER). Die Fahrt vom Hauptbahnhof Saint-Charles in Marseille zum Bahnhof Cassis dauert nur etwa 20 Minuten und die Züge fahren sehr häufig und zuverlässig. Der Bahnhof in Cassis liegt allerdings etwa 3 Kilometer vom Zentrum und Hafen entfernt, sodass ihr entweder zu Fuß gehen oder die örtliche Buslinie (Navette) nutzen müsst. Wenn ihr mit dem Auto anreist, nutzt den Park-and-Ride-Parkplatz Les Gorguettes.
Brauche ich ein Auto für Cassis?
Direkt in Cassis ist ein Auto eher hinderlich, das Städtchen ist winzig und alles ist bequem zu Fuß erreichbar. Wenn ihr Ausflüge ins Landesinnere plant, werdet ihr ein Auto zu schätzen wissen. Bedenkt aber, dass ihr bei der Anfahrt mit dem Auto aus Tschechien etwa 9,50 Euro Maut für jeweils 100 Kilometer zahlt. Eine günstigere Variante kann ein Flug mit Ryanair nach Marseille und das Mieten eines Autos vor Ort sein.
Was ist die ZFE-m-Zone in Marseille?
Je nach dem ist es eine Niedrigemissionszone, die sich im Jahr 2026 deutlich verschärft hat. Sie gilt für die gesamte erweiterte Innenstadt von Marseille und verbietet die Einfahrt aller Fahrzeuge mit der Umweltplakette Crit’Air 4 und 5. Das Verbot gilt rund um die Uhr, auch für ausländische Autos. Die Plakette müsst ihr im Voraus online beantragen, sie kostet etwa 5 Euro. Ohne sie riskiert ihr ein ziemlich saftiges Bußgeld zwischen 68 und 375 Euro.
Schaffe ich die Wanderung in die Calanques auch mit Kindern?
Die Wanderung zur ersten Bucht Port-Pin ist relativ einfach und ältere, geübte Kinder schaffen sie mit gutem Schuhwerk ohne Probleme. Die Route nach En-Vau ist jedoch bereits ein anspruchsvoller Trek mit großem Höhenunterschied und rutschigen Steinen, den ich für kleine Kinder definitiv nicht empfehlen würde. Als Familienalternative solltet ihr immer eher einen organisierten Bootsausflug vom Hafen aus in Betracht ziehen, der völlig mühelos ist und von dem aus ihr das Beste seht.
Kann ich meinen Hund mit in den Nationalpark nehmen?
Ja, Hunde sind im Nationalpark Calanques erlaubt, müssen aber die ganze Zeit strikt an der Leine geführt werden. Bedenkt jedoch, dass die Fortbewegung auf den heißen, scharfkantigen Kalksteinfelsen ohne jeglichen Schatten in den Sommermonaten für Tiere extrem anstrengend und gefährlich ist. Vergesst nicht, ausreichend Trinkwasser auch für sie mitzunehmen, da ihr unterwegs keine Wasserquelle finden werdet.
Wo parken beim Ausflug zu den Buchten?
Das nächstgelegene Parkhaus für einen Ausflug nach Port-Pin und En-Vau befindet sich auf der Halbinsel Presqu’île direkt oberhalb der Bucht Port-Miou. Es ist gebührenpflichtig und in der Hauptsaison im Sommer bereits vor neun Uhr morgens voll. Eine großartige und viel ruhigere Alternative ist es, das Auto auf dem kostenlosen Park-and-Ride-Parkplatz Les Gorguettes oberhalb der Stadt zu lassen und mit einem speziellen Pendelbus zum Hafen oder zum Ausgangspunkt der Wanderung zu fahren.
Wann genau blüht der Lavendel in der Provence?
Lavendel wartet nicht auf den August-Urlaub. Die Hauptsaison auf dem Plateau von Valensole dauert etwa von Mitte Juni bis Mitte Juli. Achtet auf die Lavendelfestivals, die oft schon die Ernte selbst feiern. Wenn ihr erst im August in die Provence fahrt, ist eure einzige Chance auf violette Felder das höher gelegene Plateau rund um das Dörfchen Sault, wo der Lavendel etwas länger blüht.
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