Island Ostfjorde: 12 Tipps, was du sehen und erleben kannst

Wenn du den dramatischen, atemberaubenden, aber touristisch völlig überlaufenen Süden der Insel hinter dir lässt und das Lenkrad auf der Ringstraße Richtung Nordosten drehst, atmet die Landschaft plötzlich tief durch. Der Verkehr wird dünner, die Menschenmassen an den Wasserfällen verschwinden, und du findest dich in einer Welt wieder, in der endlose Buchten, steile Berge und absolute Ruhe herrschen. Willkommen an einem Ort, den viele Reisende einfach blind durchfahren – die Island Ostfjorde dagegen haben wir vom ersten Augenblick an ins Herz geschlossen.

Lukáš und ich haben die Ostfjorde am sechsten und siebten Tag unseres herbstlichen Roadtrips Ende September und Anfang Oktober erkundet, und bis heute schwärmen wir von dieser einsamen Schönheit. Während wir im Süden bei den Sehenswürdigkeiten manchmal Reisebussen ausweichen mussten, hatten wir hier viele Orte ganz für uns allein. Mich hat fasziniert, wie sich der Asphalt endlos entlang der tiefen Buchten schlängelt und jede neue Kurve einen noch schöneren Ausblick offenbart als die vorige.

In diesem Artikel findest du 12 Tipps, was du in den Ostfjorden sehen und erleben kannst. Wir werfen einen Blick auf wunderschöne Basaltschluchten, ich zeige dir das bezauberndste Künstlerstädtchen und verrate dir, wo du auf zahme Papageientaucher oder wilde Rentiere triffst. Außerdem gibt’s praktische Infos dazu, wo du strategisch übernachtest, wie die Preise gerade aussehen und warum du genau aufpassen solltest, welche Flussseite du für deinen Ausflug wählst. Los geht’s! ☺️

Regenbogenstraße und weiße Kirche im isländischen Seyðisfjörður
Regenbogenstraße und weiße Kirche im isländischen Seyðisfjörður

Zusammenfassung für alle, die keine Zeit haben, den ganzen Artikel zu lesen

  • Basis für Ausflüge: Der beste strategische Ausgangspunkt zum Erkunden des Ostens ist die Stadt Egilsstaðir, wo du Supermärkte findest und sich die Hauptstraßen kreuzen.
  • Schönstes Städtchen: Seyðisfjörður darfst du auf keinen Fall verpassen – von Egilsstaðir erreichst du es über einen Bergpass in etwa 30 Minuten. Hier findest du die berühmte Regenbogenstraße und die kleine blaue Kirche.
  • Naturwunder: Die Basaltschlucht Stuðlagil mit ihrem türkisfarbenen Wasser ist ein riesiger Anziehungspunkt – pass nur auf, dass du auf der Ostseite parkst, von wo du direkt hinunter zum Fluss steigen kannst.
  • Tiere: Wilde Rentiere leben nur in dieser Region, und in der Sommersaison (bis Mitte August) findest du in Borgarfjörður eystri eine riesige Kolonie zahmer Papageientaucher.
  • Baden: Das beste Thermalerlebnis sind für uns die luxuriösen Becken von Laugarfell, alternativ kannst du die modernen schwimmenden Vök Baths direkt bei Egilsstaðir ausprobieren.
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Wann hinfahren und wie man hinkommt

Die wichtigste Zufahrtsader ist die berühmte Ringstraße, auf Englisch Ring Road genannt. In den Osten gelangst du entweder über eine lange Fahrt von der Südküste durch atemberaubende schwarze Strände und Gletscherlagunen oder umgekehrt vom Norden her, vom Mývatn-See, wobei beide Wege schon für sich genommen ein unglaubliches Erlebnis sind. Du musst allerdings einplanen, dass das Umfahren der einzelnen Buchten viel Zeit kostet – Fjorde lassen sich nun mal nicht abkürzen.

Die ideale Reisezeit ist natürlich der isländische Sommer, also Juni bis August, wenn alle Straßen problemlos befahrbar sind, die Tage endlos lang und du die beliebten Papageientaucher beobachten kannst. Wir sind die Ostküste Anfang Oktober gefahren, was den riesigen Vorteil von kaum Touristen und wunderschönen Herbstfarben hatte – dafür haben wir die Vögel verpasst, die im August aufs Meer hinausziehen.

Wenn du im Winter reisen willst, vergiss nicht, vor jeder Fahrt die offizielle Website der isländischen Straßen zu checken, denn die Bergpässe (etwa die Straße 93 nach Seyðisfjörður) sind wegen Schnee oft gesperrt.

Ab 2026 gilt auf Island zudem eine neue Kilometersteuer für PKW in Höhe von 6,95 ISK (etwa 0,05 €) pro gefahrenem Kilometer. Diese rechnet dir der Mietwagenverleih wahrscheinlich bei der Rückgabe ab, dafür ist der Benzinpreis an den Zapfsäulen aber spürbar gesunken.

Eine besondere Warnung gilt für August 2026, wenn vom Osten und anderen Teilen der Insel eine totale Sonnenfinsternis zu sehen sein wird. Es wird ein touristischer Ansturm erwartet – wenn du also genau in diesem Zeitraum reisen willst, reserviere alles im Voraus, ruhig anderthalb Jahre vorher.

Wo übernachten und was es kostet

Das logistische und praktische Zentrum des gesamten Ostens ist ohne Zweifel das Städtchen Egilsstaðir. Es gewinnt zwar keinen Schönheitswettbewerb für die schönste Architektur, aber du bekommst hier alles, was du zum Überleben in der rauen Natur brauchst. Genau von dieser Stadt aus sind wir zu all unseren Ausflügen aufgebrochen, haben in den großen Supermärkten Bónus und Nettó unsere Vorräte aufgefüllt und getankt – denn weiter draußen an der Küste steigen die Preise für alles steil nach oben.

Lukáš und ich haben auf unserer Islandreise überhaupt nicht gezeltet, weil wir unseren Komfort und die abendliche Wärme lieben. Wir haben immer in Pensionen, Hostels oder kleinen Apartments geschlafen, die eine gemeinsame oder eigene Küche hatten. Das ist nämlich die allerbeste Methode, um auf Island ein Vermögen beim Essen zu sparen.

Jeden Abend haben wir uns in der Unterkunft warme Abendessen gekocht, Snacks für den nächsten Tag vorbereitet und heißen Tee in die Thermoskanne gefüllt, ohne den wir die windigen Tage wohl nicht überlebt hätten. Eine Nacht in einer schönen Pension in Egilsstaðir kostet dich für zwei Personen etwa 17.000 bis 25.000 ISK (rund 115 bis 170 €) – wenn du deinen Aufenthalt aber rechtzeitig im Voraus buchst, lassen sich auch günstigere Zimmer finden.

💡 Konkrete Tipps für Unterkünfte (Preise und Verfügbarkeit checkst du über Booking.com, buche frühzeitig – in der Saison und rund um die Sonnenfinsternis 2026 sind sie schon Monate vorher weg):

Neben Egilsstaðir kannst du auch direkt in einem der romantischen Fjorde übernachten. Wunderschöne kleine Hotels findest du im Dorf Seyðisfjörður, wo die Preise ab 21.000 ISK (ca. 140 €) aufwärts liegen, und wenn du im Sommer vor allem zum Beobachten der Papageientaucher kommst, empfehle ich dir, eine Nacht in der Siedlung Bakkagerði in der Region Borgarfjörður eystri zu verbringen. Pass nur auf, dass die Übernachtungskapazitäten in diesen kleinen Dörfern stark begrenzt sind und in der Hauptsaison wirklich blitzschnell vergriffen sind.

Die schönsten Städtchen und Dörfer im Osten

Den ersten Teil unserer Tipps widmen wir den Orten, an denen Menschen leben. Die Ostfjorde sind übersät mit kleinen Fischersiedlungen, die sich unter steilen Berghängen ducken und zu denen oft nur eine einzige kurvige Straße führt. Die meisten von ihnen haben nur ein paar Hundert Einwohner, einen bescheidenen Hafen und eine völlig unverwechselbare Atmosphäre, die du anderswo auf der Insel so schnell nicht erlebst.

1. Seyðisfjörður und seine berühmte Regenbogenstraße

Als wir uns am sechsten Tag unserer Reise relativ früh am Nachmittag in Egilsstaðir einquartiert hatten, stellten wir fest, dass wir noch jede Menge Zeit übrig hatten – also setzten wir uns zurück ins Auto und machten uns über die Berge nach Seyðisfjörður auf.

Luftaufnahme des Parkplatzes an der felsigen Schlucht von Seyðisfjörður
Luftaufnahme des Parkplatzes an der felsigen Schlucht von Seyðisfjörður

Es sind etwa 30 Minuten Fahrt über die Straße 93, und schon der Weg selbst ist ein Erlebnis, denn du steigst über den Bergpass Fjarðarheiði auf über 600 Meter über dem Meer auf und fällst dann steil in die Bucht hinab. Übrigens raste genau auf dieser Straße Ben Stiller im Film „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ auf einem Longboard talwärts.

Seyðisfjörður ist Heimat von knapp 700 Einwohnern, wirkt aber wie das kulturelle Zentrum des gesamten Ostens. Hier findest du die berühmte Regenbogenstraße (Rainbow Street), die dich direkt zur wunderschönen blauen Kirche Bláa kirkjan führt.

Das Städtchen ist voller kleiner Galerien, gemütlicher Cafés und bohemienhafter Atmosphäre. Außerdem legt hier die große Fähre Norröna aus dem dänischen Hirtshals an – wenn das Schiff also gerade angedockt hat, verdreifacht sich die Zahl der Menschen in den Straßen für ein paar Stunden. Nimm dir auf jeden Fall Zeit für einen Kaffee und schlendere einfach zwischen den alten Holzhäuschen umher.

2. Reyðarfjörður und die Wanderung auf den Berg Grænafell

Wenn du etwas aktivere Erholung magst, fahr ins Städtchen Reyðarfjörður, das am Ufer des längsten Fjords der gesamten Ostküste liegt. Die Stadt selbst ist vor allem für ihre industrielle Geschichte und das Aluminiumwerk bekannt, wir sind aber wegen der Natur hierher gekommen und haben eine einfache Wanderung auf den Berg Grænafell unternommen, der sich direkt über dem Zentrum erhebt.

Panorama von Reyðarfjörður mit Fjord und schneebedeckten Bergen
Panorama von Reyðarfjörður mit Fjord und schneebedeckten Bergen
Blick auf Reyðarfjörður vom Hügel mit Fjord und Bergen
Blick auf Reyðarfjörður vom Hügel mit Fjord und Bergen

Diese Wanderung hat uns in gemütlichem Tempo etwa zwei Stunden gekostet, und die Belohnung war ein atemberaubender Ausblick auf den ganzen langgezogenen Fjord und die umliegenden Gipfel. Der Pfad führt anfangs ziemlich steil bergauf und windet sich durch ein kleines Wäldchen (was auf Island übrigens eine enorme Seltenheit ist), bevor du auf offenere Hochebenen gelangst. Es ist ein idealer Stopp, um die Beine zu vertreten, wenn du das Sitzen im Auto satt hast.

3. Neskaupstaður und eine kleine Enttäuschung in der Höhle

Unser nächstes Ziel im Osten war das östlichste Städtchen Neskaupstaður, zu dem du dich durch einen langen Tunnel vorarbeiten musst. Der Weg dorthin ist absolut hinreißend, entlang der Straße grasen Schafe und die Berge fallen direkt in den eisigen Ozean. Die Stadt selbst hat einen hübschen kleinen Hafen und insgesamt eine sehr verschlafene, friedliche Stimmung.

Stadt Neskaupstaður umgeben von Fjord und schneebedeckten Bergen
Stadt Neskaupstaður umgeben von Fjord und schneebedeckten Bergen
Neskaupstaður und eine kleine Enttäuschung in der Höhle
Neskaupstaður und eine kleine Enttäuschung in der Höhle

Wir wollten hier allerdings die sogenannte Oster-Höhle Páskahellir erkunden, die sich an der Küste etwas außerhalb der Stadt befindet. Und hier muss ich ganz ehrlich sein: Für uns war das eine kleine Enttäuschung 😅. Wir hatten etwas viel Epischeres erwartet, in Wirklichkeit war es nur ein nicht besonders großes Loch im Felsen, zu dem ein ziemlich matschiger und rutschiger Weg führte.

Wenn du einen wirklich vollen Reiseplan hast und die Zeit drängt, kannst du diesen Ort meiner Meinung nach mit gutem Gewissen überspringen und deine Energie lieber den anderen Schönheiten dieser rauen Region widmen.

4. Djúpivogur und die Granit-Eier im Hafen

Wenn du auf der Ringstraße vom Süden nach oben fährst, ist dein erster größerer Stopp im Osten wahrscheinlich das Dorf Djúpivogur. Dieses kleine Städtchen ist stolz auf sein Cittaslow-Zertifikat, was bedeutet, dass hier alles langsam, in guter Qualität und mit Rücksicht auf Traditionen und Umwelt gemacht wird. Das spürt man hier wirklich: Niemand hat es eilig, und überall herrscht perfekte Gelassenheit.

Schafe auf einer Wiese mit dramatischen schneebedeckten Bergen im Hintergrund
Schafe auf einer Wiese mit dramatischen schneebedeckten Bergen im Hintergrund

Die Hauptattraktion, wegen der Touristen meist hierher abbiegen, ist das Kunstwerk Eggin í Gleðivík, das sich entlang der Küste in der Nähe des Hafens erstreckt. Es handelt sich um 34 überdimensionale Granit-Eier, wobei jedes von ihnen eine in dieser Region brütende Vogelart repräsentiert. Es ist ein toller Ort für einen kurzen Spaziergang, und ein Stückchen weiter kannst du einen hervorragenden heißen Kaffee trinken und den Fischerbooten zuschauen, die auf den Wellen schaukeln.

💡 Tipp: Eintrittskarten und organisierte Ausflüge (auf Island und in der Umgebung) lohnt es sich, vorab online über GetYourGuide zu buchen, in der Saison sind sie schnell ausverkauft.

Naturwunder, Wasserfälle und atemberaubende Schluchten

Der Osten dreht sich natürlich nicht nur um Städte – im Gegenteil, er verbirgt einige der schönsten Naturszenerien, die wir auf der Insel gesehen haben. Im Vergleich zum berühmten Goldenen Kreis oder der Südküste herrscht hier eine viel rauere, einsamere Atmosphäre, die diesen Orten ihre wahre Einzigartigkeit verleiht. Egal ob du türkisfarbene Flüsse oder donnernde Wasserfälle suchst – die Ostfjorde werden dich mit ihren Wundern garantiert nicht enttäuschen.

5. Die Basaltschlucht Stuðlagil

Das ist ohne Übertreibung einer der fotogensten Orte der ganzen Insel, der zufällig erst relativ vor Kurzem entdeckt wurde. Jahrzehntelang lag diese massive Basaltschlucht unter einem reißenden Gletscherfluss verborgen, doch als 2009 das nahegelegene Wasserkraftwerk fertiggestellt wurde, sank der Wasserspiegel und legte eine unglaubliche Mauer aus geometrisch präzisen, sechseckigen Basaltsäulen frei, zwischen denen heute leuchtend türkisfarbenes Wasser fließt.

Basaltschlucht Stuðlagil
Basaltschlucht Stuðlagil

Beim Besuch musst du genau aufpassen, welche Flussseite du für deinen Ausflug wählst. Die Westseite bietet zwar schnellen Zugang und neu gebaute Treppen zur Aussichtsplattform, wo es auch Toiletten und einen kleinen Food Truck gibt, aber zum Fluss hinunter kommst du von hier nicht.

Wir empfehlen immer, auf der Ostseite zu parken – von dort musst du zwar etwa 40 Minuten zu Fuß über einen steinigen Weg gehen, aber nur von hier kannst du direkt ins Innere der Schlucht hinabsteigen und das eiskalte Wasser berühren. In beiden Fällen zahlst du 1.000 ISK fürs Parken (etwa 7 €), was sich bequem über die beliebte App Parka erledigen lässt.

6. Der imposante Wasserfall Hengifoss

Während der Süden Islands mit den Wasserfällen Skógafoss und Seljalandsfoss prahlt, hat der Osten seinen eigenen Stolz – den Wasserfall Hengifoss. Mit einer Höhe von 128 Metern ist er der dritthöchste Wasserfall der Insel, aber was ihn wirklich einzigartig macht, ist nicht nur die Höhe, sondern vor allem die Wand, über die das Wasser stürzt. Der schwarze Basalt ist hier nämlich von leuchtend roten Tonschichten durchzogen, was in Verbindung mit dem tosenden Wasser geradezu magisch aussieht.

Wasserfall Hengifoss in der roten Basaltschlucht auf Island
Wasserfall Hengifoss in der roten Basaltschlucht auf Island
Blick auf den Wasserfall Hengifoss in der Basaltschlucht auf Island
Blick auf den Wasserfall Hengifoss in der Basaltschlucht auf Island

Wir sind am siebten Tag unseres Roadtrips hierher aufgebrochen, und der Weg vom Parkplatz nach oben hat uns in zügigerem Tempo bergauf etwa eine halbe Stunde gekostet, obwohl die meisten Reiseführer eine Zeit von 45 bis 90 Minuten für eine Strecke angeben.

Es hängt stark von deiner Kondition ab und davon, wie sehr du dich verweilst, denn etwa auf halber Strecke kommst du noch an einem kleineren, aber umso interessanteren Wasserfall Litlanesfoss vorbei, der wunderschön in perfekte Basaltsäulen eingefasst ist. Nimm auf jeden Fall festes Schuhwerk mit, denn der Pfad ist nach Regen ziemlich rutschig.

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7. Der See Lagarfljót und das isländische Ungeheuer

Wenn du dich in Egilsstaðir einquartierst, wird dir mit Sicherheit der riesige, trübe See auffallen, der sich entlang der ganzen Stadt zieht. Er heißt Lagarfljót-See und hat für die Isländer eine ähnliche Bedeutung wie der schottische Loch Ness. Die Einheimischen werden dir nämlich mit todernster Miene die Legende vom riesigen Seewurm namens Lagarfljótsormurinn erzählen, dessen erste Sichtung schon aus dem Jahr 1345 belegt ist.

Der See Lagarfljót und das isländische Ungeheuer
Der See Lagarfljót und das isländische Ungeheuer

Ob du das Ungeheuer wirklich zu Gesicht bekommst, kann ich dir zwar nicht garantieren, aber die Fahrt entlang der Seeufer ist trotzdem sehr angenehm. Außerdem findest du an seinem Ostufer den Wald Hallormsstaður, was für isländische Verhältnisse eine riesige Rarität ist, denn die Insel ist sonst wegen der einstigen Abholzung fast völlig kahl. Die Bäume duften herrlich, und es ist ein toller Ort für eine kurze Pause oder einen Snack aus dem eigenen Vorrat.

8. Der majestätische Berg Snæfell

Während unserer Streifzüge im Osten bewunderten wir ständig einen riesigen, allein stehenden Berg, der aus der Ferne über die ganze Landschaft wachte. Der Berg Snæfell, was übersetzt passenderweise „Schneeberg“ bedeutet, ist mit einer Höhe von 1.833 Metern der höchste Berg Islands außerhalb der Gletscher, auch wenn sein Gipfel praktisch das ganze Jahr über mit einer weißen Decke bedeckt ist.

Der majestätische Berg Snæfell
Der majestätische Berg Snæfell

Wir hatten nicht vor, ihn direkt zu besteigen (dazu brauchst du wirklich gute Erfahrung, hervorragende Ausrüstung und idealerweise die Sommermonate), aber schon allein der Anblick aus dem Auto oder von den umliegenden Ebenen ist wahrhaft faszinierend. Der Berg sieht aus wie ein riesiger Wächter des östlichen Hochlands, und beim Sonnenuntergang, wenn sich sein verschneiter Gipfel rosa färbt, weißt du gar nicht, wohin du das Kameraobjektiv zuerst richten sollst.

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Tiere und heiße Quellen: Was du hier sonst noch erleben kannst

Neben der unbelebten Natur bietet der Osten auch großartige Begegnungen mit der Tierwelt und einige der besten Thermalbecken des Landes. Weil hier weniger Touristen unterwegs sind, sind die Tiere gelassener und die Thermalbäder nicht so hoffnungslos überfüllt wie die berühmte Blaue Lagune nahe dem Flughafen.

9. Borgarfjörður eystri und die zahmen Papageientaucher

Wenn du Island zwischen Ende April und Mitte August bereist, darfst du auf keinen Fall das kleine Dorf Borgarfjörður eystri verpassen. Genau hier, im Hafen Hafnarhólmi, findest du wahrscheinlich den absolut besten und am leichtesten zugänglichen Ort, um die niedlichen Papageientaucher zu beobachten – auf der ganzen Insel. Etwa 10.000 Paare brüten hier, und die Einheimischen haben für Besucher Holzplattformen gebaut, von denen aus du diese kleinen Geschöpfe buchstäblich aus einem Meter Entfernung beobachten kannst.

Hafen Borgarfjörður eystri mit Fischerbooten und felsiger Insel
Hafen Borgarfjörður eystri mit Fischerbooten und felsiger Insel

Wir sind zwar am siebten Tag unseres Ausflugs zur Erkundung hierher gefahren (die Fahrt von Egilsstaðir hat uns etwa eine Stunde gekostet), aber weil es schon Anfang Oktober war, war von den Papageientauchern keine Spur. Die Vögel waren für den Winter aufs offene Meer hinausgezogen, und im Dorf war absolut nichts los – es herrschte völlige Stille und Leere.

Außerhalb der Vogelsaison empfehle ich diesen Abstecher also nur wirklich großen Liebhabern abgelegener Straßen, dagegen ist er im Juni und Juli ein absolutes Muss.

10. Wilde Rentiere am Straßenrand

Vielleicht überrascht es dich, aber der Osten Islands ist die einzige Region der ganzen Insel, in der du in freier Wildbahn wilde Rentiere erspähen kannst. Sie wurden im 18. Jahrhundert aus Norwegen für landwirtschaftliche Zwecke eingeführt, doch dieser Versuch lief nicht ganz nach Plan – die Tiere verwilderten, und heute streifen mehrere Tausend von ihnen frei umher.

Die größte Chance auf eine Begegnung mit ihnen hast du entlang der Ringstraße auf dem Abschnitt zwischen den Städten Egilsstaðir und Höfn, und das vor allem von Herbst bis Frühling, wenn sie wegen des Schnees von den Bergen näher an die Küste hinabsteigen und manchmal sogar Salz direkt von den Straßen lecken.

Wir haben eine Rentierherde genau aus dem Autofenster erblickt, und das war ein wunderbares Erlebnis – gleichzeitig ist es aber auch ein Grund zu größter Vorsicht. Besonders in der Dämmerung solltest du beim Fahren die Augen offen halten, denn einen Zusammenstoß mit einem Rentier willst du mit dem Mietwagenverleih wirklich nicht ausdiskutieren müssen.

11. Die luxuriösen Thermalbecken Laugarfell

Nach langen Spaziergängen im eiskalten isländischen Wind gibt es nichts Besseres, als sich in heißes Wasser zu legen. Am siebten Tag machten wir uns deshalb auf zu den Thermalquellen Laugarfell, die sich auf einer Hochebene östlich des Berges Snæfell befinden. Es ist etwas weiter weg von der Zivilisation, und die Straße dorthin kann manchmal holprig sein, aber es ist jede gefahrene Minute wert.

natürliche heiße Quelle Laugarfell mit Schnee und Sonnenspiegelung
natürliche heiße Quelle Laugarfell mit Schnee und Sonnenspiegelung
heiße Quellen Laugarfell mit dampfendem Wasser und Hochlandlandschaft
heiße Quellen Laugarfell mit dampfendem Wasser und Hochlandlandschaft

Hier findest du zwei wunderschöne Außenbecken, die aus natürlichen Steinen gebaut sind und in denen das Wasser die ideale Temperatur für langes Plantschen hat. Während dir die Nase einfriert, wärmt sich der Körper im heißen Wasser auf, und du kannst einfach nur den Blick auf die endlose Tundra ringsum genießen. Es war wirklich ein luxuriöses Bad, an das wir bis heute mit Liebe zurückdenken, denn wir waren damals dort fast ganz allein.

12. Die schwimmenden Becken der Vök Baths

Wenn dir die Fahrt irgendwohin in die Wildnis zu viel ist und du eine modernere Bade-Infrastruktur bevorzugst, fahr zu den Vök Baths, die buchstäblich fünf Minuten Fahrt von Egilsstaðir entfernt am See Urriðavatn liegen. Dieser Ort ist architektonisch beeindruckend, denn die Thermalbecken schwimmen direkt auf der Oberfläche des Sees. Das Wasser, das übrigens so rein ist, dass man es trinken kann, bewegt sich in den Becken zwischen 37 und 41 Grad Celsius.

Schwimmende Becken der Vök Baths
Schwimmende Becken der Vök Baths

Der Eintritt für einen Erwachsenen kostet 7.690 ISK (etwa 52 €), und vergiss vor allem während der Sommersaison nicht, die Tickets rechtzeitig im Voraus über die offizielle Website zu reservieren, denn die Kapazität ist aus verständlichen Gründen begrenzt. Wir selbst waren zwar nicht dort, weil wir dem wilderen Laugarfell den Vorzug gaben, aber von vielen Leuten haben wir über diese schwimmenden Bäder großes Lob gehört.

Wo man essen kann

Wie ich schon erwähnt habe, haben Lukáš und ich während des gesamten Islandaufenthalts praktisch immer in den Küchen unserer Unterkünfte gekocht. Island ist enorm teuer, und tägliche Restaurantbesuche hätten unser Budget zuverlässig ruiniert. Weil wir beide Vegetarier sind, bestand unsere Ernährung hauptsächlich aus Nudeln, Gemüse und den großartigen lokalen Skyr-Joghurts, die wir bei Bónus eingekauft haben. Trotzdem braucht man manchmal Abwechslung und die Wärme eines geheizten Cafés.

Bei unserem Besuch in Seyðisfjörður gingen wir in ein tolles Kunstzentrum, zu dem das Skaftfell Bistro gehört. Dort herrscht eine herrliche Atmosphäre, und sie machen eine hervorragende vegetarische Pizza, die uns nach einem ganzen Tag draußen unglaublich gemundet hat.

Ein weiterer wunderbarer Ort, den wir in der Nähe von Egilsstaðir entdeckt haben, ist Móðir Jörð. Es handelt sich um eine Bio-Farm und ein Café in einem, das ein starkes vegetarisches Angebot aus eigenen Zutaten bietet – wir haben hier eine fantastische cremige Suppe probiert.

Erwähnen muss ich auch den kleinen Food Truck auf der Westseite der Schlucht Stuðlagil, wo du zwar kein vollwertiges Mittagessen bekommst, aber ihre vegetarische Suppe und der heiße Kaffee zum Mitnehmen wärmen dich nach dem Spaziergang ungemein auf.

Wenn du gehobene Gastronomie suchst und es dir nichts ausmacht, dass es keine vegetarische Empfehlung ist, schwärmen viele Reisende vom Lokal Norð Austur in Seyðisfjörður. Es ist ein hoch ausgezeichnetes Restaurant, das sich auf frisches Sushi aus lokalem Fisch und Meeresfrüchten spezialisiert hat. Sie öffnen nur über die Sommersaison, und eine Reservierung ist hier definitiv unerlässlich, denn die Tische sind oft schon lange im Voraus restlos ausgebucht. Wir haben es mit Rücksicht auf unseren Speiseplan natürlich ausgelassen, aber die Referenzen sind phänomenal.

Wohin als Nächstes

Wenn dich unser Führer durch die Ostfjorde Lust auf weiteres Erkunden dieser zauberhaften Insel gemacht hat, schau dir unbedingt auch unsere weiteren Artikel an. Darin haben wir all unsere Erfahrungen, Routen und Tipps zusammengetragen, wie du das Maximum aus deiner Reise herausholst:

  • Kompletter Island-Reiseführer: eine Zusammenfassung von allem, was du vor der Reise wissen musst, vom Mietwagen über das Wetter bis zum Packen.
  • Die Westfjorde Islands: Wenn du die Ruhe des Ostens liebst, werden dich die Westfjorde, wohin noch weniger Touristen fahren, völlig umhauen.
  • Die besten heißen Quellen auf Island: unsere Auswahl von 16 luxuriösen und geheimen Naturbecken, in denen du dich nach Touren am besten aufwärmst.
  • Wie man Polarlichter erwischt: praktische Tipps, wie und wann du die Aurora nicht nur auf Island, sondern auch in anderen nordischen Ländern beobachtest.

Zum Schluss wiederhole ich nur unsere liebsten praktischen Empfehlungen. Lukáš und ich haben seit Langem gute Erfahrungen mit Booking.com gemacht, das wir für die Reservierung all unserer Unterkünfte weltweit nutzen. Für den Mietwagen auf Island verwenden wir gewöhnlich einen Vergleichsdienst, bei dem du dir übersichtlich Modelle mit Allradantrieb (4×4) herausfiltern kannst. Und günstige Flüge ab Frankfurt oder München suchen wir traditionell über die gängigen Flugportale, die verschiedene Verbindungen clever kombinieren.

Häufig gestellte Fragen

Wie viele Tage brauche ich, um die Ostfjorde zu erkunden?

Plane auf jeden Fall mindestens zwei bis drei Tage ein. Oft versuchen Leute, diese Region an einem Tag im Rahmen einer Rundfahrt auf der Route 1 zu durchqueren, aber das bedeutet, dass du keine Zeit für Abstecher in die einzelnen Buchten hast und nichts von dieser wunderschönen, einsamen Atmosphäre aufsaugen kannst.

Welche Seite des Flusses soll ich bei einem Besuch der Stuðlagil-Schlucht wählen?

Die Westseite ist schnell und leicht zugänglich, es gibt dort eine Aussichtsplattform und neue Treppen, aber man gelangt von dort nicht zum Wasser. Die Ostseite erfordert eine 4 bis 8 Kilometer lange Wanderung (je nachdem, wo ihr parkt), aber nur von dort könnt ihr hinabsteigen direkt hinunter zwischen die Basaltsäulen zum Fluss. Auf beiden Seiten wird eine Parkgebühr von ca. 8 EUR über die Parka-App fällig.

Wann und wo kann ich in Island Papageientaucher und wilde Rentiere sehen?

Papageientaucher kannst du in Borgarfjörður eystri von Ende April bis Mitte August beobachten, wobei die beste Zeit Juni und Juli ist, idealerweise früh am Morgen oder spät am Nachmittag. Wilde Rentiere leben nur im Osten entlang der Route 1 und am häufigsten triffst du sie von Oktober bis April an, wenn sie von den Bergen zu den Straßen hinabsteigen.

Wie groß ist der Zeitunterschied in Island?

Island verwendet keine Sommerzeit und richtet sich das ganze Jahr über nach der Greenwich Mean Time (GMT). Für uns aus Tschechien bedeutet das, dass es in Island im Winter 1 Stunde weniger ist als bei uns, und im Sommer (wenn wir auf Sommerzeit umstellen) sind es dort sogar 2 Stunden weniger.

Warum ist Island eigentlich so ein reiches Land?

Die Wirtschaft Islands steht primär auf drei starken Säulen: dem reichen Fischfang in den umliegenden Meeren, dem enormen Tourismus-Boom der letzten zehn Jahre und der Nutzung günstiger geothermischer und hydroelektrischer Energie. Dank der Energie aus der Natur können sie zudem importiertes Aluminium kostengünstig verarbeiten.

Wann ist die beste Zeit für einen Flug nach Island?

Es kommt darauf an, was Sie sehen möchten. Der Sommer ist ideal für Papageientaucher, lange Tage und Wanderungen im Landesinneren. Der Herbst (September und Oktober) bringt wunderschöne Farben und weniger Menschenmassen, der Winter ist perfekt für Nordlichter und Eishöhlen, auch wenn die Tage extrem kurz sind und Straßen oft wegen Schnee gesperrt sind.

Ist es schwierig, mit dem Auto in das Städtchen Seyðisfjörður zu gelangen?

Von Egilsstaðir aus erreicht ihr das Städtchen über die Straße 93 und den Bergpass Fjarðarheiði, was etwa 30 bis 45 Minuten dauert. Im Sommer ist es eine wunderschöne und sichere Strecke, aber im Winter ist dieser Abschnitt oft gesperrt, da die vielen engen Serpentinen wegen Schneeverwehungen und starkem Wind unpassierbar werden – daher solltet ihr vor der Fahrt immer den aktuellen Straßenzustand prüfen. —

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