Karersee in den Dolomiten: 10 Tipps, was es zu sehen und zu erleben gibt

Bestimmt ist dir in den sozialen Medien schon einmal ein Foto vom Karersee in den Dolomiten begegnet. Der See leuchtet in einem so unglaublich satten türkis-smaragdgrünen Ton, dass man fast meint, hier hätte ein geschickter Grafiker mit Photoshop nachgeholfen. Doch das ist keineswegs der Fall. Der Karersee (auf Italienisch Lago di Carezza) ist einer dieser seltenen Orte in den italienischen Dolomiten, der in Wirklichkeit noch ein Stück magischer aussieht als auf den Bildern.

In diesem Artikel verrate ich dir, wo du dich strategisch günstig einquartierst und worauf du dich einstellen solltest. Mit dem Auto kommst du nämlich nicht direkt an den See, aber von den Parkplätzen aus führt ein absolut luxuriöser, etwa fünfminütiger ebener Weg durch einen Tunnel zum Ufer – den schaffst du problemlos auch mit Kinderwagen.

Smaragdgrüner Karersee unterhalb des Latemar-Massivs
Der smaragdgrüne Karersee unterhalb des Latemar-Massivs (Foto: Maurizio Napolitani, CC BY 4.0, Wikimedia Commons)
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Zusammenfassung für alle, die keine Zeit haben, den ganzen Artikel zu lesen

Wenn du schon im Auto sitzt und in die italienischen Dolomiten unterwegs bist, hier das Wichtigste, von dem ich mir gewünscht hätte, dass es mir vorher jemand gesagt hätte:

  • Wichtige Neuerung beim Parken: Seit Kurzem gibt es hier ein Reservierungssystem für Autos – ähnlich wie bei den legendären Drei Zinnen. Reserviere deinen Platz auf den Parkplätzen P1 oder P2 also lieber vorab online, sonst riskierst du, dass man dich gar nicht erst zum See durchlässt.
  • Kinderwagen und Kinder: Der gesamte Rundweg um den See sowie der Zugang vom Parkplatz sind komplett barrierefrei und ideal für Familien mit Kindern.
  • Haustiere: Unsere Hunde haben den Ausflug genossen, aber denk daran: Hunde müssen die ganze Zeit an der Leine bleiben.
  • Baden: Vielleicht lockt dich das glasklare Wasser, aber die Antwort auf die häufige Frage, ob man im Karersee schwimmen darf, lautet ganz klar nein (der See steht streng unter Naturschutz).
  • Wann hinfahren: Die schönste Farbe hat das Wasser früh am Morgen oder im Herbst, wenn sich die umliegenden Lärchen golden färben. Tagsüber musst du in der Sommersaison mit großem Andrang rechnen.

Was genau ist der Karersee – und welche Legende sich um ihn rankt

Aber zuerst eine Sache, ohne die dieser Ort keinen Sinn ergibt: Warum hat der See überhaupt diese Farbe und woher kommt der Name „Regenbogensee“? Der Karersee ist ein verhältnismäßig kleiner Alpensee auf 1.520 Metern Höhe in der Provinz Südtirol (Trentino-Südtirol). Was ihn so außergewöhnlich macht, ist seine Farbe und die umgebende Kulisse, in der sich die zerklüfteten Gipfel des Kalkmassivs Latemar dramatisch hinter ihm auftürmen.

Das Wasser im See wechselt auf absolut faszinierende Weise seine Farbe – von zartem Hellgrün über sattes Smaragdgrün bis hin zu tiefem Türkis. Das geschieht auf die prosaischste Art und Weise: Kalkuntergrund plus der richtige Sonnenwinkel ergeben Smaragd. Die Wissenschaft ist ja schön und gut, aber die einheimische Legende finde ich deutlich romantischer.

Man erzählt sich, dass im See einst die wunderschöne Wassernixe Ondina lebte, in die sich ein Zauberer aus dem nahen Masarè-Gebirge Hals über Kopf verliebte. Um sie aus dem Wasser zu locken und ihr Herz zu gewinnen, ließ er über dem Berg Latemar einen riesigen leuchtenden Regenbogen erscheinen. Doch er vergaß ein winziges Detail: sich zu verkleiden, wie es ihm eine Hexe von einem anderen Berg geraten hatte. Als Ondina den hässlichen Zauberer erblickte, erschrak sie und verschwand für immer in den Tiefen des Sees. Der Zauberer geriet so in Rage, dass er den Regenbogen in Stücke riss und ins Wasser warf. Genau deshalb wird der Karersee bis heute „Regenbogensee“ genannt (Lec de Ergobando im einheimischen ladinischen Dialekt). ☺️

Wann zum See fahren und wie es mit dem Karersee Wetter aussieht

Die Planung einer Reise in die Dolomiten dreht sich immer um die richtige Jahreszeit. Wenn du überlegst, wann du den Karersee besuchen sollst, hängt vieles davon ab, welche Erwartungen du an den Ausflug hast und ob dich Menschenmassen oder kühleres Wetter mehr stören. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Jede Saison hat hier ihren ganz eigenen Reiz.

Die wohl beliebteste Zeit für einen Besuch ist traditionell der Sommer, also der Zeitraum von Juli bis September. In dieser Zeit ist der See schön voll mit Wasser aus der Schneeschmelze und die ganze Region erstrahlt in frischen Farben. Das hat allerdings einen ziemlich entscheidenden Haken: Tausende von Touristen. Wenn du im Sommer herkommst, empfehlen wir dir dringend, früh am Morgen aufzubrechen (idealerweise bist du schon gegen sieben oder acht Uhr vor Ort). So entgehst du nicht nur den Massen und hast die Aussichtsplattformen ganz für dich allein – das Morgenlicht schafft auch die besten Fotobedingungen und die Wasseroberfläche ist meist spiegelglatt.

Der Herbst in den Dolomiten ist für Lukáš und mich der absolute Favorit. Etwa ab Oktober fangen die Lärchen rund um den See an, sich in unglaubliche gold-orange Töne zu verfärben. Wenn du vor der Fahrt das Karersee Wetter checkst und einen sonnigen Herbsttag erwischst, erlebst du hier eine wahre visuelle Explosion. Du musst dich allerdings damit abfinden, dass der Wasserstand im Herbst schon etwas niedriger ist.

Und was ist mit dem Winter? Ein Blick auf eine Karersee Webcam lohnt sich gerade in dieser Jahreszeit. In den Wintermonaten friert der See oft komplett zu und versinkt unter einer dicken Schneedecke. Die berühmte türkise Farbe siehst du dann zwar nicht, dafür findest du dich aber in einer märchenhaften Winterlandschaft wieder. Wenn du gerne Ski fährst, befindet sich gleich neben dem See ein beliebtes Skigebiet – ein Besuch des zugefrorenen Sees ist also der perfekte Nachmittagsstopp nach einem Tag auf der Piste.

Karersee Anfahrt und die neuen Parkregeln

Anreise und Parken sind beim Karersee wohl das wichtigste Thema, das wir besprechen müssen, denn die Regeln wurden hier in letzter Zeit zum Schutz der Natur vor Overtourism deutlich verschärft. Die meisten Besucher kommen mit dem Auto aus größeren Orten wie Cortina d’Ampezzo, dem nahen Bozen oder aus dem Fassatal vom Städtchen Canazei. Der Weg führt meist über den malerischen Karerpass (Passo di Costalunga) und ist allein schon ein Erlebnis voller Ausblicke.

Direkt am See gibt es große kostenpflichtige Parkplätze, die als P1 und P2 gekennzeichnet sind. Und hier solltest du aufpassen: Das System funktioniert seit Frühjahr 2024 sehr ähnlich wie bei den berühmten Drei Zinnen. Das heißt, die Kapazitäten sind begrenzt und in der Hauptsaison musst du deinen Platz schlicht vorab online reservieren. Stell dir den Albtraum vor, dass du dich mit der Familie ins Gebirge quälst und man dir an der Schranke sagt, es sei voll und du hast Pech gehabt. Regle also lieber alles ein paar Tage im Voraus. Das Parken kostet hier etwa 5 bis 7 € für die ersten zwei Stunden, was für eine entspannte Besichtigung und einen Spaziergang um den See völlig ausreicht. Für unsere Bergtouren nutzen wir gerne den Vergleichsdienst DiscoverCars.com, mit dem wir seit Langem gute Erfahrungen machen, wenn wir nicht gerade mit dem eigenen Auto unterwegs sind.

Wenn du dich gar nicht erst mit dem Parken herumschlagen willst, kannst du den hervorragend funktionierenden italienischen Nahverkehr nutzen. Von Bozen fährt die direkte Buslinie 180 hierher, die Fahrt dauert knapp eine Stunde und setzt dich quasi direkt am Besucherzentrum ab. Wenn du auf der anderen Seite der Berge in Canazei wohnst, kannst du in den Bus Nummer 480 steigen, der über den Karerpass fährt.

Sobald du geparkt hast oder aus dem Bus steigst, erwartet dich ein überraschend moderner Einstieg in die Natur. Unter der Straße wurde nämlich ein sicherer Fußgängertunnel gebaut, der dich vom Parkplatz direkt zur Hauptaussichtsplattform am See führt. Es ist ein 5-minütiger, absolut ebener Spaziergang. Als wir dieses Jahr Jonáščeks Kinderwagen aus dem Auto holten und mit den Hunden loszogen, mussten wir nichts über Steine oder Wurzeln tragen.

Wo in der Nähe des Sees übernachten – und was es kostet

Wenn du die Latemar-Region wirklich erkunden willst und nicht nur eine Stunde am See vorbeischaust, lohnt es sich, eine Unterkunft in der unmittelbaren Umgebung zu suchen. Ehrlich gesagt sind die Dolomiten kein Ort für alle, die bei der Unterkunft sparen wollen – im August oder Februar machen das die Preise ziemlich deutlich. Eine Woche für zwei Personen kann dich inklusive Essen und Sprit auf 1.200 bis 1.800 € kommen, was Lukáš und ich immer damit ausgleichen, dass wir wie Bergbauern jausen und bei Hotels nicht übertreiben. Für die Hotelsuche nutzen wir regelmäßig Booking.com, weil wir dort im Rahmen des Treueprogramms oft gute Rabatte ergattern.

Die nächstgelegene und ikonischste Möglichkeit ist es, direkt oberhalb des Sees zu übernachten. Über die Straße, nur einen Katzensprung vom Parkplatz entfernt, befindet sich das renommierte Carezza Hotel Latemar, das einen schönen Wellnessbereich und unglaubliche Ausblicke direkt auf die Berge bietet. Es ist zwar etwas teurer (rechne ab 160 € pro Nacht aufwärts), aber die Atmosphäre, wenn du früh morgens noch vor den ersten Autos mit dem Kaffee in der Hand zum See spazieren kannst, ist das manchmal einfach wert.

Eine hervorragende strategische Basis ist auch das nahe Städtchen Welschnofen (Nova Levante), das nur wenige Kilometer unterhalb des Sees im Tal liegt. Hier findest du klassische Tiroler Atmosphäre, viele kleinere Familienpensionen (Garni) und traditionelle Gasthäuser, in denen die besten Knödel serviert werden. Die Preise sind hier meist etwas angenehmer und zu den Bergen ist es trotzdem nur ein Katzensprung.

Wenn du städtisches Treiben bevorzugst oder Natur mit etwas Geschichte und Shopping verbinden möchtest, denk über eine Übernachtung in Bozen nach. Mit dem Auto bist du nur etwa 30 reine Fahrminuten vom See entfernt und abends kannst du mit einem Eis in der Hand durch die Laubengänge der Altstadt schlendern. Für Liebhaber hoher Berge und Wanderungen ist Canazei im Fassatal eine tolle Wahl, von wo aus du den See über den Pass in rund 20 Minuten erreichst und gleichzeitig mit Seilbahnen zum Sellamassiv oder zur Marmolata aufbrechen kannst.

Karersee in den Dolomiten: 10 Tipps, was es zu sehen und zu erleben gibt

Der Karersee ist nicht nur ein Foto vom Aussichtspunkt und die schnelle Rückkehr zum Auto. Die ganze Region unterhalb des Latemar bietet jede Menge Möglichkeiten, hier in aller Ruhe einen ganzen Tag oder ein verlängertes Wochenende zu verbringen. Hier sind die Dinge, die uns am Karersee über die Jahre wirklich Spaß gemacht haben – und ein paar, die wir erst richtig auskosten mussten, damit sie uns Spaß machten. 😅

1. Der erste Eindruck von der Hauptaussichtsplattform

Wenn du durch den Tunnel vom Parkplatz kommst, tauchst du direkt auf einer riesigen hölzernen Aussichtsplattform auf. Genau hier entstehen 99 % all dieser perfekten Fotos – und du verstehst sofort, warum: Kommst du am Morgen oder am frühen Abend, wenn die Wasseroberfläche spiegelglatt ist, haut dich die Spiegelung der zerklüfteten Latemar-Gipfel im türkisen Wasser schlicht um. Vergiss nicht, hier das klassische Familienfoto zu machen, aber nimm Rücksicht auf andere Besucher – im Sommer wird es hier ziemlich eng und jeder möchte sein Stück Aussicht ergattern.

2. Mach den entspannten Rundweg um den See

Rundweg um den Karersee mit Spiegelung des Latemar
Foto: johanvanbetsbrugge / CC BY 3.0 / Wikimedia Commons

Direkt an der Hauptaussicht beginnt ein Pfad, der einmal rund um den See führt. Auch wenn beim Thema Karersee wandern viele an anspruchsvolle Touren denken: Dieser konkrete Rundweg ist absolut simpel und wirklich für jeden machbar. Er ist nur rund einen Kilometer lang und du gehst die ganze Strecke in einem gemütlichen Spaziergang von 20 bis 30 Minuten – auch wenn du ständig stehen bleibst und fotografierst.

Der Pfad führt durch einen zauberhaften Nadelwald, nähert sich an einigen Stellen leicht dem Wasser (hinter den Holzzaun darf man allerdings nicht) und bietet dir immer wieder völlig neue Blickwinkel auf die Wasseroberfläche. Der Belag besteht aus festem Schotter, sodass es auch mit dem Kinderwagen kein Problem ist.

3. Halte an den Aussichtspunkten auf das Latemar-Gebirge

Latemar-Gebirge über dem Karersee
Foto: Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

Während des Spaziergangs um den See triffst du gleich auf mehrere weitere Holzplattformen und Bänke, die strategisch zum Latemar-Gebirge ausgerichtet sind. Dieser Gebirgszug bildet eine natürliche Mauer zwischen Südtirol und der Provinz Trentino, und seine Kalktürme sind einfach faszinierend.

4. Begib dich auf die anspruchsvollere Wanderung entlang des Hirzelwegs

Wenn dir der ein Kilometer lange Spaziergang ums Wasser nicht reicht und du dir beim Karersee wandern etwas mehr zumuten willst, dann suche nach dem Hirzelweg. Er ist eine der schöneren und schon etwas anspruchsvolleren Touren in der Umgebung. Du kannst unweit des Sees einsteigen (oft nähert man sich ihm mit der Seilbahn Paolina, von der wir gleich noch sprechen).

Dieser Pfad führt dich direkt unterhalb der gewaltigen Felswände des Latemar-Massivs entlang, teilweise auch in Richtung Rosengarten (Catinaccio). Unterwegs siehst du eine völlig andere Landschaft voller Geröll und alpiner Flora und triffst hin und wieder sogar ein Murmeltier. Diese Tour ist definitiv nichts mehr für Kinderwagen – du brauchst ordentliche Wanderschuhe und etwas Kondition, denn du bewegst dich auf über 2.000 Metern Höhe.

5. Entspanne im modernen Carezza Center

Direkt am Parkplatz befindet sich das relativ neu renovierte Besucherzentrum mit dem Namen Carezza Center. Erwarte keine simple Bude mit Tickets – es ist ein überraschend schöner Holzbau, der sich harmonisch in die Landschaft einfügt. Drinnen findest du alles, was du nach dem Ausflug zur Rückkehr in die Zivilisation brauchst.

Neben sauberen öffentlichen Toiletten (was man mit kleinem Kind wohl am meisten schätzt) gibt es hier Souvenirläden, einen Verkauf lokaler Käsesorten und Speck sowie mehrere Bistros. Wir halten hier gerne auf einen nachmittäglichen Bombardino oder Aperol Spritz, während die Hunde im Schatten auf der Terrasse ausruhen. Im oberen Stockwerk gibt es sogar einen kleinen Wellnessbereich und eine Ausstellung zur Geschichte und Geologie dieses einzigartigen Ortes.

6. Genieße den Winterspaß und das Skifahren

Skigebiet Carezza Ski im Latemar
Foto: Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

Auch wenn viele diesen Ort nur von Sommerfotos kennen, vergiss nicht, dass die Wintersaison am Karersee ein riesiger Anziehungspunkt für Schneeliebhaber ist. Gleich oberhalb des Sees und des Dorfes Welschnofen erstreckt sich das familiäre Skigebiet Carezza Dolomites (oft mit dem Gebiet Latemar / Cinquantore verbunden). Es hat über 40 Kilometer bestens präparierte Pisten, die nicht so überfüllt sind wie die berühmtere Sella Ronda.

Ein riesiger Vorteil ist, dass die Pisten direkt am Fuß der Berge Latemar und Catinaccio liegen, sodass du diese Kalkriesen beim Carven hinunter immer vor Augen hast.

7. Warte auf das beste Licht zum Fotografieren

Dolomiten im Winterlicht, Latemar-Region
Foto: Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

Fotografen wissen das gut, aber zur Sicherheit betone ich es: Das Licht macht das Foto, und beim Karersee gilt das doppelt. Mittags, wenn die Sonne grell von oben scheint, kann der See zwar hübsch aussehen, verliert aber diese magische Tiefe, und auf der Oberfläche spiegeln sich dann eher Sonnenreflexe als die Berge.

Das Abendlicht ist in den Dolomiten berühmt für das Phänomen „Enrosadira“ (Alpenglühen), bei dem die Kalkfelsen ein unglaublich sattes Rosa bis hin zu feurigem Rot annehmen. Genau am Abend, nach der Abfahrt der Touristenbusse, oder umgekehrt gleich nach Sonnenaufgang bekommst du die ikonischsten Aufnahmen. Der Morgennebel über dem Wasser verleiht dem Ort zudem einen geheimnisvollen Charakter aus den Legenden um die Nixe Ondina.

8. Erkunde den Themenweg Sentiero del Latemar

Wenn du mit etwas älteren Kindern als unserem Jonášek reist und eine Aktivität suchst, die ihnen mehr Spaß macht als bloßes „Durch-den-Wald-Laufen“, probiere unbedingt den Sentiero del Latemar aus. Es handelt sich um ein Netz von Themen- und Lehrpfaden (z. B. Latemar.Natura, Latemar.Panorama oder Latemar.Art), die über die Hänge oberhalb des Sees verteilt sind.

Die Pfade sind voller Holzskulpturen, interaktiver Stationen und Infotafeln, die Kinder (und ehrlich gesagt auch Erwachsene) auf eine Weise in die Welt der alpinen Natur eintauchen lassen, die ihnen viel mehr Spaß macht als simples Latschen von A nach B. Die Pfade beginnen meist an den Bergstationen der Seilbahnen, sodass du dir den schwersten Aufstieg ersparst und dich oben in angenehmem, welligem Gelände mit herrlichen Talblicken bewegst.

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9. Fahr mit der Seilbahn Paolina ein Stück Richtung Himmel

Das ist Lukáš‘ und mein Lieblingstipp für alle, die das Hochgebirge erleben möchten, ohne sich den ganzen Tag aus dem Tal hochzuquälen. Unweit des Karersees befindet sich die Talstation der Seilbahn Paolina (im Winter für Skifahrer, im Sommer für Wanderer). Der offene Sessellift bringt dich aus etwa 1.600 Metern Höhe auf 2.125 Meter direkt zur Hütte Rifugio Paolina.

Die Fahrt nach oben ist ein Erlebnis für sich: Die Füße baumeln in der Luft und mit jedem Meter öffnet sich der Blick weiter und weiter auf das Tal und die Kämme in der Ferne. Von der Hütte oben kannst du dich auf kürzere ein- bis zweistündige Touren entlang des Berghangs begeben, von denen du übrigens auch einen hervorragenden Blick hinunter auf den Karersee selbst hast, der von hier oben wie ein kleiner blauer Edelstein im Wald wirkt.

10. Trekking zur Berghütte Rifugio Roda di Vael

Berghütte Rotwandhütte im Gebiet Rosengarten-Latemar
Foto: Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Unser letzter Tipp ist für echte Bergmenschen. Von der erwähnten Bergstation der Seilbahn Paolina kannst du zu einem fantastischen Trek zur Hütte Rifugio Roda di Vael (Rotwandhütte) aufbrechen, die sich auf 2.283 Metern Höhe direkt unterhalb des felsigen Adlerhorsts des Catinaccio-Massivs duckt.

Der Weg zur Hütte führt über den sogenannten „Adlerpass“ (Passo dell’Aquila) und verläuft stellenweise durch ziemlich exponiertes Gelände. Es ist zwar kein ausgesprochener Klettersteig, aber in manchen Abschnitten musst du schon auf deine Schritte achten. Belohnt wirst du mit absolut phänomenalem Essen auf der Hütte (ihr Kaiserschmarrn ist legendär) und der Möglichkeit, eine ordentliche Hochgebirgsleistung ins Logbuch zu schreiben. Falls du nicht denselben Weg zurückgehen willst, lässt sich über weitere Pfade ein Rundweg hinunter ins Carezza-Tal gehen.

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Besuch des Sees mit Kindern und Hunden (unsere Erfahrung mit Jonášek)

Wie ich schon mehrfach angedeutet habe, können die Dolomiten zu Wanderern manchmal ziemlich rau sein – voller scharfer Steine und steiler Abhänge. Umso begeisterter waren wir dieses Jahr, wie entspannt es am Karersee zuging. Wenn du dich auf einen Ausflug mit einem zweijährigen Kleinkind und zwei neugierigen Hunden vorbereitest, ändern sich die Prioritäten eben.

💡 Tipp: In fast allen Seilbahnen und Bussen wird für Hunde ein Maulkorb verlangt (den bekommst du praktisch überall, auch direkt an den Talstationen). Uns hat das ehrlich gesagt ziemlich genervt – sie wollten ihn sogar dann, wenn wir ganz allein in der Kabine saßen. Wenn mehrere Seilbahnen hintereinander auf uns warteten, ließen wir Kája und Baby lieber auf dem Campingplatz ausruhen.

Mit Jonášek lief alles absolut reibungslos. Der gesamte Rundweg um den See ist ordentlich mit feinem Schotter aufgeschüttet, es gibt keine Stufen oder Wurzeln, an denen der Kinderwagen hängen bleiben würde. Hunde dürfen an den See, müssen aber die ganze Zeit an der Leine bleiben – das ergibt Sinn, wenn du siehst, wie viele Menschen sich hier täglich tummeln. Achte zusätzlich auf eines: Das Wasser aus dem See dürfen sie nicht trinken, und es ist natürlich streng verboten, sie im See baden zu lassen. Es ist ein geschütztes Naturdenkmal, also nimm vom Parkplatz unbedingt Trinkwasser für deine Vierbeiner in der Flasche mit.

Was du in der Latemar-Region kulinarisch probieren solltest

Reisen geht für mich nie nur um Sehenswürdigkeiten und Natur, sondern zu einem großen Teil vor allem ums Essen. Südtirol (Alto Adige) hat eine faszinierende Gastronomie, die die unkomplizierte italienische Küche mit der deftigeren alpinen österreichisch-tiroler Klassik verbindet. Was solltest du hier auf keinen Fall verpassen?

Die absolute Grundlage, die wir uns auf jeder Berghütte gönnen – etwa auf dem beliebten Rifugio Paolina – ist der hausgemachte Apfelstrudel: kein trockener Blätterteig, sondern ein ehrlicher Strudel mit einer Tonne Äpfeln, Rosinen und Pinienkernen, übergossen mit warmer Vanillesauce, zu dem ich mir immer einen ordentlichen italienischen Espresso bestelle, weil ich es sonst schlicht nicht aushalten würde. ☺️

Zum Mittagessen nach der Tour wählen wir am liebsten die einheimischen Knödel (auf tausend Arten: mit Käse, Spinat oder Speck), die entweder in kräftiger Suppe oder einfach mit zerlassener Butter und Parmesan-artigem Käse serviert werden. Und wenn du wirklich großen Hunger hast, greif zur Polenta. Die hiesige Polenta con grigliata (Maisbrei, den wir mit Steinpilzen und Bergkäse essen; die Einheimischen servieren sie auch mit gegrilltem Fleisch) macht dich zuverlässig für den Rest des Tages satt. Im Lädchen direkt im Carezza Center solltest du vor der Abfahrt nicht vergessen, hervorragenden Schaf- oder Kuhkäse von den Bauern aus der Latemar-Region zu kaufen – zum Wein am Abend zu Hause ist das die Perfektion.

Praktische Tipps zum Schluss

Damit dich vor Ort nichts mehr überrascht, hier eine schnelle Zusammenfassung einiger Verbote und praktischer Infos, mit denen du rechnen musst:

  • Badeverbot: Eine der häufigsten Fragen im Internet lautet: „Darf man im Karersee schwimmen?“ Leider (oder eher zum Glück für die Natur) ist das Baden hier ganzjährig streng verboten. Das Wasser ist außerdem auch mitten im August eiskalt, sodass du das Schwimmerlebnis ohnehin kaum genießen würdest. Die Wasseroberfläche schützen Holzzäune, hinter die man nicht gehen darf – seit 2019 droht dafür ein recht saftiges Bußgeld.
  • Kein Trinkwasser: Das Wasser im See ist weder für dich noch für deine Hunde zum Trinken geeignet.
  • Drohnen lass zu Hause: Wie an den meisten exponierten Orten in den Dolomiten gilt auch hier ein striktes Drohnenflugverbot. Zum Schutz der Wildtiere und der Privatsphäre anderer Besucher musst du dir die atemberaubenden Luftaufnahmen nur ins eigene Gedächtnis oder von der Seilbahn aus einprägen.
  • Wo Flüge finden: Wenn du nicht mit dem Auto anreist, empfehlen wir einen Flug nach Venedig, Treviso oder Mailand. Von Deutschland aus fliegen z. B. Lufthansa und Eurowings diese Ziele an – günstige Tickets findest du auf den gängigen Vergleichsportalen.
  • Vergiss die Versicherung nicht: Die Berge können unberechenbar sein. Für kürzere Reisen innerhalb Europas reicht oft die EHIC (Europäische Krankenversicherungskarte), für längere Touren oder spezielle Bergsportarten lohnt sich eine zusätzliche Reiseversicherung mit Bergungsabdeckung.
  • Mobile Daten: Falls du ständig verbunden sein musst oder schlechten Empfang hast, probiere eine eSIM von Holafly, mit der wir weltweit beste Erfahrungen gemacht haben.

Wohin weiter in den italienischen Dolomiten

Der Karersee sollte nur einer von vielen Stopps auf deiner Reise durch diesen wunderschönen Teil Italiens sein. Wenn du nach weiterer Inspiration suchst, wohin du von hier aus aufbrechen kannst, empfehle ich auf jeden Fall einen Besuch der überwältigenden Hochebene Alpe di Siusi (Seiser Alm), die nur ein Stück weiter nördlich liegt. Einen völlig anderen, viel dramatischeren Landschaftscharakter findest du am Höhenkamm der Seceda, die ich für den fotogensten Berg in den gesamten Dolomiten überhaupt halte.

Viele weitere konkrete Touren und Tipps für Orte, die auch weniger erfahrene Wanderer schaffen, findest du in unserem großen Artikel Was tun in den Dolomiten.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wenn ihr mir manchmal wegen einer Reise in die Dolomiten schreibt, wiederholen sich die Fragen zum Karersee immer wieder. Deshalb habe ich beschlossen, die häufigsten an einem Ort zusammenzufassen, damit du es schwarz auf weiß hast und in aller Ruhe und ohne böse Überraschungen planen kannst.

1. Kann man im Lago di Carezza schwimmen?

Nein, Schwimmen, Baden und sogar das Übersteigen der hölzernen Zäune in unmittelbarer Nähe des Wassers ist streng verboten, um das empfindliche Ökosystem des Sees zu schützen.

2. Wie hoch ist der Eintritt und was kostet das Parken?

Der Zugang zum See selbst ist kostenlos. Bezahlt wird nur für das Parken auf den offiziellen Parkplätzen P1 und P2, wo die ersten zwei Stunden etwa 5 bis 7 EUR kosten. In der Saison ist eine Online-Reservierung im Voraus erforderlich.

3. Schaffen wir die Runde um den See mit dem Kinderwagen?

Ja, der Weg um den See ist absolut ideal für Familien mit Kindern. Der Weg vom Parkplatz durch den Tunnel sowie die Runde selbst (ca. 1 km) haben einen barrierefreien, befestigten Untergrund, den Sie mit jedem Kinderwagentyp problemlos bewältigen können.

4. Können wir unseren Hund zum See mitnehmen?

Hunde sind am Lago di Carezza willkommen, müssen aber zum Schutz der Natur und aufgrund der hohen Besucherdichte die ganze Zeit an der Leine geführt werden. Gleichzeitig ist es ihnen streng verboten, im See zu baden oder daraus zu trinken.

5. Darf man am Lago di Carezza mit einer Drohne fliegen?

Nein, hier gilt ein streng es Drohnenflugverbot, wie an vielen anderen geschützten Orten in den Dolomiten auch. Bitte respektieren Sie dies zum Schutz der Wildtiere und der Privatsphäre anderer Touristen.

6. Gibt es am See eine Möglichkeit zur Verpflegung?

Ja, direkt am Parkplatz befindet sich das moderne Carezza Center, wo Sie gemütliche Bistros, Toiletten und sogar einen Laden mit lokalem Käse und Speck finden.

7. Lohnt es sich, den See im Winter zu besuchen?

Auf jeden Fall, aber Sie müssen damit rechnen, dass Sie seine berühmte smaragdgrüne Farbe nicht sehen werden. Im Winter (lago di carezza winter) ist der See meist stark zugefroren und mit einer Schneeschicht bedeckt, was eine romantische Winteratmosphäre in der Nähe der bekannten Skipisten schafft.

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