Strahov-Kloster & Loreta: Sehenswürdigkeiten in Hradčany, Prag

Hradčany rund um Strahov und die Loreta verbinde ich mit einer Zeit, in der ich als Studentin durch die verwinkelten Gässchen des Nový Svět streifte, um den Touristenströmen zu entkommen. Mit Lukáš kamen wir hierher, um nach unseren ersten gemeinsamen Jahren in Prag den Kopf freizubekommen – und dieses Jahr sind wir die Route erneut gelaufen, diesmal mit dem zweijährigen Jonáš im Kinderwagen. Es ist und bleibt unser liebster ruhiger Winkel in Hradčany, Prag.

Meine früheren Mitschüler, die mitten in der Stadt aufgewachsen sind, haben mir eines beigebracht: Man betritt Hradčany nicht von unten von der Kleinseite aus, sondern von oben. So spart man sich den Aufstieg, umgeht die schlimmsten Engstellen, an denen sich die Massen stauen, und hat Ausblicke, für die man anderswo tief in die Tasche greifen müsste. Dieses Viertel verlangt ein langsames Tempo. Man passiert Klostermauern, hört Glockenspiele und blickt über Zäune in Gärten, über die die meisten Reiseführer kein Wort verlieren.

Es wäre fast albern, alles aufzuzählen, was es hier zu entdecken gibt – einfach weiterlesen. Aber der Vollständigkeit halber: Wir planen Strahov, die Loreta, verlaufen uns in den Nový Svět und halten an Orten an, die kein Reiseführer kennt. Lukáš wird zufrieden sein, denn am Ende der Route wartet eine Brauerei. 😁

Das Gelände des Strahov-Klosters in Hradčany, Prag, vom Petřín-Aussichtsturm aus gesehen
Foto: Jakub Hałun / CC BY-SA 4.0 / Wikimedia Commons

Zusammenfassung für alle, die keine Zeit zum Lesen haben

💡 Tipp von einer Einheimischen: Beginnt die Route oben an der Straßenbahnhaltestelle Pohořelec – ihr geht die ganze Zeit bergab und umgeht die Massen, die von der Kleinseite heraufströmen. 💡 Tipp von einer Einheimischen: Die Strahov-Bibliothek birgt zwei atemberaubende Säle (Theologischer und Philosophischer Saal), aber ohne spezielle Voranmeldung kommt ihr nicht hinein – ihr schaut nur von der Tür aus rein. 💡 Tipp von einer Einheimischen: In der Loreta unbedingt die Schatzkammer besuchen, in der die „Prager Sonne“ strahlt – eine Monstranz, die mit 6.222 Diamanten besetzt ist. 💡 Tipp von einer Einheimischen: Der Czernin-Palast gegenüber der Loreta ist zwar Sitz des Außenministeriums, aber seine Gärten sind in der Sommersaison an Wochenenden kostenlos zugänglich. 💡 Tipp von einer Einheimischen: Das abgelegene Gässchen Nový Svět erinnert eher an ein Dorf als an das Zentrum einer Metropole – keine Menschenmassen, nur malerische Häuschen ohne Bürgersteig. 💡 Tipp von einer Einheimischen: Die Klosterbrauerei Strahov braut ausgezeichnetes Sv.-Norbert-Bier, aber rechnet mit höheren Preisen und vollen Tischen. 💡 Tipp von einer Einheimischen: Der Hradschin-Platz bietet einen der besten Ausblicke auf Prag direkt beim TGM-Denkmal – ideal für Abendfotos. 💡 Tipp von einer Einheimischen: Das Wirtshaus U Černého vola am Pohořelec ist eine Institution, in der die Zeit stillsteht. Der Erlös aus dem Bierverkauf unterstützt außerdem eine nahe gelegene Schule für Sehbehinderte.

Wann man nach Hradčany und Strahov aufbrechen sollte
Foto: Karelj / Wikimedia Commons, Public domain
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Wann man nach Hradčany und Strahov aufbrechen sollte

Ich erinnere mich an einen Morgen, als ich um sieben Uhr am Pohořelec ankam und nur einem Hundebesitzer und einem Müllwagen begegnete. Die Wahl des richtigen Zeitpunkts ist hier entscheidend: Während man dem Gedränge auf dem Altstädter Ring nie entkommen kann, hat Hradčany seine stillen Stunden, in denen man fast allein unterwegs ist. Am liebsten komme ich früh morgens oder am späten Nachmittag, wenn die Touristenbusse ihre Passagiere wieder in die Hotels gefahren haben.

Barocke Fassade der Prager Loreta in Hradčany mit Glockenturm

Frühlings- und Sommermorgen für Fotografen

Wer fotografiert, sollte den Wecker früh stellen. Im April und Mai fällt die Sonne auf die Fassaden des Czernin-Palastes und des Hradschin-Platzes in einem Winkel, der den Putz in einem satten Ockerton leuchten lässt. Das Morgenlicht zaubert einfach unglaubliche Aufnahmen, und die störenden Schatten der umliegenden Gebäude, die das Bild verderben würden, sind noch nicht da.

Sommertage rund um die Mittagszeit sind hier dagegen eine echte Tortur. Die riesigen gepflasterten Flächen ohne ein Fleckchen Schatten auf den Plätzen strahlen die Hitze regelrecht ab, und Jonáš war im Kinderwagen bei dieser Glut immer furchtbar quengelig. Kühlung findet man dann nur noch hinter Klostermauern und in Kirchen, in die wir uns flüchten, wenn die Sonne wirklich unerträglich wird.

Herbstliche Melancholie und winterliche Stille in Hradčany
Foto: Hadonos / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Herbstliche Melancholie und winterliche Stille

Die Herbstnebel, die vom Petřín aufsteigen und das Strahov-Kloster in einen gräulichen Schleier hüllen, sind genau der Grund, warum ich Prag nie ganz loslassen konnte. Früher hätte ich in solchen Momenten die Kamera gezückt – heute hole ich Jonáš aus dem Kinderwagen und versuche ihm zu erklären, wo das Kloster ist. Er zeigt auf eine Taube.

Im Winter, besonders wenn Schnee liegt, ist das Gässchen Nový Svět vollkommen still und wirkt fast märchenhaft. Das Kopfsteinpflaster wird rutschig, aber die Atmosphäre ist jeden vorsichtigen Schritt wert. Am besten wärmt man sich danach mit einer deftigen Suppe in einem der nahegelegenen traditionellen Wirtshäuser auf.

Westfassade des Veitsdoms auf der Prager Burg

Wo man übernachten kann

Direkt in Hradčany zu wohnen bedeutet, abends vom pulsierenden Leben der Stadt abgeschnitten zu sein. Die Restaurants schließen früh, und die Straßen leeren sich. Deshalb bevorzugen Lukáš und ich einen Kompromis: Unterkunft näher am Zentrum, von wo aus wir in fünfzehn Minuten mit der Straßenbahn auf den Hügel kommen, aber abends unsere Lieblingscafés und Bistros in der Nähe haben.

Bei unserem letzten Besuch haben wir das The Julius Hotel unweit des Jindřišská-Turms ausprobiert und empfehle es seitdem jedem weiter. Architektonisch durchdacht, riesige Zimmer (wir hatten eine One Bedroom Suite, was sich mit Kinderwagen und Jonášs Gepäckberg sehr bewährt hat) und perfekte Erreichbarkeit. Man ist im Zentrum, aber in einer ruhigen Straße.

Wer für die Familie eine Unterkunft sucht, sollte unbedingt darauf achten, dass ein Aufzug vorhanden ist. Das klingt selbstverständlich, aber in Prags historischem Zentrum gibt es viele wunderschöne Boutiquehotels, bei denen man mit dem Kinderwagen elend drei Stockwerke über Holzwendeltreppen schleppt. Auch deshalb hat das Julius bei uns voll gepunktet. Preise und freie Termine könnt ihr über Booking.com reservieren.

Das Strahov-Kloster und seine Schätze
Foto: Tilman2007 / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Das Strahov-Kloster und seine Schätze

Der Gebäudekomplex, der sich über dem Petřín erhebt, gehört zu den ältesten Prämonstratenser-Klöstern der Welt – gegründet bereits im 12. Jahrhundert. Es ist nicht nur ein einzelnes Gebäude, sondern ein weitläufiges Areal, das eine Bibliothek, eine Gemäldegalerie, eine Basilika und eine Brauerei beherbergt. Für mich ist es ein Ort, an dem sich tiefe intellektuelle Geschichte mit einer sehr bodenständigen (aber ausgezeichneten) Bierkultur der Gegenwart vermischt.

Die Strahov-Bibliothek und ihre Säle
Foto: Daniel Baránek / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Die Strahov-Bibliothek und ihre Säle

Wer schon einmal ein Foto einer historischen Bibliothek in Prag auf Instagram gesehen hat, hat mit großer Wahrscheinlichkeit genau diese vor Augen gehabt. Sie gliedert sich in zwei Hauptteile: den älteren Theologischen Saal mit schweren Barockstuckaturen und Globen sowie den jüngeren, luftigeren Philosophischen Saal mit einem riesigen Deckenfresko. Der visuelle Eindruck ist überwältigend – aber es gibt einen Haken. Ein normales Ticket lässt euch nur bis zur Tür der beiden Säle. Betreten darf man sie nicht, um das Mikroklima und die Luftfeuchtigkeit nicht zu stören, die die jahrhundertealten Bände schützen.

Der Eintritt kostet 2026 für Erwachsene 350 Kč (ca. 14 €). Geöffnet ist täglich von 9:00 bis 17:00 Uhr, aber Achtung: Mittagspause zwischen 12 und 13 Uhr – da kommt man nicht rein, egal wie weit man angereist ist. Ich spreche aus eigener Erfahrung. 😅 Am besten checkt ihr vorab die aktuellen Öffnungszeiten auf der Website der Strahov-Bibliothek.

Als Lukáš und ich zuletzt hier waren, trafen wir genau den Moment, als im Theologischen Saal Reinigungsarbeiten stattfanden. Wir konnten aus der Ferne beobachten, wie behutsam mit den jahrhundertealten Bänden umgegangen werden muss. Der Duft von altem Papier und Holz zieht durch die Gänge und hat eine ganz eigene, unwiderstehliche Magie. Es ist schlicht ein Ort, an dem Geschichte aus jedem Zentimeter atmet.

💡 Tipp von einer Einheimischen: Wer mit einer Spiegelreflexkamera fotografieren oder auch mit dem Handy bessere Aufnahmen machen möchte, muss an der Kasse eine Fotoerlaubnis dazukaufen. Ohne diese werden Besucher von den Aufsehern unmissverständlich zurechtgewiesen.

Mariä-Himmelfahrt-Basilika und Gemäldegalerie des Strahov-Klosters
Foto: Warren LeMay from Cullowhee, NC, United States / Wikimedia Commons, CC0

Mariä-Himmelfahrt-Basilika und Gemäldegalerie

Reich verziertes Barockinterieur der Mariä-Himmelfahrt-Basilika im Strahov-Kloster
Foto: Skot / CC BY-SA 4.0 / Wikimedia Commons

Direkt neben der Bibliothek steht die Klosterbasilika, auf deren Orgel einst Wolfgang Amadeus Mozart improvisiert haben soll. Das Innere ist schweres, dunkles Barock voller Fresken und Vergoldungen. Der Zugang zur Basilika selbst ist meist auf Gottesdienste oder einen Blick durch das Gitter beschränkt, aber gleich daneben befindet sich die Strahov-Gemäldegalerie. Sie beherbergt eine der bedeutendsten mitteleuropäischen Sammlungen gotischer und barocker Kunst.

Die Gemäldegalerie wird von Touristen oft übersehen – was sie zur echten Ruheoase macht. Der Eintritt kostet 200 Kč (ca. 8 €), die Öffnungszeiten entsprechen denen der Bibliothek. Wer Kunst liebt, sollte mindestens eine Stunde einplanen. Für mich war sie zu Studienzeiten die perfekte Zuflucht bei Regen, wo man in Ruhe sitzen und skizzieren konnte.

Die Galerie ist zwar kleiner, aber die gotischen Tafelbilder haben eine unglaubliche Tiefe und Detailreichtum, über dem man viel Zeit verbringen kann. Und dank der fehlenden Menschenmassen kann man hier wirklich entschleunigen und die Gedanken ordnen.

💡 Tipp von einer Einheimischen: Ein Kombiticket für Bibliothek und Galerie gibt es nicht – ihr müsst zwei separate Eintrittskarten kaufen. Habt ihr nur Zeit für eines: Die Bibliothek ist visuell beeindruckender, die Galerie bietet dafür absolute Stille.

Loretánské náměstí und Pohořelec in Hradčany, Prag
Foto: Michal Kmínek / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Loretánské náměstí und Pohořelec

Ehrlich gesagt wirkt dieser Platz auf mich immer ein bisschen schizophren: auf der einen Seite die verspielte, zuckerbäckerhafte Fassade der Loreta, auf der anderen der Czernin-Palast, der aussieht, als hätte er sich aus einer anderen, viel raueren Epoche hierher verirrt. Aber genau dieser Kontrast ist das Süchtigmachende – ich setze mich auf eine Bank und schaue abwechselnd auf beide Gebäude wie bei einem Tennisspiel.

Maurische Fassade der Spanischen Synagoge in Prags Josefstadt

Die Loreta Prag und ihre Schätze

Die Loreta ist eine Wallfahrtsstätte, deren Herzstück das sogenannte Heilige Häuschen (Santa Casa) ist. Der Legende nach handelt es sich um das Haus der Jungfrau Maria, das Engel aus Nazaret nach Italien getragen haben sollen – woraufhin Kopien davon in ganz Europa entstanden. Das Prager Exemplar liegt eingebettet in einem von Arkaden umgebenen Innenhof. Jede volle Stunde erklingt über dem Platz das Loretanische Glockenspiel aus dem späten 17. Jahrhundert mit einem marianischen Lied.

Im Inneren des Komplexes darf man die Schatzkammer nicht verpassen. Ihr größtes Schmuckstück ist die Prager Sonne, eine diamantbesetzte Monstranz aus dem Jahr 1699 mit sage und schreibe 6.222 Diamanten. Der Eintritt laut der offiziellen Website der Loreta beträgt 250 Kč (ca. 10 €) für Erwachsene, geöffnet ist täglich. Für Familien mit Kinderwagen sei gesagt: Es gibt überall Stufen und Schwellen, also mussten Lukáš und ich uns beim Tragen von Jonáš abwechseln.

💡 Tipp von einer Einheimischen: Das Glockenspiel funktioniert ähnlich wie eine Spieluhr und lässt sich umprogrammieren. An bedeutenden Feiertagen erklingt vom Turm keine Standardmelodie, sondern ein spezielles Stück – ein Erlebnis, das sich Einheimische nicht entgehen lassen.

Die Loreta in Hradčany, Prag
Die Loreta in Hradčany, Prag

Der Czernin-Palast und seine dunkle Geschichte

Monumentale Barockfassade des Czernin-Palastes in Prags Hradčany
Foto: Øyvind Holmstad / CC BY-SA 3.0 / Wikimedia Commons

Direkt gegenüber der Loreta steht ein Gebäude, das auf mich immer etwas Bedrohliches ausgestrahlt hat. Der Czernin-Palast mit seiner endlosen Reihe massiver Säulen ist das längste Barockgebäude Prags. Heute beherbergt er das tschechische Außenministerium. Die Geschichte des Palastes ist düster: Im Zweiten Weltkrieg residierte hier Reinhard Heydrich, und 1948 fand man auf dem Innenhof unter den Fenstern die Leiche von Außenminister Jan Masaryk – eine bis heute ungeklärte Tragödie.

Ins Innere kommt man normalerweise nicht – das Ministerium öffnet seine Tore nur ein paarmal im Jahr. Der Garten hinter dem Palast hingegen ist im Sommer an Wochenenden frei zugänglich, und das kostenlos.

💡 Tipp von einer Einheimischen: Der Garten des Czernin-Palastes ist einer der besten Orte, um der Sommerhitze zu entkommen. Keine Verkaufsstände, keine Massen – nur perfekt geschnittene Rasenflächen, Brunnen und absolute Stille.

Der Pohořelec-Platz in Hradčany, Prag
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Der Pohořelec-Platz

Der Pohořelec-Platz in Prags Hradčany mit historischen Häusern
Foto: Perituss / CC0 / Wikimedia Commons

Der Pohořelec-Platz bildet die natürliche Verbindung zwischen Strahov und der Loreta. Seinen Namen hat er nicht ohne Grund – in der Vergangenheit wurde er mehrfach von verheerenden Bränden heimgesucht. Heute ist es ein ruhiger Platz, gesäumt von Renaissance- und Barockgebäuden mit Laubengängen.

Wenn man sich hier umsieht, hat man das Gefühl, als würde die Stadt kurz Luft holen, bevor das Treiben rund um die Burg beginnt. Ich stehe hier gerne einfach und beobachte das Leben der wenigen Einheimischen, die noch geblieben sind – denn die Arkaden haben eine unglaubliche Magie.

Hradčany abseits des Mainstreams
Foto: Uoaei1 / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
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Hradčany abseits des Mainstreams

Sobald man die Loreta hinter sich lässt und Richtung Prager Burg weitergeht, werden die Massen dichter. Dennoch lassen sich hier ruhige Ecken finden, wenn man weiß, wo man abbiegen muss.

Der Hradschin-Platz in Prag
Foto: Daniel Baránek / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Der Hradschin-Platz

Der Hradschin-Platz mit dem Erzbischöflichen Palais, der Prager Burg und dem Veitsdom
Foto: David Short from Windsor / CC BY 2.0 / Wikimedia Commons

Dieses weitläufige Areal vor dem Haupttor der Prager Burg ist gesäumt von den bedeutendsten Palais der Stadt. Das Schwarzenberg-Palais mit seinen Sgraffiti an der Fassade ist das, vor dem Lukáš immer stehenbleibt und eine Weile staunt – diese schwarz-weiße Geometrie zieht wirklich in den Bann. Heute beherbergt es die Nationalgalerie, aber das Äußere übertrifft so manches Exponat im Inneren, das sage ich euch. ☺️ Gleich daneben findet man das Erzbischöfliche Palais und etwas weiter das Sternberg-Palais.

Die meisten Besucher lassen sich beim Burgtor mit der Ehrenwache fotografieren, aber mein Lieblingsfleck auf dem Platz ist ein anderer. Geht zum Denkmal von Tomáš Garrigue Masaryk am südlichen Rand des Platzes. Von dort öffnet sich ein fantastischer Blick auf die roten Dächer der Kleinseite und die Kuppel der Nikolauskirche.

Neben dem Ausblick ist dieser Platz auch ein beliebter Treffpunkt für Straßenmusiker, die hier alles von Klassik bis Jazz spielen. Manchmal setzen Lukáš, Jonáš und ich uns einfach auf eine Mauer, hören der Musik zu und beobachten das ständige Treiben der Menschen, die gerade durch das berühmte Burgtor mit den Wachen geschritten sind.

💡 Tipp von einer Einheimischen: Wer die Burg erkunden und stundenlange Warteschlangen vermeiden möchte, kauft am besten Tickets im Voraus und bucht Führungen über GetYourGuide. Das spart die Nerven beim Anstehen an den Kassen im dritten Burghof.

Nový Svět: Ein Dorf mitten in der Metropole Prag
Foto: Jan Puci / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Nový Svět: Ein Dorf mitten in der Metropole

Wenn ich einen einzigen Ort in Hradčany nennen müsste, der mich nie langweilt, dann ist es der Nový Svět. Vom Loretánské náměstí reicht es, um die Ecke abzubiegen, und schon befindet man sich in einer völlig anderen Welt. Keine monumentalen Paläste – nur kleine, bunte Häuschen, eng aneinandergedrängt entlang einer verwinkelten Kopfsteinpflastergasse. Ursprünglich lebten hier Burgbedienstete und arme Leute, später zog das Gässchen Künstler und Astronomen an. Ganz in der Nähe wirkten Tycho Brahe und Johannes Kepler.

Jedes dieser kleinen Häuser hat eine unglaubliche Geschichte. Man kann hier mit offenem Mund entlangschlendern und sich vorstellen, wie die Menschen früher hier aufeinander gepfercht lebten. Die ganze Gasse wirkt, als wäre die Zeit irgendwann im neunzehnten Jahrhundert stehengeblieben. Ich würde mich nicht wundern, wenn um die Ecke ein Schornsteinfeger mit dem Besen auf der Schulter auftauchen würde.

Interessant ist, dass dieses Viertel, das einst echte Armut und Burggesinde beherbergte, heute astronomische Immobilienpreise erzielt. Die meisten Häuser dienen entweder als Luxuswohnungen oder beherbergen Ateliers von Künstlern. Dennoch hat sich eine gewisse intime, nachbarschaftliche Verbundenheit erhalten, die man in der Altstadt so kaum noch findet.

Die Häuser hier tragen fast immer das Wort „zlatý“ (golden) im Namen (U Zlatého hroznu, U Zlaté hrušky – Zum Goldenen Weintrauben, Zur Goldenen Birne), was angeblich die Armut der ursprünglichen Bewohner kompensieren sollte. Heute ist es eine exklusive Adresse. Ein Spaziergang hier dauert kaum zwanzig Minuten, aber er ist pure Essenz des alten Prag ohne Kitsch.

Nový Svět, das vergessene Gässchen in Hradčany, Prag
Nový Svět, das vergessene Gässchen in Hradčany, Prag

Aussichtspunkte vom Petřín und Hradčany

Panoramablick vom Petřín auf Hradčany und die Prager Altstadt
Foto: Uoaei1 / CC BY-SA 4.0 / Wikimedia Commons

Das gesamte Gebiet zwischen Strahov und der Prager Burg ist durchzogen von Aussichtswegen. Wer sich nicht auf die bekanntesten am Hradschin-Platz beschränken möchte, sollte vom Strahov-Kloster den Weg entlang der sogenannten Raoul-Wallenberg-Promenade nehmen. Sie führt am Hang des Petřín entlang, direkt unterhalb der Klostergärten.

Der Weg bietet unverstellte Ausblicke, und von hier sieht man ganz Prag wie auf dem Präsentierteller – von der Kleinseite über die Moldau bis zu den Pankrác-Wolkenkratzern in der Ferne. Es ist die ideale Route für einen Nachmittagsspaziergang, wenn die Stadt unten zu leuchten beginnt.

💡 Tipp von einer Einheimischen: Kommt bei Sonnenuntergang, wenn über Prag ein leichter Dunst liegt und das Licht sich von der Moldau spiegelt. Ich habe von hier Fotos, die besser aussehen als alles, was ich je vom Petřín-Turm oder vom Letná-Park geschossen habe – und dabei steht hier niemand in der Schlange. 😉

Wo man in Hradčany, Prag essen kann
Foto: Jiří Bernard / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Wo man in Hradčany essen kann

Wie ich bereits angedeutet habe, ist Hradčany kein gastronomisches Paradies, das einen schier überfordert. Die meisten Restaurants entlang der Hauptroute richten sich eher an Einmaltouristen, und die Preise spiegeln das leider oft wider. Dennoch haben Lukáš und ich ein paar Orte gefunden, an denen wir gerne einkehren – ob für ein ausgiebiges Mittagessen oder nur für einen Kaffee. Hier sind unsere drei bewährten Favoriten.

Gotischer Backsteingiebel der Altneusynagoge in Prags Josefstadt

Klosterbrauerei Strahov

Direkt im Klosterhof stößt man auf die Klosterbrauerei Strahov, die an die jahrhundertealte Brauereitradition der Prämonstratenser anknüpft. Heute ist es ein moderner, aber sehr touristisch frequentierter Betrieb. Gebraut wird hier das Sv.-Norbert-Bier, das zu den besten gehört, was man in Prag probieren kann. Das bernsteinfarbene Lagerbier oder das Dunkle haben einen vollen, kräftigen Geschmack.

Das Restaurant ist in eine Schankstube und einen Außenbereich unterteilt. Die Speisekarte konzentriert sich auf deftige tschechische Klassiker wie Schweinshaxe, Rippchen und Gulasch. Als Vegetarierin erlebe ich hier keine kulinarischen Höhenflüge (ich lande meistens beim eingelegten Camembert oder einer Brezel), aber für das Biererlebnis begleite ich Lukáš hier immer gerne. Die Preise sind gehobener – für einen halben Liter zahlt man rund 110 Kč (ca. 4,50 €), aber man bezahlt für Lage und Qualität.

💡 Tipp von einer Einheimischen: Der Biergarten ist im Sommer hoffnungslos voll. Geht direkt nach hinten in die ehemalige Remise – dort findet man viel leichter einen Tisch, und die Atmosphäre unter den Gewölben ist authentischer.

Die weiße Nikolauskirche am Altstädter Ring in Prag

Wirtshaus U Černého vola

Diese Institution findet man versteckt im Laubengang am Pohořelec. Lärm, Bier- und Käseduft, Holzbänke und Kellner, die einen anschauen, als hätte man gerade etwas Wichtiges unterbrochen – und dabei ist es ein gemeinnütziges Wirtshaus, das von einer Stammgäste-Vereinigung betrieben wird und den Biererlös an eine Blindenschule gleich um die Ecke spendet.

Es ist eines der wenigen Orte hoch über der Burg, wo man noch altbekannte Gesichter trifft und sich ein hervorragendes Kozel oder Pilsner Urquell vom Fass gönnen kann. Versucht erst gar nicht, einen Tisch zu reservieren oder nach einer ruhigen Ecke zu fragen. Man setzt sich dorthin, wo gerade Platz ist – und schreckt auch nicht davor zurück, sich zu Fremden zu gesellen. Und jedes Bier, das ihr trinkt, tut Gutes.

Die gotischen Türme der Teynkirche über den Dächern der Prager Altstadt

Café Nový Svět

Am Anfang (oder Ende, je nachdem, von wo man kommt) des abgelegenen Gässchens Nový Svět findet man das gleichnamige kleine Familiencafé. Hier gibt es ausgezeichneten Kaffee und köstliche Kuchen, die die Inhaberin selbst backt. Es ist der ideale Stopp zum Aufwärmen oder für eine schnelle Koffeindosis nach den Kilometern auf dem Kopfsteinpflaster.

Das Innere ist wirklich winzig, daher haben wir mit Kinderwagen und Jonáš unseren Kaffee meistens nur zum Mitnehmen bestellt. Wer aber das Glück hat, ein Tischchen zu ergattern, sollte sich einen Moment setzen und die wunderbare nachbarschaftliche Atmosphäre aufsaugen, die dieses Café ausstrahlt.

Arkaden und gepflegtes Grün im Wallenstein-Garten in Prags Kleinseite

Praktische Infos

Anreise: Vergesst die U-Bahn und den Aufstieg zu Fuß. Steigt in die Straßenbahn Linie 22 und fahrt bis zur Haltestelle Pohořelec. Von dort geht es nur noch geradeaus oder leicht bergab Richtung Burg. Eine Fahrkarte für 30 Minuten kostet 30 Kč (ca. 1,20 €) und reicht vom Zentrum problemlos aus. Versucht auf keinen Fall, mit dem Auto anzureisen – Parken ist hier für Nicht-Anwohner praktisch unmöglich, und die Parkzonen werden euch unnötig nerven. Die Straßenbahn ist absolut zuverlässig, fährt alle paar Minuten und die Fahrt durch die verwinkelten Gassen vom Kleinseitner Ring hinauf zur Burg ist selbst schon ein Erlebnis – auch für Kinder. Eintrittskarten: Die Sehenswürdigkeiten in Hradčany (Loreta, Strahov-Bibliothek) gehören nicht zum Eintrittssystem der Prager Burg. Jede Einrichtung hat ihre eigene Kasse und eigenen Eintritt. Kartenzahlung ist überall problemlos möglich. Wer mehrere Orte besuchen möchte, sollte sich die Kräfte gut einteilen und nicht versuchen, alles an einem Nachmittag zu schaffen. Gerade mit Kindern ist das nervenaufreibend – nach der zweiten Sehenswürdigkeit lässt die Aufmerksamkeit meist deutlich nach. Wir wählen meistens eine Hauptattraktion, zum Beispiel die Loreta, und verbringen die restliche Zeit beim gemütlichen Bummeln über die Plätze. * Mit Kinderwagen und Rollstuhl: Hradčany ist anspruchsvolles Terrain. Das Pflaster ist grob, und das sogenannte „Kopfsteinpflaster“ kann einem wirklich die Seele herausschütteln. Zur Loreta und nach Strahov kommt man mit Mühe, aber der Nový Svět ist wegen fehlender Gehwege und der Steigung eine echte Herausforderung. Als wir zum ersten Mal mit dem tiefen Kinderwagen in den Nový Svět aufgebrochen sind, dachte ich, das wäre ein Kinderspiel. Weit gefehlt – Jonáš hüpfte darin wie auf einem Trampolin. Mit kleinen Kindern empfehle ich unbedingt eine Trage. Lukáš hat ihn an den schwierigsten Stellen in die Trage genommen, und sofort waren wir beide viel entspannter.

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Gelber Gartenpavillon im Vrtba-Garten in Prags Kleinseite

Häufig gestellte Fragen

Wie lange dauert die Besichtigung von Hradčany und Strahov?

Wenn du die Strahov-Bibliothek und die Loreta sehen und in Ruhe durch Nový Svět bis zum Hradčanské náměstí schlendern möchtest, plane mindestens einen halben Tag ein (ca. 4 bis 5 Stunden). Mit einem Mittagessen in der Brauerei ruhig auch länger.

Darf ich in der Strahov-Bibliothek fotografieren?

Ja, aber nur mit einer zusätzlich erworbenen Fotoerlaubnis. Das gilt auch fürs Fotografieren mit dem Handy. Ohne diese werden euch die Aufseher stoppen. Die Säle selbst dürfen zum Schutz der Bücher normalerweise nicht betreten werden, fotografiert wird von der Schwelle aus.

Ist die Loreto auch im Winter geöffnet?

Ja, die Loreto ist ganzjährig zugänglich, hat aber in den Wintermonaten (von November bis März) leicht verkürzte Öffnungszeiten. Prüft am besten vorab die aktuellen Zeiten auf ihrer Website.

Wie entgehe ich den Menschenmassen auf dem Hradschin?

Die Grundregel ist, früh am Morgen zu kommen (vor 9:00 Uhr) oder erst am frühen Abend (nach 17:00 Uhr). Außerdem hilft es, die Route über Nový Svět und Pohořelec zu wählen, wo organisierte Gruppen mit Reiseführern meist nicht hinkommen.

Kann man in der Klosterbrauerei Strahov auch fleischlos essen?

Als Vegetarierin sage ich ehrlich: Das ist keine Offenbarung. Es gibt hier klassische Biersnacks wie eingelegten Hermelin-Käse oder Brezeln, gelegentlich taucht im Menü ein fleischloses Risotto oder Salat auf, aber die Hauptattraktion sind hier Fleisch und Bier.

Ist der Černín-Palast für die Öffentlichkeit zugänglich?

Das Ministeriumsgebäude selbst ist geschlossen, außer an gelegentlichen Tagen der offenen Tür. Der wunderschöne französische Garten hinter dem Palast ist aber während der Sommersaison an Wochenenden kostenlos zugänglich.

Wo finde ich den besten kostenlosen Ausblick auf Prag?

Direkt am Hradčany-Platz bei der Statue von T. G. Masaryk oder auf dem Aussichtsweg (Promenáda Raoula Wallenberga) unterhalb des Strahov-Klosters in Richtung Petřín. Beide Orte sind frei zugänglich.

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