Die besten Pariser Museen 2026: Vom Louvre bis zu versteckten Perlen (Kunstszene-Guide)

Wenn die Stadt am Morgen erwacht und ihr plant, die besten Paris Museen zu besuchen, habt ihr das Gefühl, dass euch die ganze Welt zu Füßen liegt. Die Straßen füllen sich langsam mit dem Klang hochgezogener Metallrollläden und aus der nächsten Eckbäckerei duftet es nach frisch gebackenen Buttercroissants. Ihr sitzt mit einem Becher heißem Kaffee auf einer Parkbank, neben euch schlummert zufrieden ein Kleinkind im Kinderwagen und ihr wisst, dass ein Tag voller Kunst auf euch wartet. Genau diese Momente lieben Lukáš und ich. Die Stadt an der Seine hat einfach die unglaubliche Gabe, einen so natürlich in ihre Geschichte hineinzuziehen, dass man sich wie Teil eines alten französischen Films fühlt. Doch dann erreicht man den riesigen Platz vor der gläsernen Pyramide, sieht die endlose, sich windende Schlange von Menschen aus aller Welt – und die ganze Morgenpoesie ist schlagartig dahin.

Die Kunstszene hier funktioniert wie ein riesiger, permanent pulsierender Organismus. Man könnte einen ganzen Monat damit verbringen, von einem berühmten Gemälde zum nächsten zu wandern, und würde am Ende feststellen, dass man nicht mal die Hälfte gesehen hat. Früher konnten wir stundenlang in Galerien verbringen, jede Beschriftung lesen und Pinselstriche analysieren. Heute ist unsere wichtigste Währung die Aufmerksamkeitsspanne eines Kleinkinds. Und wisst ihr was? Das ist eigentlich unglaublich befreiend. Es zwingt einen, sorgfältig auszuwählen, langsamer zu werden und den Urlaub nicht mit kopflosem Abhaken einer Liste zu verbringen. Ihr werdet feststellen, dass kleine, stille Häuser mit knarrenden Holzböden euch oft viel mehr geben als die größten und berühmtesten Institutionen.

Dieses Jahr ist aus kultureller Sicht geradezu bahnbrechend und viele altbekannte Regeln gelten nicht mehr. Die Stadt hat nach der gewaltigen olympischen Anstrengung neu Luft geholt. Große Impressionisten-Jubiläen werden gefeiert, die legendäre Kathedrale Notre-Dame empfängt endlich wieder Besucher und im Sommer kann man nach hundert Jahren erstmals wieder direkt im Fluss schwimmen. Andererseits haben einige berühmte Gebäude für viele Jahre geschlossen, und für mich als Vegetarierin kam die riesige Nachricht in Form eines rein pflanzlichen Menüs im legendären Restaurant Arpège. Es ist ein Jahr voller Veränderungen, auf die man vorbereitet sein muss.

Artikelinhalt

Zusammenfassung

Klassische Fassade des Louvre mit ionischen Säulen und französischer Flagge
  • Riesige Enttäuschung 2026: Das berühmte Centre Pompidou ist wegen Asbestentfernung komplett geschlossen – bis 2030. Geht auf keinen Fall hin, dort findet ihr nur eine Baustelle.
  • Geht nie über den Haupteingang durch die Pyramide in den Louvre. Nutzt den Geheimeingang Porte des Lions, wo die Schlangen minimal sind, und kauft Tickets mit Zeitfenster vorab online – am einfachsten über GetYourGuide.
  • Dieses Jahr müsst ihr das Musée d’Orsay sehen. Der ehemalige Bahnhof feiert 40 Jahre seit der Eröffnung und zeigt fantastische Ausstellungen von Renoir und Mary Cassatt.
  • Monets Seerosen im Musée de l’Orangerie erfordern eine strikte Online-Reservierung für ein genaues Zeitfenster – auch wenn ihr freien Eintritt habt oder einen Touristenpass besitzt. Am einfachsten bucht ihr vorab über GetYourGuide.
  • Mit Kinderwagen und Kleinkindern ist der Garten des Musée Rodin die absolute Rettung. Der Eintritt kostet nur wenige Euro, ihr seht den berühmten Denker und das Kind kann sich auf den breiten Wegen sicher austoben.
  • Vorsicht vor Betrug vor den Sehenswürdigkeiten. Ignoriert jeden, der euch ein Freundschaftsarmband andrehen will, euch einen „verlorenen“ Goldring zeigt oder euch bittet, eine gefälschte Wohltätigkeitspetition zu unterschreiben.
  • Cité des Enfants im Park La Villette hat die Kindersektion für 2 bis 7 Jahre wegen Renovierung bis zum 9. Juni 2026 geschlossen.
  • Sagt immer und überall Bonjour. Ohne dieses Zauberwort werden Kassierer und Aufseher in Galerien schlicht nicht mit euch kommunizieren.
Majestätische Basilika Sacré-Cœur auf dem Montmartre umgeben von grünen Bäumen
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Wann Pariser Museen besuchen: Saisons und Kalender 2026

Den richtigen Monat für eine Kulturreise zu wählen, ist absolut entscheidend. Paris ist im Februar eine völlig andere Stadt als im Juli, und wir haben das auf die harte Tour gelernt. Einmal kamen wir im August an und stellten fest, dass die Hälfte unserer Lieblingsbistros ein Schild mit fermeture annuelle an der Tür hatte. Lukáš und ich lieben am meisten die Momente, wenn man im leichten Pullover zwischen Ausstellungen hin und her wechseln und nach der Besichtigung draußen auf einer Terrasse mit Straßenblick sitzen kann.

Frühling und Herbst als sichere Wahl

Gebäude eines Pariser Museums mit Bronzeskulptur vor der Fassade

Wenn ihr könnt, plant die Reise im Frühling oder Herbst. Der Mai ist wohl der allerschönste Monat im Jahr. Die Kastanien blühen, die Tage werden angenehm länger und das Licht in den verglasten Palästen ist schlichtweg perfekt. Ebenso zauberhaft sind September und Oktober. Die Zeit der sogenannten la rentrée (Rückkehr aus den Ferien) bringt frische Energie in die Straßen, die größten und am sehnlichsten erwarteten Ausstellungen des Jahres eröffnen und die Bäume in den Parks färben sich in unglaubliche Nuancen. Eine Windjacke und einen Regenschirm müsst ihr im Oktober zwar immer einpacken, aber die Atmosphäre ist es absolut wert.

💡 Tipp von vor Ort: Am ersten Sonntag im Monat von November bis März bieten viele staatliche Institutionen, darunter das berühmte Panthéon, freien Eintritt. Eine großartige Gelegenheit zum Sparen, aber rechnet damit, nicht allein zu sein.

Tote Winkel und wann man lieber zu Hause bleibt

Cremefarbenes klassizistisches Gebäude mit einer Reihe von Säulen und einer Skulptur mit grüner Patina

Macht einen großen Bogen um den August. Die Einheimischen nehmen in diesem Monat Reißaus und flüchten massenhaft ans Meer oder aufs Land. Die Stadt leert sich zwar von Alteingesessenen, wird aber durch Touristenmassen ersetzt. An vielen der besten unabhängigen Bistros und kleinen Galerien hängt das Schild fermeture annuelle (jährliche Betriebsferien). Zudem schmilzt der Asphalt unter der Hitze und die Klimaanlage in alten historischen Gebäuden kommt oft nicht hinterher. Vorsicht auch in den Wochen um den Februar/März-Wechsel, wenn die berühmte Fashion Week stattfindet und die Hotelpreise in absurde Höhen schießen.

💡 Tipp von vor Ort: Ein kritisches Datum für Herbstausflüge ist das Wochenende vom 19. und 20. September 2026. Dann finden die Tage des Europäischen Kulturerbes (Journées du Patrimoine) statt. Es öffnen sich zwar sonst unzugängliche Regierungspaläste, doch wenn ihr einen Ausflug zu Monets Gärten in Giverny plant, müsst ihr wissen, dass diese an diesen beiden Tagen ausnahmsweise und strikt geschlossen sind.

Schloss Versailles mit dem Kanal, der die Gebäudefassade spiegelt

Unterkunft in Paris

Die Wahl des Viertels beeinflusst euer gesamtes Stadterlebnis und euer Budget grundlegend. Paris ist in zwanzig Bezirke (Arrondissements) unterteilt, die sich vom historischen Zentrum am Louvre spiralförmig im Uhrzeigersinn nach außen winden. Eine günstige Unterkunft im Zentrum zu finden, ist fast unmöglich – aber wenn man weiß, wo man suchen muss, findet sich ein toller Kompromiss zwischen Preis, Sicherheit und Erreichbarkeit.

Mit Kinderwagen und Jonáš macht einen großen Bogen um die nördliche Gegend des 10. Arrondissements rund um den Bahnhof Gare du Nord und das nächtliche Pigalle im 18. Arrondissement. Wir sind dort mal mit einem Freund um zwei Uhr nachts gelandet, und das will man mit einem Zweijährigen definitiv kein zweites Mal erleben. 😅

Nach langer Suche haben wir uns für das Hôbou entschieden, ein authentisches französisches Boutiquehotel in Boulogne-Billancourt (reservieren könnt ihr hier), das auf den ersten Blick fast unscheinbar wirkt, aber nach den ersten paar Stunden hat man sich restlos verliebt.

Konkrete Hotels, die Sinn machen

Modern eingerichtetes Restaurant mit grauen Stühlen und gedecktem Tisch

Die visuellen Eindrücke aus den großen Galerien zu verarbeiten, braucht etwas Zeit und vor allem eine Umgebung ohne weitere Reizüberflutung. Uns hat besonders gefallen, dass das familiäre Hotel Hôbou relativ nah an der Fondation Louis Vuitton liegt und nach der Rückkehr aus dem Museum die dringend nötige Ruhe bot. Den ganzen Bericht zur Unterkunft findet ihr in einer separaten Rezension, Preise könnt ihr direkt hier vergleichen.

Barockbrunnen mit goldenen Skulpturen in einem Spiegelteich

Schwergewichte und Meister des Impressionismus

Lukáš und ich haben uns vor unserem ersten Ausflug mit Jonáš die gleiche Frage gestellt: Drei Giganten, ein Kleinkind – wie viel schafft man davon realistisch? Die Antwort hat uns überrascht. Sie mit einem kleinen Kind zu bewältigen, erfordert einen ziemlich guten taktischen Plan, aber das Ergebnis ist absolut überwältigend.

Musée d’Orsay: Das Jahr, in dem ihr einfach kommen müsst

Wenn ihr euch 2026 nur ein einziges großes Museum aussuchen dürft, geht ins Musée d’Orsay. Der ehemalige Bahnhof mit den ikonischen riesigen Glasuhren pulsiert dieses Jahr vor unglaublicher Energie. Er feiert nämlich genau das 40. Jubiläum seit seiner großartigen Eröffnung, und gleichzeitig jährt sich der Tod des Malers Claude Monet zum hundertsten Mal. Die Atmosphäre unter dem gewaltigen Stahlgewölbe ist unvergleichlich luftiger und heller als in anderen historischen Palästen. Der Raum ist kompakter, logischer geordnet und für die Navigation mit Kleinkind viel angenehmer. Die Sammlung von über viertausend Werken deckt das absolute Beste vom Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts ab.

Glanzstück der Dauerausstellung ist Monets Serie der Kathedrale von Rouen. Die Gemälde hängen wunderbar nebeneinander, sodass man mit eigenen Augen verfolgen kann, wie der Meister ein und dieselbe Steinfassade in unterschiedlichem Tageslicht und bei unterschiedlichem Wetter festgehalten hat. Ich stand so lange vor diesen Bildern, bis mir Lukáš leise einen Kaffee aus dem Thermobecher in die Hand drückte, ohne ein Wort zu sagen. So schaut man Kunst an, wenn man sie wirklich sieht. Und dann ist da natürlich Vincent van Gogh. Zwei Gemälde, bei denen einem der Atem stockt: Die Sternennacht über der Rhône und sein berühmtes, eindringliches Selbstporträt. Was ihr dieses Jahr auf keinen Fall verpassen dürft, sind die Sonderausstellungen. Für das Frühjahr ist eine großartige Renoir-Schau geplant, und der Herbst gehört der faszinierenden amerikanischen Impressionistin Mary Cassatt.

Die Standardeintrittskarte kostet 16 €, und auch hier lohnt es sich, ein Ticket mit Zeitfenster vorab zu kaufen – am einfachsten über GetYourGuide. Geöffnet ist täglich außer montags von 9:30 bis 18:00 Uhr. Das Gebäude befindet sich an der Adresse 1 Rue de la Légion d’Honneur, die nächste Metrostation ist Solférino (Linie 12) oder RER C direkt unter dem Museum.

💡 Tipp von vor Ort: Wenn euer Kleinkind gut in der Trage sitzt, lasst den Kinderwagen gleich nach der Ankunft an der Garderobe. Die Holzböden in den Galerien vertragen Räder problemlos, aber donnerstags, wenn erst um 21:45 Uhr geschlossen wird, kann es vor den Van Goghs ziemlich eng werden – mit Kind auf der Brust seid ihr in der Menge deutlich wendiger.

Musée de l’Orangerie: Intime Meditation zwischen Seerosen

Fondation Louis Vuitton mit den charakteristischen gläsernen asymmetrischen Segeln

Am äußersten Rand des weitläufigen Jardin des Tuileries im 1. Arrondissement steht ein unscheinbares, niedriges Gebäude einer alten Orangerie, das eines der stärksten und reinsten Kunsterlebnisse der gesamten Stadt birgt. Die Orangerie ist Heimat von acht riesigen, panoramatischen Gemälden von Monets Seerosen (Nymphéas). Sie sind in zwei miteinander verbundenen ovalen Sälen installiert, die genau nach den strikten Anweisungen des Künstlers mit natürlichem Tageslicht durchflutet werden. Sobald man eintritt, verschwindet der Großstadtlärm wie durch Zauberhand.

Die Gemälde umgeben einen von allen Seiten. Für Kleinkinder ist es ein visuell unglaublich faszinierender Raum – die sanften Farbübergänge, Wasserreflexe und Blütenformen ziehen sie magisch an. Man muss nur aufmerksam darauf achten, dass neugierige kleine Finger beim Versuch, einen gemalten Frosch zu fangen, nicht die kostbare Leinwand berühren. Das Untergeschoss beherbergt die Sammlung von Jean Walter und Paul Guillaume. Dort findet man Werke von Cézanne, Renoir, Picasso, Matisse und Modigliani. Es ist eine intime, sehr dichte Sammlung, die man in maximal zwei Stunden in Ruhe durchgehen kann – ein idealer Zeitrahmen. Für 2026 gibt es zudem ein großes Highlight: Vom 25. März bis 20. Juli läuft die Ausstellung Henri Rousseau (Le Douanier), die das Gesamtwerk dieses faszinierenden Zöllner-Malers und seinen maßgeblichen Einfluss auf den Surrealismus zeigt.

Die Eintrittskarte kostet 12,50 €. Geöffnet ist täglich außer dienstags von 9:00 bis 18:00 Uhr. Die Adresse ist Place de la Concorde, die nächste Metrostation Concorde (Linien 1, 8, 12).

💡 Tipp von vor Ort: Die wichtigste Regel für diese Institution lautet: Der Eintritt erfordert eine verbindliche Online-Reservierung mit Zeitfenster (Timed-Ticket). Das gilt auch, wenn ihr freien Eintritt habt oder einen Touristenpass besitzt. Ohne Reservierung kommt ihr schlicht nicht durch die Tür – bucht das Zeitfenster-Ticket am einfachsten vorab über GetYourGuide. Mein Geheimtipp: Reserviert einen Slot kurz nach einem Regenschauer, wenn die Touristen in die Cafés geflüchtet sind und ihr die Seerosensäle viel leerer vorfindet.

Louvre: Überlebensstrategie im größten Palast der Welt

Detailansicht der gotischen Kathedrale Notre-Dame mit zwei Türmen und Rosette

Einen Guide zu schreiben und den riesigen Komplex am Seineufer auszulassen, wäre eine Sünde – aber mit einem Kleinkind ist es eine Herausforderung an der Grenze zum Extremsport. Es ist schlicht die größte Institution ihrer Art auf der Welt. Vergesst den Gedanken, alles sehen zu können. Minimum für einen schnellen Durchlauf der größten Hits – die kleine Mona Lisa, die Venus von Milo oder die majestätische Nike von Samothrake – sind drei Stunden im Eilschritt. Ein ernsthafter Besuch im Louvre dauert sechs bis acht Stunden, und das ist mit einem Zweijährigen schlicht nicht ohne Tränen auf beiden Seiten zu schaffen.

Der Schlüssel zum Erfolg ist sorgfältige Auswahl und richtiges Timing. Der schlechteste Tag für einen Besuch ist eindeutig der Samstag, wenn sich Massen ausländischer Touristen mit einheimischen Familien mischen. Macht einen großen Bogen darum. Die besten Tage sind dagegen Mittwoch- und Freitagabend, wenn bis 21:45 Uhr geöffnet ist. Nach 18 Uhr sinkt die Besucherzahl um mehr als sechzig Prozent und die Säle bekommen eine unglaublich geheimnisvolle Atmosphäre. Wenn ihr das berühmte Lächeln der Mona Lisa ohne irrsinniges Gedränge sehen wollt, müsst ihr entweder punkt 9:00 Uhr direkt nach der Öffnung dort sein oder eben am Mittwoch- bzw. Freitagabend spät kommen. Den Rest der Zeit ist es nur ein Meer hochgehaltener Handys.

Die Standardeintrittskarte kostet rund 22 € und wird ausschließlich als Online-Timed-Entry-Ticket gekauft – am einfachsten vorab über GetYourGuide. Die Schlange für Besucher ohne Ticket bedeutet oft stundenlange Frustration. Geöffnet ist täglich außer dienstags. Die nächste Metrostation ist Palais-Royal Musée du Louvre (Linien 1 und 7).

💡 Tipp von vor Ort: Dieser Trick spart euch jede Menge Nerven. Benutzt nicht den Haupteingang über die große gläserne Pyramide im Innenhof. Geht stattdessen zum unscheinbaren Eingang Porte des Lions im südlichen Denon-Flügel nahe dem Fluss. Er liegt am nächsten zum Saal mit der Mona Lisa und die Schlangen an der Sicherheitskontrolle sind hier verschwindend gering.

Innenhof des Louvre mit der ikonischen Glaspyramide und dem klassizistischen Palast

Oasen der Ruhe: Institutionen für müde Eltern

Wenn ihr Schönheit und Geschichte sucht, aber gleichzeitig verzweifelt Platz braucht, wo das Kind ein wenig durchatmen und herumtollen kann, ohne dass ihr euch Magengeschwüre vor Stress zuzieht – die folgenden drei Adressen sind absolute Volltreffer.

Musée Rodin: Bronzeskulpturen und Rosensträucher

Die Skulptur Der Denker im Garten des Musée Rodin

Das wunderschöne Hôtel Biron, ein altes Adelssitz aus dem 18. Jahrhundert, umgeben von weitläufigen, gepflegten Gärten im ruhigen 7. Arrondissement, ist mein absoluter Favorit für Familienausflüge. Die Sammlung des Musée Rodin umfasst über sechstausend Skulpturen und Tausende von Zeichnungen. Im Inneren des historischen Gebäudes findet ihr den ikonischen marmorne Kuss (Le Baiser) und einen zutiefst berührenden Saal, der Camille Claudel gewidmet ist – der genialen Bildhauerin mit einem zutiefst tragischen Schicksal, die Rodins Muse war. Die Innenräume sind wunderschön, mit alten Holzböden und großen französischen Fenstern.

Das Eigentliche spielt sich für uns aber draußen hinter dem Haus ab. Der Garten beherbergt den berühmten bronzenen Denker und das düstere Höllentor, doch während man anderswo im Museum zittert, was das Kleinkind als nächstes umwirft, lässt man es hier einfach auf den sandigen Wegen zwischen den Rosen los und schaut zu, wie es begeistert weiße Steinchen sammelt, während man in Ruhe Rodin bewundert. Das ist der Moment, für den es sich lohnt, mit Kind nach Paris zu fahren.

Der Eintritt zum gesamten Gelände kostet 14 €, aber wer nur nach draußen möchte, zahlt für den reinen Garteneintritt nur 4 €. Geöffnet ist von Dienstag bis Sonntag von 10:00 bis 18:30 Uhr. Die nächste Metrostation ist Varenne (Linie 13).

💡 Tipp von vor Ort: Das Gartenticket für vier Euro allein ist einer der besten und günstigsten Ausbrüche aus dem Großstadttrubel in ganz Paris. Nehmt euch einen Kaffee aus einem nahegelegenen Café mit, setzt euch auf eine Bank unter den Bäumen und lasst die Zeit einfach verstreichen.

Musée Marmottan Monet: Geheime Sammlung am Rand eines Wäldchens

Elegante Villa des Musée Marmottan Monet

Während sich die Touristenmassen in den großen Institutionen im Zentrum drängen, könnt ihr ins äußerst ruhige und vornehme 16. Arrondissement in der Nähe des weitläufigen Bois de Boulogne aufbrechen. In einem stillen Stadtpalais (Hôtel particulier), das einst einem wohlhabenden Sammler gehörte, befindet sich die weltweit größte Sammlung von Werken Claude Monets im Musée Marmottan Monet. Sein Sohn Michel hat sie hierher vermacht. Ihr findet über hundert Gemälde und die Atmosphäre ist völlig anders als im Zentrum.

Genau an den Wänden dieses unscheinbaren Hauses hängt das legendäre Gemälde Impression, soleil levant (Impression, Sonnenaufgang). Es ist genau das Bild, das der gesamten impressionistischen Bewegung ihren Namen gab. Neben Monet begegnet man hier den feinen Werken von Berthe Morisot, die eine wunderbare weibliche Perspektive in der damals rein männlichen Kunstwelt bietet, sowie Gemälden von Degas, Sisley und Pissarro. Teppiche dämpfen die Schritte, die Räume wirken eher wie eine reich eingerichtete Wohnung als eine sterile Galerie und es platzt hier nie aus allen Nähten.

Die Eintrittskarte kostet 14 €. Geöffnet ist von Dienstag bis Sonntag von 10:00 bis 18:00 Uhr, donnerstags verlängert bis 21:00 Uhr. Die nächste Metrostation ist La Muette (Linie 9).

💡 Tipp von vor Ort: Wenn ihr den Wochenfahrschein Navigo Découverte habt, ist die Fahrt mit der Metrolinie 9 hierher sehr bequem. Für Familien mit Kinderwagen empfehle ich aber eher die Buslinie 32, die in der Nähe hält und euch das Schleppen über Treppen im Untergrund erspart.

Musée Picasso Paris: Kubismus und bester Falafel

Innenhof des Hôtel Salé mit dem Musée Picasso im Marais

Habt ihr euer vorübergehendes Basislager im Viertel Le Marais? Dann ist es bis zum Picasso nur ein kurzer Fußweg. Die gesamte Ausstellung residiert im wunderschön restaurierten Hôtel Salé aus dem 17. Jahrhundert, einem der schönsten historischen Gebäude der Umgebung. Es beherbergt über fünftausend Werke und bildet eine der umfassendsten Picasso-Sammlungen der Welt. Die Ausstellung rotiert recht häufig und ändert ihre Anordnung, sodass das Interieur immer neue Blicke auf Picassos blaue, rosa, kubistische und späte surrealistische Periode bietet.

Faszinierend ist auch Picassos persönliche Privatsammlung, die hier ausgestellt ist. Man sieht großartige Werke von Cézanne, Matisse und Rousseau, die der spanische Meister bei sich zu Hause hängen hatte und von denen er sich inspirieren ließ. Die Räume haben eine schöne alte Treppe mit schmiedeeisernem Geländer und insgesamt herrscht eine sehr entspannte Atmosphäre.

Die Eintrittskarte kostet 14 €. Geöffnet ist von Dienstag bis Sonntag ab 10:30 Uhr (am Wochenende ab 9:30 Uhr) bis 18:00 Uhr. Die nächste Metrostation ist Saint-Paul (Linie 1) oder Saint-Sébastien – Froissart (Linie 8).

💡 Tipp von vor Ort: Die perfekte Kombination für Vegetarier. Nach der Besichtigung der kubistischen Gemälde genügen ein paar schmale Gassen bis zur Rue des Rosiers. Dort stellt man sich in die schnelle Schlange für den legendären Straßenfalafel bei L’As du Fallafel oder steuert den nahegelegenen ältesten überdachten Markt Marché des Enfants Rouges an, wo es großartige Gemüse-Tajines gibt. Das Kind isst draußen auf einer Bank und ihr genießt erstklassiges Street Food.

Haupthalle des Musée d'Orsay mit großer Bahnhofsuhr
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Moderne Kunst, immersive Erlebnisse und eine große Enttäuschung

Moderne Kunst hat in Paris eine enorme Präsenz, aber gerade hier kamen dieses Jahr die größten und schmerzhaftesten Veränderungen. Ihr wollt ins Pompidou? Dann lest aufmerksam weiter.

⚠️ Centre Pompidou: Kritischer Status für 2026

Bunte Rohre und Rolltreppen des Centre Pompidou

Das ist eine absolut entscheidende Information, die euch eine riesige Enttäuschung und jede Menge überflüssige Wege erspart. Das ikonische, auf links gedrehte Gebäude mit den riesigen bunten Röhren an der Fassade und den Außenrolltreppen, unter Einheimischen als Beaubourg bekannt, ist wegen einer gewaltigen Sanierung komplett geschlossen – von Ende 2025 bis voraussichtlich zum ersten Quartal 2030. Grund für die fünfjährige Schließung mit gigantischem Budget ist die nötige Asbestentfernung, neue Brandschutzmaßnahmen und eine umfassende Technologie-Modernisierung. Geht dieses Jahr auf gar keinen Fall hin – ihr findet dort nur einen hohen Bauzaun und eine riesige Baustelle.

💡 Tipp von vor Ort: Die Institution schläft allerdings nicht ganz. Ihr riesiges Archiv wurde in andere Räumlichkeiten verlagert. Falls ihr nach der fantastischen öffentlichen Bibliothek (Bpi) sucht, die früher im Gebäude war – sie ist vorübergehend ins Gebäude Lumière im 12. Arrondissement in der Nähe von Bercy umgezogen.

Fondation Louis Vuitton: Gläsernes Segelschiff im Wald

Gläsernes Segelschiff der Fondation Louis Vuitton von Frank Gehry

Wenn das Pompidou geschlossen ist, fahrt direkt an den westlichen Stadtrand in den Bois de Boulogne. Das Gebäude der Stiftung vom berühmten kanadisch-amerikanischen Architekten Frank Gehry erinnert an ein riesiges futuristisches Segelschiff aus Glas, Holz und Stahl. Allein die Architektur ist ein atemberaubendes Erlebnis. Die gewaltigen gläsernen Segel verändern ihre Farbe je nachdem, wie die Sonne darauf trifft, und spiegeln den umliegenden Himmel wider. Im Inneren erwarten euch großzügige, helle Galerien für moderne Kunst.

Das Programm für 2026 ist hier besonders vollgepackt. Von April bis Mitte August 2026 läuft die große Ausstellung Calder. Rêver en équilibre, die an hundert Jahre seit der Ankunft dieses Bildhauers in Frankreich erinnert. Ihr seht dort eine riesige Anzahl seiner berühmten beweglichen Drahtmobiles, die sanft in der Luft schwingen – was übrigens auch kleine Kinder visuell begeistert.

Die Eintrittskarte kostet 16 €. Geöffnet ist von Mittwoch bis Montag, dienstags geschlossen. Die nächste Metrostation ist Les Sablons (Linie 1), von wo es etwa fünfzehn Minuten angenehmer Spaziergang ist.

💡 Tipp von vor Ort: Das Gebäude liegt direkt neben dem Jardin d’Acclimatation, dem besten historischen Vergnügungspark für kleine Kinder der Stadt. Ihr könnt also elegant hohe Kunst mit einer Fahrt auf alten Holzbooten verbinden. Zur Stiftung fährt zudem ein bequemer elektrischer Shuttlebus direkt vom Arc de Triomphe (Étoile) für ein paar Euro – das spart Schritte.

Atelier des Lumières: Digitale Magie in einer alten Gießerei

Eine alte, verlassene Industriegießerei im 11. Arrondissement hat sich vor einigen Jahren in eine riesige digitale Projektionsfläche verwandelt. Immersive Ausstellungen gibt es mittlerweile zwar weltweit, aber die Pariser machen es mit einer unglaublichen musikalischen und visuellen Eleganz. Klassische Gemälde erwachen hier regelrecht zum Leben, fließen über raue Backsteinwände und breiten sich auf Betonböden aus, begleitet von perfekt gewählter, fesselnder Musik.

Für ein zweijähriges Kleinkind ist es reine visuelle Magie. Im Halbdunkel, wo Farben über Wände und Boden tanzen und die Musik einen völlig einhüllt, fangen Kinder instinktiv an, Lichtfiguren zu jagen – und ihr könnt endlich Kunst genießen, ohne gleichzeitig als Notbremse zu fungieren. Dieses Jahr laufen ab Frühjahr die atemberaubenden Renaissancemeister Da Vinci, Raphael und Michelangelo, und ab April startet der Familienhit mit Dinosauriern. Wenn euer Kind gerade in der Dinosaurier-Phase steckt, zaubert ihm das garantiert ein Grinsen von einem Ohr zum anderen.

Der Eintritt für Erwachsene beträgt 14,50 €. Geöffnet ist täglich, in der Regel von 10:00 bis 18:00 Uhr. Die nächsten Metrostationen sind Voltaire (Linie 9) oder Père Lachaise (Linien 2 und 3).

💡 Tipp von vor Ort: Versucht immer, den allerersten Morgenslot direkt nach der Öffnung zu buchen. Die Luft ist noch frisch und auf dem Boden gibt es reichlich freien Platz zum Sitzen, sodass ihr das Erlebnis in Ruhe genießen könnt, bevor die großen Nachmittagsgruppen eintreffen.

Palais de Tokyo: Roher Beton und lange Nächte

Wenn ihr zeitgenössische, unabhängige Kunst in einem absolut kompromisslosen industriellen Umfeld sucht, seid ihr hier richtig. Das riesige Gebäude unweit des Trocadéro bietet nackte Betonwände, hohe Decken und Kunst, die oft provoziert und Grenzen sprengt. Es ist keine klassische polierte Galerie, sondern eher ein riesiges experimentelles Labor.

Das Beste an dieser Institution sind die Öffnungszeiten. Es ist einer der wenigen Orte, die bis tief in die Nacht leben – ideal, wenn es euch gelingt, das Kind bei einem Babysitter unterzubringen und ihr zu zweit einen Abend mit Kultur verbringen wollt. Der Raum ist riesig, sodass sich die Besucher natürlich verteilen.

Die Eintrittskarte kostet 12 €. Geöffnet ist täglich außer dienstags von mittags bis Mitternacht. Die nächste Metrostation ist Iéna oder Alma-Marceau (Linie 9).

💡 Tipp von vor Ort: Im Inneren des Gebäudes findet ihr eine alte analoge Fotokabine (Photomaton). Sie macht absolut fantastische, rohe Schwarz-Weiß-Fotostreifen. Das ist das beste und authentischste kleine Souvenir, das Lukáš und ich jedes Mal mit nach Hause nehmen.

Ovaler Saal mit Monets Seerosen im Musée de l'Orangerie

Versteckte Perlen und kleine Galerien mit lokaler Seele

Ganz ehrlich? In diese Orte bin ich beim ersten Mal eigentlich aus purer Verzweiflung gegangen, weil Jonáš im Louvre am Rand eines Nervenzusammenbruchs war. Und es endete damit, dass sie jetzt meine Lieblingsadressen in der ganzen Stadt sind.

Musée Carnavalet: Komplette Stadtgeschichte

Dieser großartige Ort im Herzen des Viertels Marais ist ausschließlich der Geschichte der Stadt selbst gewidmet. Ihr durchlauft ein riesiges Labyrinth verbundener alter Palais und seht alles – von römischen Ausgrabungen über originale bemalte Ladenschilder alter Bäckereien und Wirtshäuser bis hin zu persönlichen Gegenständen aus der Zeit der Französischen Revolution. Es gibt sogar einen komplett rekonstruierten Innenraum eines berühmten Juweliergeschäfts von Alfons Mucha. Die Innenhofgärten sind wunderschön angelegt und voller sorgfältig geschnittener Hecken.

Die Dauerausstellung ist für alle komplett kostenlos. Bezahlt wird nur für spezielle Wechselausstellungen. Geöffnet ist von Dienstag bis Sonntag von 10:00 bis 18:00 Uhr. Die nächste Metrostation ist Saint-Paul (Linie 1).

💡 Tipp von vor Ort: In den warmen Frühlings- und Sommermonaten öffnet auf einem der Innenhöfe ein wunderschönes Pop-up-Café. Kaffee und Gebäck sind hier zwar nicht gerade günstig, aber unter alten Bäumen auf einem historischen Innenhof zu sitzen, ist ein Erlebnis, das die paar Euro extra wert ist.

Musée des Arts Forains: Magie alter Karussells

Das ist kein klassischer Ausstellungsraum, sondern eher ein Traum, der Wirklichkeit geworden ist. Im ruhigen 12. Arrondissement, in alten Weinlagerhäusern, verbirgt sich eine private Sammlung historischer Rummelplatz-Attraktionen, alter hölzerner Karussells, Spiegellabyrinthe und mechanischer Figuren aus der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Es ist dunkel, magisch und ungemein poetisch. Bei vielen der alten Attraktionen kann man während der Führung sogar selbst mitfahren – für Kinder der absolute Höhepunkt des gesamten Ausflugs.

Der Eintritt kostet rund 18 € und die Besichtigungen finden als kommentierte Gruppenführungen statt. Die nächste Metrostation ist Cour Saint-Émilion (Linie 14).

💡 Tipp von vor Ort: Dieser Ort ist für die breite Öffentlichkeit nur selten geöffnet. Ihr müsst den Besuch weit im Voraus über die Webseite reservieren. Die besten Chancen habt ihr während der Weihnachtsfeiertage und bei den Tagen des Europäischen Kulturerbes im September, wenn die Tore weit geöffnet werden.

Musée de la Vie Romantique: Teestube unter Bäumen

Am Fuße des Montmartre-Hügels im 9. Arrondissement duckt sich am Ende einer kleinen, gepflasterten Zufahrt, gesäumt von Bäumen, ein altes Haus mit rosa Fassade und grünen Fensterläden. Hier lebte einst der Maler Ary Scheffer und die damalige Kunstelite traf sich hier, darunter George Sand und Chopin. Heute beherbergt das Haus eine kleine Sammlung, die der Epoche der Romantik gewidmet ist. Knarrende Treppen, altes Mobiliar und Vitrinen mit Schmuck versetzen einen in eine ganz andere Zeit.

Der Eintritt in die Dauerausstellung ist kostenlos. Geöffnet ist von Dienstag bis Sonntag von 10:00 bis 18:00 Uhr. Die nächste Metrostation ist Saint-Georges (Linie 12) oder Blanche (Linie 2).

💡 Tipp von vor Ort: Die eigentliche Attraktion verbirgt sich im kleinen Innenhof. Dort gibt es ein bezauberndes Café, betrieben von der berühmten Bäckerei Rose Bakery. Man sitzt an Eisentischchen direkt unter großen Bäumen, trinkt Tee und isst ausgezeichneten Zitronenkuchen. Die perfekte Rast nach dem anstrengenden Aufstieg durch die Straßen.

Musée Jacquemart-André: Luxus und Privatsphäre

Wenn ihr sehen wollt, wie die höchste Pariser Gesellschaft im 19. Jahrhundert gelebt hat, steuert die Gegend nahe dem Boulevard Haussmann an. Diesen opulenten Privatpalast ließen Eheleute errichten, die ihr Leben dem Sammeln von Kunst aus aller Welt widmeten. Ihr findet herrliche Fresken, einen Wintergarten voller Marmor und seltene italienische Renaissance-Gemälde. Alles ist genau so eingerichtet geblieben, als könnten die Besitzer jeden Moment zum Abendessen eintreffen.

Die Eintrittskarte kostet 17 €. Geöffnet ist täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr, montags bis 20:30 Uhr. Die nächste Metrostation ist Miromesnil (Linien 9 und 13).

💡 Tipp von vor Ort: Nehmt am Eingang den Audioguide mit, der kostenlos ist. Die Geschichte des Ehepaares und wie sie heimlich wertvolle Fresken aus Italien herbeigeschafft haben, ist spannender als mancher Kriminalroman und verleiht dem ganzen Marmorpalast ein menschliches Gesicht.

Wo essen: Unsere liebsten Bistros und Cafés

Kunst kann einen so erschöpfen, dass man plötzlich mitten auf der Straße steht und an nichts anderes denkt als an eine riesige Portion gutes Essen. Lukáš und ich haben über die Jahre gelernt, dass die Suche nach einem Restaurant mit leerem Magen und einem müden Kind im Kinderwagen der direkte Weg in eine Ehekrise ist. Deshalb haben wir längst unsere bewährten Adressen, wo man weiß, was Gastfreundschaft bedeutet.

Die Pariser Gastronomie ist ein Kapitel für sich. Als Vegetarierin habe ich hier früher ganz schön gelitten, aber inzwischen ist das zum Glück eine völlig andere Geschichte. Hier sind zwei Adressen, zu denen wir bei jedem Besuch zurückkehren.

L’As du Fallafel und Verschnaufpause im Marais

Ich habe es beim Picasso-Museum schon kurz angeschnitten, aber dieser Ort verdient einfach sein eigenes Kapitel. Im Herzen des jüdischen Viertels in der Rue des Rosiers findet ihr eine grüne Ladenfront, vor der sich immer eine lange Schlange bildet. Lasst euch davon nicht abschrecken – die Bedienung draußen ist unglaublich schnell und ehe man sich versieht, hält man den besten Falafel der ganzen Stadt in den Händen.

Das ist Street Food in seiner reinsten Form. Ein Pitabrot, prall gefüllt mit knusprigen Bällchen, Aubergine und einer genialen Tahini-Soße, mit der Lukáš und ich uns jedes Mal zuverlässig bis hinter die Ohren vollschmieren. Für Jonáš nehmen wir immer nur Hummus pur mit Brot und setzen uns zum Essen auf eine Bank im nächsten kleinen Park. So schmeckt das echte Paris.

Le Potager de Charlotte: Pflanzliches Paradies

Wenn wir echte abendliche Romantik ohne Kinder wollen und es uns gelingt, Jonáš bei einem Babysitter unterzubringen, steuern wir direkt hierhin. Dieses Bistro im renovierten 9. Arrondissement wurde von zwei Brüdern gegründet, die ausschließlich mit lokalen pflanzlichen Zutaten kochen. Keine künstlichen Ersatzprodukte, sondern ehrliche und kreative Arbeit mit Gemüse, die einen umhaut.

Ihre gebackene Aubergine oder Kichererbsen-Galette sind so gut, dass selbst Lukáš, ein eingefleischter Fleischliebhaber, sie mit Genuss verschlingt. Die Preise sind hier zudem für Pariser Verhältnisse noch recht akzeptabel, und die Atmosphäre ist wunderbar intim und herzlich. Vergesst aber nicht, rechtzeitig zu reservieren – denn die Einheimischen lieben diesen Ort genauso wie wir und es ist immer voll.

Was in Pariser Galerien NICHT tun: Warnungen und Betrug

Diese Stadt kann einen verzaubern, aber sie kann auch ziemlich hart und gnadenlos zu unvorbereiteten Besuchern sein. Damit eure Erinnerungen nur positiv bleiben, müsst ihr ein paar grundlegende Überlebensregeln befolgen.

Gefälschte Tickets und Straßenbetrug

Die Umgebung berühmter Institutionen, besonders am Louvre, am Eiffelturm und auf dem Montmartre, zieht neben Kunstliebhabern auch sehr gut organisierte Betrügergruppen an. Dieses Jahr solltet ihr ganz besonders auf Weiterverkäufer sogenannter Skip-the-Line-Tickets achten. Sie halten euch auf der Straße an und wollen euch ein Ticket verkaufen, mit dem ihr angeblich die Warteschlange überspringt. Das ist Betrug. Die Tickets sind entweder abgelaufen oder gleich komplett gefälscht, und ihr verliert nur Dutzende Euro. Dasselbe gilt für die berühmte Kathedrale Notre-Dame. Der Eintritt ist für alle immer komplett kostenlos – wenn euch also jemand ein Vorzugsticket anbietet, geht sofort weiter.

💡 Tipp von vor Ort: Wenn euch vor einer Sehenswürdigkeit jemand in perfektem Englisch mit der Frage „Do you speak English?“ anspricht, ignoriert ihn einfach und geht weiter. Ein echter Pariser würde einen auf der Straße nie so ansprechen. Meist ist es der Auftakt eines Betrugs mit einer gefälschten Wohltätigkeitspetition.

Die goldene Bonjour-Regel

Das ist die wichtigste Sache im ganzen Artikel. In Frankreich gibt es eine sehr strenge soziale Etikette. Immer wenn ihr eine kleinere Galerie, einen Souvenirladen oder einen Kassenbereich betretet, müsst ihr dem Angestellten in die Augen schauen und deutlich „Bonjour“ sagen (oder „Bonsoir“ am Abend). Wenn ihr einfach zum Tresen geht und auf Englisch (oder Deutsch) herausplatzt, dass ihr zwei Tickets möchtet, empfinden die Einheimischen das als grobe Beleidigung und werden sich entsprechend verhalten. Probiert es aus und ihr werdet sehen, wie sich die finsteren Mienen der Aufseher plötzlich in ein Lächeln verwandeln.

Wir haben uns an diese Regel ziemlich lange gewöhnen müssen. In Tschechien ist man manchmal gewohnt, an die Kasse zu gehen und direkt loszulegen, aber hier funktioniert das einfach nicht. Lukáš hat es einmal am Eingang zum Picasso versucht und die Kassiererin tat so, als würden wir gar nicht existieren. Sobald man lernt, erst schön zu grüßen, öffnen sich hier Türen und die Menschen werden überraschend zuvorkommend. Auch als deutschsprachiger Besucher kommt ein herzliches „Bonjour“ immer besser an als ein direktes „Zwei Tickets bitte“ auf Englisch.

Überladet euren Tagesplan nicht

Der größte Fehler, den man machen kann, ist drei große Museen an einem Tag einzuplanen. Glaubt mir, das geht nicht. Physisch schafft man es vielleicht, aber der Kopf kann die Menge an Eindrücken schlicht nicht verarbeiten. Es entsteht eine sogenannte Museumserschöpfung. Das ideale Tempo für Erwachsene ist eine große und eine kleine Institution pro Tag. Mit Kleinkind im Kinderwagen plant strikt nur eine Ausstellung am Vormittag, und lasst den Nachmittag frei für Parks oder Faulenzen im Café.

Wir sind selbst in diese Falle getappt, als wir vor Jahren alles schaffen wollten und uns nachmittags nicht mehr erinnern konnten, ob wir Monet oder Manet gesehen hatten. Seitdem Jonáš dabei ist, sind wir viel langsamer unterwegs. Wir besuchen eine Galerie, gehen dann ausgiebig spazieren, kaufen ein frisches Baguette und atmen einfach nur die Atmosphäre der Stadt ein.

Praktische Infos: Transport, Kinderwagen und smarte Pässe

Die Logistik ist in dieser Stadt die halbe Miete. Je besser ihr euch auf Transfers und Ticketkauf vorbereitet, desto mehr Energie bleibt für die eigentliche Kunst und ein gutes Abendessen. Tickets für die großen Museen kauft immer vorab online – wir besorgen sie am liebsten über GetYourGuide, wo man das Zeitfenster-Ticket inklusive flexibler Stornobedingungen direkt auf dem Handy hat.

Wann lohnt sich der Paris Museum Pass (Rechner 2026)

Dieser offizielle Touristenpass gewährt Eintritt zu mehr als fünfzig Institutionen und Sehenswürdigkeiten in der gesamten Region. Für 2026 kostet die Zwei-Tage-Variante 60 €, die Vier-Tage-Variante 90 € und die Sechs-Tage-Variante 120 €. Die Frage ist, ob sich das wirklich rechnet.

Wenn ihr mit Kindern reist und wisst, dass ihr maximal eine Attraktion pro Tag schafft, amortisiert sich der Pass finanziell nicht (Louvre kostet 22 €, Orsay 16 € – für zwei Tage gebt ihr 38 € aus, der Pass kostet 60 €). Wenn ihr aber ohne Kinder unterwegs seid und den Louvre, das Orsay, den Aufstieg auf den Arc de Triomphe, die Sainte-Chapelle und einen Ausflug nach Versailles plant, spart euch der Vier-Tage-Pass für 90 € eine ordentliche Summe und vor allem den Aufwand, einzelne Tickets zu kaufen.

💡 Tipp von vor Ort: Auch wenn ihr einen Museum Pass habt, verlangen viele Orte (wie der Louvre oder die Orangerie) weiterhin, dass ihr auf deren Website kostenlos einen genauen Zeitslot reserviert. Der Pass bedeutet längst nicht mehr, dass man einfach hingeht und direkt reinspaziert. Ich empfehle, die physische Papierversion des Passes zu kaufen, nicht die digitale – an den Drehkreuzen lässt sie sich leichter scannen.

Transport und der Kampf mit dem Kinderwagen

Die Pariser Metro ist alt, tief und voller endloser Treppen. Für Eltern mit Kinderwagen ein Albtraum. Die einzige Linie, die komplett modern, automatisch und vollständig barrierefrei mit geräumigen Aufzügen ist, ist die Linie 14. Bei allen anderen Linien verlasst euch keinesfalls auf Aufzüge – selbst wenn sie in der Karte eingezeichnet sind, funktionieren sie oft nicht.

Wir haben die Metro mit Jonáš nach der ersten Fahrt aufgegeben, als ich den Kinderwagen die Treppen schleppte und dabei leise geweint habe. Die Busse sind die Rettung: Der Fahrer klappt ohne ein Wort die Rampe runter, Jonáš hat Ausblick auf die Straße und ich sehe endlich, wohin wir eigentlich fahren. Das Ticket T+ gilt sowohl für Metro als auch für Busse. Von Deutschland aus erreicht ihr Paris übrigens bequem mit dem Thalys oder ICE ab Köln, dem TGV ab Stuttgart/München oder mit Direktflügen von Eurowings, Lufthansa oder easyJet von vielen deutschen Flughäfen.

⚠️ Wichtige Warnung für Eltern: Cité des Enfants

Wenn ihr plant, eure Kleinen in das beliebte Wissenschafts- und Erlebniszentrum im Park La Villette im Nordosten der Stadt mitzunehmen, horcht dieses Jahr auf. Der großartige Bereich für die jüngsten Kinder von zwei bis sieben Jahren ist wegen umfangreicher Renovierung komplett geschlossen bis zum 9. Juni 2026. Die ältere Sektion funktioniert zwar, aber mit Kleinkind fahrt jetzt lieber gar nicht erst hin.

💡 Tipp von vor Ort: Statt des geschlossenen Zentrums nehmt das kleine Kind lieber zum traditionellen Puppentheater (Théâtre des Marionnettes) in den Jardin du Luxembourg mit. Für knapp drei Euro seht ihr den klassischen Guignol. Aufführungen gibt es an Wochenenden und Feiertagen. Es ist zwar auf Französisch, aber die visuelle Groteske funktioniert universal und die Kinder lachen aus vollem Hals.

Häufig gestellte Fragen

Welche Museen in Paris haben freien Eintritt?

Komplett kostenlos sind die Dauerausstellungen der städtischen Museen (Musées de la Ville de Paris). Dazu gehören das großartige Musée Carnavalet (Stadtgeschichte), das Musée de la Vie Romantique, der Petit Palais oder das Haus von Victor Hugo. Nationale Institutionen (Louvre, Orsay) bieten freien Eintritt immer am ersten Sonntag im Monat, aber nur von November bis März. Der Louvre bietet zudem freien Eintritt am ersten Samstag im Monat von 18:00 bis 21:45 Uhr.

Muss ich Tickets immer vorab online kaufen?

Für die größten (Louvre, Orsay, Orangerie) ist das heute eine absolute Notwendigkeit. Ohne Online-Ticket mit Zeitfenster (Timed-Entry) riskiert ihr, entweder gar nicht eingelassen zu werden oder stundenlang in der Schlange ohne Reservierung zu stehen. Am einfachsten kauft man Eintrittskarten vorab über GetYourGuide. Bei kleineren Galerien (Marmottan, Picasso) ist es nicht strikt verpflichtend, spart euch aber jede Menge Zeit.

Welcher Tag ist Ruhetag in Pariser Museen?

Die meisten teilen sich in zwei Lager. Der Louvre, die Orangerie und das Centre Pompidou (das allerdings bis 2030 komplett geschlossen ist) haben Dienstag als Ruhetag. Dagegen schließen das Musée d’Orsay, das Musée Rodin oder Schloss Versailles immer montags. Deshalb empfiehlt es sich, den Louvre-Besuch auf Montag und Orsay auf Dienstag zu legen.

Welches Museum ist am besten für kleine Kinder und Kleinkinder?

Von den Kunstmuseen eindeutig das Musée Rodin dank seines riesigen und sicheren Gartens voller breiter Sandwege, auf denen Kinder frei herumtoben können. Ein großer Hit ist auch das immersive Atelier des Lumières, wo bewegte Bilder und Musik im abgedunkelten Raum auf die Kinder wirken.

Kann man mit Kinderwagen in den Louvre?

Ja, das geht. Im Inneren gibt es Aufzüge, auch wenn deren Suche im riesigen Gebäude-Labyrinth manchmal etwas frustrierend sein kann. Das Personal lässt euch mit Kinderwagen meist bevorzugt in den Aufzug an der berühmten Pyramide. Trotzdem ist – wenn möglich – eine Trage in den Menschenmassen vor der Mona Lisa die deutlich praktischere und wendigere Lösung.

Funktioniert der Museum Pass noch zum Überspringen der Schlange?

Der Pass spart euch Geld beim Eintrittspreis selbst, funktioniert aber längst nicht mehr als absoluter VIP-Freifahrtschein. Bei den meistbesuchten Orten müsst ihr auch mit gültigem Pass vorab kostenlos einen Zeitslot auf deren Website reservieren. Durch die reguläre Sicherheitskontrolle müsst ihr trotzdem – die bleibt niemandem erspart.

Darf man in Galerien fotografieren?

In den meisten Dauerausstellungen (einschließlich Louvre und Orsay) ist Fotografieren für den persönlichen Gebrauch erlaubt, allerdings sind Blitz und Stativ strikt verboten. Bei temporären Sonderausstellungen ist das Fotografieren wegen Urheberrechten der Leihgaben oft komplett untersagt. Achtet immer auf das Piktogramm der durchgestrichenen Kamera am Saaleingang.

Ist es sicher, sich abends in der Nähe der Sehenswürdigkeiten zu bewegen?

Ja, die Umgebung der großen Institutionen im Zentrum (1., 6., 7. Arrondissement) ist auch nach Einbruch der Dunkelheit sehr sicher – die Straßen sind schön beleuchtet und voller Menschen. Vor Taschendieben muss man vor allem in der überfüllten Metro und abends in der Gegend des nördlichen Montmartre oder bei den großen Bahnhöfen im Norden der Stadt aufpassen.

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