Kananaskis, Kanada: 10 Tipps für Wanderungen abseits der Massen

Als Lukáš und ich 2016 und 2017 in Kanada lebten, hatten wir die wunderschöne Region Kananaskis Country buchstäblich vor der Haustür – die Rocky Mountains bildeten unsere tägliche Aussicht. Natürlich fuhren wir anfangs ständig in den berühmten Banff-Nationalpark, doch irgendwann waren die Wanderwege dort abgehakt und wir fragten uns: Was nun? Zum Glück verrieten uns einheimische Kanadier sehr bald ihr Geheimnis – und das war Kananaskis Kanada (oft einfach K-Country genannt).

Es handelt sich um ein riesiges Gebiet aus Provinzparks, das direkt neben Banff liegt, aber vergleichbar atemberaubende – wenn nicht sogar schönere – Aussichten, türkisfarbene Seen und majestätische Gipfel bietet, und das bei einem Bruchteil des internationalen Touristenandrangs. Hier ist also unsere persönliche Auswahl: Orte, zu denen wir immer wieder zurückgekehrt sind und an denen wir jedes Mal vergessen haben, dass Banff überhaupt existiert. Ihr werdet selbst sehen, dass der Nationalpark Banff nicht das Einzige ist, was Alberta zu bieten hat. Ich erkläre euch auch, wo ihr am besten übernachtet, wie die neue Eintrittsgebühr funktioniert und worauf ihr in der Wildnis achten müsst.

Berglandschaft in Kananaskis, Alberta
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Zusammenfassung

Falls ihr gerade im Auto sitzt und nur einen schnellen Überblick braucht, hier die wichtigsten Punkte, die ihr vor dem Besuch dieser wunderschönen kanadischen Wildnis kennen solltet:

  • Kostenpflichtige Einreise: Für das gesamte Gebiet ist heute der sogenannte Kananaskis Conservation Pass erforderlich, der 15 CAD (ca. 10 €) pro Tag und Fahrzeug kostet. Den Kananaskis Pass kauft ihr bequem online von zu Hause und druckt das Ticket aus oder speichert es auf dem Handy.
  • Weniger Massen, aber mehr Bären: Kananaskis ist vor allem bei Einheimischen aus Calgary für Wochenendausflüge beliebt – ihr werdet also kaum Reisebusse antreffen, dafür ist die Chance größer, Wildtieren zu begegnen (Bärenspray ist absolute Pflicht).
  • Unsere Basis: Wir übernachten immer im benachbarten Städtchen Canmore. Wer Luxus direkt im Park sucht, bucht das Pomeroy Kananaskis Mountain Lodge.
  • Anreise: Ein eigenes Auto ist unverzichtbar, da ihr die schönsten Ecken rund um die Seen mit öffentlichen Verkehrsmitteln kaum erreicht – wenngleich in der Saison vereinzelte Shuttles zu den Basis-Campingplätzen fahren.
  • Highlight: Der höchste asphaltierte Pass Kanadas (Highwood Pass) und unzählige Wanderungen von ganz einfach (Grassi Lakes) bis hin zu anspruchsvollem Klettern (Mount Yamnuska).

Wo liegt Kananaskis und warum solltet ihr hierher fahren?

Wenn man „Kanada“ und „Berge“ sagt, denken die meisten sofort an Banff oder Jasper. Kein Wunder also, dass Freunde oft fragen: Where is Kananaskis? Dieses riesige Gebiet aus mehreren Provinzparks und Schutzgebieten liegt in den Ausläufern und Gebirgen der kanadischen Rockies, westlich von Calgary und südöstlich von Canmore sowie dem Banff-Nationalpark. Wer sich eine Karte von Kananaskis Kanada anschaut, sieht schnell: Es grenzt direkt an den Nationalpark, wird aber nach anderen Regeln verwaltet – es handelt sich schließlich um provinziales, kein nationales Schutzgebiet.

Warum lohnt sich der Ausflug? Ich erinnere mich noch genau, wie Lukáš und ich einmal einen ganzen Vormittag wanderten, ohne einer einzigen Person zu begegnen – nur das Rascheln der Blätter und irgendwo in der Ferne ein Bach. Am Lake Louise wäre das nicht einmal im Januar denkbar. K-Country ist der Ort, an dem man echte kanadische Wildnis erleben, frische, nach Kiefern duftende Bergluft atmen und das Gefühl haben kann, die Berge gehören einem ganz allein. Dazu kommt: Vom Flughafen Calgary ist das Gebiet sehr gut erreichbar – wer einen Roadtrip durch Westkanada plant, sollte mindestens zwei bis drei Tage für K-Country einplanen. Von Deutschland aus fliegt ihr zum Beispiel mit Lufthansa oder Condor nach Calgary, von wo es nur etwa eine Stunde Fahrt ist.

Lower Kananaskis Lake im Peter Lougheed Provincial Park
Lower Kananaskis Lake im Peter Lougheed Provincial Park (Foto: Thank You / Wikimedia Commons, CC BY 2.0)

Praktische Infos: Beste Reisezeit, Gebühren und Anreise

Klärt die praktischen Dinge am besten noch vor der Einfahrt in die Berge. Kananaskis ist keine Stadt – es ist riesige Wildnis. Sobald ihr die Hauptstraße verlasst, verliert ihr sehr schnell das Handysignal, und Einkaufsmöglichkeiten sucht ihr vergebens. Gut vorbereitet macht die Sache deutlich entspannter.

Beste Reisezeit

Wir persönlich lieben den kanadischen Sommer (Ende Juni bis August): Die Wege sind trocken, alle Hochgebirgsseen sind aufgetaut und das Wetter lädt zum Wandern im T-Shirt ein. Wer hingegen für die Farben nach Kanada reist, sollte Mitte bis Ende September einplanen. Dann färben sich die heimischen Lärchen (Larches) in ein strahlendes Gold und bilden einen traumhaften Kontrast zum Türkis der Seen und dem ersten Schnee auf den Gipfeln.

Ein absoluter Anblick – auch wenn ihr mit kühleren Morgen rechnen müsst. Der Winter (November bis April) ist hier rau: Viele Straßen, darunter der beeindruckende Highwood Pass, sind komplett gesperrt. Dafür verwandelt sich die Region in ein Paradies für Langläufer und Schneeschuhwanderer.

Kananaskis Conservation Pass

Bis 2021 war der Eintritt in die meisten Provinzparks in Kananaskis kostenlos – doch wegen des massiven Besucheranstiegs hat sich das geändert. Heute benötigt ihr den Kananaskis Conservation Pass, der 15 CAD (ca. 10 €) pro Tag und Fahrzeug kostet, bzw. 90 CAD (ca. 60 €) für eine Jahreskarte.

Ich empfehle dringend, den Kananaskis Pass online noch vom Hotel oder von zu Hause aus zu kaufen: Einfach das Kennzeichen eures Mietwagens eingeben, und das System registriert euch automatisch. An den Parkplätzen der Trails wird regelmäßig per Scanner kontrolliert, und die Bußgelder für einen fehlenden Pass sind empfindlich hoch (rund 150 CAD / ca. 100 €) – das lohnt sich also wirklich nicht.

Anreise und Mietwagen

Lukáš und ich haben seit Jahren gute Erfahrungen mit DiscoverCars, das wir weltweit nutzen – auch in Kanada. Ihr mietet einfach am Flughafen in Calgary und seid in knapp einer Stunde über den Trans-Canada Highway bereits auf dem berühmten Highway 40, der mitten durch Kananaskis führt.

Zwar gibt es einen Kananaskis Country Shuttle (z. B. fährt Roam Transit im Sommer von Canmore in bestimmte Teile des Parks), doch wenn ihr versteckte Seen erkunden und an Aussichtspunkten halten wollt, kommt ihr um ein eigenes Auto nicht herum. Eine Zuganbindung nach Kananaskis existiert leider nicht. Günstige Flüge aus Deutschland nach Calgary findet ihr übrigens am besten auf Kiwi – unser Lieblingsportal, auf dem wir immer wieder tolle Angebote entdecken. Für eine stabile Internetverbindung unterwegs empfehlen wir eine eSIM von Holafly oder Yesim.

Unterkunft: Canmore oder Kananaskis Village?

Wer eine Basis sucht, hat im Wesentlichen zwei Optionen: das Bergstädtchen Canmore mit allem Komfort der Zivilisation oder eine Unterkunft direkt im Herzen des Parks im kleinen Kananaskis Village. Letzteres liegt auf etwa 1.522 Metern Höhe – schon allein der Aufenthalt bedeutet also fantastische Ausblicke direkt vom Fenster, allerdings können die Nächte selbst im Sommer empfindlich kalt werden.

Das Städtchen Canmore in Alberta, Tor zu Kananaskis
Das Städtchen Canmore in Alberta, Tor zu Kananaskis (Foto: Khoshhat / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)

Wer Cafés, Craft-Brauereien, Restaurants und einen großen Supermarkt in Laufnähe schätzt, dem empfehle ich klar eine Unterkunft in Canmore – übrigens auch eine hervorragende Alternative zum teuren Banff. Canmore liegt direkt am Rand von Kananaskis, sodass ihr zu den meisten Trailstarts nicht weit habt und trotzdem den vollen Zivilisationskomfort genießt. Die Übernachtungspreise in Canmore liegen in der Hochsaison für zwei Personen üblicherweise zwischen 140 und 240 € pro Nacht, je nachdem ob ihr ein einfaches Motel oder ein Apartment mit eigener Küche wählt – Letzteres lohnt sich in Kanada enorm, weil ihr so viel Geld bei Frühstück und Abendessen spart.

Wer hingegen kanadischen Luxus und perfekte Erholung nach einer anstrengenden Tour sucht, sollte das legendäre Kananaskis Lodge buchen – offiziell das Pomeroy Kananaskis Mountain Lodge. Es ist ein luxuriöses Resort mitten im Wald, wo man Hirsche und manchmal sogar Bären direkt auf dem Gelände beobachten kann. Das größte Highlight ist das Kananaskis Nordic Spa: unglaubliche Outdoor-Hydro-Therapie-Bäder mit warmen und eiskalten Becken, umgeben von Wald. Die Preise sind nicht günstig (oft rund 280–400 € pro Nacht), aber wenn ihr ein Jubiläum feiert oder euch auf dem Roadtrip einen Tag absoluten Verwöhnens gönnen wollt – das ist wohl das beste Hotel in ganz Alberta.

Kananaskis Country: 10 Tipps für die besten Wanderungen und Orte

Kommen wir endlich zum Besten, was diese Region zu bieten hat. Diese 10 Orte haben wir während unseres einjährigen Aufenthalts in Kanada selbst besucht und können sie allen Naturliebhabern wärmstens empfehlen. Hier haben wir das Programm sowohl für Lukáš‘ Eltern (gemütlicher Familienspaziergang) als auch für uns selbst (Klettern an Ketten über steile Felswände) zusammengestellt – und beide Ausflüge waren gleichermaßen fantastisch. Wichtig ist nur, ordentliche Wanderschuhe mitzunehmen, denn das kanadische Gelände kann ganz schön unberechenbar sein.

1. Grassi Lakes: zauberhafte türkisfarbene Bergseen

Wer etwas Entspanntes sucht oder Kinder dabei hat, kommt an den Grassi Lakes nicht vorbei – ein absoluter Klassiker, den man einfach nicht auslassen darf. Der Trek beginnt direkt am Stadtrand von Canmore und dauert nur etwa 15 bis 20 Minuten bergauf. Die Strecke teilt sich in zwei Varianten: einen einfachen breiten Waldweg und einen etwas anspruchsvolleren Pfad über Felsen an einem kleinen Wasserfall vorbei, mit Aussicht auf das gesamte Canmore-Tal. Wir gehen immer den „schwereren“ Weg hinauf und nehmen den breiten Pfad zurück zum Auto.

Türkisfarbene Grassi Lakes bei Canmore
Türkisfarbene Grassi Lakes bei Canmore (Foto: Thank You / Wikimedia Commons, CC BY 2.0)

Die Belohnung oben: zwei kleine, unglaublich klare Bergseen in einem leuchtenden Smaragd-Türkis. Das Wasser ist so durchsichtig, dass man umgestürzte Baumstämme auf dem Grund und jeden einzelnen Stein unter der Oberfläche erkennt. Rund um die Seen lässt sich stundenlang zuschauen, wie Kletterer die steilen Kalksteinwände bezwingen. Da der Ort nah an Canmore liegt, kann es nachmittags recht voll werden – also früh aufbrechen oder erst gegen Abend hinfahren.

2. Highwood Pass: höchste Passstraße Kanadas

Der Highwood Pass ist weniger ein Wanderweg als vielmehr ein atemberaubendes Fahrerlebnis. Der Abschnitt auf dem Highway 40 erreicht eine Höhe von 2.206 Metern und ist damit offiziell die höchste asphaltierte Straße Kanadas. Die Fahrt verschlägt einem buchstäblich den Atem: Dramatische Gipfel zu beiden Seiten, dichte Wälder wechseln mit bunten Bergwiesen, und die Chance ist groß, unterwegs Bighorn-Schafe zu sehen, die gemütlich Salz mitten auf der Straße lecken – oder gelegentlich einen einsamen Grizzly.

Highwood Pass, höchste asphaltierte Straße Kanadas
Highwood Pass, höchste asphaltierte Straße Kanadas (Foto: Thank You / Wikimedia Commons, CC BY 2.0)

Haltet am Scheitelpunkt des Passes auf dem kleinen Parkplatz an. Von hier aus könnt ihr eine kurze Runde auf dem Highwood Meadows Trail (ca. 1 km) über angelegte Holzstege durch die empfindliche alpine Tundra machen. Wichtiger Hinweis: Wegen des Wildtierschutzes und des winterlichen Klimas ist der gesamte Streckenabschnitt (von der Kreuzung Kananaskis Lakes Trail südwärts) jedes Jahr vom 1. Dezember bis zum 14. Juni vollständig gesperrt. Im Juli und August hingegen herrschen ideale Bedingungen.

3. Rawson Lake: Alpensee unter einer Felswand

Rawson Lake zählt zu unseren absoluten Lieblingstouren in ganz Kananaskis. Der Trek startet am riesigen Upper Kananaskis Lake im Peter Lougheed Provincial Park. Der erste Teil führt flach am Seeufer entlang und am beeindruckenden Sarrail Falls vorbei, einem mächtigen Wasserfall, der von schmelzendem Schnee und Gletscherwasser gespeist wird. Danach folgt ein ziemlich steiler Aufstieg durch einen moosigen Wald. Die Gesamtstrecke inklusive Rückweg beträgt rund 8 Kilometer – plant also gute drei bis vier Stunden ein, Pause oben inklusive.

Alpiner Rawson Lake unter einer Felswand in Kananaskis
Alpiner Rawson Lake unter einer Felswand in Kananaskis (Foto: Thank You / Wikimedia Commons, CC BY 2.0)

Sobald ihr euch durch den Wald nach oben gekämpft habt, öffnet sich plötzlich ein Talkessel mit dem dunkelblau schimmernden Rawson Lake – darüber thront senkrecht die gewaltige Felswand des Mount Sarrail. Eine Kulisse wie aus einem Abenteuermagazin. Wer noch Kraft hat, kann im groben Geröll weiter zur Sarrail Ridge aufsteigen, von wo aus ihr beide großen Kananaskis-Seen tief im Tal unter euch überblickt.

4. Mount Yamnuska: Wahrzeichen für mutige Bergsteiger

Wer aus Richtung Calgary auf dem Highway in die Berge fährt, dem fällt sofort der erste gigantische Felsklotz auf, der sich wie eine riesige Kalksteinbarriere aus der Ebene erhebt – das ist der Mount Yamnuska (offiziell Mount John Laurie). Seinen Gipfel zu erreichen gilt als großes Ziel vieler Einheimischer, aber ich muss euch ehrlich warnen: Das hier ist kein Nachmittagsspaziergang am See. Es handelt sich um eine sehr anspruchsvolle Wanderung, die in „Scrambling“ übergeht – also Klettern auf allen vieren im steilen Felsgelände.

Das Wahrzeichen Mount Yamnuska in Kananaskis
Das Wahrzeichen Mount Yamnuska in Kananaskis (Foto: Khoshhat / Wikimedia Commons, CC BY 4.0)

Die Route zum Gipfel ist rund 11 Kilometer lang, beinhaltet einen steilen Steilabschnitt und den gefürchteten Teil, bei dem man sich an in den Fels geschlagenen Ketten festhalten muss – mit einem enormen Abgrund direkt unter den Füßen. Die Belohnung: fantastische Aussichten, bei denen man auf einer Seite die beginnenden Prärien sieht, die sich hunderte Kilometer nach Osten erstrecken, und auf der anderen Seite ein endloses Meer an Berggipfeln. Der Abstieg macht dann mächtig Spaß (und ist gnadenlos für die Knie), weil man über einen riesigen Geröllhang nach unten rutscht – den sogenannten Scree Slope. Wer unter Höhenangst leidet, kann diese Tour guten Gewissens weglassen.

5. Galatea Lakes: verstecktes Juwel zwischen den Felsen

Der Trek zu den Galatea Lakes ist absolut idyllisch, wenn auch etwas länger (ca. 17 Kilometer hin und zurück) – plant also am besten einen ganzen Tag dafür ein. Die Strecke beginnt an einer Hängebrücke über den Kananaskis River, die allein schon äußerst fotogen ist. Danach geht es sanft durch den Wald bergauf, wobei ihr den Fluss an mehreren romantischen Holzbrücken überquert. Das Rauschen des Wassers begleitet euch die ganze Zeit, und die Luft riecht im Sommer nach von der Sonne gewärmtem Kiefernharz.

Upper Galatea Lake versteckt zwischen Felsen in Kananaskis
Upper Galatea Lake versteckt zwischen Felsen in Kananaskis (Foto: Thank You / Wikimedia Commons, CC BY 2.0)

Etwa auf drei Vierteln der Strecke erreicht ihr den Lillian Lake mit einem kleinen Zeltplatz und Feuerstellen mit Bänken – ein idealer Ort für eine Mittagspause mit Lunchpaket. Auch wenn der Lillian Lake schon wunderschön ist, lohnt es sich unbedingt, den letzten steilen Kilometer durch das Geröll hinauf zu den Galatea Lakes zu bewältigen. Diese beiden Alpenseen, verborgen in einem eisigen Bergkessel oberhalb der Baumgrenze, leuchten in einem unglaublichen Türkis und tragen noch im Juli oft riesige Eisschollen auf dem Wasser.

6. Spray Lakes Reservoir und die Schotterstraße Smith-Dorrien Trail

Ein weiteres Kapitel für sich ist das Gebiet rund um den riesigen Spray Lakes Reservoir. Von Canmore aus führt der Weg über die sehr steile, kurvenreiche und unbefestigte Schotterstraße Smith-Dorrien Trail dorthin. Die Fahrt ist ein Erlebnis für sich: Im Sommer ist das Auto hinterher mit einer Schicht feinen weißen Staubs bedeckt, und die Schlaglöcher lassen es ordentlich rütteln – aber die Aussichten… die sind es absolut wert.

Spray Lakes Reservoir unter den Rocky Mountains
Spray Lakes Reservoir unter den Rocky Mountains (Foto: Khoshhat / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)

Der Spray Lakes Reservoir erstreckt sich über viele Kilometer durch das Tal. Das Wasser ist eiskalt, tiefblau, und die Oberfläche spiegelt bei Windstille die umliegenden Berge wie Mount Nestor oder Mount Buller in absoluter Perfektion wider. Einmal verbrachten wir dort einen ganzen Nachmittag damit, Steine ins Wasser zu werfen und zuzuschauen, wie die Spiegelung bebte – und störte es uns kein bisschen, an diesem Tag keinen einzigen Gipfel bezwungen zu haben. Entlang des Sees gibt es mehrere provisorische Parkplätze, von denen ihr direkt ans Wasser und zu einem Strand aus Treibholz gelangt – perfekt für ein Picknick. Beliebt ist der Ort auch für Stand-up-Paddling oder Kajak, wenngleich das Wasser bei einem Sturz so kalt ist, dass man wirklich nicht weit vom Ufer entfernt sein möchte.

7. Ribbon Lake: Wasserfälle und ein Hauch Adrenalin

Die Tour zum Ribbon Lake beginnt im Kananaskis Village am Ribbon Creek. Wir haben diesen Trek immer sehr gemocht, weil die ersten Kilometer angenehm durch einen malerischen Wald am kristallklaren Bach entlangführen, mit vielen kleinen Wasserfällen und Kaskaden – nicht besonders anspruchsvoll. Unterwegs passiert ihr die Ribbon Falls, einen wirklich majestätischen Wasserfall, dessen Gischt an heißen kanadischen Sommertagen herrlich erfrischend wirkt.

Wer bis zum eigentlichen Ribbon Lake weiterwandert, muss sich auf eine ordentliche Herausforderung einstellen: eine mit Ketten gesicherte Felswand. Das Überwinden dieser senkrechten Stelle erfordert Vorsicht und gute Nerven – ihr klettert mit Hilfe von Stahlseilen nach oben, und nach Regen kann es ziemlich rutschig werden. Oben empfängt euch dann der ruhige türkisfarbene Ribbon Lake, eingebettet zwischen steilen Felsen. Die Gesamtstrecke beträgt etwa 21 Kilometer; wer eine Nacht in der Wildnis einplant, findet am See einen Campingplatz.

8. Burstall Pass: Herbstzauber mit goldenen Lärchen

Wenn ich eine einzige Wanderung für einen September-Herbsttag in Kananaskis empfehlen müsste, würde ich ohne Zögern auf den Burstall Pass zeigen. Der Ausgangspunkt liegt an der bekannten Schotterstraße Smith-Dorrien Trail, und die Tour bietet an einem Tag gleich mehrere völlig verschiedene Landschaftstypen. Zuerst durchquert ihr Feuchtgebiete und Weidengebüsche, wo man häufig Elchspuren entdeckt – Augen auf (und Bärenspray in der Hand).

Mount Birdwood vom Burstall Pass in Kananaskis
Mount Birdwood vom Burstall Pass in Kananaskis (Foto: Harpsz / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)

Das Beste kommt, wenn ihr stärker ansteigt und die Baumgrenze hinter euch lasst: endlose Alpinwiesen und Lärchenbestände, die Ende September / Anfang Oktober in leuchtendem Gelb strahlen – ein unwirklicher Kontrast zu den schneebedeckten Felsengipfeln ringsum. Sobald ihr das Sattelgelände des Burstall Pass erreicht habt (ca. 15 Kilometer hin und zurück), werft ihr einen Blick ins benachbarte Tal direkt in den Banff-Nationalpark – mit einem fantastischen Ausblick auf den Gletscher und den Mount Assiniboine, das kanadische Matterhorn.

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9. Peter Lougheed Provincial Park und die Kananaskis Lakes

Neben den Wanderungen lohnt es sich sehr, einfach das Seental im Peter Lougheed Provincial Park zu erkunden. Der Upper und der Lower Kananaskis Lake sind so riesig und werden von schmelzenden Gletschern gespeist, dass Lukáš und ich beim ersten Anblick nicht glauben konnten, dass das Seen und kein kleines Binnenmeer sind. Ideal für Familien ohne Lust auf tausend Höhenmeter – und es lohnt sich auch auf Seehöhe. Klappstuhl aufstellen, auf einem der bereitgestellten Grillroste Burger oder kanadische Hot Dogs braten, das Holz liegt oft schon am Platz bereit.

Lower Kananaskis Lake im Peter Lougheed Provincial Park
Lower Kananaskis Lake im Peter Lougheed Provincial Park (Foto: Thank You / Wikimedia Commons, CC BY 2.0)

Wer aufs Wasser möchte: Am Lower Kananaskis Lake kann man Kanus oder kleine Aluminiumboote mieten und angeln gehen (Angelschein nicht vergessen!) oder einfach die einsamen Inseln erkunden. Wir hatten immer eine Schwäche für den kleinen Halbinselcampingplatz Point Campground, wo wir oft nur auf Steinen saßen, Kaffee aus der Thermoskanne tranken und gespannt warteten, ob sich vielleicht ein Elch zum Morgentrinken aus dem Wald schält.

10. King Creek Ridge: kurze Qual, maximale Belohnung

Sucht ihr eine Wanderung, die sich vor dem Mittagessen ausgeht und trotzdem einen Instagram-würdigen Aussichtspunkt liefert? King Creek Ridge ist genau das Richtige. Der Trail ist nur knappe 7 Kilometer lang (hin und zurück), aber die ersten zwei Kilometer sind pure, gnadenlose Qual: Es geht fast senkrecht bergauf, direkt in den Himmel. Die Strecke ist steil, staubig, und eure Waden werden euch um Gnade anflehen. 😅

Blick vom Grat im Peter Lougheed Provincial Park
Blick vom Grat im Peter Lougheed Provincial Park (Foto: Thank you for visiting my page from Canada / Wikimedia Commons, CC BY 2.0)

Am Ende des Kamms erwartet euch ein phänomenaler 360-Grad-Blick über das gesamte Kananaskis Valley. Ein gewaltiges Panorama auf glazial geformte Täler, flankiert von den majestätischen Gipfeln des Mount Wintour und der Opal Range. Sucht euch einen schönen Stein, lehnt euch zurück und staunt über die tiefen Canyons und endlosen Wälder unter euch. Und dank der Steilheit ist dieser Trail selten überlaufen – die Chancen stehen gut, dass ihr das Panorama in absoluter Stille genießt.

Wo man nach der Tour gut essen und Kraft tanken kann

Nach einem langen Tag in den Bergen lässt man das Abendessen nicht an sich vorbeiziehen. Wer im Kananaskis Village übernachtet oder nur kurz vorbeischaut, dem empfehle ich die Restaurants direkt im Pomeroy Kananaskis Mountain Lodge. Im Forte gibt es hervorragende Pizza aus dem Holzfeuer-Steinofen – nach 20 Kilometern auf den Beinen ist diese Kohlenhydratbombe genau das Richtige. Für einen romantischen Abend ohne Riesenloch im Geldbeutel ist der Cedar Room eine tolle Wahl, wo es sensationelle albertinische Rindersteaks gibt.

Die meisten unserer Lieblingsrestaurants befinden sich aber direkt in Canmore. Wir lieben die Brauerei The Grizzly Paw Brewing Company mit riesigen Fenstern und Blick auf die Berge, großartigem Bier und köstlichen Burgern (Poutine – kanadische Pommes mit Soße und Käsebruch – ist natürlich Pflicht dazu). Sehr gut ist auch das Rocky Mountain Flatbread Co., das aus lokalen und oft biologischen Zutaten kocht – die Fladen und Salate sind einfach vorzüglich. Wer nur schnell einen Kaffee und einen großen Muffin für unterwegs braucht, schaut bei der Rocky Mountain Bagel Co. vorbei – die besten Bagels weit und breit.

Tipps und Tricks: Praktisches, das ihr nicht vergessen solltet

Überlasst nichts dem Zufall, was euch den Traumurlaub in der kanadischen Wildnis verderben könnte.

Packliste und was bei einer Bärenbegegnung zu tun ist

In den Bergen immer in Schichten anziehen (morgens an den Seen können es gern 5 Grad sein, am Nachmittag in der Sonne 25) – und das Bärenspray unbedingt griffbereit am Rucksackgurt befestigen. In Kananaskis sind wir öfter als gewünscht Grizzlybären begegnet.

Das Spray muss wirklich sofort greifbar sein – tief im Rucksack nützt es gar nichts. Im Frühjahr grasen Grizzlys gerne direkt am Straßenrand, also seid schon beim Aussteigen aus dem Auto aufmerksam.

Reiseversicherung nicht vergessen

Eine Wanderung in Kananaskis, so unkompliziert sie auch erscheinen mag, erfordert immer Verantwortungsbewusstsein. Ein Hubschrauber-Rettungseinsatz kostet mehr als euer gesamter Urlaub – das ist etwas, das ihr wirklich nicht ohne gute Versicherung erleben wollt.

Unsere empfohlene Reiseversicherung ist SafetyWing – die hat uns in all den Jahren auf Reisen in Nordamerika nie im Stich gelassen und alles schnell und unkompliziert online abgewickelt.

Mietwagen in Kanada

Wer vom Flughafen Calgary oder Edmonton startet, dem empfehle ich wärmstens das Vergleichsportal DiscoverCars.com – damit buchen Lukáš und ich seit Jahren problemlos weltweit und es ist noch nie vorgekommen, dass am Flughafen kein Fahrzeug für uns bereitstand.

Mietet am besten ein Fahrzeug mit höherer Bodenfreiheit: Auf Schotterpisten wie dem Smith-Dorrien Trail schont das merklich eure Nerven (und das Kautions-Risiko für den Unterboden 😅). Tolle Mietwagen-Angebote findet ihr auch über Booking.com.

Was in Kanada als Nächstes?

Habt ihr Kananaskis erkundet, hört der Roadtrip definitiv noch nicht auf. Alberta hat noch jede Menge in petto.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Damit alles schön zusammengefasst ist, haben Lukáš und ich die häufigsten Fragen beantwortet, die euch vor einer Reise in die Region Kananaskis wahrscheinlich beschäftigen.

Brauche ich für Kananaskis einen Eintrittspass?

Ja, seit 2021 ist der sogenannte Kananaskis Conservation Pass Pflicht. Er kostet 15 CAD pro Tag und Fahrzeug oder 90 CAD für ein ganzes Jahr. Der Pass gilt nicht für die angrenzenden Nationalparks (wie Banff) – dafür braucht ihr einen separaten Pass. Ihr könnt ihn bequem online über die offizielle Website der Provinz Alberta kaufen.

Gibt es in Kananaskis Bären und brauche ich Bärenspray?

Auf jeden Fall ja. In K-Country leben große und gesunde Populationen von Schwarzbären und vor allem Grizzlybären. Die Wildnis ist hier weniger vom Tourismus geprägt als in Banff, sodass die Tiere hier ihre Ruhe haben. Bärenspray ist für alle Wanderungen absolut notwendig, und es wird empfohlen, in Gruppen zu wandern (mindestens 4 Personen) und an unübersichtlichen Stellen Lärm zu machen. Wir mussten unser Spray nur einmal aus dem Holster ziehen, aber das hat gereicht, um es danach wirklich überall dabei zu haben.

Funktioniert in Kananaskis Handyempfang?

Sobald ihr vom Trans-Canada Highway und vom Städtchen Canmore auf den Highway 40 abbiegt, verliert ihr ziemlich schnell das Handysignal. Beim Hotel Kananaskis Village habt ihr meist noch etwas Empfang, aber die meisten Gebiete wie die Kananaskis Lakes sind ohne Netzabdeckung. Ladet euch deshalb unbedingt vorher Offline-Karten (z.B. Google Maps oder AllTrails) auf euer Handy!

Was ist besser – Banff oder Kananaskis?

Banff bietet weltberühmte Seen (Louise, Moraine) und gute Infrastruktur – perfekt für den ersten Besuch, aber rechnet mit riesigen Menschenmassen und hohen Preisen. Kananaskis bietet vergleichbar schöne und dramatische Berglandschaften und ein viel authentischeres Wildnis-Erlebnis ohne Menschenmassen. Wir empfehlen eine Kombination aus beiden Gebieten.

Kann man in den Seen in Kananaskis schwimmen?

Technisch gesehen ja, allerdings sind die meisten dieser Seen alpine Gletscherseen. Die Wassertemperatur steigt selten über 5 bis 10 Grad, selbst im heißesten August. Ein kurzes Eintauchen (sogenannter Polar Plunge) ist eine beliebte Erfrischung nach einer anstrengenden Wanderung, aber zum richtigen Schwimmen ist es definitiv nicht geeignet – es besteht Unterkühlungsgefahr.

Kann man in Kananaskis wild campen?

In Kananaskis und den Provinzparks von Alberta ist klassisches Wildcampen mit dem Auto (Boondocking/Stealth Camping) außerhalb ausgewiesener Plätze (sogenannte Frontcountry Campings) generell verboten und wird wegen der Wildtiere streng bestraft. Zum Übernachten müsst ihr offizielle Campingplätze nutzen (oft kostenpflichtig, Reservierung erforderlich) oder für echtes Backcountry Camping spezielle kostenpflichtige genehmigte Plätze entlang der Trails.

Kann man in der Region Kananaskis Polarlichter sehen?

Obwohl Alberta ziemlich weit nördlich liegt, braucht ihr für ideale Polarlicht-Beobachtungen (Aurora Borealis) einen weiten, ungestörten Horizont Richtung Norden. In Kananaskis seid ihr in tiefen Tälern zwischen hohen Bergen eingeschlossen, die euch die Sicht versperren. Polarlichter seht ihr deshalb viel leichter von den flachen Prärien in der Nähe von Calgary oder Edmonton aus. Gelegentlich sind sie aber auch hier sichtbar, wenn die Sonnenaktivität außergewöhnlich stark ist.

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Eine gute Reiseversicherung schützt dich vor Krankheit, Unfall, Diebstahl oder Flugstornierungen. Wir haben bereits einige Krankenhausbesuche im Ausland hinter uns, daher wissen wir, wie wichtig es ist, eine solide Versicherung abgeschlossen zu haben.

Wo wir uns versichern: SafetyWing (am besten für alle) und TrueTraveller (für extra lange Reisen).

Warum empfehlen wir keine deutsche Versicherung? Weil sie zu viele Einschränkungen haben. Sie setzen Limits für die Anzahl der Tage im Ausland, verlangen bei Kreditkarten-Reiseversicherungen oft, dass medizinische Kosten nur mit dieser Karte bezahlt werden, und begrenzen häufig die Anzahl der Rückreisen nach Deutschland.

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