Wenn man an Kanada denkt, stellen sich die meisten wilde Natur, tiefe Wälder und Bären vor – doch die Hauptstadt der Provinz British Columbia ist eine ganz andere Welt. Victoria BC ist nämlich so etwas wie ein Stück altes England, das jemand versehentlich an die Westküste Nordamerikas versetzt hat. Die Stadt, die liebevoll „City of Gardens“ genannt wird, hat mich sofort mit ihrer unglaublich entspannten Atmosphäre, historischen Backsteingebäuden und roten Doppeldeckerbussen überrascht. Als Reisende aus Deutschland findet man hier wirklich bemerkenswerte Victoria Kanada Sehenswürdigkeiten – vom prächtigen Inner Harbour über traumhafte Gärten bis hin zu Orcas auf dem offenen Ozean. ☺️
Ich habe alles zusammengestellt, was meiner Meinung nach wirklich einen Besuch wert ist – vom Hafen über den Tee im Empress bis zu Orcas am Horizont. Und ich sage auch ehrlich, was mich enttäuscht hat.

Zusammenfassung
Wenn du gerade auf der Fähre sitzt, schnell nach „things to do in Victoria BC today“ googelst und nur einen raschen Überblick über das Wichtigste brauchst, hier sind die Highlights, die du auf keinen Fall verpassen solltest:
- Fotogenischstes Zentrum: Der Inner Harbour ist das Herzstück der Stadt – mit dem majestätischen Parlamentsgebäude und dem historischen Hotel Fairmont Empress.
- Erlebnis für Genießer: Der traditionelle britische Nachmittagstee im Empress mag kostspielig sein, aber er ist jeden kanadischen Dollar wert.
- Blumenparadies: Die Butchart Gardens gehören zu den schönsten Gärten der Welt – zu jeder Jahreszeit ein absolutes Muss.
- Tiere in freier Wildbahn: Victoria ist eines der besten Orte der Welt zur Walbeobachtung – Orcas inklusive.
- Geschichte und Kuriositäten: Kanadas ältestes Chinatown versteckt die Fan Tan Alley, die schmalste Handelsstraße in ganz Nordamerika.
- Entspannung mit Aussicht: Fisherman’s Wharf bietet einen Blick auf bunte Hausboote und fantastisches Essen direkt am Wasser.
Wann nach Victoria reisen und wie man hinkommt
Eine Reise nach Victoria erfordert etwas Planung, denn die Stadt liegt an der Südspitze von Vancouver Island – mit dem Auto über die Autobahn kommt man also nicht einfach hin. Du wirst aber schnell feststellen, dass die Anreise selbst schon das erste große Erlebnis ist.
Die gängigste und vielleicht romantischste Möglichkeit, nach Victoria zu gelangen, ist die Fähre der BC Ferries ab Vancouver. Die Überfahrt startet im Hafen Tsawwassen und dauert bis Swartz Bay nahe Victoria etwa anderthalb Stunden. Die Route führt durch einen wunderschönen Golf mit kleinen bewaldeten Inseln, und nicht selten sieht man schon vom Deck aus Wale oder Robben. In der Sommersaison empfehle ich, Tickets wirklich weit im Voraus online zu kaufen – sie sind oft hoffnungslos ausverkauft. Wer es eilig hat, kann auch kleine Wasserflugzeuge (Seaplanes) nehmen, die direkt vom Stadtzentrum Vancouvers starten und im Inner Harbour von Victoria landen – teurer, aber spektakulär. Für den Flug aus Deutschland eignen sich Verbindungen über Frankfurt oder München mit Umstieg in Vancouver; Lufthansa, Air Canada und Condor fliegen diese Strecken regelmäßig. Günstige Flüge vergleicht man am besten auf Portalen wie Kiwi.com oder Google Flights.
Was das Klima betrifft, ist Victoria BC auf kanadische Verhältnisse unglaublich mild. Die Winter sind regnerisch, aber Schnee ist selten – die Sommer sind angenehm warm, ohne drückende Hitze. Die beste Reisezeit ist Frühjahr bis Herbst. Ich empfehle besonders den frühen Frühling, denn Victoria hat eine riesige Anzahl an Kirsch- und Pflaumenbäumen, deren Blüte (Cherry Blossoms) die ganze Stadt in ein rosafarbenes Märchen verwandelt. Vor einzelnen Ausflügen lohnt es sich, die aktuelle Wettervorhersage zu prüfen, da das Küstenklima sich schnell ändern kann.
Wer die Insel weiter erkunden und in die Wildnis vordringen möchte, dem rate ich, rechtzeitig ein Mietauto zu reservieren – ich nutze dafür seit Jahren zuverlässig Vergleichsportale wie RentalCars. Denk dabei auch daran, eine Fährreservierung für das Auto mit einzuplanen.
Wo übernachten in Victoria und was es kostet
Victoria ist keine günstige Destination, und das Unterkunftsbudget wird einen spürbaren Teil der Reisekasse beanspruchen – besonders in der Hochsaison im Sommer. Es ist aber eine Stadt, in der sich der Aufpreis für eine zentrale Lage wirklich lohnt, denn so lässt sich das meiste bequem zu Fuß erkunden.
Das Zentrum von Victoria ist überraschend kompakt. Die beste – und logischerweise teuerste – Lage ist rund um den Inner Harbour und Downtown. Wer hier schläft, hat das Parlament, das Museum und die besten Restaurants quasi vor der Haustür. Ein ordentliches Hotelzimmer in der Innenstadt kostet in der Saison etwa 250 bis 400 CAD pro Nacht (rund 170 bis 270 €). Wer im ikonischen Fairmont Empress übernachten möchte, sollte problemlos das Doppelte einplanen.
Für etwas günstigere Preise lohnt sich ein Blick auf das Viertel James Bay – ein wunderschönes, ruhiges Wohnviertel voller historischer Häuschen direkt hinter dem Parlamentsgebäude. Beim Spaziergang durch diese Straßen habe ich mehr als einmal vor einem Gartentor gestanden und ernsthaft überlegt, ob ich einfach einziehen kann. Hier findet man viele kleinere Pensionen und Bed-and-Breakfast-Unterkünfte mit familiärer Atmosphäre.
Die Lebenshaltungskosten sind mit Vancouver vergleichbar. Ein normales Restaurantessen kostet etwa 25 bis 40 CAD (rund 17 bis 27 €), ein Bier in der Kneipe etwa 8 CAD (ca. 5 €), und Eintrittspreise für Attraktionen liegen zwischen 20 und 50 CAD. Das Zentrum lässt sich hervorragend zu Fuß erkunden, für weitere Ziele gibt es ein zuverlässiges und verhältnismäßig günstiges Busnetz.

Victoria BC: 12 Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten
Und jetzt das Beste. Bequeme Schuhe sind Pflicht – ich unterschätze das jedes Mal und bereue es jedes Mal. Die Stadt ist zwar überschaubar, aber man läuft erstaunlich viele Kilometer.
1. Inner Harbour und das majestätische Parlamentsgebäude
Der Inner Harbour – der innere Hafen – ist das absolute Herzstück Victorias, um das herum sich das gesamte Stadtleben dreht. Jedes Mal, wenn ich hierher komme, habe ich das Gefühl, auf einer Postkarte gelandet zu sein. Auf dem Wasser schaukeln kleine Boote und Luxusjachten, immer wieder landet ein kleines Wasserflugzeug, und am Ufer flanieren Straßenkünstler und Musiker.

Das markanteste Wahrzeichen des Hafens sind die Parlamentsgebäude der Provinz British Columbia (British Columbia Parliament Buildings). Diese massiven Steinbauten mit ihren kupfernen Kuppeln wirken tagsüber sehr imposant – doch ihre eigentliche Magie entfaltet sich erst nach Einbruch der Dunkelheit. Der Architekt ließ das Gebäude 1897 mit mehr als dreitausend Glühbirnen ausstatten, die es bei Nacht vollständig umleuchten. Ein unglaublich romantischer Anblick, den man am besten von einer Bank an der Uferpromenade mit einem Becher heißem Kaffee in der Hand genießt.
Wer sich für Geschichte und Politik interessiert, kann das Parlamentsgebäude auch von innen bei einer kostenlosen Führung besichtigen, bei der das kanadische politische System erklärt wird. Die Führung ist kostenlos und soll recht interessant sein – ehrlich gesagt habe ich sie selbst nie gemacht. Ich sitze lieber gemütlich auf dem Rasen vor dem Gebäude, beobachte das Treiben im Hafen und genieße die ruhige Atmosphäre, die nur gelegentlich vom Tuten eines Schiffes unterbrochen wird.
2. Traditioneller Nachmittagstee im Hotel Fairmont Empress
Direkt gegenüber dem Hafen erhebt sich ein weiteres ikonisches Gebäude: das riesige Luxushotel Fairmont Empress, überwachsen von wildem Wein. Auch wenn du hier nicht übernachtest, solltest du unbedingt zum berühmten Afternoon Tea vorbeikommen – das ist ein Erlebnis, das man so schnell nicht vergisst. Er wird hier bereits seit 1908 serviert, und zu den Gästen zählten Könige, Königinnen und weltberühmte Filmstars.

Ich muss dich aber vorwarnen: günstig ist das nicht. Der Nachmittagstee kostet je nach Saison etwa 75 bis 90 CAD pro Person (rund 50 bis 60 €), was für Tee und ein paar Köstlichkeiten durchaus happig erscheinen mag. Doch man zahlt vor allem für das unvergessliche Erlebnis und die Eleganz. Man wird in einen prachtvollen Salon mit Blick auf den Hafen geführt, bekommt die hauseigene Teemischung in Porzellan mit Rosenmotiv serviert, und auf einem dreistöckigen Etagenständer warten perfekte Sandwiches, warme Scones mit hausgemachter Erdbeermarmelade und Clotted Cream sowie feine Desserts.
Zieh für diesen Anlass ruhig etwas Schickeres an, denn das Hotel hat einen Smart-Casual-Dresscode. Es ist genau der Moment, in dem man sich wie britische Aristokratie im Urlaub fühlt – und wir haben dieses Erlebnis in vollen Zügen genossen, auch wenn wir den Rest des Tages nur noch günstige Bistroküche gegessen haben 😅. Eine Tischreservierung im Voraus ist unbedingt empfehlenswert, im Sommer sind Plätze oft wochenlang ausgebucht.
3. Butchart Gardens – ein Blumenwunder
Wenn du in der Umgebung von Victoria nur eine einzige Sehenswürdigkeit außerhalb der Innenstadt besuchst, dann müssen es die Butchart Gardens sein. Die Gärten liegen etwa eine halbe Stunde Autofahrt nördlich des Zentrums und sind buchstäblich ein Weltunikat. Der Eintritt kostet rund 41 CAD (ca. 27 €) – eine Investition, die du mit Sicherheit nicht bereuen wirst.

Die Geschichte dieses Ortes ist geradezu faszinierend. Ursprünglich war hier ein riesiger, hässlicher Kalksteinbruch der Familie Butchart. Als der Steinbruch erschöpft war, beschloss Jennie Butchart, die Mondlandschaft in einen Garten zu verwandeln, und ließ tonnenweise fruchtbare Erde von umliegenden Farmen heranschaffen. Das Ergebnis ist der sogenannte Sunken Garden – der versenkte Garten. Wenn man ihn zum ersten Mal von oben erblickt, bleibt einem buchstäblich der Mund offen stehen.
Die Gärten sind das ganze Jahr geöffnet und sehen jedes Mal völlig anders aus. Im Frühling blühen Zehntausende von Tulpen und Narzissen, im Sommer begeistern riesige Rosen, und im Herbst leuchtet der japanische Garten in unglaublichen Rot- und Goldtönen. Wir fahren am liebsten früh morgens gleich zur Öffnung, wenn noch keine Touristenmassen da sind und die ganze Anlage unglaublich magisch und friedvoll wirkt.
4. Walbeobachtung und Orcas (Whale Watching)
Der Ozean rund um Vancouver Island beherbergt eine unglaubliche Vielfalt an Meereslebewesen, und Victoria gilt als eine der besten Anlaufstellen für Whale Watching weltweit. In den Gewässern rund um die Insel leben sesshafte und wandernde Orca-Gruppen, Buckelwale und Zwergwale.

Vom Inner Harbour aus starten täglich mehrere Anbieter für solche Ausflüge. Du kannst zwischen einem größeren, geschlossenen und beheizten Schiff wählen – ideal für Familien mit Kindern – oder in ein kleines, schnelles Schlauchboot vom Typ Zodiac springen. Wir empfehlen eindeutig das Zodiac. Man wird zwar in riesige rote Rettungsoveralls gesteckt, in denen man kaum gehen kann und aussieht wie das Michelin-Männchen – aber das Erlebnis, so nah an der Wasseroberfläche zu sein, das Salzwasser im Gesicht zu spüren und eine riesige schwarze Orca-Flosse nur wenige Meter entfernt zu sehen, ist schlicht unbeschreiblich.
Der Ausflug dauert in der Regel etwa drei Stunden und kostet rund 130 bis 150 CAD pro Person (ca. 87 bis 100 €). Die Kapitäne tauschen untereinander Informationen über Walsichtungen aus, sodass die Chancen, tatsächlich Wale zu sehen, sehr hoch sind – manche Anbieter garantieren sogar eine kostenlose Wiederholung, falls nichts gesichtet wird. Touren lassen sich am bequemsten über GetYourGuide buchen, wo oft auch kostenlose Stornierung möglich ist.
5. Bunte Hausboote am Fisherman’s Wharf
Etwa fünfzehn Minuten angenehmen Spaziergangs vom Inner Harbour Richtung Ozean stößt man auf den Fisherman’s Wharf – einen sehr speziellen und unglaublich fotogenen Winkel der Stadt. Es handelt sich um ein Netz aus Holzstegen, auf denen knallbunte Hausboote stehen, in denen echte Einheimische das ganze Jahr über tatsächlich wohnen.

Manche Hausboote sind klein und niedlich, andere sehen aus wie moderne schwimmende Villen – aber alle haben eines gemeinsam: leuchtende Farben und jede Menge Blumenkästen. Neben den Wohnbooten gibt es auch einige schwimmende Imbissbuden. Am besten kommt man mittags vorbei, kauft sich frische Fish and Chips beim Stand Barb’s Fish and Chips, setzt sich auf die Holzbänke und beobachtet das lebhafte Treiben im kleinen Hafen.
Das Füttern der Tiere ist heute streng verboten (und die Bußgelder sind empfindlich hoch), aber Robben sieht man trotzdem – sie jagen ihre eigenen Fische und stören sich an nichts. Zurück ins Zentrum kann man übrigens mit dem kleinen gelben Wassertaxi (Victoria Harbour Ferry) fahren, was schneller und witziger ist als zu laufen.
6. Royal BC Museum
Museen sind eigentlich nicht so meins, aber dieses hat mich wirklich gepackt. Meine Mutter verbrachte dort zwei Stunden in der Abteilung über die First Nations, und ich musste sie fast mit Gewalt herausziehen, damit wir noch zum Abendessen kamen. Das Royal BC Museum zählt zu den besten Museen Kanadas – und das zu Recht. Die Ausstellungen sind nicht nur Vitrinen mit langen Beschriftungen, sondern beeindruckende Dioramen und immersive Räume, die einen wirklich in andere Welten entführen.

Am beeindruckendsten ist die Abteilung über die indigenen Völker (First Nations) der Pazifikküste. Zu sehen sind riesige, reich verzierte Totempfähle, rituelle Masken und ganze traditionelle Behausungen. Man erfährt viel über die komplexe und oft sehr erschütternde Geschichte der Beziehungen zwischen Kolonisatoren und einheimischen Stämmen – ein Wissen, das für das Verständnis des heutigen Kanadas unverzichtbar ist.
Im zweiten Stock erwartet dich eine aufwändige Naturgeschichtsausstellung, durch die man Regenwald, Höhlen und eine lebensgroße Unterwasserwelt durchwandert. Der Eintrittspreis beträgt rund 29 CAD (ca. 19 €), und man verbringt dort locker drei Stunden, ohne sich auch nur eine Sekunde zu langweilen.
7. Chinatown und die schmalste Gasse Fan Tan Alley
Victorias Chinatown ist zwar nicht so groß wie das in Vancouver oder San Francisco, hat aber einen besonderen Rekord vorzuweisen: Es ist das älteste Chinatown ganz Kanadas und das zweitälteste in Nordamerika. Es entstand Mitte des 19. Jahrhunderts während des Goldrauschs, als Tausende chinesische Arbeiter und Händler hierher strömten.

Heute ist es ein faszinierendes Gewirr aus Backsteingebäuden, bunten Laternen, Teestuben und Läden für traditionelle chinesische Medizin. Das eigentliche Herzstück des Viertels ist die Fan Tan Alley. Diese unscheinbare Gasse hält den Rekord als schmalste Handelsstraße Nordamerikas – an ihrer engsten Stelle misst sie gerade mal neunzig Zentimeter. Mit einem großen Rucksack könnte es also eng werden.
Früher war dies ein Zentrum für illegales Glücksspiel und Opiumhöhlen mit geheimen Fluchtwegen, heute beherbergt die Gasse kleine Kunstgalerien, Vinyl-Plattenläden und stylische Boutiquen. Oft trifft man hier auf sehr besondere handgefertigte Silberschmuck-Stücke. Ich habe dort die Marke Pyrrha entdeckt – die stellen Schmuck aus alten Siegeln her, wunderschön – und mir einen Anhänger als Souvenir gekauft, den ich bis heute trage.
8. Beacon Hill Park und der historische Kilometernullpunkt
Wenn du eine Auszeit vom Stadttrubel brauchst, spazier in den weitläufigen Beacon Hill Park südlich des Zentrums. Diese riesige grüne Oase bietet riesige Bäume, kleine Teiche, gepflegte Blumenbeete und verschlungene Wege zum Flanieren.

Besonders ist der Park dafür bekannt, dass sich hier Dutzende von Pfauen frei bewegen. Manchmal fühlt man sich wie in einem Märchen, wenn ein Pfau vor einem auf dem Rasen sein prächtiges Federrad aufschlägt. Wer mit Kindern unterwegs ist, sollte unbedingt auch die Beacon Hill Children’s Farm besuchen, wo man frei herumlaufende Ziegen streicheln kann.
Am südlichen Rand des Parks, wo das Festland aufhört und der Ozean beginnt, findet man ein unscheinbares, aber bedeutsames Denkmal mit der Aufschrift „Mile 0″. Dieser Punkt markiert den Beginn (oder das Ende – je nach Perspektive) des ikonischen Trans-Canada Highway, der sich über unglaubliche 8.000 Kilometer quer durch ganz Kanada bis zur Ostküste in Neufundland erstreckt. Wir standen dort etwa zehn Minuten und schauten auf die verschneiten Gipfel jenseits der Meerenge – und hatten gar keine Lust, uns zu bewegen. Einer dieser Momente, wo man sich fragt, warum man eigentlich woanders lebt.
9. Craigdarroch Castle – der Reichtum eines Barons
Kanada gehört nicht gerade zu den Ländern, in denen man mittelalterliche Burgen erwartet – aber Victoria hat sein ganz eigenes, sehr spezielles Craigdarroch Castle. Es handelt sich um ein riesiges Anwesen im prächtigen viktorianischen Stil, das der schottische Kohlenbaron Robert Dunsmuir in den 1880er-Jahren errichten ließ – damals einer der reichsten Männer der gesamten Provinz.

Der Baron erlebte die Fertigstellung leider nicht mehr, doch sein Haus steht bis heute und ist heute ein faszinierendes Museum. Von außen wirkt das Gebäude mit seinen kleinen Türmchen recht imposant – doch der eigentliche Reichtum wartet innen. Die Innenräume sind mit den edelsten Hölzern aus aller Welt vertäfelt, ausgestattet mit einer Fülle an Originaleinrichtung und Dutzenden wunderschöner Buntglasfenster.
Der Eintritt kostet etwa 20 CAD (ca. 13 €), und eine Besichtigung dauert rund eine Stunde. Ritter oder Folterkammern sucht man hier vergeblich – es ist eher eine prächtige Demonstration dessen, was sich ein Mann im 19. Jahrhundert leisten konnte, der wirklich, wirklich viel Geld hatte. Die Eichenholztreppe ist allerdings schlicht wunderschön, und ich bin dreimal rauf und runter gegangen – einfach weil ich es konnte.
10. Kirschblüte im Frühling (Cherry Blossoms)
Wer seinen Ausflug nach Victoria zwischen Ende Februar und Anfang April planen kann, erlebt eines der schönsten Naturphänomene der Stadt. Dank seines außergewöhnlich milden Klimas rühmt sich Victoria eines der frühesten und spektakulärsten Frühlingsblüten ganz Kanadas.

Die Stadt ist regelrecht übersät mit Tausenden von Kirsch- und Pflaumenbäumen, deren Kronen sich in riesige rosa und weiße Wolken verwandeln. Straßen wie die View Street oder die Gegend rund um James Bay sind bedeckt von Blütenblättern, die wie bunter Schnee durch die Luft treiben. Die Einheimischen lieben diese Zeit abgöttisch – das Erblühen symbolisiert für sie das endgültige Ende des trüben, regnerischen Winters.
Es gibt sogar spezielle Karten der blühenden Bäume, anhand derer man einen ganzen Tag Spaziergang planen kann. Es ist eine unglaublich fotogene Jahreszeit, und wer über einen Frühjahrsausflug nachdenkt und noch unschlüssig ist, dem empfehle ich wärmstens, genau diesen Zeitraum zu wählen. Meine Mutter und ich waren Anfang März dort, und ich habe ungefähr vierhundert Fotos gemacht – die Hälfte davon nur von Bäumen. Meine Mutter war tapfer.
11. Radtour auf dem Galloping Goose Regional Trail
Victoria ist eine außergewöhnlich fahrradfreundliche Stadt mit geschützten Radwegen und rücksichtsvollen Autofahrern – doch der absolute Stolz ist der sogenannte Galloping Goose Trail. Dabei handelt es sich um eine ehemalige Eisenbahntrasse, die abgerissen und in einen wunderschönen, rund sechzig Kilometer langen Radweg verwandelt wurde, der sich vom Stadtzentrum weit in tiefe Wälder und kleine ländliche Gemeinden erstreckt.

Im Zentrum kann man problemlos ein Fahrrad – oder ein E-Bike, wenn man es entspannter angehen möchte – für einen halben Tag mieten und losradeln. Die Strecke ist größtenteils wunderbar flach, von Grün umgeben, und unterwegs gibt es kleine Cafés und Brombeerhecken, bei denen man für eine kurze Stärkung anhalten kann.
Natürlich muss man nicht die gesamte Strecke fahren – ein paar Stunden raus aus der Stadt und wieder zurück genügen völlig. Es ist eine wunderbare Erholung und eine tolle Möglichkeit, auch Orte zu entdecken, die man mit dem Auto oder zu Fuß nie erreicht hätte. Und die Beine werden nach all den reichhaltigen Mahlzeiten in den lokalen Restaurants dankbar sein.
12. Gemütlicher Nachmittag im eleganten Viertel Oak Bay
Wer das echte „alt-britische Victoria“ erleben möchte, sollte das Außenbezirk Oak Bay aufsuchen. Dieses etwas abseits des Zentrums gelegene Viertel an der Ostküste ist geprägt von Luxushäusern, ruhigen Gassen und kleinen unabhängigen Boutiquen, in denen Antiquitäten und Designermode verkauft werden. Die Einheimischen gehen hier mit ihren Hunden spazieren, als hätten sie alle Zeit der Welt – und ich glaube, sie haben sie auch, und ich beneide sie aufrichtig darum.

Schau am lokalen Hafen vorbei, wo eine entspannte Inselatmosphäre weht – perfekt für einen Kaffee mit Blick auf ankernde Jachten und gelegentlich vorbeiziehende Robben. Die Oak Bay Avenue ist ideal für entspanntes Schaufensterbummeln; hier gibt es gleich mehrere kleinere, weniger touristisch überlaufene Teestuben, in denen man einen hervorragenden Nachmittagstee zu deutlich freundlicheren Preisen als im berühmten Empress Hotel genießen kann.
Dieses Viertel hat seinen ganz eigenen Zauber, und für viele ist es der liebste Teil der ganzen Stadt – eben weil hier keine Touristenmassen unterwegs sind, sondern Einheimische, die ihr ruhiges Leben in vollen Zügen genießen.
Essen in Victoria – wo und was man probieren sollte
Die Gastroszene in Victoria ist unglaublich vielfältig. Die Stadt profitiert von ihrer Lage an der Küste – frische Meeresfrüchte in Spitzenqualität sind hier selbstverständlich. Dazu hat Victoria eine starke Studentengemeinschaft, was man deutlich merkt: Die Café-Kultur läuft auf vollen Touren, und Specialty Coffee ist absoluter Standard.
Wer die besten Restaurants in Victoria sucht, sollte sich auf Meeresfrüchte konzentrieren. Eine absolute Institution ist Red Fish Blue Fish – ein kleiner, holzverkleideter Container direkt auf dem Steg im Inner Harbour. Die Schlange dort ist oft länger als eine Stunde, aber die Fish and Chips mit Wildlachs oder die fantastischen Fischtacos sind das lange Warten schlicht wert.
Zum Frühstück empfehle ich das Blue Fox Cafe (Eggs Benedict auf einem anderen Niveau) oder das Jam Cafe für Pancakes. Achtung: Am Wochenende steht man dort schon um acht Uhr morgens draußen an – ich bin nicht der Typ, der das normalerweise tut. Ich habe es trotzdem gemacht. Bereue es nicht. Für Kaffee gehen meine Mutter und ich am liebsten ins Habit Coffee – eine sichere Bank mit sehr freundlichem Personal. Außerdem lohnt es sich, die zahlreichen kleinen Craft-Beer-Brauereien zu erkunden, von denen es in Victoria jede Menge gibt.
Weiterreisen in Kanada und was vor der Abreise erledigt werden sollte
Victoria ist ein großartiger Ausgangspunkt, von dem aus man die deutlich wildere Natur an der Westküste Kanadas entdecken kann – es wäre schade, nur in der Stadt zu bleiben.
- Von Victoria aus lohnt sich unbedingt ein Ausflug weiter in den Norden, um den Rest von Vancouver Island zu erkunden. Unterwegs kann man an den endlosen Surferstränden von Tofino Halt machen und durch Regenwälder mit uralten Riesenbäumen wandern.
- Auf dem Rückweg aufs Festland lohnt sich ein Blick auf unsere Tipps, was man in Vancouver sehen sollte – eine moderne Glasmetropole, die von verschneiten Bergen umgeben ist und die wir absolut lieben.
- eSIM-Karte: Vergiss nicht, vor dem Abflug nach Kanada eine Internetverbindung zu organisieren, damit du Navigation und Online-Dienste problemlos nutzen kannst. Wir verwenden dafür regelmäßig eine eSIM, und in unserer Holafly-Rezension erklären wir, warum das unserer Meinung nach die derzeit einfachste und beste Lösung ist. Alternativ findest du weitere Optionen in unserem Holafly-Partnerlink.
- Reiseversicherung: Auf Reisen außerhalb Europas bitte niemals, aber wirklich niemals ohne Versicherung fahren. Wer eine Krankenversicherung für längere Reisen oder digitales Nomadentum sucht, dem empfehlen wir unsere SafetyWing-Rezension.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ich habe die häufigsten Fragen kurz beantwortet, damit du deine Reise nach Victoria so einfach wie möglich planen kannst.
Was kann man in Victoria sehen?
Zu den Hauptsehenswürdigkeiten gehören der Hafen Inner Harbour mit dem Parlamentsgebäude, das luxuriöse Hotel Fairmont Empress, die wunderschönen Butchart Gardens, das Royal BC Museum und die malerischen schwimmenden Häuschen am Fisherman’s Wharf. Plant unbedingt auch Zeit für eine Bootstour zur Walbeobachtung ein.
Wie viele Tage braucht man für einen Besuch in Victoria?
Zwei bis drei volle Tage sind absolut ideal, um in Ruhe durch die Innenstadt zu schlendern, in einem Café zu verweilen, den Afternoon Tea zu genießen, einen Ausflug zu den Butchart Gardens zu machen und eine halbtägige Walbeobachtungstour zu unternehmen, ohne dabei in Stress zu geraten.
Was ist der Unterschied zwischen Vancouver und Victoria?
Vancouver ist eine riesige, moderne und hektische Metropole voller Glaswolkenkratzer und internationalem Business auf dem kanadischen Festland. Victoria hingegen liegt auf der benachbarten Insel und ist eher eine kleinere, ruhige und historische Stadt mit ausgesprochen englischer Architektur und gemächlicherem Lebenstempo.
Muss man die Fähre von Vancouver im Voraus buchen?
Ja, wenn ihr mit dem Auto reist und das auch noch in der Sommersaison, ist eine Online-Reservierung bei BC Ferries quasi ein Muss, damit ihr nicht stundenlang im Hafen auf die nächste freie Fähre warten müsst. Für Fußgänger ohne Auto ist das normalerweise kein großes Problem.
Wann hat man die besten Chancen, bei Victoria Wale und Orcas zu sehen?
Wale und verschiedene Meeressäuger kommen das ganze Jahr über in der Umgebung der Insel vor, aber die beste und erfolgreichste Saison für die Beobachtung von Orcas beginnt im Mai und dauert etwa bis Ende Oktober.
Kann man in Kanada mit US-Dollar bezahlen?
Nein, in Kanada zahlt man mit Kanadischen Dollar (CAD). Auch wenn einige touristische Orte nahe der amerikanischen Grenze vielleicht US-Banknoten akzeptieren, ist der Wechselkurs meist sehr ungünstig. Wir empfehlen überall mit Karte zu zahlen, Bargeld braucht man hier wirklich nur sehr selten.
Lohnt sich der Afternoon Tea im Hotel Empress?
Wenn ihr nach einem günstigen Snack sucht, dann definitiv nicht, denn die Preise liegen bei etwa 55 bis 65 Euro pro Person. Wenn ihr euch aber ein luxuriöses Erlebnis voller englischer Eleganz, erstklassigem Service gönnen und etwas Traditionelles in wunderschönem historischem Ambiente probieren möchtet, ist es eine Erfahrung, die das Geld absolut wert ist.
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