Kleine Kinder bei Frost hinter den Polarkreis mitzunehmen klingt im ersten Moment wie eine verrückte Idee. Und dann schaust du dir die Fotos von Kindern an, die zum ersten Mal Rentiere sehen, mit dem Husky-Schlitten fahren und einem echten Weihnachtsmann die Hand schütteln – und die Entscheidung ist gefallen. Lappland in Finnland ist eines der besten Familien-Winterreiseziele der Welt und ganz Rovaniemi ist bis ins kleinste Detail auf die jüngsten Besucher abgestimmt. ☺️
In diesem Ratgeber findest du die besten Tipps für Lappland mit Kindern: was sie begeistert (und was gratis ist), wann du fahren solltest, um Dunkelheit und Wahnsinnspreisen zu entgehen, wie du Kinder für den arktischen Winter anziehst, wo du übernachten kannst und worauf du achten musst – von kurzen Tagen bis zu den Warteschlangen beim Weihnachtsmann.
Eine gute Nachricht gleich vorweg: kein Jetlag (die Zeitverschiebung beträgt nur eine Stunde), der Flug dauert kürzer als nach Ägypten und die trockene Kälte vertragen Kinder überraschend gut. Wenn du zuerst einen Gesamtüberblick über die Region möchtest, beginne mit meinem großen Ratgeber was man in Lappland sehen kann.

Zusammenfassung für alle, die keine Zeit haben, den ganzen Artikel zu lesen
- Bester Reisezeitpunkt mit Kindern: Februar und März, wenn es mehr Licht, mildere Temperaturen und niedrigere Preise als zu Weihnachten gibt. Der Dezember ist zauberhaft, aber dunkel, teuer und voller Warteschlangen.
- Top-Erlebnisse: Treffen mit dem Weihnachtsmann (gratis!), der arktische Zoo Ranua, kurze Fahrten mit Rentieren und Huskys, SantaPark und das Wissenschaftszentrum Pilke.
- Kleidung: Schichten, Schichten, Schichten. Für die Safaris bekommen Kinder Thermo-Overalls geliehen, für den normalen Alltag reicht eine gute Winterausrüstung plus Ersatzhandschuhe.
- Tempo: kurze Tage = maximal eine große Aktivität pro Tag. Dazwischen Schlittenfahren, Schneemann bauen und heiße Schokolade.
- Budget: eine Pauschalreise mit dem Reiseveranstalter für 4–5 Tage kostet für eine vierköpfige Familie ungefähr ab 4.900 €, auf eigene Faust lässt sich vor allem außerhalb der Weihnachts-Hochsaison sparen.
Wann du mit Kindern nach Lappland fahren solltest
Mit Kindern würde ich anders wählen als ohne sie. Der Dezember ist zwar weihnachtlich am zauberhaftesten, bedeutet aber auch die kürzesten Tage (3–4 Stunden Dämmerlicht), die höchsten Preise und die längsten Warteschlangen beim Weihnachtsmann. Für kleinere Kinder, die einen Rhythmus und Tageslicht brauchen, kann das anstrengend sein.

Für Familien sind meiner Meinung nach Februar und März ideal: Die Tage sind deutlich länger, die Fröste milder, es gibt am meisten Schnee und die Preise sinken nach der Weihnachtsspitze. Der Weihnachtsmann residiert das ganze Jahr über in seinem Dorf, ein Treffen verpasst du also nicht, und für Polarlichter ist immer noch Saison. Einen ausführlichen Vergleich der Monate findest du im Artikel wann man nach Lappland fahren sollte.
💡 Tipp: Rechne mit maximal einer großen Aktivität pro Tag. Kurze Tage und Kälte ermüden Kinder (und Erwachsene) schneller, als du erwartest. Die Lücken füllst du mit Schlittenfahren am Hotel, Schneemann bauen und heißer Schokolade – und genau an diese Momente erinnern sich Kinder oft am meisten.
Wie du mit Kindern hinkommst und was es kostet
Mit Kindern ist der bequemste Weg ein Direktflug nach Rovaniemi – der Flughafen in Finnland-Lappland wird im Winter von mehreren Anbietern angeflogen, etwa mit Lufthansa oder Condor ab Frankfurt oder München (oft mit Zwischenstopp in Helsinki). Der Flug dauert rund fünf Stunden, und bei einer Pauschalreise sind Transfers und Programm gleich organisiert. Familien-Pauschalreisen für 4–5 Tage kosten für eine vierköpfige Familie ungefähr ab 4.900 €, je nach Termin und Programm.
Auf eigene Faust fliegst du über Helsinki, von wo aus du mit einem Inlandsflug weiterkommst – oder erlebnisreich mit dem Nachtzug Santa Claus Express mit Familienabteilen (Tickets auf der Website der finnischen Bahn VR). Kinder lieben den Zug: Am Abend steigst du in Helsinki ein, am Morgen wachst du im verschneiten Lappland auf. Ein großes Plus für Eltern: Die Zeitverschiebung beträgt nur eine Stunde, sodass der Schlafrhythmus nicht durcheinandergerät.
Wo du mit Kindern übernachten solltest
Mit Kindern lohnt es sich, nah am Geschehen zu wohnen, damit du nicht täglich pendeln musst. Im Zentrum von Rovaniemi hast du Restaurants und Geschäfte in Reichweite, beim Santa Claus Village dagegen abendliche Ruhe und Weihnachtsstimmung ohne Menschenmassen. Familienzimmer solltest du mit großem Vorlauf reservieren – in der Saison sind sie als Erstes weg.

Im Zentrum ist das Santa’s Hotel Santa Claus mit gelobtem Frühstück und Familienzimmern eine tolle Wahl – alles erreichst du zu Fuß. Ein Erlebnis-Klassiker ist das Apukka Resort am See mit Familien-Aurora-Kabinen und eigenen Aktivitäten direkt auf dem Gelände (Rentiere, Huskys und Schlitten in Reichweite), alternativ das Arctic TreeHouse Hotel mit Apartments mit Küchenzeile nur einen Katzensprung vom SantaPark entfernt. Und wenn du deinen Kindern den Atem rauben willst, nimm sie mit zu einer Führung (oder gleich einer Übernachtung) ins Arctic SnowHotel & Glass Igloos, ein aus Schnee gemeißeltes Hotel.
Was Kinder in Lappland begeistert: die 6 besten Erlebnisse
Hier sind sechs Erlebnisse, die bei Kindern praktisch hundertprozentig funktionieren, geordnet von den berühmtesten. Bei jedem schreibe ich, für welches Alter es geeignet ist und was es kostet.
1. Treffen mit dem Weihnachtsmann im Santa Claus Village

Das ist der Grund, warum die meisten Familien anreisen – und es ist gratis. Der Weihnachtsmann empfängt Besucher in seinem Büro am Polarkreis jeden Tag im Jahr, wechselt mit den Kindern ein paar Worte (die Elfen dolmetschen) und das Ganze ist mit überraschend viel Feingefühl gemacht. Bezahlt wird nur das offizielle Foto (ab ~40 €).
Vergiss nicht, mit den Kindern die Linie des Polarkreises zu überqueren und von der Hauptpost des Weihnachtsmanns eine Karte nach Hause zu schicken – der Polarkreis-Stempel ist das günstigste Souvenir auf dem Gelände. Alles Wesentliche habe ich in einem eigenen Ratgeber zum Santa Claus Village zusammengefasst. 💡 Tipp: Komm gleich morgens nach der Öffnung, dann umgehst du die Warteschlangen.
2. Arktischer Zoo Ranua: Eisbär und Co.

Eine Stunde von Rovaniemi entfernt liegt der nördlichste Zoo der Welt und mit Kindern ist er ein sicherer Treffer: der einzige Eisbär Finnlands, Wölfe, Luchse, Vielfraße, Polarfüchse und Eulen in natürlicher, verschneiter Umgebung. Man geht über Holzstege zwischen den Gehegen entlang und der ganze Rundgang dauert zwei bis drei Stunden.
Der Eintritt kostet rund 24,50 € für Erwachsene und 20 € für Kinder (online günstiger, ein Familienticket lohnt sich), geöffnet ist ganzjährig. Details auf der Website des Ranua Resort. Hierher fahren auch Busse aus Rovaniemi, mit einem Kinderwagen musst du aber mit Schnee rechnen – besser sind ein Schlitten oder eine Trage.
3. Rentierschlitten und kurze Husky-Fahrten

Eine vollwertige Husky-Safari kann für die Kleinsten lang und eiskalt sein, aber kurze Runden direkt am Santa Claus Village oder auf den Farmen bei Rovaniemi schaffen sogar zweijährige Kinder: Sie sitzen eingekuschelt im Schlitten unter einem Rentierfell und die Welt zieht leise an ihnen vorbei. Die Rentierfahrt ist langsam und märchenhaft, die Husky-Fahrt flotter und wilder.
Eine kurze Fahrt kostet ein paar Dutzend Euro, der Besuch einer Rentierfarm mit Fahrt und „Rentier-Führerschein“ rund 80–120 € pro Person (Kinder günstiger). Für längere Safaris bekommst du Thermo-Overalls auch in Kindergrößen geliehen. Mehr über Huskys und Rentiere schreibe ich im Ratgeber was man in Rovaniemi sehen kann.
4. SantaPark: die unterirdische Weihnachtshöhle

Wenn es draußen richtig kalt wird oder Schneematsch fällt, ist der SantaPark die Rettung des Tages: ein in den Fels gemeißelter Weihnachts-Freizeitpark, in dem Kinder eine Elfenschule durchlaufen, in der Bäckerei Lebkuchen verzieren und mit dem Bähnchen fahren. Das Ganze ist warm und trocken, also die ideale „Schlechtwetter-Variante“.
Eintritt ab ~49 € für Erwachsene und ~40 € für Kinder, bis drei Jahre gratis, Saison etwa von Ende Oktober bis Mitte Januar (prüfe es auf der Website des SantaParks). Gleich nebenan im Dorf gibt es auch die eisige SnowmanWorld mit Rutschen und Eisbahn, die den ganzen Winter geöffnet ist.
5. Pilke und Arktikum: Museen, in denen man alles anfassen darf

Im Zentrum von Rovaniemi stehen zwei tolle Museen direkt nebeneinander. Das Wissenschaftszentrum Pilke dreht sich ganz um den finnischen Wald und ist komplett interaktiv: Kinder steuern einen Harvester, klettern auf riesige Ameisenhaufen und fassen alles an. Das Arktikum gleich daneben erklärt anschaulich die Polarlichter und das Leben im Norden – das ist praktisch, wenn du abends auf Aurora-Jagd gehst.
Die Eintritte kann man vergünstigt zusammen kaufen (Culture Pass), einzeln kostet das Arktikum rund 30 €, Kinder günstiger. Details auf der Website des Arktikum. Für einen regnerischen oder besonders eisigen Tag die ideale Kombination.
6. Polarlichter und ganz einfache Freuden im Schnee

Die Polarlichtjagd geht auch mit Kindern, nur eben anders: Statt nächtlicher Ausflüge in die Wildnis wähle eine Unterkunft außerhalb der Stadt mit „Aurora-Alarm“ oder verglastem Dach, wo die Kinder schlafen und du sie nur weckst, wenn der Himmel wirklich aufleuchtet. Wie das geht, schreibe ich im Artikel Polarlichter in Lappland.
Und unterschätze nicht das Einfachste: Ein Meter Schnee ist für Kinder eine Attraktion an sich. Schlittenfahren am Hotel, Schneeengel, Schneemann und Iglu bauen – das alles ist gratis und macht Kindern oft mehr Spaß als das bezahlte Programm. Lass im Reiseplan einen freien Vormittag nur zum Toben im Schnee.
Wie du Kinder für den arktischen Winter anziehst
Frost um die −15 °C klingt mit Kindern furchteinflößend, aber die trockene lappländische Kälte lässt sich besser ertragen als ein feuchter mitteleuropäischer Winter. Der Schlüssel ist das Schichtenprinzip: Merino-Thermowäsche als Basis, Fleece oder Wolle in der Mitte und ein wasserdichter, gefütterter Overall obendrauf. Dazu eine warme Mütze über die Ohren, ein Halstuch (Schals verrutschen), Fäustlinge und ein Ersatzpaar sowie Winterstiefel eine Nummer größer mit dicken Socken.

Zwei beruhigende Nachrichten: Für organisierte Aktivitäten bekommen Kinder Polar-Overalls und Stiefel direkt vor Ort geliehen, und finnische Geschäfte (auch Supermärkte) verkaufen hochwertige Winterausrüstung, falls doch etwas fehlt. Mit einem Säugling rechne eher mit einem Schlitten oder einer Trage unter der Jacke als mit einem Kinderwagen – der quält sich im Schnee. Eine komplette Packliste findest du in meinem Ratgeber zum Packen fürs Flugzeug.
💡 Tipp: Kinder in Schlitten und Kinderwagen halten sich nicht durch Bewegung warm wie du, zieh sie also eine Schicht wärmer an als dich selbst und kontrolliere regelmäßig Händchen und Wangen. Eine Kältecreme (fettig, ohne Wasser) fürs Gesicht ist für die ganze Familie sinnvoll.
Wohin als Nächstes: Tipps für weitere Artikel
Wenn du eine Familienexpedition in den Norden planst, sind diese Artikel für dich hilfreich:
- Santa Claus Village in Rovaniemi: der komplette Ratgeber
- Lappland: 20 Tipps, was man sehen und erleben kann
- Wann man nach Lappland fahren sollte: das Wetter Monat für Monat
Häufig gestellte Fragen zu Lappland mit Kindern
Ab welchem Alter lohnt sich eine Lappland-Reise mit Kindern?
Auch Kleinkinder schaffen es, kurze Rentierschlittenfahrten sind ab zwei Jahren möglich und der Weihnachtsmann begeistert etwa ab drei bis vier Jahren, wenn Kinder Weihnachten schon bewusst erleben. Das ideale Alter für den vollen Zauber liegt also zwischen 4 und 10 Jahren. Mit einem Baby solltet ihr einen Schlitten oder eine Trage statt Kinderwagen einplanen.
Wann sollte man mit Kindern nach Lappland reisen?
Für Familien sind Februar und März am besten: längere Tage, mildere Temperaturen, am meisten Schnee und niedrigere Preise als zu Weihnachten. Dezember ist weihnachtlich am zauberhaftesten, aber dunkel, teuer und voller Warteschlangen. Der Weihnachtsmann ist das ganze Jahr über im Dorf, ihr verpasst also keine Begegnung.
Ist es in Lappland nicht viel zu kalt für Kinder?
Trockene arktische Kälte ist überraschend gut erträglich, besser als der feuchte deutsche Winter. Der Schlüssel ist das Zwiebelprinzip (Merino-Thermounterwäsche, Fleece, wasserdichter Schneeanzug), Ersatzhandschuhe und fetthaltige Kälteschutzcreme. Bei organisierten Aktivitäten werden den Kindern Polar-Overalls und Stiefel direkt vor Ort geliehen.
Was macht Kindern in Lappland am meisten Spaß?
Die Begegnung mit dem Weihnachtsmann (kostenlos), der arktische Zoo Ranua mit Eisbär, kurze Fahrten mit Rentieren und Huskys, der unterirdische SantaPark, das interaktive Pilke-Zentrum und einfach nur Herumtoben in meterhohem Schnee. Rechnet mit einer großen Aktivität pro Tag, die kurzen Tage ermüden Kinder schneller.
Was kostet Lappland mit Kindern?
Eine Familienpauschalreise mit Reiseveranstalter für 4 bis 5 Tage kostet ab etwa 4.800 € für eine vierköpfige Familie. Auf eigene Faust spart ihr vor allem außerhalb der Weihnachtszeit. Viele Erlebnisse sind kostenlos: der Weihnachtsmann, der Polarkreis, der Schnee. Bezahlt werden Aktivitäten (Huskys, Rentiere), SantaPark und Ranua.
Sehen Kinder in Lappland Polarlichter?
Die Chance ist genauso groß wie für Erwachsene, nur jagt ihr sie anders: Wählt eine Unterkunft außerhalb der Stadt mit Aurora-Alarm oder Glasdach, wo Kinder ganz normal schlafen und ihr sie nur weckt, wenn der Himmel wirklich aufleuchtet. Polarlichter sind nicht garantiert, betrachtet sie als Bonus, nicht als Reiseziel.
Ist der Flug nach Lappland mit Kindern anstrengend?
Er gehört zu den leichteren. Direktflüge von Berlin nach Rovaniemi dauern etwa 3,5 Stunden, die Zeitverschiebung beträgt nur eine Stunde, sodass der Rhythmus nicht durcheinanderkommt. Eine erlebnisreiche Alternative ist der Nachtzug Santa Claus Express von Helsinki mit Familienabteil – Kinder lieben ihn.
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