Niagarafälle: 19 Tipps – was sehen, unternehmen und worauf achten

„Das donnert ja wie an den Niagarafällen.“ Diesen Vergleich kennt wohl jeder, doch manchmal vergisst man fast, dass dieser Ort wirklich existiert. Für viele Menschen sind die Niagarafälle nur das kitschige Bild aus dem Erdkundebuch oder eine Szene aus dem Film mit Marilyn Monroe. Vielleicht denken Sie: „Ja, die sind berühmt, aber das ist bestimmt nur eine Touristenfalle voller Lärm und Plastik-Souvenirs.“ Ehrlich gesagt, ging es mir genauso. Mir kam es gar nicht in den Sinn, sie auf meine Reise-Wunschliste zu setzen, obwohl ich schon mehrmals über dem Atlantik war.

Als wir dann davor standen, wurde mir in der Gischt klar, warum dies eines der Weltwunder ist. Genau hier, mitten im touristischen Trubel, habe ich mich in die unglaubliche kanadische Herzlichkeit verliebt, als uns wildfremde Menschen einfach so halfen, uns auf der Karte zurechtzufinden. Seitdem bin ich immer wieder nach Kanada zurückgekehrt und habe dort schließlich sogar ein Jahr gelebt. Damit Ihr Erlebnis genauso überwältigend wird und Sie nicht mit dem Gefühl abreisen, abgezockt worden zu sein, habe ich 19 Tipps zusammengestellt – was man sehen und unternehmen kann und worauf man achten sollte, damit Sie nicht mehr bezahlen als nötig.

Niagarafälle von der kanadischen Seite: Was man bei den Niagarafällen sehen und unternehmen kann

Zusammenfassung

  • Bestes Erlebnis: Bootsfahrt mit Niagara City Cruises direkt ins Herz der „Horseshoe Falls“. Sie werden nass, aber glücklich.
  • Wann hinfahren: September ist der ideale Kompromiss – die Menschenmassen lichten sich, es ist warm und die Weinlese beginnt.
  • Worauf achten: Überprüfen Sie Ihre Restaurantrechnungen. Gebühren wie „TIF“ oder „DMF“ sind keine Steuer, sondern ein freiwilliger Beitrag. Bitten Sie darum, ihn zu streichen.
  • Wo essen: Fliehen Sie von der Neon-Meile Clifton Hill. Essen Sie günstig im Bistro Flying Saucer oder fahren Sie ins elegante Städtchen Niagara-on-the-Lake.
  • Geheimtipp für Autofahrer: Zahlen Sie nicht die teuren Parkgebühren am Wasser. Fahren Sie zum Rapidsview Parking Lot (oft kostenlos oder günstig) und nutzen Sie den Shuttlebus.

Wann zum donnernden Wasser aufbrechen

Das Timing ist bei den Niagarafällen absolut entscheidend. Die Wasserfälle laufen nicht weg, aber Ihr Erlebnis kann sich je nach Reisezeit drastisch unterscheiden. Wenn ich Ihnen einen idealen Termin empfehlen darf, kreisen Sie September oder Anfang Oktober im Kalender ein. Das ist die beste Zeit – die großen Sommerferien-Massen mit Familien sind weg, aber die Sonne hat noch Kraft und Sie kommen mit einer leichten Jacke aus. Außerdem reift in der Umgebung der Wein, was der ganzen Region eine wunderbare Atmosphäre verleiht.

Der Sommer (Juli und August) ist purer Wahnsinn. Die Wasserfälle laufen auf Hochtouren, die Boote fahren ununterbrochen und die warme Wasserdusche ist bei Hitze angenehm – aber rechnen Sie mit Gedränge und Unterkunftspreisen, bei denen Ihnen die Augen übergehen. Der Winter hingegen ist für Einzelgänger. Im Januar ist es hier ruhig, günstig und die gefrorene Landschaft sieht aus wie aus einem Märchen – die Niagarafälle zugefroren zu sehen ist wirklich einmalig. Es gibt allerdings einen Haken: Hauptattraktionen wie die Boote fahren nicht, und bei minus zehn Grad am Fluss zu stehen, erfordert wirklich warme Kleidung.

Niagarafälle

Wo übernachten: Aussicht vs. Geldbeutel

Mit der Unterkunft ist es hier etwas knifflig. Das Angebot ist riesig, aber die Preise können saftig sein. Wenn Sie Ihren Partner (oder Ihre Mama) wirklich beeindrucken wollen und das Budget keine Rolle spielt, suchen Sie nach Zimmern mit der Bezeichnung „Fallsview“. Hotels wie das Embassy Suites oder Marriott bieten Zimmer, in denen Sie morgens aufwachen und die Wasserwand direkt vor Augen haben. Es ist teuer, aber das Gefühl ist unbezahlbar. Achten Sie nur auf die Wortklauberei bei der Buchung – „city view“ oder „river view“ ist nicht dasselbe.

Wenn Sie das Geld aber lieber veressen und vertrinken wollen (was ich wärmstens empfehle), übernachten Sie weiter vom Ufer entfernt. Die Lundy’s Lane ist voller Motels, die sauber sind, einen Bruchteil kosten und von dort bringt Sie der Touristenbus WEGO ins Zentrum. Für junge Reisende gibt es auch gute Hostels. Hotels lassen sich bequem über Booking.com vergleichen und buchen.

Wichtiger Tipp: Überprüfen Sie immer die Parkkosten beim Hotel. Im Zentrum werden gerne 50 Dollar pro Nacht (ca. 45 €) berechnet. Manchmal ist es besser, das Auto auf einem öffentlichen Parkplatz stehen zu lassen und zu Fuß zu gehen.

Unterkunftstipp: Marriott Niagara Falls Fallsview Hotel & Spa – Eines der bestbewerteten Hotels mit direktem Blick auf die Wasserfälle. Die Fallsview-Zimmer bieten ein unvergessliches Panorama direkt vom Bett aus.

Niagarafälle
Niagarafälle

Adrenalin und Wasser: Was Sie erleben müssen

Vom Ufer aus zuschauen ist schön, aber die wahre Kraft spüren Sie erst, wenn Sie näher rangehen. Hier sind die Aktivitäten, die jeden Cent wert sind.

1. Bootsfahrt in die Hölle und zurück

Das ist Pflicht. Die Gesellschaft Niagara City Cruises bringt Sie in roten Regenponchos per Boot direkt ins Zentrum der „Horseshoe Falls“. Der Lärm ist ohrenbetäubend, das Wasser spritzt von allen Seiten und man hat das Gefühl, mitten in einem Sturm zu stehen. Alles lässt sich bequem über GetYourGuide buchen.

Journey Behind the Falls an den Niagarafällen, gebucht über GetYourGuide
Journey Behind the Falls an den Niagarafällen, gebucht über GetYourGuide

2. Reise ins Innere des Felsens

Die Attraktion Journey Behind the Falls (Link weiter unten) bringt Sie mit dem Aufzug hinunter und durch alte Tunnel direkt hinter den Wasservorhang. Man sieht nichts als weiße Dunkelheit, spürt aber, wie der gesamte Fels unter der Wucht des Wassers bebt.

3. Mittagessen in den Wolken (und kostenlose Aussicht)

Der Skylon Tower bietet eine fantastische Aussicht. Die Eintrittskarte kostet Geld, aber hier ist mein Trick: Reservieren Sie sich ein Mittagessen in ihrem Drehrestaurant. Das Essen ist zwar teurer, aber der Zugang zur Aussichtsplattform ist dann im Preis inbegriffen. Unterm Strich zahlen Sie ähnlich viel wie für die Eintrittskarte, haben aber ein tolles Mittagessen dazu.

4. Kraftwerk und Tunnel

Eine Neuheit ist die Besichtigung des alten Kraftwerks Niagara Parks Power Station. Es ist ein wunderschönes Gebäude und man fährt dort mit dem Aufzug in einen tiefen Tunnel hinab, der an der Wasseroberfläche des Flusses mit einem einzigartigen Blick auf die Wasserfälle endet.

5. Wilder Spaziergang

Der White Water Walk ist ein Holzsteg entlang des Flusses, aber an einer Stelle, wo das Wasser die Wasserfälle bereits verlassen hat und sich durch eine enge Schlucht weiterstürzt. Hier befinden sich einige der wildesten Stromschnellen der Welt – ein hypnotisierender Anblick.

Flucht in die Stille: Wo Sie keine Massen treffen

Wenn Sie die Menschenmassen satt haben, habe ich ein paar Orte für Sie, an denen Sie sich verstecken können.

6. Inseln der Ruhe

Unweit des Hauptzentrums liegen die Dufferin Islands. Es ist eine Ansammlung kleiner Inseln und Stege, wohin die Einheimischen zum Picknicken gehen. Stille, Enten, Ruhe.

7. Wanderung in die Schlucht

Das Niagara Glen Nature Reserve ist der Ort für alle, die gerne wandern. Man muss eine Treppe hinunter zum Fluss steigen, wo Wege durch uralten Wald zwischen riesigen Felsbrocken führen. Hier treffen Sie keine Massen mit Selfie-Sticks.

8. Schmetterlings-Therapie

Wenn es regnet oder kalt ist, flüchten Sie ins Butterfly Conservatory. Es ist ein riesiges Gewächshaus voller tropischer Pflanzen und Tausender Schmetterlinge. Balsam für die Nerven.

Skylon Tower an den Niagarafällen

Beim Essen nicht über den Tisch ziehen lassen

Hier sollten Sie wachsam sein. Das Zentrum von Niagara ist ein Minenfeld voller Touristenfallen.

9. Vorsicht vor der „Steuer“

Überprüfen Sie im Restaurant Ihre Rechnung. Wenn Sie dort einen Posten TIF, DMF oder Luxury Fee sehen, wissen Sie: Das ist keine staatliche Steuer. Es ist eine Gebühr, die direkt in die Tasche des Besitzers wandert. Bitten Sie höflich um Streichung – sie ist nicht verpflichtend!

10. Meiden Sie Clifton Hill

Das ist die Straße, die aussieht wie ein Rummelplatz. Neonlichter, teure Attraktionen und Fast-Food-Läden mit dreifachen Preisen. Gehen Sie hin, um die Atmosphäre zu erleben, aber essen Sie dort nicht.

11. Frühstück im Ufo

Für ein günstiges und lustiges Frühstück probieren Sie das Flying Saucer. Das Restaurant sieht aus wie eine fliegende Untertasse und serviert ordentliches Essen zu normalen Preisen.

12. Abendessen mit Niveau

Wenn Sie etwas Besonderes möchten, probieren Sie das Restaurant AG Inspired Cuisine. Dort wird mit Zutaten von der eigenen Farm gekocht – ein gastronomisches Erlebnis.

Flucht in die Eleganz: Niagara-on-the-Lake

Wenn Sie die Niagarafälle müde machen, steigen Sie ins Auto oder den Bus und fahren Sie 20 Minuten flussabwärts.

Niagara-on-the-Lake, ein wunderschönes Städtchen unweit der Niagarafälle
Niagara-on-the-Lake, ein wunderschönes Städtchen unweit der Niagarafälle

13. Städtchen wie aus dem Film

Sie kommen in Niagara-on-the-Lake an. Es ist das genaue Gegenteil der Wasserfälle – viktorianische Häuser, Blumen, Pferdekutschen und Ruhe. Ideal für einen Kaffee und einen Spaziergang.

14. Mit dem Rad durch die Weinberge

Die gesamte Gegend ist voller Weinberge. Leihen Sie sich ein Fahrrad und radeln Sie von einem zum anderen – es ist flach und wunderschön.

15. Flüssiges Gold

Sie müssen unbedingt Icewine probieren (und als Souvenir kaufen) – Eiswein. Kanada ist darin eine Weltmacht. Er ist süß, teuer, aber jeden Cent wert.

16. Theater

Wenn Sie Kultur mögen, besuchen Sie das Shaw Festival. Dort wird Welttheater gespielt.

Über die Brücke kann man auch in die USA gehen
Über die Brücke kann man auch in die USA gehen

Praktische Tipps zum Schluss

17. Abstecher in die USA

Haben Sie Ihren Reisepass dabei? Dann gehen Sie zu Fuß über die Rainbow Bridge auf die amerikanische Seite. Dort gibt es einen wunderschönen State Park, viel mehr Grün und man kommt näher an die kleineren Wasserfälle heran. Für deutsche Staatsbürger gilt: Sie benötigen eine gültige ESTA-Genehmigung für die Einreise in die USA.

18. Anreise von Toronto

Sie kommen bequem mit dem Zug oder Bus von GO Transit hierher. So sparen Sie sich die Nerven im Stau auf der Autobahn. Wer aus Deutschland anreist, fliegt am besten nach Toronto – von dort sind es nur rund 130 km bis zu den Niagarafällen in Kanada. Für mobiles Internet unterwegs empfehle ich eine eSIM von Holafly oder Yesim.

19. Park-Hack

Wenn Sie mit dem Auto kommen, zahlen Sie nicht die teuren Parkplätze am Wasser. Fahren Sie zum Rapidsview Parking Lot. In der Saison ist er oft günstiger oder sogar kostenlos und von dort fährt ein Shuttlebus direkt zu den Wasserfällen.

Die Niagarafälle sind zwar ein kommerzieller Zirkus, aber die Natur unter all dem ist so gewaltig, dass sie alles überstrahlt. Man muss nur wissen, wohin man schauen soll. Also – gute Reise!

Wenn Sie eine längere Reise durch Kanada planen, schauen Sie sich unsere weiteren Artikel an: Sehenswürdigkeiten in Vancouver, Tipps für Calgary, Reiseführer Banff-Nationalpark oder unseren kompletten Roadtrip-Plan für Westkanada.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Werde ich auf dem Boot Niagara City Cruises sehr nass?

Ja, rechnen Sie damit. Auch wenn Sie einen Regenponcho bekommen, ist die Gischt allgegenwärtig und der Wind bläst sie überall hin. Ihre Schuhe werden wahrscheinlich durchnässt sein – im Sommer sind Sandalen ideal, oder nehmen Sie Ersatzsocken mit.

Ist die kanadische oder amerikanische Seite besser?

Für den ikonischen Panoramablick (das „Wow“), bei dem man alle drei Wasserfälle gleichzeitig sieht, ist eindeutig die kanadische Seite besser. Die amerikanische Seite ist jedoch viel grüner, ruhiger und man kommt näher an die kleineren Wasserfälle heran. Ideal ist es, beide Seiten zu sehen.

Muss ich die Gebühren TIF/DMF in Restaurants bezahlen?

Nein, müssen Sie nicht. Diese Gebühren wirken offiziell, sind aber keine staatlichen Steuern. Es handelt sich um Beiträge zur „Tourismusförderung“, die freiwillig sind. Wenn Sie darum bitten, wird die Bedienung sie von der Rechnung streichen. Scheuen Sie sich nicht, das anzusprechen – auch Einheimische tun das.

Wie viel Zeit sollte man für den Besuch einplanen?

Ein Tag reicht für das Wesentliche – die Wasserfälle sehen, eine Bootsfahrt machen und über die Promenade spazieren. Wenn Sie aber auch Niagara-on-the-Lake besuchen und Wein probieren möchten, empfehle ich eine Übernachtung.

Wie spart man beim Eintritt?

Wenn Sie mehrere Attraktionen besuchen möchten (Boot, Journey Behind the Falls, White Water Walk), kaufen Sie sich den Niagara Falls Adventure Pass. Das ist ein Paket, das deutlich günstiger ist als Einzeltickets, und enthält außerdem eine Fahrkarte für die lokalen WEGO-Busse.

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