Ausflüge ab Paris: Versailles, Giverny, Chantilly und Fontainebleau

Ausflüge ab Paris sind meiner Meinung nach ein absolutes Muss. Die Stadt ist zwar unglaublich fesselnd, laut und ständig in Bewegung – aber manchmal kommt einfach der Moment, in dem man den steinernen Straßen entfliehen, tief durchatmen und das Kleinkind frei über die Wiese rennen lassen möchte. Ohne die Angst, dass es von einem Roller über den Haufen gefahren wird, der gerade über die Kreuzung rast.

Das französische Bahnnetz ist ein kleines Wunder. TGV-Hochgeschwindigkeitszüge und Regionallinien bringen euch blitzschnell in andere Jahrhunderte, mitten hinein in impressionistische Gemälde oder ins Herz der Champagne. Für Eltern mit einem zweijährigen Entdecker bedeutet das vor allem eins: minimaler Stress beim Transport und maximaler Raum für Freude.

Außerdem ändert sich dieses Jahr in Paris Frankreich einiges. Nach dem olympischen Wahnsinn von letztem Jahr hat die Stadt frisch Luft geholt, die Kathedrale Notre-Dame erstrahlt endlich in neuem Glanz und im Sommer wird nach hundert Jahren wieder direkt in der Seine geschwommen. Für mich als Vegetarierin ist es außerdem eine Riesensache, dass das berühmte Restaurant Arpège komplett auf ein pflanzliches Menü umgestellt hat. All diese Veränderungen im Zentrum bedeuten auch, dass Ausflüge ins Umland eine etwas neue Strategie erfordern.

Kleines Kind in weißem T-Shirt steht an einem Betongeländer und beobachtet einen Brunnen in einem Pariser Garten

Der Schlüssel liegt darin zu wissen, zu welchem Bahnhof ihr müsst, welche Züge ihr meiden solltet und warum ihr in manche Schlösser lieber eine Trage statt einen Kinderwagen mitnehmt. Manche Orte werden euch mit ihrer Pracht schlichtweg umhauen, andere überraschen mit unerwarteter Ruhe und menschenleeren Waldwegen.

Deshalb habe ich alles zusammengeschrieben: Versailles ohne familiären Zusammenbruch, Giverny im richtigen Monat, Chantilly als Geheimtipp und Fontainebleau für alle, die neben Schlössern auch etwas Wald wollen. Dazu aktuelle Preise für 2026 und Dinge, die sich unserer Meinung nach nicht lohnen.

Artikelinhalt

Zusammenfassung

  • Fahrt nicht mit der RER C nach Versailles. Deutlich bequemer ist der Zug der Linie N vom Bahnhof Gare Montparnasse zur Station Versailles Chantiers.
  • Tickets für den Palast von Versailles unbedingt online für ein bestimmtes Zeitfenster buchen. Ohne Reservierung wartet ihr stundenlang in der prallen Sonne.
  • Mit Kleinkind in Versailles zuerst in die Gärten und zum Dorf von Marie Antoinette – den Palast erst am Nachmittag besuchen, falls ihr unbedingt wollt. Meiner Meinung nach lohnt er sich mit Kind nicht.
  • Monets Gärten in Giverny haben 2026 vom 1. April bis 1. November geöffnet. ⚠️ Achtung: Am Wochenende 19. und 20. September 2026 ist Giverny komplett geschlossen.
  • Nach Giverny kommt ihr mit dem Zug vom Gare Saint-Lazare nach Vernon, von wo ein Shuttlebus für 5 € fährt.
  • Das Schloss Chantilly beherbergt die zweitgrößte Sammlung Alter Meister nach dem Louvre. Mit dem Zug vom Gare du Nord seid ihr in nur 25 Minuten dort.
  • Fontainebleau bietet nicht nur ein riesiges Schloss, in dem sich Napoleon verabschiedete, sondern vor allem einen endlosen Wald voller Sandsteinfelsen – ideal zum Toben für Kinder.
  • Kinder bis einschließlich 2 Jahre haben im Disneyland Paris komplett freien Eintritt. Mit kleineren Kindern konzentriert euch vor allem auf die Zone Fantasyland.
  • Nach Reims zur Champagner-Verkostung bringt euch der TGV vom Gare de l’Est in unglaublichen 45 Minuten.
  • Kinderwagen werden in den meisten historischen Palästen nur widerwillig geduldet. Habt immer eine ergonomische Trage im Rucksack dabei.
Runder klassizistischer Pavillon mit Kuppel und Säulen umgeben von grünen Bäumen

Wann Ausflüge ab Paris unternehmen: Wetter, Saisons und wichtige Termine 2026

Den richtigen Tag für einen Ausflug aus der Stadt zu wählen, ist absolut entscheidend. Während man sich im Zentrum von Paris immer in ein Café oder Museum flüchten kann, ist man bei Ausflügen oft Wind und Wetter ausgeliefert. Schlossgärten und Parks machen die Hälfte des Erlebnisses aus. Wir checken mit Lukáš immer sorgfältig die Wettervorhersage, denn einen Kinderwagen durch den aufgeweichten Park von Versailles zu schieben, will wirklich niemand.

Die besten Monate für einen Ausflug

Mai und Juni sind für Ausflüge ins Umland schlichtweg ideal. Die Tage sind lang, die Temperaturen pendeln um angenehme 22 Grad und alles blüht unglaublich. Gerade im Mai hängen in Giverny die violetten Glyzinientrauben von der japanischen Brücke – ein Anblick, der sich für immer ins Gedächtnis einbrennt. Hervorragend sind auch der September und die erste Oktoberhälfte. Morgens wird es zwar schon frischer, aber das weiche Nachmittagslicht verleiht den Gärten von Fontainebleau einen goldenen Schimmer.

💡 Insider-Tipp: Wenn ihr einen Ausflug im Mai plant, passt unbedingt auf die französischen Feiertage auf. Davon gibt es in diesem Monat gleich mehrere (1. Mai, 8. Mai, Christi Himmelfahrt) und die Pariser verbinden sie gerne zu verlängerten Wochenenden. Züge sind dann ausverkauft und Sehenswürdigkeiten platzen aus allen Nähten.

Was ihr meiden solltet und wichtige Termine 2026

Schloss Versailles mit Kolonnade und formalen Gärten mit Hecken und Wasserbecken

Der August ist der Monat, in dem ihr Ausflüge besser meidet. Die Schlosshöfe verwandeln sich in einen Backofen, das Gras in den Parks ist verbrannt und Schatten sucht man vergeblich. Dazu haben viele kleine Bistros in den umliegenden Dörfern wegen der jährlichen Betriebsferien geschlossen.

Eine absolut wichtige Warnung für 2026 betrifft das Wochenende vom 19. und 20. September. In ganz Frankreich finden die Tage des Europäischen Kulturerbes (Journées du Patrimoine) statt. Zwar öffnen sich normalerweise nicht zugängliche Regierungsgebäude, aber Monets Gärten in Giverny sind an diesen beiden Tagen ausnahmsweise und strikt GESCHLOSSEN. Wer an diesem Termin hinfährt, steht vor verschlossenen Toren.

💡 Insider-Tipp: Checkt auch die Montage und Dienstage. Die meisten staatlichen Museen und Schlösser haben an einem dieser Tage ihren Ruhetag. Versailles ist montags geschlossen, der Pariser Louvre dienstags. Das bedeutet: Am Dienstag strömt die riesige Touristenmasse vom Louvre geradewegs nach Versailles.

Weißer runder neoklassizistischer Tempel mit Kolonnade in einem grünen Park

Wo in Paris strategisch übernachten für einfache Ausflüge

Die Wahl des Viertels beeinflusst euer gesamtes Stadterlebnis und euer Budget maßgeblich. Paris ist in zwanzig Arrondissements unterteilt, die sich vom historischen Zentrum am Louvre spiralförmig im Uhrzeigersinn nach außen winden. Günstige Unterkünfte im Zentrum zu finden ist nahezu unmöglich, aber wenn man weiß, wo man suchen muss, findet sich ein toller Kompromiss zwischen Preis, Sicherheit und Erreichbarkeit.

Mit Kinderwagen und Jonáš meidet am besten großräumig die nördliche Gegend des 10. Arrondissements rund um den Gare du Nord und das nächtliche Pigalle im 18. Arrondissement. Einmal haben wir uns dort mit einem Freund um zwei Uhr nachts verlaufen – das möchte man mit einem Zweijährigen definitiv nicht wiederholen. 😅

Nach langer Suche haben wir uns für das Hôbou entschieden, ein authentisches französisches Boutique-Hotel in Boulogne-Billancourt (buchbar hier), das auf den ersten Blick fast unscheinbar wirkt, aber nach wenigen Stunden hat man sich bereits verliebt.

Seerosenteich in Monets Garten in Giverny

Versailles: König aller Ausflüge (und wie man ihn stressfrei übersteht)

Versailles ist nicht einfach nur ein Palast. Es ist ein absolutistisches Manifest, materialisiert in Gold, Marmor und endlosen Gärten. Ohne Vorbereitung hinzugehen ist allerdings ein sicherer Weg zum familiären Zusammenbruch. Täglich strömen Tausende an die Tore, und ohne klare Strategie geht man in den Menschenmassen unter. Wir haben den Palast selbst ausgelassen – drinnen gibt es ehrlich gesagt gar nicht so viel zu sehen, und in den Gärten kann man locker 6-7 Stunden verbringen.

Anreise: Warum ihr die RER C vergessen solltet

Junge fotografiert goldene Springbrunnen mit Wasserfontänen in Versailles

Die meisten gedruckten Reiseführer schicken euch automatisch mit der gelben Linie RER C zur Station Versailles Château Rive Gauche. Macht es schlauer. Mit Kinderwagen oder kleinen Kindern ist der Vorortszug der Linie N die deutlich bessere Wahl – er fährt vom Bahnhof Gare Montparnasse und bringt euch zur Station Versailles Chantiers.

Die Fahrt dauert kürzer und der Pariser Bahnhof Montparnasse ist für Familien wesentlich freundlicher als die verworrenen Untergrundgänge der RER. Von der Station Chantiers lauft ihr zwar etwa fünf Minuten länger zum Palast, spart euch aber enorm viel Stress beim halsbrecherischen Umsteigen im Pariser Zentrum. Die Fahrkarte für Erwachsene kostet 4,10 € pro Strecke.

💡 Insider-Tipp: Kauft keine normalen t+-Tickets (die gelten nur in Zone 1-2). Versailles liegt in Zone 4. Ihr müsst am Automaten ein Billet Île-de-France (Billet Origine-Destination) mit dem Ziel Versailles kaufen. Kontrolleure stehen fast immer am Bahnhofsausgang und die Strafen sind saftig.

Tickets und kompromisslose Zeitfenster 2026

Barocker Brunnen mit goldenen Statuen und Wasserfontänen in Versailles

Ohne Ticket zum Palast zu kommen bedeutet in der Hauptsaison locker zwei oder mehr Stunden Wartezeit in der prallen Sonne. Eine Online-Reservierung auf der offiziellen Website chateauversailles.fr für einen konkreten Zeitslot ist absolute Pflicht. Ohne Reservierung fahrt erst gar nicht hin.

Das Basisticket für den Palast (Billet Château) kostet 21 €. Wer auch die Trianons und das Dorf sehen möchte, braucht den sogenannten Passport für 32 €. Kinder bis 18 Jahre (und EU-Bürger bis 26 Jahre) haben freien Eintritt – aber ACHTUNG: Auch für sie müsst ihr im System eine kostenlose Zeitfenster-Reservierung anklicken.

💡 Insider-Tipp: Der Paris Museum Pass deckt zwar den Eintritt ins Schloss ab, beinhaltet aber in der Saison von April bis Oktober NICHT die Tage mit den Musikalischen Wasserspielen (Musical Fountain Shows). An diesen Tagen (meist an Wochenenden und Dienstagen) müsst ihr für den Garteneintritt etwa 10,50 € dazuzahlen.

Bronzestatue eines Mannes im Park vor dem Schloss Versailles mit Teich

Umgekehrte Strategie für Familien

Der klassische Besucher kommt morgens an, steht Schlange, quetscht sich durch den überfüllten Palast und ist nach zwei Stunden bereits am Ende seiner Kräfte, wenn er endlich in die Gärten kommt. Ihr macht es komplett anders. Geht zuerst direkt in die Gärten und den weitläufigen Park. Der Eintritt in den Park (nicht in die formalen Gärten direkt am Schloss) ist kostenlos und die Tore öffnen bereits um 8:00 Uhr.

Lasst das Kind sich austoben. Der Bereich rund um den Grand Canal ist riesig, luftig und wie geschaffen für ein Vormittags-Picknick auf der Wiese. Den Zeitslot für den eigentlichen Palast reserviert ihr am besten für den späten Nachmittag, idealerweise ab 15:30 Uhr. Dann fahren die großen organisierten Reisegruppen bereits zurück nach Paris, im Palast kann man endlich atmen und das Kleinkind schläft vielleicht gerade in der Trage. Oder ihr lasst den Palast einfach komplett aus. Mit Kind lohnt er sich meiner Meinung nach nicht.

💡 Insider-Tipp: Wenn ihr euch einen Kaffee und die berühmte heiße Schokolade in der Filiale der Konditorei Angelina im Schloss gönnen wollt, stellt euch auf eine riesige Warteschlange ein. Viel besser ist es, sich einen Kaffee zum Mitnehmen am kleinen Kiosk am Grand Canal zu holen und ihn in Ruhe auf einer Bank unter den Bäumen zu genießen.

Marmorfigurstatue auf Sockel in einem klassischen Garten mit Arkade

Trianons und das Dorf von Marie Antoinette (Hameau de la Reine)

Wenn euch der Hauptpalast mit seiner Überladung über den Kopf wächst, macht euch auf in den hinteren Teil des Anwesens. Das Grand Trianon und das Petit Trianon wirken deutlich intimer. Das absolute Highlight – besonders wenn ihr mit Kindern unterwegs seid – ist aber das Hameau de la Reine.

Königin Marie Antoinette ließ sich hier eine rustikale Farm mit Mühle, Gemüsegarten und reetgedeckten Dächern bauen, um das einfache Landleben nachzuspielen. Für ein zweijähriges Kind ist das ein absolutes Märchen. Hier laufen Schafe und Ziegen herum und die ganze Anlage wirkt wie aus einem Bilderbuch. Zu den Trianons kommt ihr zu Fuß in etwa 30 Minuten vom Hauptpalast, oder ihr nutzt den kostenpflichtigen Touristenzug (Petit Train) für 9 €.

💡 Insider-Tipp: Rund um die Trianons stehen einige der ältesten Bäume der gesamten Anlage. Ihr findet hier auch Schilder mit ihren Geschichten. Ein großartiger Ort, um der Sommerhitze zu entkommen, denn die Bäume bilden einen perfekten natürlichen Sonnenschirm.

Kinderwagen, Tragen und Logistik mit Kleinkind

Mann mit T-Shirt und Brille steht mit Kinderwagen vor dem Schloss Versailles

Die offiziellen Regeln in Versailles sind eindeutig: Kinderwagen dürfen nicht in den Palast. Die Realität sieht allerdings so aus, dass das Personal kleine zusammenklappbare Buggys oft stillschweigend durchwinkt. Es kann aber passieren, dass ihr auf einen strengen Aufseher trefft, der euch gnadenlos zur Gepäckaufbewahrung (Check-in Desk) schickt.

Die goldene Regel lautet: Nehmt eine ergonomische Trage mit, wenn ihr ins Schloss wollt. Der Palast ist voller Treppen, enger Durchgänge und die Menschenmassen schieben sich langsam vorwärts. Eine Trage gibt euch Bewegungsfreiheit und das Kleinkind sieht viel mehr als nur fremde Beine und Rucksäcke. In die Gärten und den Park könnt ihr mit dem Kinderwagen selbstverständlich problemlos hinein.

💡 Insider-Tipp: Die Toiletten im Schloss sind ständig überfüllt und die Wickeltische oft besetzt. Deutlich sauberere und ruhigere Toiletten findet ihr am Garteneingang in der Nähe des Restaurants La Flottille am Grand Canal.

Giverny: Direkt hinein in Monets Leinwand

Monets Garten in Giverny mit Seerosenteich und Trauerweiden

Wenn ihr den Impressionismus liebt, blühende Gärten und ein bisschen künstlerische Romantik, dann ist Giverny euer Wallfahrtsort. Claude Monet lebte hier, schuf hier und züchtete mit eigenen Händen sein größtes Meisterwerk – seinen eigenen Garten. Es ist einer der fotogensten Orte in ganz Frankreich, erfordert aber ein bisschen Planung.

Wann losfahren und wie hinkommen

Die Saison in Giverny dauert vom 1. April bis 1. November 2026. Geöffnet ist täglich von 9:30 bis 18:00 Uhr (letzter Einlass um 17:30 Uhr). Der Besuch selbst dauert etwa 2 Stunden, aber mit An- und Abreise solltet ihr einen halben Tag einplanen.

Giverny liegt in der Normandie, etwa 80 Kilometer von Paris entfernt. Am einfachsten ist es, einen Regionalzug vom Bahnhof Gare Saint-Lazare zur Station Vernon-Giverny zu nehmen. Die Fahrt dauert circa 50 Minuten und die Fahrkarte kostet rund 16 €. Vor dem Bahnhof in Vernon wartet bereits der offizielle Shuttlebus, der euch für 5 € einfach (oder 10 € hin und zurück) direkt ins Dorf bringt.

💡 Insider-Tipp: Der Fahrplan des Shuttlebusses ist exakt auf die Ankunftszeiten der Züge aus Paris abgestimmt. Lasst euch nicht von Taxifahrern verleiten, die am Bahnhof gerne behaupten, der Bus sei gerade weg. Bleibt entspannt – der Bus wartet auf alle Fahrgäste aus dem Zug.

Was euch erwartet (Japanische Brücke und Seerosen)

Weitläufige formale Gärten des Schlosses Versailles mit goldener Statue, Becken und Baumalleen

Die Eintrittskarte für Erwachsene kostet 13 € und Tickets bekommt ihr bequem auf den offiziellen Seiten der Stiftung. Kinder unter 7 Jahren haben freien Eintritt.

Das Wesentliche spielt sich draußen ab. Der Garten teilt sich in zwei Bereiche. Der Clos Normand vor dem Haus bildet eine riesige, geometrisch angelegte Palette aus Blumenbeeten. Durch eine Unterführung unter der Straße gelangt ihr in den Wassergarten. Dort erwartet euch die ikonische grüne japanische Brücke, umrankt von Grün, und der Teich voller berühmter Seerosen (Nymphéas), die Monet in seinen letzten Lebensjahren malte.

💡 Insider-Tipp: Das beste Licht zum Fotografieren am Teich habt ihr gleich morgens nach der Öffnung um 9:30 Uhr oder kurz vor Schließung. Um die Mittagszeit ist die Sonne zu hart und auf der Brücke bilden sich Touristenschlangen im Kampf um das beste Selfie.

Fotografieren, Mittagessen und Museum des Impressionismus

Jeden Monat sieht der Garten anders aus. Im Mai blühen Schwertlilien und Pfingstrosen, der Juni gehört den Kletterrosen und an der Wende von September zu Oktober dominieren mächtige Hortensien, Dahlien und Sonnenblumen. Wenn ihr gerne fotografiert, nehmt einen Polfilter mit. Er entfernt hervorragend die Spiegelungen von der Wasseroberfläche des Teichs und die Seerosen kommen viel besser zur Geltung.

Nach dem Gartenbesuch lohnt sich ein Spaziergang durchs Dorf. Direkt nebenan findet ihr das hervorragende Musée des Impressionnismes Giverny. Und wenn ihr ein besonderes kulinarisches Erlebnis sucht, reserviert einen Tisch im nahegelegenen Restaurant Le Jardin des Plumes, das einen Michelin-Stern hat. Für Vegetarier wird hier nach vorheriger Absprache ein absolut fantastisches Degustationsmenü aus regionalem Gemüse zubereitet.

💡 Insider-Tipp: Die Straße durch das Dorf Giverny (Rue Claude Monet) ist zwar schmal, aber ihr findet dort viele kleine unabhängige Galerien und Bäckereien. Kauft euch ein frisches Baguette, ein Stück normannischen Käse und macht Picknick am Ufer der Epte, kurz hinter dem Dorf.

Chantilly: Pferde, Spitzen und legendäre Sahne

Barocke Grandes Écuries (Große Stallungen) in Chantilly

Ihr sehnt euch nach einem prächtigen Schloss, aber die Menschenmassen in Versailles schrecken euch ehrlich gesagt ab? Chantilly ist euer Geheimtipp. Dieser Ort hat eine unglaubliche Eleganz, liegt nördlich von Paris und Touristen trifft man hier deutlich weniger. Dazu ist es ein Paradies für Kunst-, Pferde- und Genussliebhaber.

Schloss und zweitgrößte Gemäldesammlung

Die Anreise ist überraschend einfach: Mit dem TER-Zug vom Gare du Nord seid ihr in nur 25 Minuten an der Station Chantilly-Gouvieux und die Fahrkarte kostet etwa 9 €. Vom Bahnhof führt ein schöner Waldweg zum Schloss, den ihr in circa 20 Minuten zu Fuß schafft, oder ihr nehmt den Ortsbus.

Das Schloss selbst (Palais de Condé) wirkt aus der Ferne, als schwebe es auf der Wasseroberfläche. Im Inneren verbirgt sich eine riesige Überraschung: Hier befindet sich die zweitgrößte Sammlung Alter Meister in Frankreich, gleich nach dem Pariser Louvre. Ihr seht hier Werke von Raffael, Botticelli oder Delacroix. Das Kombiticket (Schloss, Park und Stallungen) kostet 18 € und ihr kauft es auf der Website des Schlosses Chantilly.

💡 Insider-Tipp: Die Bilder in der Galerie hängen genau so, wie es sich der Herzog von Aumale im 19. Jahrhundert gewünscht hat. Dicht nebeneinander, Rahmen an Rahmen, vom Boden bis zur Decke. Ein faszinierender Anblick, den man in modernen Galerien heute nicht mehr findet.

Grandes Écuries (Große Stallungen)

Für Familien mit Kind sind die Grandes Écuries die Hauptattraktion. Es handelt sich vermutlich um die luxuriösesten Pferdeställe der Welt. Sie sind so monumental, dass Besucher sie im 18. Jahrhundert oft mit dem Schloss selbst verwechselten.

Heute beherbergen sie ein Pferdemuseum und regelmäßig finden hier wunderschöne Reitshows statt. Die Pferde werden jeden Tag trainiert, und für kleine Kinder ist es ein gewaltiges Erlebnis, die Dressur unter der riesigen Kuppel zu beobachten. Jonáš hat hier fast eine ganze Stunde lang fasziniert zugeschaut.

💡 Insider-Tipp: Die Eintrittskarte für die Reitshow ist nicht im Basispreis enthalten. Wenn ihr die Hauptvorstellung sehen wollt (normalerweise donnerstags, an Wochenenden und Feiertagen), müsst ihr etwa 6 € dazuzahlen und die Tickets weit im Voraus online kaufen.

Das Ritual namens Crème Chantilly

Schloss Chantilly spiegelt sich im Wassergraben zur goldenen Stunde

Die Stadt hat der Welt zwei absolut wesentliche Dinge geschenkt: feine schwarze Spitze und vor allem die echte, nach Vanille duftende, handgeschlagene Sahne – die Crème Chantilly. Sie hier frisch geschlagen zu probieren, ist schlicht eine gastronomische und moralische Pflicht.

Meidet allerdings die Stände direkt am Bahnhof. Die besten Orte zum Probieren findet ihr direkt im Schlosspark: das Restaurant La Capitainerie in den ehemaligen Schlossküchen oder das kleine Bistro im englischen Garten. Eine Schale frischer Erdbeeren mit einem gewaltigen Berg dieser luftigen Pracht kostet euch etwa 8 €.

💡 Insider-Tipp: Die echte Sahne aus Chantilly wird von Hand mit großen Schneebesen geschlagen und darf keinerlei Stabilisatoren enthalten. Den Unterschied zur Sprühsahne merkt man beim ersten Bissen. Sie ist unglaublich dicht, sahnig und duftet nach echten Vanilleschoten.

Fontainebleau: Zufluchtsort der Könige und Paradies zwischen Sandsteinfelsen

Sandsteinfelsen im Wald von Fontainebleau

Während Versailles vom Sonnenkönig Ludwig XIV. praktisch auf der grünen Wiese errichtet wurde, war Fontainebleau ganze acht Jahrhunderte lang Residenz französischer Herrscher. Es ist ein riesiger Komplex, der eine viel ältere und rauere Geschichte atmet. Für Pariser ist es der beliebteste Wochenendausflug, denn er bietet die perfekte Kombination aus Kultur und wilder Natur.

Schloss Fontainebleau (Napoleons Spur)

Hufeisenförmige Freitreppe des Schlosses Fontainebleau

Mit dem Zug vom Gare de Lyon seid ihr in 40 Minuten an der Station Fontainebleau-Avon. Die Fahrkarte kostet etwa 9 € und kann auch mit dem vorausbezahlten Pass Navigo Découverte genutzt werden, wenn ihr alle Zonen gekauft habt. Von dort könnt ihr den Bus der Linie 1 nehmen, der euch direkt zum Schloss bringt, oder einen 35-minütigen Spaziergang durch den wunderschönen Wald machen.

Der Palast ist verwinkelt und riesig. Genau auf dem dortigen Haupthof, der heute Cour des Adieux (Hof des Abschieds) heißt, stand Napoleon Bonaparte im Jahr 1814, als er sich von seiner treuen Garde verabschiedete, bevor er ins Exil auf die Insel Elba aufbrach. Drinnen solltet ihr die atemberaubende Galerie Franz I. nicht verpassen, voller Fresken und geschnitztem Holz. Die Eintrittskarte kostet 14 € und ihr reserviert sie auf den offiziellen Seiten.

💡 Insider-Tipp: Die Schlossparks sind im Gegensatz zu Versailles komplett kostenlos zugänglich – 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche. Es gibt einen wunderschönen Teich voller riesiger Karpfen. Ein Stück Brot kaufen und sie füttern gehört zu den traditionellen Ritualen, die Kinder lieben.

Forêt de Fontainebleau und Bouldern

Für viele Einheimische ist Fontainebleau nicht in erster Linie ein Schloss, sondern vor allem ein Wald. Dieser riesige Naturpark mit einer Fläche von 25.000 Hektar ist weltweit einzigartig. Er ist übersät mit gewaltigen Sandsteinblöcken in den skurrilsten Formen.

Es ist ein weltweites Mekka für Boulderer – was uns allerdings erst ein zufällig getroffener Herr mit Kletterschuhen erzählte. Wir kamen dort mit dem Kinderwagen an und Jonáš war trotzdem genauso begeistert, weil er wie wild von Felsblock zu Felsblock sprang und wir ihn nicht einmal beaufsichtigen mussten, denn der weiße Sand darunter ist irgendwie von Natur aus weich. Es sieht hier eher aus wie in einem Märchen als dreißig Kilometer von der hektischen Metropole Paris entfernt. Mit Kinderwagen haltet euch an die markierten Hauptwege (zum Beispiel den Rundweg bei den Gorges de Franchard).

💡 Insider-Tipp: Wenn ihr die interessantesten Felsen sehen wollt, ladet euch eine App mit Karten der lokalen Wanderwege aufs Handy. Der Wald ist so riesig, dass man sich leicht verlaufen kann. Das beliebteste und am besten zugängliche Gebiet für Familien ist der sogenannte L’Éléphant (ein Fels in Elefantenform).

Disneyland Paris: Taktische Operation mit Zweijährigem

Dornröschenschloss im Disneyland Paris zur goldenen Stunde

Viele Eltern denken, dass ein Disneyland-Besuch mit einem Zweijährigen keinen Sinn hat – das Kind wird sich nicht erinnern und kommt sowieso auf keine Attraktion. Weit gefehlt. Das Pariser Disneyland ist für Kleinkinder überraschend gut ausgestattet. Man muss es nur eher wie eine militärische Taktikoperation angehen als wie einen sorglosen Ausflug.

Wichtige Fakten und Preise für Familien

Die Anreise ist kinderleicht. Vom Pariser Zentrum (z.B. Station Châtelet-Les Halles) nehmt ihr die rote Linie RER A und steigt nach 45 Minuten an der Endstation Marne-la-Vallée/Chessy aus, die direkt an den Parktoren liegt. Die Fahrkarte kostet 5 €.

Kinder bis einschließlich 2 Jahre haben kostenlosen Eintritt und brauchen kein Ticket – ab dem dritten Lebensjahr gilt jedoch der Kindertarif. Das Basis-Tagesticket für Erwachsene für einen Park (Disneyland Park) beginnt in der Nebensaison bei 62 € und an Wochenenden und in den Ferien klettert es locker über 100 €. Kauft also ausschließlich vorab online – an den Kassen werden keine Tickets mehr verkauft.

💡 Insider-Tipp: Nehmt auf jeden Fall euren eigenen Kinderwagen mit. Auch wenn das Kind normalerweise läuft – das Gelände ist riesig und der Buggy dient als mobile Basisstation für Jacken, Snacks und Mittagsschlaf. Falls ihr ihn vergesst, könnt ihr am Eingang einen Plastikwagen für 25 € leihen.

Fantasyland als euer Hauptziel

Mit einem kleinen Kind ignoriert die Adrenalizonen wie Discoveryland. Euer Hauptrevier wird das Fantasyland im hinteren Teil des Hauptparks hinter dem Dornröschenschloss sein. Im Park gibt es erstaunliche 47 Attraktionen ohne Mindestgröße, auf die ihr also auch mit dem Kleinkind auf dem Schoß gehen könnt.

Die besten Attraktionen für die Kleinsten sind:

  • It’s a Small World: Der absolute Klassiker. Ein langsames Boot gleitet durch Szenen mit tausenden singenden Puppen. Keine Dunkelheit, keine Gruseleffekte – pure Freude und eine eingängige Melodie.
  • Peter Pan’s Flight: Ein wunderschönes fliegendes Schiff über dem nächtlich leuchtenden London. Gehört allerdings zu den beliebtesten Attraktionen, daher gibt es hier riesige Warteschlangen.
  • Le Pays des Contes de Fées: Eine ruhige Bootsfahrt im Freien vorbei an Miniaturen berühmter Märchen. Perfekt für einen Moment der Ruhe.
  • Dumbo the Flying Elephant: Fliegende Elefanten, bei denen ihr per Hebel selbst die Flughöhe bestimmt.

💡 Insider-Tipp: Vorsicht bei der Attraktion Snow White’s Scary Adventures (Schneewittchen). Sie heißt nicht umsonst „scary“. Einen Großteil der Fahrt seid ihr im Dunkeln unterwegs und die böse Hexe, die aus der Dunkelheit hervorspringt, kann kleinere Kinder wirklich zum Weinen bringen.

Strategie Extra Magic Hour und Essen

Wenn ihr es euch leisten könnt und in einem der offiziellen Disney-Hotels übernachtet, bekommt ihr die sogenannte Extra Magic Hour. Ihr dürft den Park bereits um 8:30 Uhr betreten, während normale Besucher erst um 9:30 Uhr reinkommen. Diese Morgenstunde ist für das Fantasyland Gold wert. Ihr schafft Attraktionen, für die man später am Tag stundenlang ansteht.

Essen im Park ist teuer und die Schlangen an den Ständen endlos. Packt eigene Quetschbeutel, Knabbereien, geschnittenes Obst und Wasserflaschen ein (im Park gibt es Trinkbrunnen zum Nachfüllen). Kleinkind-Hunger wartet nicht, bis ihr eine halbstündige Schlange für ein Hot Dog abgestanden habt.

Nachmittags solltet ihr euch die Parade (Umzug der Festwagen) nicht entgehen lassen. Für Kleinkinder ist es oft ein größeres Erlebnis, Mickey in Lebensgröße zu sehen, als die Karussells selbst.

💡 Insider-Tipp: Wenn ihr mit Lukáš auf eine große Achterbahn wollt (z.B. Hyperspace Mountain), nutzt den Service Rider Switch. Ihr steht beide an, einer fährt, der andere passt aufs Kind auf – und dann tauscht ihr, ohne erneut anstehen zu müssen.

Reims: Champagner und Gotik in 45 Minuten mit dem Schnellzug

Gotische Kathedrale Notre-Dame in Reims in dramatischem Licht

Die Vorstellung, morgens einen Kaffee mit Croissant am Pariser Canal Saint-Martin zu trinken und vormittags schon in der Hauptstadt der Champagne zu stehen, klingt etwas nach Science-Fiction. Aber dank der TGV-Hochgeschwindigkeitszüge ist es absolute Realität. Vom Gare de l’Est seid ihr in unglaublichen 45 Minuten in Reims.

Kathedrale Notre-Dame de Reims

Die Hin- und Rückfahrt mit dem TGV kostet je nach Buchungszeitpunkt zwischen 30 und 60 €. Das Stadtzentrum ist vom Bahnhof nur zehn Gehminuten entfernt.

Die Hauptattraktion ist die Kathedrale Notre-Dame de Reims (UNESCO-Welterbe). Ein überwältigender gotischer Bau, der historisch gesehen deutlich bedeutender ist als die Pariser Kathedrale. Hier wurden über Jahrhunderte hinweg 33 französische Könige gekrönt. Innen herrscht wunderbare Stille und gewaltiger Raum. Verpasst auf keinen Fall die modernen, leuchtend blauen Glasfenster im hinteren Bereich, die der berühmte Maler Marc Chagall 1974 geschaffen hat.

💡 Insider-Tipp: TGV-Tickets gehen etwa 3 bis 4 Monate vor dem Reisedatum in den Verkauf. Wenn ihr sie gleich am ersten Verkaufstag kauft, bekommt ihr den Prem’s-Tarif, der nur einen Bruchteil des Normalpreises kostet. Last-Minute-Preise sind astronomisch.

Verkostung in den Kreidekellern

Reims ist durch und durch von kilometerlangen antiken Kreidekellern durchzogen, in denen bei perfekter Kühle und Dunkelheit Millionen von Flaschen der prestigeträchtigsten Marken reifen. Hier sitzen Giganten wie Veuve Clicquot, Taittinger, Pommery oder Ruinart.

Eine Kellerführung mit Verkostung müsst ihr mindestens 1 bis 2 Wochen im Voraus über die Websites der einzelnen Häuser reservieren. Ohne Anmeldung kommt niemand rein. Eine übliche Führung mit Verkostung von ein oder zwei Gläsern kostet zwischen 25 und 50 € pro Person.

💡 Insider-Tipp: Mit Kleinkind kann es in den Kellern etwas nervenaufreibend sein. Sie sind dunkel, feucht, die Temperatur liegt konstant bei etwa 10 Grad (packt dem Kind auch im Sommer einen warmen Pullover ein!) und die Führung zieht sich. In manche Keller (z.B. bei Taittinger, wo man viele Stufen hinabsteigt) passt oft kein Kinderwagen. Die Trage ist hier die einzige Rettung.

Weitere tolle Tipps für Tagesausflüge

Wenn ihr Versailles und Disneyland schon abgehakt habt und etwas Kleineres sucht, hält die Umgebung von Paris jede Menge versteckte Schätze bereit, die ihr auch in einem halben Tag schaffen könnt.

Auvers-sur-Oise (Auf den Spuren Van Goghs)

Kirche in Auvers-sur-Oise, verewigt von Van Gogh

Ein malerisches Dorf, knapp eine Zugstunde nordwestlich von Paris. Dieser Ort hat eine leicht melancholische Atmosphäre. Genau hier verbrachte Vincent van Gogh seine letzten Tage. In nur 70 Tagen malte er hier unfassbare 80 Bilder, bevor er sich auf einem nahegelegenen Feld erschoss.

Das Dachzimmer im Gasthof Auberge Ravoux, das seit seinem Tod unbewohnt geblieben ist, hat in mir ein seltsames Gefühl der Schwere ausgelöst. Es wirkt dort ganz anders als die überladenen königlichen Paläste. Und dann der Friedhof, wo Vincent Seite an Seite mit Theo liegt, beide unter einer schlichten, efeubewachsenen Platte. Ich weiß nicht warum, aber dieser Ort hat mich tiefer getroffen als manches weltberühmte Gemälde. Rund um das Dorf führt ein Weg mit Tafeln, die seine Bilder genau an den Stellen zeigen, wo er sie vor über einem Jahrhundert gemalt hat.

💡 Insider-Tipp: In der Touristeninformation nahe des Bahnhofs bekommt ihr kostenlos einen Ortsplan. Der Spaziergang zur berühmten Kirche von Auvers und weiter zu den Weizenfeldern ist sehr einfach und problemlos auch mit Kinderwagen machbar.

Château de Vincennes (Burg an der Metro-Endstation)

Ihr sucht einen Ausflug hinter Festungsmauern, habt aber keine Lust, Zugfahrpläne zu studieren? Das Schloss Vincennes ist eure Lösung. Es ist die einzige echte mittelalterliche Burg in der Umgebung, die ihr mit der ganz normalen Pariser Metro erreicht. Einfach die gelbe Linie 1 bis zur Endstation Château de Vincennes nehmen.

Dort erwartet euch eine massive Festung mit Wassergraben und dem höchsten Bergfried (Donjon) Europas mit stolzen 50 Metern. Es wirkt hier deutlich militärischer und nüchterner – ein großartiger Kontrast zum herausgeputzten Versailles. Die Eintrittskarte kostet 9,50 €. Direkt neben der Burg beginnt der riesige Waldpark Bois de Vincennes mit einem See, auf dem man Boote mieten kann.

💡 Insider-Tipp: Der Wassergraben rund um die Burg ist heute trockengelegt und begrünt. Ein fantastischer und absolut sicherer Ort, an dem Kinder die Hänge hoch- und runterrennen können, während ihr entspannt auf einer Decke sitzt.

Provins (Mittelalter unter UNESCO-Schutz)

Mittelalterliche Stadtmauern und Türme der Stadt Provins

Wenn ihr Ritter, Fachwerkhäuser und massive Steinmauern mögt, fahrt nach Provins. Es liegt etwa 90 Kilometer südöstlich von Paris und mit dem Zug der Linie P vom Gare de l’Est seid ihr in anderthalb Stunden dort.

Die gesamte Stadt steht auf der UNESCO-Welterbeliste und sieht genau so aus, wie man sich die Kulisse eines Historienfilms vorstellt. Ihr könnt auf den Stadtmauern spazieren, unterirdische Gänge besichtigen oder eine Falknerei-Show anschauen. Die Stadt ist außerdem berühmt für den Rosenanbau – an jeder Ecke gibt es Rosenmarmelade, Rosenhonig oder Rosenbonbons.

💡 Insider-Tipp: Kauft euch den sogenannten Provins Pass (ca. 15 €). Er beinhaltet den Eintritt zu vier Hauptsehenswürdigkeiten inklusive des Turms Tour César und der unterirdischen Gänge. Das lohnt sich deutlich mehr als Einzeltickets für jede Attraktion.

Wo essen bei Ausflügen (und wie das Budget nicht sprengen)

Gastronomie ist in Frankreich heilig, aber an beliebten Touristenorten verbrennt man sich schnell die Finger. Lukáš und ich haben nach ein paar teuren und ziemlich durchschnittlichen Mittagessen schnell begriffen, dass die Grundlage eines rundum gelungenen Ausflugs mit Kleinkind eine durchdachte Essensstrategie ist.

Picknicks als absolute Rettung

Das beste Mittagessen ist schlicht und ergreifend das, was ihr selbst mitbringt. Klingt zwar völlig banal, aber in Frankreich ist ein ordentliches Picknick ein vollwertiges gastronomisches Erlebnis. In die Innenräume der Schlösser darf man zwar kein Essen mitnehmen, aber die riesigen Gärten von Versailles, Fontainebleau oder die wunderschönen Wiesen hinter dem Dorf Giverny sind zum Decke-Ausbreiten wie geschaffen.

Morgens vor der Abfahrt aus Paris gehen wir immer in unsere Lieblingsbäckerei für frische, knusprige Baguettes. Dazu ein Stück guten Käse, Kirschtomaten und Weintrauben. Jonáš ist total begeistert, dass er draußen auf der Wiese essen darf, und Lukáš und ich haben unsere Ruhe, ohne uns in überfüllten und überteuerten Restaurants stressen zu müssen 😉.

Wo man sich etwas Besonderes gönnen kann

Wenn wir uns doch für ein Mittagessen vor Ort entscheiden, wählen wir sehr sorgfältig aus. In Chantilly solltet ihr auf keinen Fall das Restaurant La Capitainerie verpassen, das sich direkt in den historischen Schlossküchen befindet, oder das kleine Café in den Gärten. Die Atmosphäre dort ist fantastisch und zum Dessert müsst ihr natürlich die legendäre echte Sahne probieren.

In Giverny lohnt es sich wiederum enorm, einen Tisch im Le Jardin des Plumes zu reservieren, wo nach vorheriger Absprache ein wundervolles vegetarisches Menü aus regionalen Zutaten zubereitet wird. Es ist ein etwas teureres Erlebnis, aber die Belohnung nach einem langen Tag in den Gärten ist es definitiv wert. Im Disneyland hingegen verlassen wir uns ausschließlich auf eigene Vorräte, weil die Schlangen an den Bistros selbst die geduldigsten Eltern an ihre Grenzen bringen.

Praktische Infos: Transport, Budget und Tipps für 2026

Ausflüge ab Paris erfordern ein bisschen Rechenarbeit. Herauszufinden, welches Ticket sich am meisten lohnt, ist manchmal komplizierter als eine Abiturprüfung. Hier sind die Grundregeln, an die wir uns halten.

Züge und Transport

Regionalzüge (RER, Transilien, TER) haben feste Preise. Wenn ihr während einer Woche in Paris herumfahren, nach Versailles und dazu noch ins Disneyland oder nach Fontainebleau wollt, lohnt sich am allermeisten der Pass Navigo Découverte.

Diese Karte deckt alle Zonen (1-5) für eine ganze Woche ab und kostet 30,75 € plus 5 € für die Ausstellung der Karte selbst. Ihr müsst ein eigenes Passfoto mitbringen! Aber Achtung, eine Tücke: Die Karte gilt IMMER nur von Montag bis Sonntag. Wenn ihr donnerstags anreist, lohnt sie sich nicht mehr.

Für TGV-Hochgeschwindigkeitszüge (Reims, Straßburg) gelten andere Regeln. Diese Tickets unterliegen dynamischer Preisgestaltung. Je früher ihr sie kauft (idealerweise auf der Website SNCF Connect), desto günstiger werden sie.

Beispielbudget für einen Tagesausflug zu zweit (Versailles)

  • Transport: Hin- und Rückfahrt Zug Linie N für zwei Erwachsene: 16,40 €
  • Eintrittskarten: 2x Passport für Palast und Trianons: 64 €
  • Mittagessen: Baguettes, Käse und Obst als Picknick, in Paris eingekauft: 15 €
  • Kaffee und Süßes: Kaffee und Macarons in den Gärten: 12 €
  • Gesamt: 107,40 € für einen sehr gelungenen Tag als Paar mit Kind (Kind kostenlos).

An Bahnhöfen wie dem Gare du Nord oder Gare de l’Est passt wirklich auf Taschendiebe auf. Das ist kein Klischee – uns hat einmal ein freundlicher Herr am Fahrkartenautomaten „Hilfe“ angeboten und ich habe ihn eine halbe Minute lang auf die Tasten drücken lassen, bis Lukáš mir leise auf die Schulter tippte. Sie bieten euch „Hilfe“ beim Kauf an, stehlen aber in Wirklichkeit eure Karte oder verkaufen euch ein entwertetes Ticket. Kauft immer selbst oder fragt ausschließlich Personal in SNCF-Uniform.

Häufig gestellte Fragen

Wie lange dauert die Zugfahrt von Paris nach Versailles?

Die Fahrt mit dem Zug der Linie N vom Bahnhof Gare Montparnasse zur Station Versailles Chantiers dauert etwa 15 bis 20 Minuten. Vom Bahnhof müsst ihr dann noch mit weiteren 15 Minuten bequemem Fußweg direkt zu den Toren des Palastes rechnen.

Kann man Monets Gärten in Giverny im Winter besuchen?

Leider nein. Die Gärten haben eine streng festgelegte Saison und werden im Winter für Pflege- und Pflanzarbeiten komplett geschlossen. Im Jahr 2026 sind sie vom 1. April bis 1. November geöffnet (mit Ausnahme des Wochenendes vom 19. und 20. September).

Gilt der Paris Museum Pass auch für den Transport außerhalb von Paris?

Nein, der Paris Museum Pass deckt ausschließlich Eintritte in Sehenswürdigkeiten und Museen ab (einschließlich der Schlösser Versailles, Chantilly und Fontainebleau). Fahrkarten für RER- oder Regionalzüge müsst ihr immer separat kaufen.

Darf man Essen und Trinken mit nach Versailles nehmen?

In den Palast selbst dürft ihr kein Essen mitnehmen (auch keine Trinkflaschen – die müssen an der Garderobe abgegeben werden). In den riesigen Schlossgärten und im Park sind Picknicks dagegen sehr willkommen und die beste Möglichkeit, bei den überteuerten Restaurants im Gelände zu sparen.

Ab welchem Alter zahlt man Eintritt im Disneyland Paris?

Kinder bis einschließlich 2 Jahre haben in beide Parks komplett freien Eintritt und brauchen keinerlei Ticket. Ab dem 3. Lebensjahr muss ein vollwertiges Kinderticket gekauft werden.

Schafft man Reims und eine Champagnerverkostung an einem Tag?

Absolut und mit Leichtigkeit. Dank der TGV-Schnellzüge dauert die Fahrt nur 45 Minuten. Wenn ihr morgens gegen neun losfahrt, schafft ihr vormittags die Kathedrale, nach dem Mittagessen die reservierte Kellerführung und seid zum Abendessen bequem wieder in Paris.

Kann man mit einem t+-Ticket (Metro-Ticket) nach Fontainebleau fahren?

Nein, das normale t+-Ticket gilt nur für die Zonen 1 und 2 innerhalb von Paris. Fontainebleau liegt in Zone 5. Ihr müsst am Automaten ein spezielles Billet Île-de-France (Billet Origine-Destination) kaufen oder einen aufgeladenen Pass Navigo für die Zonen 1-5 haben.

Lohnt sich Chantilly mit kleinen Kindern?

Auf jeden Fall. Im Gegensatz zum überfüllten Louvre sind die hiesigen Galerien deutlich ruhiger. Für Kinder sind aber die riesigen Stallungen (Grandes Écuries) mit echten Pferden und der weitläufige Park die Hauptattraktionen, wo sie herumtollen und die echte lokale Sahne probieren können.

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