Wenn ihr mit dem Morgenkaffee in der Hand durch die engen Gassen des alten Paris Frankreich schlendert, während die Stadt gerade erst träge erwacht und aus den Bäckereien frische Butter duftet, fühlt ihr euch wie in einem perfekten Film. Besonders wenn ihr dabei einen Kinderwagen vor euch herschiebt und euer Kleinkind zufrieden die Tauben auf dem kleinen Platz beobachtet. Alles drumherum wirkt so elegant, gepflegt und makellos. Doch diese romantische Fassade, die sich die französische Metropole so sorgfältig aufbaut, ist eigentlich eine einzige große – wenn auch verdammt schöne – Lüge. Das echte Paris ist nämlich viel düsterer, verworrener und faszinierender, als euch jeder polierte Reiseführer weismachen will.
Unter den breiten Boulevards, auf denen wir heute shoppen gehen, verbergen sich Millionen von Knochen und Hunderte Kilometer dunkler Abwasserkanäle. Die berühmtesten Sehenswürdigkeiten, vor denen sich heute Menschenmassen mit Handys in der Hand drängen, verdanken ihren Ruhm oft dem puren Zufall, einem Diebstahl oder einem simplen bürokratischen Irrtum. Und die perfekten Pariser Wohnungen mit Ausblick? Ihre Entstehung wurde mit einem enormen sozialen Preis und dem rücksichtslosen Abriss ganzer Viertel bezahlt. Paris testet euch ständig und spielt ein raffiniertes Spiel zwischen Wahrheit und Illusion.
Das Jahr 2026 ist für die Entdeckung dieser Geschichten zudem absolut außergewöhnlich. Die Stadt hat nach dem olympischen Wahnsinn wieder Luft geholt. Die Kathedrale Notre-Dame, nach dem verheerenden Brand von neuen Legenden umrankt, ist endlich wieder in voller Pracht geöffnet. Das berühmte Centre Pompidou hat dagegen bis 2030 geschlossen, was anderen, weniger bekannten Orten Raum gibt, zu glänzen. Im Sommer wird man nach hundert Jahren erstmals wieder offiziell in der Seine schwimmen können. Und für mich persönlich ist ein kleines Wunder geschehen: Das legendäre Michelin-Restaurant Arpège hat auf ein rein pflanzliches Menü umgestellt – ein absolutes Erdbeben in der Welt der französischen Haute Cuisine.
Was erwartet euch also? Berühmte Pariser Mythen, ein Diebstahl, der die Mona Lisa zum Weltstar machte, das Paris-Syndrom, das Touristenherzen bricht, und warum die Serie Emily in Paris uns gnadenlos anlügt. Dazu ein paar Tipps, wohin ihr gehen solltet, wenn euch die dunkle Seite dieser unglaublich schönen Lüge interessiert.
Zusammenfassung

- Der Eiffelturm sollte ursprünglich nach zwanzig Jahren abgerissen werden. Gerettet hat ihn eine militärische Radioantenne – und später auch die Tatsache, dass ein deutscher General Hitlers Befehl zur Zerstörung nicht befolgte.
- Die Mona Lisa war bis 1911 nur eines von vielen Gemälden im Louvre. Zur globalen Berühmtheit machte sie erst der dreiste Diebstahl eines italienischen Arbeiters, der sie zwei Jahre in seinem Zimmer versteckte.
- Das Paris-Syndrom ist eine echte psychiatrische Diagnose. Touristen (häufig aus Japan) erleben einen schweren Schock, wenn sie feststellen, dass Paris nicht nur Filmromantik ist, sondern auch Lärm, Stress und barsche Kellner.
- Die Serie Emily in Paris zeigt eine Stadt, die es nicht gibt. Echte Pariser tragen keine Pastellfarben, fahren nicht überall mit dem Taxi (weil der Verkehr die Hölle ist) und ohne ein „Bonjour“ zur Begrüßung spricht niemand mit euch.
- Unter Paris liegen 300 Kilometer Katakomben mit den Überresten von sechs Millionen Menschen und 2400 Kilometer historischer Abwasserkanäle, die sogar ein eigenes Museum haben.
- Die breiten Pariser Boulevards (Haussmanns Umbau) entstanden nicht der Schönheit wegen, sondern damit Revolutionäre keine Barrikaden mehr errichten konnten und die Armee Platz für Artillerie hatte.
- Die Geschichte vom Phantom der Oper basiert auf der Realität. Unter dem Palais Garnier befindet sich bis heute ein riesiger künstlicher See, in dem Pariser Feuerwehrleute trainieren.
- Die goldene Überlebensregel ist einfach: Ignoriert die Straßenbetrüger. Niemand hat vor euren Füßen einen goldenen Ring gefunden, niemand will euch an Sacré-Cœur gratis ein Freundschaftsarmband schenken und der Eintritt in Notre-Dame ist kostenlos.

Wann die Pariser Geheimnisse entdecken: Wetter und Saisons 2026
Das richtige Timing ist absolut entscheidend – besonders wenn ihr nicht stundenlang in Warteschlangen stehen oder euch auf dem Bürgersteig um Platz streiten wollt. Paris ist eine Stadt, die intensiv auf die Jahreszeiten reagiert. Jede Saison verändert nicht nur die Temperatur, sondern auch die Stimmung der Einheimischen und die Zugänglichkeit der Sehenswürdigkeiten. Wir versuchen mit Lukáš unsere Reisen so zu planen, dass wir dem größten Wahnsinn aus dem Weg gehen – denn durch dunkle, legendenumwobene Gassen mit einer Horde Fremder im Nacken zu laufen, hat einfach nicht die richtige Atmosphäre.
Beste Monate für die Entdeckung von Legenden

Lukáš und ich schwören darauf, dass wir das schönste Paris immer im Frühling oder Herbst erlebt haben. Der Mai bringt blühende Bäume und angenehme Temperaturen um die 20 °C – ideal für lange Spaziergänge auf den Spuren berühmter Schriftsteller im Quartier Latin. Der Herbst, konkret Oktober und November, hat dagegen eine unglaublich melancholische Atmosphäre. Häufiger Nebel über der Seine und herabgefallenes Laub im Jardin du Luxembourg bilden die perfekte Kulisse für Geschichten über das Phantom der Oper oder verfluchte Dichter. Außerdem ebbt die touristische Hauptwelle ab, sodass ihr in kleinere Museen und unterirdische Räume deutlich leichter hineinkommt.
Vor allem dieses herbstliche Licht, wenn es sich in den Pfützen entlang der Seine spiegelt, wird mich wohl nie langweilen. Dann versteht man all die Maler und Schriftsteller, die hierher kamen, um verlorene Inspiration zu suchen – und am Ende jahrelang geblieben sind.
💡 Insider-Tipp: Wenn ihr ein wirklich magisches, leicht gruseliges Paris erleben wollt, besucht den Friedhof Père-Lachaise frühmorgens im November. Der Morgennebel zwischen den alten Grabsteinen ist unglaublich fotogen, und die Touristenmassen kommen erst gegen zehn Uhr.
Wann ihr lieber zu Hause bleibt

Der August ist der Monat, in dem sich Paris in eine seltsame Geisterstadt verwandelt – kombiniert mit touristischem Freilichtmuseum. Die Einheimischen flüchten ans Meer, viele Familienbäckereien und kleine Bistros schließen, und auf den Straßen trifft man nur verwirrte Besucher mit Stadtplan. Der Asphalt strahlt zudem eine solche Hitze ab, dass eine Stadtbesichtigung eher zum Belastungstest wird. Wenn ihr mit Kindern reist, macht um den August einen großen Bogen. Aufpassen solltet ihr auch um die Wende Februar/März, wenn die Fashion Week die Stadt beherrscht. Die Übernachtungspreise machen in dieser Zeit absolut keinen Sinn, und in vielen Restaurants im Zentrum bekommt ihr ohne Reservierung einen Monat im Voraus keinen Platz.
Wir haben mit Lukáš einmal diesen Fashion-Week-Wahnsinn am eigenen Leib erlebt, und ehrlich gesagt war es ziemlich heftig. Überall, wo wir hin wollten, gab es kein Durchkommen, in unsere Lieblingscafés kamen wir nicht rein, und auf den Straßen wuselten ständig Fotografen herum, denen wir mit unserem Kinderwagen wohl nur im Bild standen. Diese Saison überlassen wir inzwischen ausdrücklich den Mode-Enthusiasten.
💡 Insider-Tipp: Die Fontänen am Trocadéro, die ihr von den perfekten Instagram-Fotos kennt, sind von November bis März wegen Wartung und Frost oft abgestellt. Plant also kein großes Winter-Fotoshooting dort – es erwartet euch der Anblick von leerem Beton.
Veranstaltungskalender und Jahrestage 2026

Das Jahr 2026 bringt einige Besonderheiten mit sich, die ihr bei der Planung berücksichtigen müsst. Von Juli bis August startet das riesige Projekt „Seine Swimming“ – offizielle Freibäder direkt im Fluss. Darüber wurde jahrzehntelang geredet, und jetzt ist es endlich Realität. Ein kritisches Datum für Kunstliebhaber ist das Wochenende vom 19. und 20. September 2026 mit den Journées du Patrimoine (Tag des offenen Denkmals). Während in Paris normalerweise unzugängliche Paläste und Regierungsgebäude kostenlos ihre Türen öffnen, sind die berühmten Gärten von Monet in Giverny an diesen beiden Tagen ausnahmsweise strikt geschlossen.
Ein weiteres großes Ereignis, über das dieses Jahr ständig gesprochen wird, ist die Wiedereröffnung mehrerer ikonischer Passagen im Zentrum, die jahrelang hinter Gerüsten versteckt waren. Es ist schön zu beobachten, wie sich die Stadt ständig wandelt und sich nach der Olympiade Zeit nimmt, diese kleineren Freuden zur Perfektion zu bringen.
💡 Insider-Tipp: Am ersten Oktoberwochenende findet die Nuit Blanche (Weiße Nacht) statt. Die ganze Stadt ist wach, die Straßen sind voller Kunstinstallationen und die öffentlichen Verkehrsmittel fahren bis zum Morgen kostenlos. Es ist die beste Nacht, um moderne Pariser Kultur aufzusaugen.

Unterkunft in Paris: Basis für Familien und Rätselfreunde
Die Wahl des Viertels ist in Paris absolut entscheidend. Es geht nicht nur darum, wo ihr schlaft, sondern welche Atmosphäre ihr gleich nach dem Aufwachen einatmet. Die zwanzig Pariser Arrondissements winden sich vom Zentrum aus wie ein Schneckenhaus, und jedes hat einen völlig anderen Charakter. Wir haben die Phase hinter uns, in der wir im lauten Zentrum übernachtet haben – seitdem Jonáš mit uns reist, haben wir ganz andere Prioritäten. Wir brauchen Sicherheit, breitere Gehwege für den Kinderwagen, Parks in der Nähe und ruhige Nächte.
Warum wir das 6. und 3. Arrondissement wählen

Für Familien und alle, die ein authentisches, aber ruhiges Paris suchen, ist das 6. Arrondissement (Saint-Germain-des-Prés) der absolute Favorit. Historisch ist es das Viertel der Intellektuellen, voller kleiner Verlage und stiller Gassen – und der Hauptvorteil: Ihr habt den Jardin du Luxembourg direkt vor der Nase (für uns der schönste Park der Welt), mit fantastischen Kinderspielplätzen und sicheren, breiten Straßen für den Kinderwagen.
Eine tolle Alternative ist der nördliche Teil des 3. Arrondissements (Haut Marais). Anders als der überfüllte Süden des Marais-Viertels (4. Arrondissement) ist dieser Teil ruhiger. Zwar gibt es hier enge Gassen, aber ihr findet jede Menge großartiger vegetarischer Bistros, unabhängiger Boutiquen und den fantastischen überdachten Markt Enfants Rouges. Wenn ihr nah am Eiffelturm sein und abends ein Picknick machen wollt, sucht im 7. Arrondissement (Invalides). Es ist ein extrem ruhiges Wohnviertel, dem zwar das lebhafte Nachtleben fehlt, aber für Familien ist das ein riesiger Pluspunkt. Meidet dagegen die Gegend um den Bahnhof Gare du Nord (10. Arrondissement), wo es mit der Sicherheit besonders abends nicht gerade rosig aussieht.
Wo mit Kindern übernachten (konkrete Tipps 2026)
Die Wahl des Viertels beeinflusst euer gesamtes Stadterlebnis und euer Budget grundlegend. Paris ist in zwanzig Arrondissements unterteilt, die sich vom historischen Zentrum am Louvre spiralförmig im Uhrzeigersinn nach außen winden. Eine günstige Unterkunft im Zentrum zu finden, ist fast unmöglich – aber wenn ihr wisst, wo ihr suchen müsst, findet ihr einen guten Kompromiss zwischen Preis, Sicherheit und Erreichbarkeit.
Mit Kinderwagen und Jonáš solltet ihr einen großen Bogen machen um den nördlichen Teil des 10. Arrondissements rund um den Bahnhof Gare du Nord und das nächtliche Pigalle im 18. Arrondissement. Einmal haben wir uns dort mit einem Freund um zwei Uhr nachts verlaufen – das will man mit einem Zweijährigen definitiv nicht nochmal erleben. 😅
Nach langer Suche haben wir uns für das Hôbou entschieden, ein authentisches französisches Boutique-Hotel in Boulogne-Billancourt (reservieren könnt ihr hier), das auf den ersten Blick fast unscheinbar wirkt, aber innerhalb der ersten paar Stunden werdet ihr es lieben.

Essen in Paris: Unsere Lieblingsbistros und Cafés
Hand aufs Herz: In der ersten Woche haben Lukáš und ich hauptsächlich Baguettes aus der Bäckerei gegessen, denn mit Kinderwagen und Jonáš abends einen freien Tisch in einem Restaurant zu finden, ist ein Sport für sich. Mit begrenztem Budget lassen sich die berühmten Michelin-Sterne nur schwer jagen, also mussten wir lernen, wie man in Paris gut isst, dabei die Familienkasse nicht sprengt und vor allem Orte findet, wo man Jonáš nicht schief anschaut.
Im Zentrum ein gutes Restaurant zu finden, das nicht bloß eine Touristenfalle mit überteuerten, müden Croissants ist, braucht etwas Übung. Nach ein paar Fehlgriffen haben wir aber einige Adressen entdeckt, zu denen wir bei jedem Besuch zurückkehren. Und keine Sorge – die veganen Tipps, die mich an der Pariser Szene gerade am meisten begeistern, kommen auch nicht zu kurz.
Frühstück und Kaffee, der euch auf die Beine bringt

Wenn es etwas gibt, das die Franzosen perfekt beherrschen, dann ist es süßes Gebäck. Unsere Morgenroutine beginnt meistens in der Bäckerei La Maison d’Isabelle (im 5. Arrondissement), die 2018 den Preis für das beste Croissant in ganz Paris gewonnen hat. Und glaubt mir, diese Auszeichnung ist absolut verdient. Ein Butter-Croissant kostet hier rund 1,20 € und blättert wunderbar. Wir nehmen mit Lukáš immer gleich mehrere in der Papiertüte mit und essen sie unterwegs.
Guter Specialty-Kaffee war in Paris lange eine echte Herausforderung, denn die Einheimischen lassen nichts auf ihren klassischen, dunkel gerösteten Espresso am Tresen kommen. Zum Glück ändert sich das. Unser Favorit ist das Café Loustic im 3. Arrondissement (Haut Marais). Es gibt hier genug Platz, einen großartigen Flat White für etwa 5 € und die Bedienung lächelt uns an, selbst wenn wir gerade mit verschüttetem Wasser am Tisch kämpfen 😅.
Abendessen mit Familienatmosphäre ohne Sterne

Wenn wir abends gut und günstig essen und dabei das echte Pariser Getümmel erleben wollen, steuern wir das Bouillon Chartier an. Diese traditionellen Volksgaststätten (Bouillons) entstanden an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert ursprünglich für Arbeiter. Wir mögen die Filiale an den Grands Boulevards besonders. Es ist riesig, laut, die Kellner in schwarzen Westen schreiben die Bestellungen direkt auf die Papiertischdecke, und klassisches französisches Essen bekommt ihr hier für einen Spottpreis. Ein Hauptgericht wie Bœuf Bourguignon kostet rund 12 €. Seid nur darauf gefasst, dass ihr vielleicht mit Fremden an einem Tisch sitzt – was aber seinen ganz eigenen Charme hat.
Und damit ich meine pflanzlichen Herzensfavoriten nicht vergesse: Ich muss das Le Potager de Charlotte erwähnen (mit Filialen im 9. und 17. Arrondissement). Es ist ein Familienunternehmen zweier Brüder, die fantastische, rein vegane französische Küche machen. Ihre gebackene Aubergine oder die Kichererbsenpfannkuchen sind ein absoluter Traum. Ein Abendessen kommt hier auf etwa 25 € pro Person. Hierhin gehen wir meistens, wenn Jonáš schon im Kinderwagen schläft und Lukáš und ich mit einer Flasche Wein mal einen Moment für uns haben ☺️.

Die Eiserne Dame, die jung sterben sollte
Wenn ihr die Augen schließt und euch Paris vorstellt, seht ihr garantiert ihn: den Eiffelturm. Er bildet den absolut unverrückbaren Anker des Stadtpanoramas. Es wirkt, als hätte er schon immer hier gestanden und als wäre er vom ersten Tag an geliebt worden. Dabei stand seine Existenz gleich mehrfach auf Messers Schneide – eine Geschichte voller Hass, politischer Intrigen und ordentlich viel Glück, über die man Romane schreiben könnte. Um das berühmteste Bauwerk der Welt ranken sich so viele Legenden, dass es manchmal schwer fällt, historische Fakten von Stadtmärchen zu unterscheiden.
Der Mythos von der zwanzigjährigen Lebensdauer und die Rettung durch das Radio

Oft hört man, dass der Turm nach zwanzig Jahren hätte abgerissen werden sollen. Das ist überraschenderweise kein Mythos, sondern die reine Wahrheit. Gustave Eiffel baute ihn als temporäre, wenn auch monumentale Attraktion für die Weltausstellung von 1889. In der Tasche hatte er eine Pachtlizenz für gerade einmal zwei Jahrzehnte. Im Jahr 1909 sollte er einfach demontiert und als Schrott verkauft werden. Die Pariser Kulturelite freute sich regelrecht darauf. Schriftsteller wie Guy de Maupassant oder Alexandre Dumas der Jüngere verfassten wütende Petitionen gegen diese „tragische Straßenlaterne“ und den „schwarzen Fabrikschornstein“, der ihrer Meinung nach die Stadt verschandelte.
Eiffel war aber nicht nur ein genialer Ingenieur – er hatte auch einen enormen Spürsinn für Business und Politik. Er wusste: Wenn er dem Bauwerk keinen verdammt guten praktischen Nutzen verschaffte, würde es in der Versenkung verschwinden. Die Rettung kam aus der damals unsichtbaren neuen Welt der Radiowellen. Eiffel verwandelte den Turm in eine riesige Antenne. Im Jahr 1909, als die Konzession auslaufen sollte, funktionierte er bereits als zentraler militärischer Telegrafenknotenpunkt. Während des Ersten Weltkriegs fing die französische Armee von hier aus deutsche Depeschen ab und koordinierte die Verteidigung. Das Stahlmonster rettete sich den Hals, indem es sich schlicht für den Staat unverzichtbar machte.
💡 Insider-Tipp: Der Eintritt auf den Eiffelturm ist teuer (Aufzug bis ganz nach oben: 29,40 € – Tickets nur über die offizielle Website des Eiffelturms kaufen!) und die Schlangen sind zermürbend. Einen viel besseren Ausblick, bei dem ihr den Eiffelturm selbst im Bild habt, bietet die Dachterrasse des Hochhauses Tour Montparnasse (geöffnet bis 23:30, Eintritt 21 €).
Hitlers Zerstörungsbefehl und General Choltitz
Springen wir in der Zeit zum August 1944. Die Alliierten rücken unaufhaltsam auf Paris vor, und Adolf Hitler gibt aus Berlin einen klaren und wahnsinnigen Befehl an General Dietrich von Choltitz, den militärischen Kommandanten der Stadt: Paris muss in Schutt und Asche gelegt werden. Denkmäler, Seine-Brücken, der Louvre, Notre-Dame und der Eiffelturm selbst sollten für immer von der Landkarte verschwinden.
Die romantische Geschichte, die oft erzählt (und sogar verfilmt) wird, handelt davon, wie von Choltitz den Befehl aus tiefer Liebe zur Pariser Kultur und Schönheit verweigerte. Klingt wunderbar – doch die Realität war weit prosaischer und pragmatischer. Der General rechnete sich schlicht aus, dass der Krieg verloren war. Er wollte nicht als absoluter Barbar in die Geschichte eingehen oder gleich an einem alliierten Galgen für Kriegsverbrechen enden. Ob ihn nun Pragmatismus oder eine plötzliche Erleuchtung leitete – er ließ die Stadt stehen, und der Turm überlebte seinen zweiten klinischen Tod.
💡 Insider-Tipp: Für das absolut beste Foto mit dem Eiffelturm geht nicht zum überfüllten Trocadéro-Platz. Steuert stattdessen ein Stück weiter die Brücke Pont de Bir-Hakeim an. Dort findet ihr eine wunderbare Stahlkolonnade (ihr kennt sie aus dem Film Inception), die den Turm perfekt einrahmt – bei einem Bruchteil der Menschenmassen.
Durchgeschnittene Aufzugkabel (Sabotage oder Teilemangel?)
Eine weitere populäre Legende rankt sich um dieselbe Zeit der Nazi-Besatzung. Es heißt, stolze französische Widerstandskämpfer hätten unter dem Schutz der Dunkelheit absichtlich die Aufzugkabel am Eiffelturm zerstört. Das Ziel war klar und symbolisch: Wenn Hitler auf die eroberte Stadt herabblicken wollte, hätte er die mehr als tausend Stufen zu Fuß erklimmen müssen.
Es handelt sich um eine klassische Halbwahrheit. Die Aufzüge funktionierten während des Krieges tatsächlich nicht – allerdings lag der Grund eher im fatalen Mangel an Ersatzteilen und dem allgemeinen Zusammenbruch der Wartung in Kriegszeiten. Das klingt zwar deutlich weniger heldenhaft als eine geheime Sabotageaktion mit Zange in der Hand, aber das Ergebnis zählt. Als deutsche Soldaten auf den Gipfel wollten, um eine Hakenkreuzfahne aufzuhängen, mussten sie tatsächlich brav zu Fuß gehen.
💡 Insider-Tipp: Macht niemals ein Picknick direkt unter dem Turm auf den Rasenflächen des Champ de Mars, schon gar nicht nach Einbruch der Dunkelheit. Es ist leider das berüchtigtste Revier der dreistesten Taschendiebe und Betrüger mit falschen Wohltätigkeitsorganisationen in ganz Paris.

Stadt unter der Stadt: Katakomben, Kanalisation und Rohrpost
Wenn ihr mit dem Kinderwagen über die Gehwege manövriert, erinnert euch an eine wesentliche Sache: Was ihr unter den Füßen habt, ist nur eine dünne Kalksteinschale. Das echte Paris ähnelt einem Schweizer Käse. Sein Untergrund ist genauso verschlungen und vielleicht noch faszinierender als die sonnenbeschienenen Straßen. Unter den Füßen der Pariser verbergen sich Tote, Abwasser und vergessene Ingenieurswunder.
Das Reich der Toten in den Pariser Katakomben
Unter dem belebten Platz Denfert-Rochereau im 14. Arrondissement liegt ein unscheinbarer Eingang in eine wahre Unterwelt. Die Katakomben (Les Catacombes) beherbergen die Überreste von unglaublichen sechs Millionen Parisern. Wie kamen sie dorthin? Ende des 18. Jahrhunderts platzten die Friedhöfe im Zentrum aus allen Nähten. Die Situation eskalierte so weit, dass unter dem Druck der verwesenden Leichen und dem Erdreich Kellerwände benachbarter Häuser einstürzten und ein unerträglicher Gestank durch die Stadt zog.
Die Lösung fand sich unter der Erde. Über viele Monate wurden die Knochen nachts heimlich auf Karren aus dem Zentrum in die alten Kalksteinbrüche vor den damaligen Stadtgrenzen transportiert. Heute bilden sie dort makabre, geometrisch präzise Wände aus Schädeln und Oberschenkelknochen. Es ist faszinierend und zugleich ziemlich schaurig – in den Gängen ist es feucht, kalt, und tropfendes Wasser verstärkt die düstere Atmosphäre so sehr, dass mir jedes Mal die Lust auf Konversation vergeht. Aus nachvollziehbaren Gründen gehen wir mit Jonáš nicht hierher – Dunkelheit und enge Räume sind für Kleinkinder wirklich nicht das Richtige.
💡 Insider-Tipp: Eintrittskarten für die Katakomben (29 €) werden genau 7 Tage im Voraus auf der offiziellen Website der Pariser Katakomben freigeschaltet und sind blitzschnell vergriffen. Ohne Reservierung für eine bestimmte Uhrzeit habt ihr keine Chance hineinzukommen – am Eingang werden schon lange keine Tickets mehr verkauft.

2400 Kilometer Kanalisation unter den Boulevards
Während oben im 19. Jahrhundert die breiten, lichtdurchfluteten Boulevards entstanden, erschuf der geniale Ingenieur Eugène Belgrand darunter ein Spiegelnetz. Die Pariser Kanalisation misst kaum vorstellbare 2400 Kilometer. Es ist im Grunde eine verborgene Stadt unter der Stadt. Jede Straße oben hat ihr genaues Gegenstück unten – inklusive blauer Straßenschilder, damit sich die Wartungsarbeiter in diesem dunklen Labyrinth nicht verirren.
Das System ist so massiv und historisch bedeutend, dass es sogar sein eigenes Museum hat. Das Musée des Égouts findet ihr im 7. Arrondissement unweit der Brücke Pont de l’Alma. Ihr lauft hier über Gitterroste direkt über den aktiven Abwasserkanälen. Es riecht ein bisschen (logischerweise), aber die Ausstellung ist hervorragend gemacht und ihr erfahrt eine Menge darüber, wie Paris gegen mangelnde Hygiene kämpfte. Der Schriftsteller Victor Hugo verlegte sogar Schlüsselszenen seiner „Elenden“ (Les Misérables) hierher.
💡 Insider-Tipp: Das Kanalisationsmuseum (Eintritt 9 €, Details auf der Museums-Website) ist ein überraschend guter Plan B, wenn es in Paris unerwartet heftig regnet. Geöffnet ist von Dienstag bis Sonntag, und anders als im Louvre gibt es hier nie Warteschlangen.
Rohrpost und Rohre unter den Füßen

Und jetzt aufgepasst, denn das ist meine absolute Lieblings-Pariser-Kuriosität. Unter den Straßen funktionierte von 1866 bis 1984 ein gigantisches Netz aus Messingrohren – die Rohrpost (poste pneumatique). Sie maß insgesamt 467 Kilometer und verband wichtige Ämter, Banken und gewöhnliche Postämter.
Kapseln mit Briefen sausten darin mithilfe von Druckluft in Windeseile durch die Rohre. Wenn ihr eine Nachricht schneller als per normaler Post durch die ganze Stadt schicken musstet, warft ihr sie ins Rohr, und zwei Stunden später war sie am anderen Ende von Paris. Das System überstand den Deutsch-Französischen Krieg und beide Weltkriege. Den Todesstoß versetzte ihm erst das Fax, moderne Telekommunikation und schließlich die E-Mail. Bis heute liegen aber Reste dieser Rohre vergessen unter den Gehwegen.
💡 Insider-Tipp: Schaut beim Spazierengehen ab und zu mal nach unten. Ihr stoßt auf verschiedene gusseiserne Kanaldeckel und Gitter mit historischen Inschriften, die verraten, wo genau einst die Gasleitung oder eben die alte Post verlief.
Kunst, Diebe und Phantome: Geschichten aus Palästen
Pariser Paläste und Museen wirken wie uneinnehmbare Festungen der Hochkultur. Doch gerade hinter ihren Mauern spielten sich die absurdesten kriminellen und literarischen Geschichten ab. Das berühmteste Gemälde der Welt wäre es nicht, wenn es nicht jemand gestohlen hätte – und die berühmteste Pariser Oper hätte ihre Aura nicht, wenn sie nicht auf Wasser stünde.
Mona Lisa und der Diebstahl, der eine Berühmtheit erschuf
Ehrlich gesagt: Jedes Mal, wenn ich in dieser Menschenmenge stehe und versuche, das kleine Ding über ein Meer von Handys hinweg überhaupt zu erblicken, frage ich mich, wie sie eigentlich zu so einer Berühmtheit wurde. Und dann fällt es mir wieder ein: Ohne eine bestimmte Augustnacht im Jahr 1911 wäre sie vielleicht nur ein weiteres respektiertes Renaissancegemälde, an dem man achtlos vorbeiginge.
Vor 1911 kannten sie nur Kunsthistoriker und Kenner. Alles änderte der 21. August 1911. Vincenzo Peruggia, ein italienischer Glaser und ehemaliger Museumsangestellter, ließ sich über Nacht in einer kleinen Kammer einschließen. Am Morgen nahm er einfach das Gemälde von der Wand, befreite es vom Rahmen, versteckte es unter seinem Arbeitskittel und verschwand durch einen Seiteneingang. Frankreich erlebte einen absoluten Schock. Die Medien entfachten eine Hysterie, Zeitungen druckten das Gesicht des Gemäldes auf ihren Titelseiten. Plötzlich standen Menschen im Louvre stundenlang Schlange – nur um auf die leere Stelle an der Wand zu starren.
Peruggia verbarg das Werk ganze zwei Jahre in seinem bescheidenen Zimmer in Florenz. Er glaubte, das Bild gehöre Italien und Napoleon habe es unrechtmäßig gestohlen (was ein Irrtum war – Leonardo da Vinci hatte es selbst nach Frankreich gebracht). Die Falle schnappte erst zu, als der Dieb versuchte, das Gemälde an eine Florentiner Galerie zu verkaufen. Der Verlust und die triumphale Rückkehr katapultierten die Mona Lisa ins Zentrum der globalen Popkultur.
💡 Insider-Tipp: Lasst euch im Louvre nicht von der Menge bei der Mona Lisa entmutigen. Das Museum ist riesig. Steuert lieber den Richelieu-Flügel an, zu den Apartments Napoleons III. Sie sind unglaublich opulent, geschmückt mit Gold und Kristall – und oft seid ihr dort völlig allein. Der Eintritt in den Louvre kostet 22 € und muss vorab online über die offizielle Website des Louvre reserviert werden.
Phantom der Oper und der echte unterirdische See

Den Roman „Das Phantom der Oper“ von Gaston Leroux aus dem Jahr 1910 kennt dank der Musicals fast jeder. Die Geschichte eines entstellten Musikgenies, das sich im Untergrund der Pariser Oper versteckt und deren Belegschaft terrorisiert, klingt wie reine Fiktion. Doch Leroux ließ sich von wahren Begebenheiten und der realen Architektur des atemberaubenden Palais Garnier inspirieren.
Als der Architekt Charles Garnier 1861 die Fundamente für das neue Opernhaus aushob, stieß er auf ein unerwartetes Problem: Grundwasser drohte das gesamte Bauwerk zu unterspülen. Statt gegen das Wasser zu kämpfen, entschied er sich, es zu nutzen. Er baute eine riesige doppelte Fundamentplatte und schuf dazwischen ein gewaltiges künstliches Becken, das den Wasserdruck stabilisiert. Dieses dunkle, wassergeflutete Kellergewölbe existiert bis heute. Ein Phantom gondelt zwar nicht darin herum, aber der Raum wird regelmäßig von Pariser Feuerwehrleuten zum Tauchertraining in der Dunkelheit genutzt. Noch ein schauriges Detail: Loge Nummer 5, die sich im Roman das Phantom reserviert, wird in der Oper bis heute aus Respekt vor der Legende nicht an reguläre Zuschauer verkauft.
💡 Insider-Tipp: Das Palais Garnier könnt ihr auch ohne Eintrittskarte für eine Vorstellung besichtigen. Eine Selbstführung durch das Innere (inklusive der berühmten Treppe und Chagalls Deckengemälde) kostet 15 € und Tickets bekommt ihr auf der Website der Pariser Oper. Vergesst danach nicht, euch ins Café de la Paix direkt gegenüber zu setzen und das Treiben zu beobachten.
Sternwarte und das Geheimnis Katharinas von Medici

Unweit des Louvre, direkt neben der ehemaligen Markthalle Les Halles, steht das Gebäude der Bourse de Commerce (heute die großartige Galerie für moderne Kunst Pinault Collection). An die Wand dieses runden Baus klebt sich ein eigenartiger, 31 Meter hoher Säulenturm. Er heißt Colonne Médicis und ist das einzige Überbleibsel eines Palastes, der hier einst stand.
Errichten ließ ihn Königin Katharina von Medici im 16. Jahrhundert für ihren persönlichen Astrologen. Die Königin war abergläubisch, glaubte an Prophezeiungen und dunkle Zeichen. In diesem Turm soll sie gemeinsam mit dem Hofastronomen den Himmel beobachtet und das Schicksal aus den Sternen gelesen haben. Manche Legenden behaupten sogar, dass die Königin von diesem Turm aus ihre politischen Intrigen und möglicherweise sogar Giftanschläge plante. Es ist eine faszinierende Erinnerung an eine Zeit, in der Staatspolitik auf Grundlage von Horoskopen betrieben wurde.
💡 Insider-Tipp: Der Eintritt in die Galerie Bourse de Commerce kostet 14 €, aber zur Säule selbst könnt ihr von außen völlig kostenlos gelangen. Drumherum ist heute ein angenehmer Platz, wo ihr in Ruhe euer Mittagessen aus einer nahegelegenen Bäckerei in der Rue Montorgueil essen könnt.
Wenn Paris wehtut: Illusionsverlust im Liveticker
Paris verkauft einen Traum. Der Duft frischer Baguettes, die Chansons eines Akkordeons auf dem Montmartre, elegante Frauen, die im Café de Flore an ihrem Kaffee nippen. Dieses Bild hat sich so tief ins globale Bewusstsein eingebrannt, dass die Konfrontation mit der Realität manchmal wirklich schmerzt. Und zwar mitunter so sehr, dass es dafür eine offizielle medizinische Diagnose gibt.
Paris-Syndrom und gebrochene Touristenherzen
Es heißt Paris-Syndrom (Paris Syndrome). Erstmals beschrieben wurde es 1986 vom japanischen Psychiater Hiroaki Ota, der in einem örtlichen Krankenhaus arbeitete. Es betrifft vor allem japanische Touristen (häufig über dreißig), die mit einer extrem idealisierten, geradezu filmreifen Vorstellung von der Stadt der Liebe und Poesie nach Frankreich reisen.
Statt eines romantischen Empfangs steigen sie mit ihren Koffern am überfüllten Bahnhof Gare du Nord aus (einem notorischen Hotspot für Taschendiebe), quetschen sich in die überfüllte Metro, die im Sommer wirklich nicht nach Veilchen duftet, und werden auf der Straße von Hupen und Stress empfangen. Die Krönung ist dann der erschöpfte Pariser Kellner, der keine Lust auf ihr gebrochenes Französisch hat und ihnen mit null Lächeln die Rechnung auf den Tisch wirft. Das Ergebnis? Ein akuter psychiatrischer Schock. Die Diskrepanz zwischen dem erträumten und dem realen Paris ist für manche Menschen so gewaltig, dass sie Desorientierung, Halluzinationen, Herzrasen, Schwindelgefühle und schwere Paranoia auslöst. Die japanische Botschaft unterhält hier bis heute eine Krisenhotline und behandelt jährlich rund zwanzig schwere Fälle.
💡 Insider-Tipp: Die goldene Kommunikationsregel lautet: Jeden Besuch in einem Geschäft, einer Bäckerei oder jeden Kontakt mit einem Kellner müsst ihr mit einem klaren und deutlichen „Bonjour“ beginnen. Wenn ihr das nicht tut, empfinden es die Einheimischen als grobe Beleidigung – und behandeln euch entsprechend.
TV-Illusion Emily in Paris versus harte Realität
Wenn das Paris-Syndrom den unerwarteten Zusammenstoß mit der Realität verkörpert, ist die Serie „Emily in Paris“ die reine Destillation jener gefährlichen Illusion, die es verursacht. Seit ihrer Premiere polarisiert sie Zuschauer und treibt gebürtige Pariser (und ehrlich gesagt auch uns, die wir die Stadt kennen) in den absoluten Wahnsinn.
Wo wurde diese hochpolierte Version der Stadt gedreht? Das Epizentrum ist die Umgebung der Place de l’Estrapade im 5. Arrondissement, wo ihr ihre Wohnung und die Bäckerei La Boulangerie Moderne findet. Das Problem der Serie ist, dass sie eine Stadt zeigt, die physisch nicht funktionieren kann. Emily rennt in Stilettos über Kopfsteinpflaster (jeder normale Mensch würde sich nach fünf Metern den Knöchel brechen) und bewegt sich überall mit dem Taxi fort. Jeder, der mehr als einen Tag in Paris verbracht hat, weiß, dass der Oberflächenverkehr aufgrund massiver Staus und Fahrradspuren die reinste Hölle ist. Pariser fahren in erster Linie Metro, Fahrrad oder gehen zu Fuß. Die Serie ignoriert die reale Stadt komplett und zeigt Franzosen nur als faule, flirtende Karikaturen – was die Einheimischen verständlicherweise hassen.
💡 Insider-Tipp: Fahrt nicht in die Restaurants und Bäckereien, in denen die Serie gedreht wurde. Sie stehen gerade unter einem enormen Ansturm von Fans und die Preise sind absurd in die Höhe geschossen. Geht stattdessen ein paar Straßen weiter zur Place de la Contrescarpe – dort findet ihr die echte, authentische Café-Atmosphäre des Quartier Latin.
Der dunkle Preis der Schönheit: Haussmanns Umbau
Wenn ihr über die Champs-Élysées oder den Boulevard Saint-Germain spaziert, bewundert ihr diese perfekten, einheitlichen Hausfassaden mit den verzierten Balkonen. Man nennt sie Haussmann-Gebäude, benannt nach Baron Georges-Eugène Haussmann, der von Kaiser Napoleon III. Mitte des 19. Jahrhunderts den Auftrag erhielt, Paris komplett umzubauen.
Heute lieben wir diese Architektur, doch ihre Entstehung war brutal. Haussmann ließ keine neuen Viertel auf der grünen Wiese errichten. Er nahm schlicht ein Lineal und zerschnitt die alte mittelalterliche Stadt kompromisslos. Er ließ unglaubliche 20 % aller damaligen Gebäude in Paris abreißen. Die breiten Boulevards entstanden nicht nur, damit die Stadt atmen konnte. Sie entstanden in erster Linie deshalb, damit dort keine Barrikaden mehr gebaut werden konnten (was die Pariser bei jeder Revolution taten) und die Armee mit Artillerie leicht und schnell durchfahren konnte. Der Umbau brachte zwar Kanalisation und saubere Luft, vertrieb aber Tausende armer Arbeiter aus dem Zentrum an die Peripherie, weil sie sich die neuen Mieten nicht leisten konnten.
💡 Insider-Tipp: Achtet auf die Hierarchie dieser Häuser: Unten waren die Geschäfte, die reichsten Leute wohnten im zweiten Stock (deshalb hat er den schönsten und breitesten Balkon) – weil es damals keine Aufzüge gab und niemand Treppen steigen wollte. In den obersten, kleinen Mansardenzimmern unter dem Dach lebte die Dienerschaft.
Wunder, Narben und berühmte Geister
Die Geschichte von Paris wird nicht nur in Büchern geschrieben, sondern ist direkt in seine Mauern eingeprägt. Manche Narben sind auf den ersten Blick sichtbar, andere muss man suchen. Und dann gibt es Orte, an denen Literatur- und Kunstgeschichte geschrieben wurde – denn Paris war schon immer ein Magnet für Genies und Verrückte gleichermaßen.
Drei Kreuze, die das Inferno in Notre-Dame überlebten
Als im April 2019 die Kathedrale Notre-Dame von Flammen verschlungen wurde, das Bleidach einstürzte und die 850 Jahre alten Eichengebälke verbrannten (wegen der 1200 Bäume, die für sie gefällt wurden, „Le Forêt“ genannt), verfolgte die Welt die Zerstörung live. Am nächsten Morgen, als die Feuerwehrleute endlich das glimmende, von Asche und Schutt bedeckte Innere betraten, bot sich ihnen ein Anblick, der einem das Blut in den Adern gefrieren ließ. Inmitten der totalen Zerstörung leuchtete das unbeschadete goldene Altarkreuz. Und nicht nur dieses eine: Insgesamt überstanden drei Kreuze das Feuer ohne jede Spur. Für Gläubige war es ein klares Wunder, für die Feuerwehr enormes Glück mit den physikalischen Gesetzen und der Heißluftströmung.
Die Kathedrale ist endlich zurück, und ich habe sie letztes Jahr gesehen – es läuft mir immer noch ein Schauer über den Rücken. Denn das Feuer zerstörte zwar das Dach, legte aber gleichzeitig altes Mauerwerk frei, und unter dem Boden wurden dann Bleisarkophage entdeckt, von deren Existenz niemand eine Ahnung hatte.
💡 Insider-Tipp: Der Eintritt ins Kirchenschiff von Notre-Dame ist und bleibt immer kostenlos. Kauft niemals Tickets von Schwarzhändlern vor der Kathedrale. Kostenpflichtig wird nur der Aufstieg zu den restaurierten Türmen (ca. 16 €), der aber erst im Herbst 2025 eröffnet wird.
Wo die Berühmten wirklich lebten (Hemingway, Picasso, Mucha)
Paris prägte die größten Künstler des 20. Jahrhunderts. Ernest Hemingway schrieb hier in Cafés sein „Paris – ein Fest fürs Leben“. Seine Lieblingslokale waren Les Deux Magots und das Café de Flore im 6. Arrondissement. Heute sind es zwar etwas touristisch angehauchte Orte, wo ein Kaffee schon mal 8 € kostet, aber die literarische Aura ist immer noch spürbar.
Pablo Picasso erlebte seine härtesten und kreativsten Jahre (die sogenannte Blaue Periode) in einem halbverfallenen Holzhaus namens Bateau-Lavoir auf dem Hügel Montmartre. Es gab dort kaum fließendes Wasser und keine Heizung, aber hier traf sich die damalige Avantgarde.
Und hier muss ich kurz innehalten, denn die tschechische Spur berührt mich jedes Mal mehr als erwartet: Alfons Mucha teilte sich zu Beginn seiner Karriere ein Atelier mit Paul Gauguin unweit des Jardin du Luxembourg und schuf genau hier in Paris seine ikonischen Plakate für die Schauspielerin Sarah Bernhardt.
💡 Insider-Tipp: Wenn ihr authentische Literaturgeschichte ohne überteuerte Cafés erleben wollt, besucht die englische Buchhandlung Shakespeare and Company gegenüber von Notre-Dame. Genau hier wurde erstmals der berühmte und damals verbotene Roman „Ulysses“ von James Joyce veröffentlicht.
Letzte Tage und Ruhestätte von Legenden (Chopin, Mata Hari, Marie Antoinette)

Paris kann auch grausam sein. Ihre letzten Tage verbrachte hier Königin Marie Antoinette, die in einer Zelle des Gefängnisses Conciergerie (heute ein beeindruckendes Museum mit gotischen Sälen) auf ihre Hinrichtung wartete. Ihre Zelle ist rekonstruiert und wirkt unglaublich beengend. Die berühmte Spionin Mata Hari wurde im Ersten Weltkrieg an der Mauer der Festung Château de Vincennes am östlichen Stadtrand erschossen.
Und dann gibt es die Orte der letzten Ruhe. Der Friedhof Père-Lachaise ist ein riesiger Park voller berühmter Namen. Hier findet ihr das Grab von Frédéric Chopin (der aus Polen nach Paris geflohen war und hier eine stürmische Romanze mit der Schriftstellerin George Sand erlebte), Jim Morrison, Édith Piaf oder Oscar Wilde.
💡 Insider-Tipp: Der Eintritt zum Friedhof Père-Lachaise ist kostenlos, aber es ist ein riesiges Labyrinth. Fotografiert gleich am Haupteingang die große Orientierungskarte mit den eingezeichneten Gräbern berühmter Persönlichkeiten – sonst irrt ihr dort stundenlang umher.
Doppelte Freiheitsstatue und weitere Kuriositäten

Und zum Abschluss ein paar Sachen, die euch etwas den Kopf verdrehen werden. Wusstet ihr, dass New York zwar seine riesige Freiheitsstatue als Geschenk Frankreichs hat, Paris sich aber die Gelegenheit nicht entgehen ließ und sich eigene kleinere Repliken besorgte? Die bekannteste findet ihr auf der schmalen Insel Île aux Cygnes unweit des Eiffelturms. Sie blickt Richtung Amerika, als würde sie ihre große Schwester auf der anderen Seite des Ozeans grüßen. Eine zweite, noch kleinere Version versteckt sich im Jardin du Luxembourg.
Eine weitere Kuriosität ist die Soldatenstatue (Zouave) auf der Brücke Pont de l’Alma. Als 1910 die Seine katastrophal über die Ufer trat, reichte ihr das Wasser bis ans Kinn. Seitdem messen die Pariser den Wasserstand bei Hochwasser bis heute nicht nach offiziellen Pegeln im Internet, sondern danach, wie hoch das Wasser an diesem steinernen Soldaten steht.
💡 Insider-Tipp: Die Insel Île aux Cygnes mit der Freiheitsstatue ist ein wunderbarer Ort für einen ruhigen Spaziergang. Es ist im Grunde eine lange, schmale Baumallee mitten im Fluss, auf der keine Autos fahren und von der aus ihr einen ungewöhnlichen Blick auf den westlichen Teil der Stadt habt.
Praktische Infos: Paris überleben, ohne den Verstand zu verlieren
Paris lässt euch auch logistisch nicht durchatmen. Wenn ihr keine Zeit mit Stress verschwenden und kein unnötiges Geld verlieren wollt, müsst ihr ein paar Grundregeln des Spiels kennen.
Verkehr: Warum Taxis ignorieren und wie die Metro funktioniert
Wie ich schon bei Emily in Paris erwähnt habe: Der Oberflächenverkehr ist tagsüber eine Katastrophe. Mit Lukáš (und dem Kinderwagen zwischen den Zähnen) haben wir gelernt, dass die Metro schlicht die einzige vernünftige Wahl ist – auch wenn sie ihre Tücken hat. Sie ist zwar schnell, fährt alle zwei Minuten und bringt euch überall hin, aber die meisten Stationen stammen von vor hundert Jahren und sind voller Treppen. Rolltreppen funktionieren oft nicht, und Aufzüge gibt es in den alten Stationen schlicht nicht. Wenn ihr mit Kinderwagen reist oder in der Mobilität eingeschränkt seid, ist einzig die vollautomatische Linie 14 komplett barrierefrei (die euch übrigens seit 2024 auch direkt zum Flughafen Orly bringt). Ansonsten verlasst euch lieber auf das dichte Netz der Oberflächenbusse.
Für die Fortbewegung in der Stadt ladet euch unbedingt die offizielle App Bonjour RATP herunter. Wenn ihr von Montag bis Sonntag in Paris seid, lohnt sich der Wochenpass Navigo Découverte (kostet ca. 30 € plus 5 € für die Karte selbst, für die ihr ein kleines Passfoto benötigt). Er gilt für absolut alles, einschließlich der Fahrt vom Flughafen CDG. Für die Anreise ab Deutschland bieten sich übrigens günstige Flüge von Berlin, München oder Frankfurt mit Eurowings oder Lufthansa an – oder ihr nutzt den bequemen TGV ab Frankfurt oder Stuttgart direkt zum Gare de l’Est.
Sicherheit und Pariser Betrugsmaschen 2026
Paris ist grundsätzlich eine sichere Stadt zum Leben, aber die Touristenzonen sind ein Paradies für organisierte Gruppen von Taschendieben und Betrügern. Lasst euer Handy niemals auf dem Tisch einer Café-Terrasse liegen (häufig kommt jemand mit einer Karte auf euch zu, legt sie über das Handy und schnappt es sich unauffällig).
Die hiesigen Gauner haben ihre bewährten Tricks, die sie tagtäglich mit eiserner Regelmäßigkeit an jedem Neuankömmling ausprobieren. Es gibt aber keinen Grund zur Angst – man muss einfach nur ein bisschen wachsam sein.
Die häufigsten Betrugsmaschen, denen ihr aus dem Weg gehen müsst:
- Der goldene Ring: Jemand hebt vor euch auf der Straße (häufig am Louvre) plötzlich einen „goldenen“ Ring vom Boden auf und fragt, ob er euch gehört. Wenn ihr verneint, bietet er ihn euch gegen eine kleine Belohnung an. Es ist ein wertloses Stück Messing. Ignoriert sie und geht weiter.
- Armbänder am Montmartre: Auf den Treppen unter der Basilika Sacré-Cœur stehen Gruppen von Männern, die versuchen, euch eine Schnur oder ein Freundschaftsband ums Handgelenk zu binden. Sobald sie das geschafft haben, fordern sie aggressiv Geld. Hände in die Taschen und zügig weitergehen löst das Problem.
- Falsche Petitionen: Taubstumme (oft nur vorgetäuschte) mit Klemmbrettern und Petitionen bei Sehenswürdigkeiten. Während ihr unterschreibt und einen „Beitrag“ gebt, durchsucht ein anderes Gangmitglied euren Rucksack.
- Schwarzhändler für Eintrittskarten: Ich wiederhole: Der Eintritt in Notre-Dame ist kostenlos. Jeder Verkäufer von Skip-the-Line-Tickets vor der Kathedrale ist ein Betrüger.
Weiterlesen
Wenn Paris euch gepackt hat und ihr euren eigenen Reiseplan zusammenstellen wollt, haben wir weitere ausführliche Guides für euch vorbereitet. Hier findet ihr weiterführende Lektüre:
- Was man in Paris sehen sollte: Kompletter Guide und Routen
- Geheimes Paris: Versteckte Orte ohne Touristen
- Die besten Museen in Paris: Vom Louvre bis zu kleinen Galerien
Häufig gestellte Fragen
Wie erkennt man das echte Paris-Syndrom?
Aus medizinischer Sicht handelt es sich um einen akuten Kulturschock. Er äußert sich durch Schwindelgefühle, Herzrasen, Angstgefühle und tiefe Enttäuschung darüber, dass die Stadt nicht den romantischen Vorstellungen aus Filmen entspricht. Am häufigsten betroffen sind Touristen aus Asien, die den europäischen Großstadttrubel und die direkte Kommunikation nicht gewohnt sind.
Wo genau wurde die Serie Emily in Paris gedreht?
Die meisten Außenaufnahmen findet ihr im 5. Arrondissement an der Place de l’Estrapade. Dort befindet sich das Haus, in dem Emily wohnt, sowie ihre Lieblingsbäckerei La Boulangerie Moderne. Das Restaurant von Gabriel liegt gleich daneben und heißt in Wirklichkeit Terra Nera (in der Serie Les Deux Compères).
Ist das Pariser Untergrund sicher für Touristen?
Der offizielle Teil der Katakomben im 14. Arrondissement und das Kanalisationsmuseum im 7. Arrondissement sind absolut sicher und für Besucher hergerichtet. Versucht aber niemals, in die inoffiziellen, nicht gekennzeichneten Bereiche des Untergrunds einzudringen. Dort gibt es Abgründe, es besteht Verirrungsgefahr, und der Zutritt ist streng illegal.
Wann wurde die Kathedrale Notre-Dame wieder eröffnet?
Das Kirchenschiff der Kathedrale wurde am 8. Dezember 2024 feierlich wiedereröffnet. Der Eintritt ist für alle Besucher kostenlos, es wird aber eine Online-Zeitreservierung empfohlen. Der Aufstieg zu den Türmen wird erst im Laufe des Herbstes 2025 eröffnet.
Lohnt sich der Aufstieg auf den Eiffelturm?
Das hängt von euren Prioritäten ab. Der Ausblick von oben ist zwar schön, aber logischerweise fehlt darin der Eiffelturm selbst. Ein viel besseres und günstigeres Panorama mit dem Turm im Bild bietet die Dachterrasse des Hochhauses Tour Montparnasse oder die Terrasse des Kaufhauses Galeries Lafayette (die übrigens komplett kostenlos ist).
Warum sind die Boulevards in Paris so breit?
Für das heutige Erscheinungsbild des Zentrums ist Baron Haussmann verantwortlich, der im 19. Jahrhundert einen radikalen Stadtumbau durchführte. Die engen mittelalterlichen Gassen ließ er primär deshalb abreißen, damit dort keine Aufstandsbarrikaden mehr errichtet werden konnten und die Armee eventuelle Revolutionen leicht niederschlagen konnte.
Kann man in Paris Leitungswasser trinken?
Ja, das Leitungswasser ist in ganz Paris von sehr guter Qualität und sicher zum Trinken. In Restaurants könnt ihr zum Essen immer kostenlos eine Karaffe Wasser bestellen – sagt einfach die Zauberformel „une carafe d’eau“ (ün karaf do).
Welches ist das älteste Café in Paris, in dem Schriftsteller verkehrten?
Das älteste noch existierende Café ist Le Procope im 6. Arrondissement, das bereits 1686 gegründet wurde. Aus literarischer Sicht sind aber Les Deux Magots und das Café de Flore am berühmtesten – dort verbrachten Ernest Hemingway, Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir ihre Zeit.
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Warum empfehlen wir keine deutsche Versicherung? Weil sie zu viele Einschränkungen haben. Sie setzen Limits für die Anzahl der Tage im Ausland, verlangen bei Kreditkarten-Reiseversicherungen oft, dass medizinische Kosten nur mit dieser Karte bezahlt werden, und begrenzen häufig die Anzahl der Rückreisen nach Deutschland.
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